Autor Thema: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung  (Gelesen 507 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« am: Februar 13, 2019, 08:16:04 Vormittag »
Kernschwarz ist nicht mehr im Handel.

Als Ersatz habe ich habe bei der Firma Tintenmanufaktur Jansen, Forststraße 15, 56593 Horhausen (Westerwald) eine Flasche (35 ml) Eisengallustinte gekauft.
Preis pro Einheit 12,50 Euro.

Für den gezeigten Spross der Dornigen Ölweide (Elaeagnus pungens) wurde eine Dreifachfärbung mit Acridinrot/Chrysoidin als Gegenfärbung wie folgt präpariert:
Die in 70% Ethanol aufbewahrten Schnitte wurden dann über Alkoholstufen abnehmender Konzentration (50%, 30%) in Wasser gewaschen.

Die Färbung erfolgt in drei Schritten.
Erste Färbung für 8 Minuten mit Chrysoidin, überschüssige Farbe wird in Wasser ausgewaschen.
Zweite Färbung für 12 Minuten in Acridinrot, überschüssige Farbe wird in Wasser ausgewaschen.
Dritte Färbung mit Eisengallustinte für 30 Minuten. Überschüssige Farbe wird wiederum mit Wasser ausgewaschen.
Die gefärbten und gewaschenen Schnitte werden dann in Alkoholstufen zunehmender Konzentration (30%, 50%, 70% und 100% Isopropylalkohol) entwässert.
Einschluss in Euparal.

Bild 01


Bild 02


Bild 03


Bild 04


Doch zunächst einmal wünsche ich viel Freude beim Betrachten der Bilder.

Hans-Jürgen
Rück die Dinge ins richtige Licht und sie werden leuchten.

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Rolf-Dieter Müller

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #1 am: Februar 13, 2019, 12:47:36 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

jetzt wird es spannend. Besten Dank für die Einstellung dieser Färbung, der man schon einiges entnehmen kann.

Erst einmal, Eisengallustinte scheint eine Möglichkeit zu sein, in Richtung Kernschwarz-Färbung ersetzen.

Eine Differenzierung liginifizierte und nicht-lignifizierte Zellwände ist ja zu erkennen.

Kann es sein, dass in der Eisengallustinte etwas Blau (Methylenblau?) enthalten ist? Der violette Farbton weist ggfs. darauf hin.

Ich würde die Eisengallustinte-Färbung anfangs stellen und wenn bei Lupenkontrolle lignifizierte Bereiche nicht angefärbt werden, durchaus 1 - 2 Stunden bei verdünnter Tinte färben und danach sehr gut auswaschen. Dann mit Acridinrot und Chrysoidin, ggf. simultan nachfärben.

Noch etwas. In der Literatur wird bei der Anwendung der Kernschwarz-Lösung-Färbung immer wieder auf eine Vorbehandlung mittels Bleichen verwiesen. Das kann man mit verdünnten Klorix oder Eau de Javelle machen und nach auswaschen mit 3%iger Essigsäure neutralisieren. Nach meiner Erfahrung ist das von Vorteil. Ich verwende Eau de Javel (ohne "le") vom Drogeriemarkt "dm".

Viele Grüße,
Rolf-Dieter

Hans-Jürgen Koch

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #2 am: Februar 13, 2019, 14:28:38 Nachmittag »
Lieber Rolf-Dieter,

damit die Tinte beim Schreiben besser sichtbar ist, wird noch ein Farbstoff wie Methylblau hinzugegeben, der später verblasst. Dies wurde bei den Vertragstinten teilweise als Stilelement ausgenützt. Die Tinten schrieben schwarzblau und wurden nach dem Trocknen mehr oder weniger schwarz.
https://de.wikipedia.org/wiki/Eisengallustinte

Blauviolette oder grüne Tinten erhält man mit alkoholischen Tanninlösungen.

http://www.seilnacht.com/Lexikon/fproj15.html
http://www.chemieunterricht.de/dc2/phenol/tinte.htm

Ich werde weitere Versuche durchführen und mir Eau de Javel  kaufen.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Fahrenheit

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #3 am: Februar 13, 2019, 17:57:07 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

ein interessanter Färbeversuch! Beim Rätseln, was Kernschwarz eigentlich ist, bin ich auch am Wikipediaartikel mit der Eisengallustinte vorbei gekommen. Da ist ja noch Gummi Arabicum drin, um die Tinte zu stabilisieren und für die Feder "gängiger" zu machen.

Eventuell ergibt ein Ansatz ohne dieses bessere Ergebnisse? Methylenbau kann man dann auch gleich weg lassen. Es muss nur die Oyxidation sicher gestellt werden, die erst den schwarzen Farbton hervor bringt. Beim Schreiben geschieht das an der Luft, wie im Wikipediaartikel beschrieben.
Das dürfte die eigentliche Schwierigkeit sein ...

Herzliche Grüße
Jörg
 
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Klaus Herrmann

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #4 am: Februar 13, 2019, 18:07:21 Nachmittag »
Hallo zusammen,

ich habe in meinen Präparatesilo einen Schnitt durch Seerosenblatt gefunden, der mit Direkttiefschwarz gefärbt ist. Wenn man das so anschaut würde ich vermuten, dass das eine Alternative sein könnte.
Ein Schuss, keine Klimmzüge..

Schnitt und Färbung sind nicht von mir.

Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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beamish

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #5 am: Februar 13, 2019, 19:18:32 Nachmittag »
"Kernschwarz" ist offenbar kein eindeutiger Begriff. Man versteht darunter 1. einen Farbstoff für die Malerei, hergestellt aus verkohlten Pfirsichkernen, verwand mit dem Frankfurter Schwarz, das aus verkohlten Reben und Tresterrückständen gewonnen wird. Und 2. ein aus Eisenoxyd gewonnener Fabstoff, wie der Gallustinte.
Siehe z.B.: https://books.google.de/books?id=3-fsBQAAQBAJ&pg=PA43&lpg=PA43&dq=%22kernschwarz%22&source=bl&ots=rwh74BPMus&sig=ACfU3U2Lix0oFAxhj1K1NaduFZh0CRGuFQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjwirGWpbngAhUQ2aQKHRQgC0UQ6AEwDnoECAMQAQ#v=onepage&q&f=false
Letzteres wurde nach der Literatur von der Firma Grübler in Leipzig vertrieben.
Ähnlich soll Eisen-Hämatoxylin sein:
https://books.google.de/books?id=D0LPBgAAQBAJ&pg=PA194&lpg=PA194&dq=%22kernschwarz%22&source=bl&ots=YV8ARDewBa&sig=ACfU3U3gEjdix8WL69MNM6pYHoV36_3ISg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjwirGWpbngAhUQ2aQKHRQgC0UQ6AEwDXoECAAQAQ#v=onepage&q&f=false
Das gibt es noch hier:
http://www.o-kindler.de/faerbereagenzien.php

Herzlich
Martin

Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Horst Wörmann

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #6 am: Februar 14, 2019, 10:40:47 Vormittag »
Liebe Kollegen,
bevor da weiter über Kernschwarz gerätselt wird:

Das Kernschwarz als mikroskopischer Farbstoff wurde erstmals 1887 erwähnt.
Platner, Gustav: Mittheilungen zur histologischen Technik. Zeitschr. f. wiss. Mikrosk., Bd. IV, 1887, S. 349. Verwendung für zoologische Präparate, insbesondere Kernfärbungen.
Er schreibt, daß der Farbstoff von Rußland importiert wurde und von Grübler in Deutschland vertrieben wurde. Über die Zusammensetzung gab es schon damals keine genauen Angaben, nur die "Verwendung einer organischen Säure mit einer Metallbase". Näheres weiß man bis heute nicht, manche glauben sogar, Kernschwarz enthalte Schwefelsäure.
Harms beschreibt das Kernschwarz auf einer halben Seite unter der Rubrik "Mikrofarbstoffe unbekannter Konstitution bzw. Zusammensetzung" (Herbert Harms, Handbuch der Farbstoffe in der Mikroskopie. Staufen-Verlag Kamp-Lintfort, 1965, S. II/336).
Weil der Farbstoff schon früh Rätsel aufgab, wurde eine Variante ausprobiert und von Grübler & Hollborn in den Handel gebracht. Das neue Verfahren stammt von P. Mayer (P. Mayer, Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie 26, S. 518, 1909). Es beruht auf Eisenchlorid, Gallussäure und Ammoniak. Mayer färbt damit Glykogen sehr selektiv an. Wird aber auch in der Botanik beschrieben: "Cellulosewände werden sehr schön und haltbar gefärbt, besonders wenn man die Schnitte vorher mit Eau de Javelle vom Zellinhalt befreit hat".

Ich denke, wir werden das in Bonn mal versuchen.

Viele Grüße
Horst Wörmann


Hans-Jürgen Koch

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Re: Kernschwarz/Acridinrot/Chrysoidin Färbung
« Antwort #7 am: Februar 15, 2019, 09:03:00 Vormittag »
Guten Tag,

danke an alle Beteiligten für euer Interesse an diesem Färberezept.
Ich werde weiter experimentieren, die letzte Färbung von Rolf-Dieter ist spitze.

Gruß
Hans-Jürgen
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