Autor Thema: Frühjahrstümpeln und Test einer neuen Software für Video-Kameras  (Gelesen 515 mal)

Alfons Renz

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Frühjahrstümpeln und Test einer neuen Software für Video-Kameras
« am: März 02, 2019, 18:39:42 Nachmittag »
Liebe Tümpler,



Für die beiden Unentwegten, die heute Morgen am Hirschauer Baggersee tümpelten, hat sich das Frühaufstehen trotz des suboptimalen Wetters durchaus gelohnt: Phytoplankton war zwar außer einem Dinobryon und sehr wenigen Fadenalgen kaum zu finden. Auch keine Asterionella, die 2016 so häufig waren:



und kaum Dinobryon, die letztes Jahr im April dominiert hatten:



Dafür reichlich Zooplankton:



Ene reiche Vielfalt von Wasserflöhen, Hüpferlingen und Rädertierchen.



Ein Hüpferling, automatisch gestackt.

Am Nachmittag (das Plankton hält sich leider nicht lange, wie man leicht erkennt!) habe ich die Gelegenheit genutzt, um das neue Capture2-Programm für die TUCSEN-Video-Kamera zu testen: Man kann damit ganz 'automatisch' Stitchen und Stacken, also Bilder zusammenfügen und Focusschichten überlagern. Fast alle Hüpferlinge waren dicht mit Glockentierchen besetzt: Das Bild des Hüpferlings mit den Glockentierchen zuerst als einzelne Aufnahme:

Man sieht nur eine Vorticella scharf.



Nach Druck auf die Stacking-Taste und 'Durchfokussieren' erhält man innerhalb einer Sekunde das gestackte Bild: Man sieht nun alle Glockentierchen scharf, aber auch, dass sich die Antenne und, natürlich auch die Glockentierchen, etwas bewegt haben:



Dazu nun die Bilder desselben Wasserflohs, die ich zuerst nur gestitcht  (mit Capture2) und dann gestackt (Fokus-Ebenen verschmolzen) UND gestitcht habe. Das gestitchte Bild ist bereinigt, das gestitchte und gestackte Bild ist nur in der Größe reduziert.

Zuerst das gestitchte Bild:



Zum automatischen Stitchen klickt man die Funktion an und bewegt man das Objekt langsam bei ca. 30 ms/Bild unter dem Objektiv. Das Programm fügt die Video-Bilder automatisch zusammen. Das ist in Sekunden fertig! Die im Dunkelfeld unvermeidlichen Leuchtflecken und Verunreinigungen habe ich mit IRVANVIEW  herausgestempelt.

Dann das gestackte UND gestitchte Bild, wobei das Stitchen dann leider (noch) nicht automatisch gemacht werden kann.


Bild gestackt UND gestitcht, aber nicht bereinigt. Die 2 gestackten Bilder wurden mit Microsoft Image Composite Editor zusammengefügt)

Es ist faszinierend, was man heute alles mit kostenlosen Programmen erreichen kann, wobei meine Bilder allenfalls erste Versuche sind und sich sicher ganz erheblich verbessern ließen!

So lässt sich auch ein kalt-trüber Samstag retten!

Viel Freude bei Betrachten der Bilder und herzliche Grüße,

Alfons
« Letzte Änderung: März 02, 2019, 18:43:39 Nachmittag von Alfons Renz »

Schroefl

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Re: Frühjahrstümpeln und Test einer neuen Software für Video-Kameras
« Antwort #1 am: März 12, 2019, 13:01:56 Nachmittag »
Lieber Alfons!

Das von Dir erwähnte Capture2 konnte ich mit Google nicht finden. Hast Du einen link?

Beste Grüße
Thomas

beamish

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Re: Frühjahrstümpeln und Test einer neuen Software für Video-Kameras
« Antwort #2 am: März 12, 2019, 13:40:28 Nachmittag »
Hallo Thomas,
die Software und das Handbuch dazu verbergen sich auf dieser Seite, rechts unten unter HD2500T and HD2600T Downloads:
http://meijitechno.com/customersolutions

Gruß
Martin

PS: ich habe die Software nicht ausprobiert...
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Alfons Renz

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Re: Frühjahrstümpeln und Test einer neuen Software für Video-Kameras
« Antwort #3 am: März 12, 2019, 15:50:20 Nachmittag »
Hallo,

Der obige Beitrag war etwas eilig verfasst, wie sich nicht verleugnen lässt! Es ging mir - neben der herzlichen Werbung für das Freilandmikroskopieren des Planktons - insbesondere darum, auf eine zumindest für mich recht spektakuläre  Software zu verweisen.

Anlässlich der VISION-Messe im November letzten Jahres in Stuttgart hatte ich Gelegenheit, den Gründer und Inhaber der Firma TUCSEN, Herrn Peter Chen, persönlich kennen zu lernen. Ich verfolge die Entwicklung seiner Firma und deren Kameras seit ihrer Gründung vor fast 10 Jahren. Inzwischen beschäftigt er 160 Angestellte und produziert wirklich gute Kameras, die allerdings nicht mehr nur 100 Euro kosten.

Mit berechtigtem Stolz präsentierte er seine neueste Entwicklung, eine Kamera (MIchrome), die in Echtzeit automatisch stitcht und stackt (=> http://www.tucsen.com/Home/News/info/dataid/151.html). Ich war begeistert und bat um die Software (Mosaic2). Diese konnte ich auch herunterladen - nur funktionierte sie mit meiner älteren TruechromeII nicht ("Camera nicht erkannt").

Erst nach erneutem Kontakt zu deren Software-Entwickler bekam ich einen Link zur Software Capture2, die meine Kamera erkannt hat und mit welcher ich die beiden Funktionen testen konnte: Es ist wirklich genau das, was ich seit langen erhofft hatte. Die Technik ist im Grunde in modernen Handys als 'automatisches Panorama-Bild' integriert. Es ging also 'nur' darum, diese Funktion auf den Datenstrom einer Videokamera anzupassen. Gleiches gilt für das Stacken ("real-time depth of field fusion, EDF").

Offenbar gibt es diese Software von verschiedenen Servern für ganz unterschiedliche (chinesische) Kameras. Der mir mitgeteilte Link scheint jedenfalls nicht mehr zu funktionieren, als ich es eben nochmals getestet habe.

Natürlich und nicht verwunderlich, dass eine solche 'chinesische Freeware' noch ihre Tücken und Macken hat - ich teile deshalb Martins Bedenken voll und ganz - aber wer nichts wagt, gewinnt auch nichts.

Ein Problem ist z.B. dass das Programm unvermittelt stoppt, wenn das Speichervolumen überschritten wird. Das muss man wissen, und zügig arbeiten.
Aber solche Kinderkrankheiten werden in kurzer Zeit behoben sein. Das traue ich den chinesischen Firmen durchaus zu!

Meiner (laienhaften) Vorstellung nach sollte es auch möglich sein, die Video-Signale einer DSLR-Kamera über eine TWAIN-Schnittstelle in das Programm einzuschleußen? Dann ginge dies auch mit den so geschätzten Canon EOSs!

Ich denke, dass da sehr bald ganz interessante Entwicklungen auf uns Mikroskopiker zukommen. Und ich wäre gespannt, hier die Meinung der Fachleute zu erfahren.

Mit herzlichen Grüßen,

Alfons