Autor Thema: Nikon D800 am Mikroskop  (Gelesen 2582 mal)

othum

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #15 am: Januar 04, 2019, 15:09:03 Nachmittag »
Moin in die Runde!

Wie zum Teufel habe ich bloß jemals scharfe Mikro-Aufnahmen auf Kodachrome 25 und Velvia 50 ganz ohne elektronischen Verschluss sondern mit den eingebauten Schlitzverschlüssen von Leicaflex/Leica und CONTAX RTS III zustande gebracht??!!! - und das womöglich auch noch von bewegten Präparaten ... wie war das doch gleich? Komisch, wie schnell über lange Zeit erworbenes Wissen flöten geht - wo es doch an und für sich gerade in der heutigen Zeit schnell und problemlos hervor zu holen wäre.

Nachdenkliche Grüße und ... Prosit Neujahr!

Wolfgang

Hallo Wolfgang,

die Antwort ist relativ einfach! Kurzfassung: Moderne Sensoren haben eine deutlich größere Auflösung als analoges Material, wodurch sich neue Limitierungen ergeben, diese auch auszunutzen.

Langfassung:
Natürlich konnte man schon lange in guter Qualität fotografieren (unabhängig ob am Mikroskop oder "klassisch"). Jahrzehnteland war aber der Film das qualitätslimitierende Element. Es bedurfte eben der Verwendung von K25 und ähnlich "exotischen" Materialien (ggf. kombiniert mit ausgeklügelten Entwicklungstechniken) um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Im Bereich der "normalen" Fotografie brauchten deshalb die Kamerahersteller auch ewig keine neuen Objektive berechnen, selbst beim Aufkommen des Autofokus konnten im wesentlichen auf alte Rechnungen zurück gegriffen werden.

Seit einigen Jahren nun sind aber Sensoren auf dem Markt, die deutlich höher auflösen, als es "alte" Objektive tun. Die Konsequenzen:
1. komplett neue Objektivgenerationen kommen auf den Markt (nebenbei: Ehemalige Billiganbieter wie zB SIGMA bauen nun hochklassige Objektive oberster Güte)
2. Alte Regeln der Fotografie gelten nicht mehr (wohlgemerkt: um maximal mögliche Qualität zu erzielen!)
-Unschärfekreise von 30µm sind wenig sinnvoll als Referenz bei 5µm Pixelabstand am Sensor.
-Abblenden größer als etwa F=13 bringt meist keinen Schärfegewinn mehr da nun bereits beugungslimitiert.
-Auch zB Faustregeln für die Astrofotografie ohne Nachführung (Brennweite*Zeit<400) haben sich überholt.
-Ebenso maximale Belichtungszeiten für verwacklungsfreie Aufnahmen ohne Stativ

Das Ganze überträgt sich natürlich auf die Mikrofotografie. Natürlich erhält man mit den etablierten Methoden (die natürlich nicht vergessen sind, manchmal aber schwierig heute noch umzusetzen. Versuch mal K25 zu kaufen....) Bilder von etablierter Qualität. Aber: Modernes Equipment und moderne Methoden erlauben genau so gute oder sogar bessere Bilder mit deutlich (!) weniger Aufwand. Auch ich fotografiere mit elektronischem Verschluss auf 36MPx Vollformat (die Pentax K-1 hat den gleichen Sensor wie die D800 oder 810), wissend dass die Auflösung der Optik das nicht liefern kann. Das Ergebnis nach Runterskalieren der Aufnahmen sind aber rauschärmere Bilder mit zT leicht verbesserter Auflösung in den Details, eben weil man nicht im Grenzbereich der Auflösung des Sensors arbeitet sondern noch "Reserven" hat.
Mal ganz davon abgesehen, dass heute keiner freiwillig versuchen würde, analog Panorama- oder gar Stackaufnahmen zu erzeugen...

Kurzum: Auch ich habe gerne in der Dunkelkammer gestanden, freue mich heute aber, die Zeit deutlich sinnvoller im Hellen verbringen zu können. Früher war nur mehr Lametta...

cu Oliver

Silber_und_Licht

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #16 am: Januar 04, 2019, 16:37:35 Nachmittag »
Moin in die Runde!

Wie zum Teufel habe ich bloß jemals scharfe Mikro-Aufnahmen auf Kodachrome 25 und Velvia 50 ganz ohne elektronischen Verschluss sondern mit den eingebauten Schlitzverschlüssen von Leicaflex/Leica und CONTAX RTS III zustande gebracht??!!! - und das womöglich auch noch von bewegten Präparaten ... wie war das doch gleich? Komisch, wie schnell über lange Zeit erworbenes Wissen flöten geht - wo es doch an und für sich gerade in der heutigen Zeit schnell und problemlos hervor zu holen wäre.

Nachdenkliche Grüße und ... Prosit Neujahr!

Wolfgang

Hallo Wolfgang,

die Antwort ist relativ einfach! Kurzfassung: Moderne Sensoren haben eine deutlich größere Auflösung als analoges Material, wodurch sich neue Limitierungen ergeben, diese auch auszunutzen.

Langfassung:
Natürlich konnte man schon lange in guter Qualität fotografieren (unabhängig ob am Mikroskop oder "klassisch"). Jahrzehnteland war aber der Film das qualitätslimitierende Element. Es bedurfte eben der Verwendung von K25 und ähnlich "exotischen" Materialien (ggf. kombiniert mit ausgeklügelten Entwicklungstechniken) um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Im Bereich der "normalen" Fotografie brauchten deshalb die Kamerahersteller auch ewig keine neuen Objektive berechnen, selbst beim Aufkommen des Autofokus konnten im wesentlichen auf alte Rechnungen zurück gegriffen werden.

Seit einigen Jahren nun sind aber Sensoren auf dem Markt, die deutlich höher auflösen, als es "alte" Objektive tun. Die Konsequenzen:
1. komplett neue Objektivgenerationen kommen auf den Markt (nebenbei: Ehemalige Billiganbieter wie zB SIGMA bauen nun hochklassige Objektive oberster Güte)
2. Alte Regeln der Fotografie gelten nicht mehr (wohlgemerkt: um maximal mögliche Qualität zu erzielen!)
-Unschärfekreise von 30µm sind wenig sinnvoll als Referenz bei 5µm Pixelabstand am Sensor.
-Abblenden größer als etwa F=13 bringt meist keinen Schärfegewinn mehr da nun bereits beugungslimitiert.
-Auch zB Faustregeln für die Astrofotografie ohne Nachführung (Brennweite*Zeit<400) haben sich überholt.
-Ebenso maximale Belichtungszeiten für verwacklungsfreie Aufnahmen ohne Stativ

Das Ganze überträgt sich natürlich auf die Mikrofotografie. Natürlich erhält man mit den etablierten Methoden (die natürlich nicht vergessen sind, manchmal aber schwierig heute noch umzusetzen. Versuch mal K25 zu kaufen....) Bilder von etablierter Qualität. Aber: Modernes Equipment und moderne Methoden erlauben genau so gute oder sogar bessere Bilder mit deutlich (!) weniger Aufwand. Auch ich fotografiere mit elektronischem Verschluss auf 36MPx Vollformat (die Pentax K-1 hat den gleichen Sensor wie die D800 oder 810), wissend dass die Auflösung der Optik das nicht liefern kann. Das Ergebnis nach Runterskalieren der Aufnahmen sind aber rauschärmere Bilder mit zT leicht verbesserter Auflösung in den Details, eben weil man nicht im Grenzbereich der Auflösung des Sensors arbeitet sondern noch "Reserven" hat.
Mal ganz davon abgesehen, dass heute keiner freiwillig versuchen würde, analog Panorama- oder gar Stackaufnahmen zu erzeugen...

Kurzum: Auch ich habe gerne in der Dunkelkammer gestanden, freue mich heute aber, die Zeit deutlich sinnvoller im Hellen verbringen zu können. Früher war nur mehr Lametta...

cu Oliver

Lieber Oliver,

ich sage es Dir nur ungern, aber bedingt durch meinen Beruf photographiere ich seit 1994 mit digitalen Kameras am Mikroskop, habe einen guten teil der Entwicklung miterlebt und weiß also schon so annähernd wovon bei dem Thema die Rede ist. Allerdings hatte ich vorher schon rund 10 Jahre Mikroknipserei mit Film und allen dazu gehörenden technischen Vorgängen hinter mir Davor war auch nicht nix sondern technische Photographie mit allem möglichen Gerät von Mikroverfilmung bis Großformat. Daher nehme ich mir die Freiheit, zu behaupten dass ich auch früher schon scharfe Aufnahmen am Mikroskop produzieren konnte, mit und auch ohne Blitz, mit Kleinbild, Mittelformat und Großformat ... und zwar solche die auch heute den technischen Vergleich nicht scheuen müssten. Hätte ich das nicht gekonnt hätte ich mir einen anderen Job suchen können.

Ganz davon abgesehen ist es für die Frage ob Blitz scharfe Bilder am Mikroskop gewährleistet oder nicht, ziemlich unerheblich ob mit Film oder mit Sensor photographiert wird: Unscharf ist und bleibt unscharf und eine Sensorauflösung von 36Mp+ nutzt Dir bei einem Bild, welches Du mit einem PlanApo 63/1,4 aufgenommen hast, auch nicht wirklich weiter.

Freundliche Grüße

Wolfgang

p.s.: vielleicht erklärst Du mir noch, wie Du bei K25 oder Velvia die Entwicklung hättest optimieren wollen? ;D
« Letzte Änderung: Januar 04, 2019, 17:04:17 Nachmittag von Silber_und_Licht »
"Du" fänd' ich ganz in Ordnung.

das Schönste: ZEISS Lumipan
das Liebste: LEITZ Panphot II, Ortholux
das Beste: ZEISS Axiomat

eine etwas umständliche Vorstellung: www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28652.0

Lungu

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #17 am: Januar 04, 2019, 16:48:52 Nachmittag »
Lieber Wolfgang,

natürlich gibt es schon länger die Möglichkeit auch mit größeren Filmformaten Mikroaufnahmen zu machen. Weit verbreitet war 4x5" , oder auch Polaroid.

Ja und Blitzen ging auch. Bei den großeren Blitzgeräten waren die Blitzröhren getrennt, also kein Problem. Nur mit Blitzlichtpulver habe ich noch nichts gesehen.


Grüße Lungu
 
Grüße Lungu

Silber_und_Licht

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #18 am: Januar 04, 2019, 17:26:17 Nachmittag »
Lieber Lungu,

die Großformatphotographie war nicht nur "schon länger" möglich. Es war die frühe Form schlechthin, lange vor den kleineren Formaten. Aber das war spätestens in den 1950er Jahren weniger eine Sache der Schichtauflösung jener Zeit als vielmehr ein Sache der Weiterverarbeitung. Genauso wie heute in den Photostudios, die noch vor 20 Jahren im Wesentlichen auf Großformat (9x12 und größer, 13x18 war das Standardformat der Produktphotographie) gearbeitet haben, heute mit viel kleineren Formaten auskommen. Das liegt auch hier nicht an der großen Detailauflösung der großen Formate sondern z.B. an der Druckvorstufe und der Notwendigkeit der Farbseparation für den 4-Farbdruck. Diesen ganzen Bereich deckt heute die elektronische Bildverarbeitung ab und macht die Farbenseparation in 4 Kanäle fertig für den Offsetfilm -Belichter mit einem Mausklick wo früher eine Klischee-Anstalt mit großen Reprokameras und Fachpersonal darauf achten mussten ja keine Passerungenauigkeiten zu produzieren. DAS war ein ganz wesentlicher Grund für die großen Formate.

Nur um es noch etwas zu vertiefen: die in den Reprokameras der klischee-Anstalten eingesetzten Apochromaten waren da nicht verbaut weil sie eine sehr hohe Auflösung ergeben - die leisteten sie oft garnicht - sondern das Kriterium war die Apochromasie, d.h. die Objektive hatten bei einer möglichst hohen Kontrastleistung (für die Herstellung der Rasterfilme) eine möglichst perfekte Deckung aller Farbkanäle zu gewährleisten. Also kein Farbvergrößerungsfehler, kein Farblängsfehler. Wenn das nicht stimmt gibt es sehr schnell Moiré im fertigen Druck

Die o.a. Blitzbirnchen - ja, theoretisch ginge das sogar mit einem Pulverblitz - habe ich Scherzkeks natürlich als extremes Beispiel aufgeführt. Automatische Blitzbelichtungsmessung ist aber damit genauso denk- und machbar. Vorausgesetzt natürlich, die Kamera kann das - meine kann es.

Freundliche Grüße zum Wochenende

Wolfgang
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Lupus

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #19 am: Januar 04, 2019, 17:43:01 Nachmittag »
Hallo,

kann mir mal jemand ein konkretes Anwendungsbeispiel im Vergleich zeigen, in dem man den Vorteil eines 36MP Sensors wirklich sieht? Ich halte die Diskussion für ziemlich akademisch. Entweder ist das Objektiv beugungsbedingt limitierend, oder die Tiefenschärfe. Stacken fördert ebenfalls nicht die Auflösung. Und zum Betrachten benötige ich ebenfalls keine 36MP ....

Hubert

sushidelic

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #20 am: Januar 04, 2019, 18:33:34 Nachmittag »
Hallo zusammen,

so einfach lasse ich mir einen großen, hochauflösenden Sensor selbst bei höchsten Vergrößerungen nicht ausreden ;). Ich versuche mal zu erklären warum.

Erstmal Abbe bei 450nm und ein 60er 1.4NA mit immergierten 1.4er Kondensor:

0.61x450/(2x1.4) = 196nm maximale Trennung zweier Punkte

Dann die nm per Pixel, bei einem Pitch von 4,87µm (Nikon D800), ich projeziere direkt von der Tubuslinse einen ~28mm Bildkreis auf den Vollformatchip, da ich den gesamten Bildkreis ablichten will:
4870nm/60x =  81nm pro Pixel

Das sieht ja erstmal gut aus.-----> Jetzt kommt das "aber":

Punkt 1: Bayermatrix: Für die optimale Auflösung sollte man einen RGB Bayerpixelarray als einen Pixel betrachten (wenn man nicht monochrom fotografiert), also 4.87nm x 2, oder die Hälfte der Auflösung, also 162nm per "RGB-Pixel"

Sieht ja immer noch gut aus.-----> Jetzt kommt das nächste "aber":

Punkt 2: nur wenn man das Abtast-Theorem von Nyquist-Shannon ausser Betracht lässt. Möchte ich also zwei Punkte noch einwandfrei trennen können, oder anders gesprochen, mit maximal möglicher Qualität fotografieren, brauche ich mindestens die doppelte Abtastrate.

Jetzt sieht das ganze schon anders aus. Wenn man jetzt noch evtl. Rauschunterdrückung etc. in Betracht zieht, sollte zur maximalen Qualität etw 3x oversampled werden, damit man später eine saubere Dekonvolution machen kann.
Also spricht sogar nichts dagegen, in dem Fall mit einem 2x Optovar den ganzen Chip auszuleuchten, das bringt sogar ein mehr an Detail und nicht nur leere Vergrößerung.

Jetzt bleibt die Frage - wer braucht denn das und muss das denn sein?
Ich finde Postergröße prima und stecke häufig so einen Haufen Arbeit in ein einzelnes Bild, dass ich einfach das maximale Feld und die maximale Qualität/Auflösung haben will.

Ich hänge mal ein Extrembeispiel einer Amphi an (hatte ich auch schon gezeigt) - hier fotografiert mit einer monochromen (kein Bayerpattern!) Vollformatkamera mit 24MP, 5.5µm Pixelpitch.
Objektiv Olympus PlanApo 60x / 1.42, immergierter Kondensor 1.4, kreuzpolarisiert, 2x Optovar, also 120x auf dem Sensor (mit Vignettierung wegen temporärer Kameraadaption), Licht @450nm - die Schärfe ist über das gesamte Feld identisch. Ob sich das lohnt, muss eben jeder für sich selbst entscheiden.

Angehängt ist einmal
-der volle Chip runterskaliert auf 18%
-ein 100% Auschnitt
-derselbe Ausschnitt nochmal auf 400X skaliert.

LG Michael



« Letzte Änderung: Januar 04, 2019, 18:36:45 Nachmittag von sushidelic »

Lupus

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #21 am: Januar 04, 2019, 18:58:12 Nachmittag »
Hallo Michael,

mir fehlt da erstens der Vergleich wie das Ganze mit einer geringeren Sensorpixelzahl aussieht, zweitens eine farbige Darstellung der Objekte da das monochromatische Ausreizen der Objektivauflösung ein sehr spezielles Hobby ist, und drittens bleibt die Frage nach der Notwendigkeit so großer hochauflösender Bildfelder bei so kleinen Objekten.

Hubert

othum

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #22 am: Januar 04, 2019, 19:16:38 Nachmittag »
Lieber Wolfgang,


Lieber Oliver,

ich sage es Dir nur ungern, aber bedingt durch meinen Beruf photographiere ich seit 1994 mit digitalen Kameras am Mikroskop, habe einen guten teil der Entwicklung miterlebt und weiß also schon so annähernd wovon bei dem Thema die Rede ist.

Dann stellt sich mir die Frage, wieso Du Deine Fragen nicht selber beantworten konntest? Deine Contax wird sicher inzwischen auch in einer Vitrine liegen...


Zitat
Ganz davon abgesehen ist es für die Frage ob Blitz scharfe Bilder am Mikroskop gewährleistet oder nicht, ziemlich unerheblich ob mit Film oder mit Sensor photographiert wird: Unscharf ist und bleibt unscharf und eine Sensorauflösung von 36Mp+ nutzt Dir bei einem Bild, welches Du mit einem PlanApo 63/1,4 aufgenommen hast, auch nicht wirklich weiter.

Das hat auch keiner in Abrede gestellt, bzw behauptet...

Zitat
p.s.: vielleicht erklärst Du mir noch, wie Du bei K25 oder Velvia die Entwicklung hättest optimieren wollen? ;D
Bei K25 natürlich nicht, aber unter die von mir zitierten "ähnlich "exotischen" Materialien" fällt dann zB ein APX25

cu Oliver

sushidelic

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #23 am: Januar 04, 2019, 19:30:46 Nachmittag »
Hallo Hubert,

die Pixelanzahl wäre hier nicht entscheidend, sodern die Pixelgröße (pitch). Bei gleicher Pixelgröße und geringerer Anzahl wäre eben das Bildfeld entsprechend kleiner. Ich bin mit ca. 5µm Pixeln ganz zufrieden. Bei Farbfotografie gilt das von mir oben gesagt, da sollte eigentlich im besten Falle die Pixelgröße halbiert werden, was die Pixelanzahl vervierfacht gegenüber monochrom.

Ich muss mal mein Archiv durchschauen, ob ich eine relevante Farbaufnahme finde. Die Amphipleura ist hier vielleicht ein schlechtes Beispiel, leider habe ich noch keinen der schönen Histoschnitte von Ronald noch nicht adequat abgelichtet, das wäre als Beispiel vermutlich besser geeignet gewesen.
Es ging mir hier ja eher darum zu zeigen, dass sogar monochrom bei höchster Vergrößerung ein großer Sensor mit vielen Megapixeln Sinn machen kann. Man bewegt sich meines Erachtens (entsprechende Qualität/FN der Optik und Adaption der Kamera vorausgesetzt) noch nicht im Bereich der leeren Vergrößerung, und ein größeres Feld ist ja auch absolut wünschenswert. Als Alternativbeispiel sei die Jagd nach schnellen Ciliaten genannt, da ist es schon angenehm, wenn sie nicht mitten im "Schlüsselloch" sein müssen, da der abgedeckte Bereich durch den großen Sensor doch deutlich größer ist, auch wenn man später lange nicht die gesamte Größe nutzt. Meine Überlegungen bei den Anschaffungen zur Mikrofotografie waren daher ganz klar: Maximales Feld mit maximaler Qualität. Was man lichtmikroskopisch ablichten kann, will ich auch auf dem Sensor sehen, und davon möglichst viel auf einmal.

Ich finde, auch das Kleine hat es verdient, hochauflösend abgelichtet zu werden. Ein messerscharfer Histoschnitt in 36MP lässt wunderbare Spaziergänge zu. Im Umkehrschluss könnte man genau so sagen: Warum brauche ich so viele Pixel in meiner Kamera, wenn die Berge, die ich fotografiere, doch so weit weg sind?

LG Michael

PS: Für alle, die sich wie ich auch für neue Chips etc. interessieren - ich habe da einen neuen Liebling ;) - Sony IMX183 (Exmor Starvis). Da gibt's schon Fertiges von Point Grey / Flir z.B, und auch als Astrokamera von ZWO... Das Teil ist sicher der Knüller am Mikroskop.

Lupus

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #24 am: Januar 04, 2019, 19:59:57 Nachmittag »
Hallo Michael,

es geht schon um die Pixelzahl, da die Frage ja lautet ob ein 36MP Sensor noch einen Vorteil bringt. Die Pixelgröße ist natürlich ein zusätzliches Thema bzgl. Rauschen. Jetzt kann man sicherlich verschiedene Äpfel mit Birnen vergleichen wenn man auch noch von unterschiedlicher Sensorgröße ausgeht, aber das war vermutlich nicht gemeint. Das Abtast-Theorem ist m.E. bei den heutigen kamerainternen rechnerischen Korrekturen nicht 1:1 anwendbar.

Ich bezweifle ja nicht, dass man einen maximalen Sensor einsetzen kann und ein gutes Gefühl dabei hat, aber die Frage nach dem konkreten qualitativen Vorteil bleibt. :)

Hubert

sushidelic

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #25 am: Januar 04, 2019, 21:03:54 Nachmittag »
Hallo Hubert,
36 scharfe Megapixel mit großem Feld sind mir lieber als weniger Pixel mit kleinerem Feld. Das gilt in der Mikroskopie wie in der normalen Fotografie. Da ist zumindest für mich der Vorteil.
LG Michael

Lupus

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #26 am: Januar 04, 2019, 21:21:16 Nachmittag »
Hallo Michael,
das ist reichlich trivial. :)
Aber das ist nicht die Frage...

Hubert

Silber_und_Licht

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #27 am: Januar 04, 2019, 23:23:21 Nachmittag »


Lieber Oliver,

dass meine oben mir selbst gestellte Frage eher akademischer Natur war, sollte eigentlich unschwer zu erkennen sein. Du hast mit Deinen Ausführungen eher eine Frage beantwortet die keiner - oder zumindest ich nicht - gestellt hat, denn es ging mir im Wesentlichen um die Nutzung von Blitzlicht zur Vermeidung von Unschärfen durch woher auch immer kommende mechanische Schwingungen. Nebenbei auch um die mechanische Entkopplung von Mikroskop und Kamera, was ich ebenfalls stark präferiere.

Damit möchte ich es auch bewenden lassen.

Gute Nacht!

Wolfgang


« Letzte Änderung: Januar 04, 2019, 23:31:35 Nachmittag von Silber_und_Licht »
"Du" fänd' ich ganz in Ordnung.

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Orthoplan

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #28 am: Januar 05, 2019, 06:39:48 Vormittag »
Guten Abend

Ich, gibt aber nur Ausschuss. Sie baut zu viele Vibrationen ...

Die optimale Lösung von Nikon ist die D850, die D810 hat auch schon einen elektronische Verschluss. Mit den letzten beiden habe ich zusammen 300 000 Auslösungen im Mikro- und Makrobereich ...

Liebe Grüße

Gerhard

Hallo, Gerhard:

Neben der alten Sony NEX-5N am Nikon Eclipse 400 (via direkter Projektion auf den Kamerasensor), verwende ich auch die Nikon D810 am Ortholux und Orthoplan (Projektion via Okular und Relaislinse auf den Kamerasensor). Beim elektronischen Verschluss, muss ich mit der D810 immer zweimal auslösen, bevor ein Bild aufgenommen wird. Die NEX-5N schafft das in einem Zug. Ist die D850 besser als die D810 bezüglich dem elektronischen Verschluss (electronic-first-curtain shutter)?

Nebenbei möchte ich noch das folgende hinzufügen. Bezüglich der Pixelgrösse und der Anzahl Pixels, kann ich keine Unterschiede zwischen der NEX-5N (16MP) und der D810 (36MP) beim Fotografieren am Mikroskop feststellen. Die D810 hat einen sehr guten Dynamikbereich bei ISO 64. Also brauchbare Vorteile hat die D810 für mich schon. Ohne elektronischen Verschluss würde ich sie aber nicht verwenden (z.B. die ältere Nikon D800). Ein Nachteil der D810 ist auch ihr sagenhaftes Gewicht von fast einem Kilogramm.

Gruss,

Gregor
« Letzte Änderung: Januar 05, 2019, 06:41:25 Vormittag von Orthoplan »

Peter V.

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Re: Nikon D800 am Mikroskop
« Antwort #29 am: Januar 05, 2019, 11:24:47 Vormittag »
Hallo,

für die Experten unter Euch mögen die Diskussionen über Pixeldichte und Abstände, Bayermaske, Rauschverhalten und die notwendigen Pixel in Abhängigkeit von der n.A. ja äußerst erbaulich sein - dem interessierten Anwender bringen sie - ehrlich gesagt - wenig. Vor allem übersteigt es die Vorstellungskraft der meisten Anwender, inwieweit sich all diese Faktroen letztlich konkret im Bild auswirken. Und zwar bein den üblichen OBjekten, die mikrofotografiert werdne, nicht bei Extremobjekten und extremen bedingungen.
Nur, wenn man diese Auswirkkung einschätzen kann, kann man auch kompetent entscheiden, ob sich die Anschaffung eines 800 - 2000 EUR teures Bodies für das Mikroskop lohnt oder ob es nicht eben auch eine gebrauchte EOS 500D mit ca. 15 MP "tut".

Was mich tatsächlich an diesen Diskussionen immer arg befremdet, ist die Tatsache, dass - obgleich des doch um gerade um Fotos geht - hier so wenig durch Fotos belegt wird! Ich erinnere mich, dass Peter Höbel, der sich früher oft an solchen Diskussionen beteiligt oder sie sogar initiiert hat, stets durch umfangreiches bildliches "Beweismaterial" seine Äußerungen belegt hat. Auch Heike hat mal durch eine Versuchsreihe mit einer (schon älteren) Nikon die Auswirkung des Verschlußschlages bei verschiedenen Belichtungszeiten deutlich gezeigt.

Dass ein Mehr an Pixeln und eine bessere Pixelgeometrie/ - größe etc. theoretisch besser ist, glaube ich ja durchaus. Aber dennoch bleibt die berechtigte Frage: Sieht man das hinterher wirklich im Bild? Wohl kaum ein Hobbyfotograf lässt seine Bilder auf Plakatwandgröße ausbelichten. Ein Poster an der Wand von vielleicht 90 x 60 cm dürfte in aller Regel das Maximum sein, die meisten Bilder kommen wohl über das ca. 13 x 18-Stadium hinaus - wenn sie nicht komplett elektronisch bleiben. Wenn man natürlichh weit in das Bild hineinzoomt, wird man - das glaube ich gerne - Unterschiede sehen. (Obwohl mich da natürlich auch ein Vergleich durchaus interessieren würde.) Und natürlich wird mit der Extremvegrrößerung einer Amphipleura auch immer ein Extrembeispiel gezeigt. Die meisten Mikroskopiker fotografieren als histologische Schnitte und Tümpelobjekte und haben nicht das Bestreben, bildlich Amphipleura-Poren in fast REM-Qualität darzustellen.

Roanld Schulte hat bereits jahrelang allgemein als hervorragend anerkannte Bilder mit seiner 3-MP-Moticam-Kamera erstellt, auch die Bilder von Martin Kreutz mit einer alten Olympus (die ziemlich sicher weniger als 5 MP hatte) gelten als quasi "Standard" hinsichtlich ihrer Qualität. Brächten bei diesen Objekten 36 MP wirklich noch (erkennbare!!) Vorteile?

Ich weiß es nicht (und das meine ich ernst!) Ich weiß es wirklich nicht, würde es aber gerne wissen und fände es daher gut, wenn in solchen Diskussionen wieder mehr Fotos (vor allem Vergleichsfotos) gezeigt würden.

Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: Januar 05, 2019, 11:28:03 Vormittag von Peter V. »
Bzgl. Netiquette: Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959 - 1969: You can say you to me!
"Die Natur kennt keinen rechten Winkel" (Herbert Knebel)