Autor Thema: "Trüffeliges"  (Gelesen 1064 mal)

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
"Trüffeliges"
« am: März 07, 2019, 23:07:40 Nachmittag »
Hallo,

die heutige Postsendung von Peter Reil stellt sich als „tuberales“ Füllhorn dar, wobei doch eigentlich „nur“ Kalaharitrüffel angefordert waren.
Herzlichen Dank!
Die enthaltene Frisch-Probe galt es zuerst einer Observation zu unterziehen. Ich tippe auf Tuber melanosporum. Kann das stimmen, Peter?

Zuerst zwei quasi Makroaufnahmen mit dem 3,2er. Zu sehen sind die Peridie sowie das Tuberathecium im Anschnitt:



Die Schläuche sind recht unterschiedlich, ich zähle Sporeninhalte von 1 bis 5. Demzufolge sind die Sporen sehr verschieden groß – das war mir so noch nicht gewahr geworden; bei getrüffelten Lebensmitteln hatte ich auch „Mischinfektionen“ in Erwägung gezogen.
Sehr große Sporen sind optisch zu dicht, lassen sich schlecht mikroskopieren, wenn das Ornament gut abgebildet werden soll. Kleinere, vielleicht auch noch nicht ganz vollreife Sporen eignen sich besser. Die kräftige Farbe der Sporen macht eine Anfärbung eigentlich überflüssig. Im Versuch reagieren letztlich nur die Schläuche auf das Baumwollblau:





Viele Grüße,
Heiko
« Letzte Änderung: März 10, 2019, 22:26:41 Nachmittag von Heiko »

Peter Reil

  • Member
  • Beiträge: 1144
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #1 am: März 08, 2019, 22:36:42 Nachmittag »
Hallo Heiko,

die Trüffelsaat ist auf fruchtbaren Boden gefallen.  ;)

Natürlich hast du richtig bestimmt. Es handelt sich um Tuber melanosporum (Perigordtrüffel). Ich war ein paar Tage in Frankreich und konnte einfach nicht anders, als ich sie auf dem Markt sah.

Die Bilder sind dir sehr gut gelungen, Kompliment.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #2 am: März 10, 2019, 23:07:08 Nachmittag »
Hallo Peter,

so verdanke ich Deiner Kombination aus Reiselust und Freigiebigkeit auch einen authentischen olfaktorischen Eindruck – und der liegt weit, weit jenseits „getrüffelter Produkte“, die bisher allesamt zwischen Knoblauch und Bohnerwachs pendelten.

Dein Kalahari-Trüffel-Pulver nun erweist sich als nicht so einfach, aber da war ich durch den REIL ja schon vorgewarnt. Versucht habe ich bisher die Varianten Wasser, KOH und Baumwollblau. Letztere halte ich immerhin für vorzeigbar. Kalaharituber pfeilii, abgebildet mit dem 63er, einige Ebenen gestapelt, etwas beschnitten:



Viele Grüße,
Heiko 


Nachtrag

Der heutige Ausflug in die Kalahari erfolgte in Milchsäure-Eindeckung mit dem 100er ohne weitere Nachvergrößerung. Die Viskosität der Säure verhindert das Herumzappeln der Einzelspore, die einmal im optischen Schnitt und dann als Stapel zur Darstellung der Oberfläche abgebildet wurde.
Etliche Sporen, vielleicht die Mehrzahl, und die gezeigte eben auch, kokettieren mit de Bary bubbles. Auch die vielstündige Eindeckung in 80%iger Milchsäure konterten diese Bläschen mit stoischer Gelassenheit, was nicht unbedingt für eine Gasphase spricht.

 

« Letzte Änderung: März 11, 2019, 22:18:03 Nachmittag von Heiko »

Peter Reil

  • Member
  • Beiträge: 1144
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #3 am: März 11, 2019, 22:37:42 Nachmittag »
Hallo Heiko,

tja, die Kalaharitrüffelsporen vernünftig abzubilden ist wirklich eine Herausforderung.
Und sooo schlecht sind die Bilder nicht.
Da muss man nach besseren wirklich sehr lange suchen.  ;)

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #4 am: März 12, 2019, 22:37:35 Nachmittag »
Hallo Peter,

Tuber borchii ist ein wirklicher Augenschmaus. Ich war hin und her gerissen, welche Schläuche ich versuchen sollte – so gleichmäßig gut ist Dein Präparat.



 

Viele Grüße,
Heiko
« Letzte Änderung: März 13, 2019, 22:59:07 Nachmittag von Heiko »

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #5 am: März 13, 2019, 22:56:17 Nachmittag »
Hallo Peter,

bei Terfezia boudieri muss ich passen – es waren keinerlei Sporen zu finden. Entweder ist die Probe nicht reif, oder ich mache etwas grundlegend verkehrt.

Bei Deiner Mäandertrüffel Choiromyces meandriformis hingegen hatte ich nach anfänglichen Schwierigkeiten Erfolg. In wässriger oder Glycerin-Eindeckung wollte die Baumwollblau-Färbung nicht recht gelingen, milchsauer wurde es besser:



Viele Grüße,
Heiko

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #6 am: März 19, 2019, 00:04:02 Vormittag »
Und ein „Glattsporer“ – Tirmania nivea. Schiefe Beleuchtung für das Übersichtsfoto und der Einzelschlauch mit den acht Sporen, denen jegliches Ornament fehlt:





Viele Grüße,
Heiko

Peter Reil

  • Member
  • Beiträge: 1144
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #7 am: März 19, 2019, 10:05:26 Vormittag »
Hallo Heiko,

prima!

Wenn du mal beim Italiener "Trüffel" bekommst, kannst du sicher selbst nachschauen, was du wirklich erhalten hast.  :)

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #8 am: März 19, 2019, 22:06:06 Nachmittag »
Hallo Peter,

künftig werde ich bei kulinarischen Expeditionen immer ein Mikroskop mitführen. Selbst bei preiswerten „Mafia-Torten“ kann es ja eine „Funghi“ sein.
Und für den Fall, dass es mit der Rechnung etwas länger dauert, kann ich mit Baumwollblau weiter überbrücken.
Unter derartigen „Feldbedingungen“ wird Deine Präparatequalität allerdings nicht zu erreichen sein, als Beleg Deine Genea hispidula:



Viele Grüße,
Heiko

Lungu

  • Member
  • Beiträge: 207
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #9 am: März 19, 2019, 22:31:52 Nachmittag »
Ja Heiko,

damit schaffst Du Dir eine reiche Quelle vom Präparaten. So ein Pferdekopf im Bett gibt Probenmaterial für lange Zeit, ja manche sagen auch bis Lebensende. Mir reicht es schon bei Wein betrogen zu werden.

Grüße Lungu

Heiko

  • Member
  • Beiträge: 3226
Re: "Trüffeliges"
« Antwort #10 am: März 19, 2019, 22:59:01 Nachmittag »
Hallo Lungu,

und da können wir meine ich fast froh sein, nur durch sehr kleine Fensterchen hinter den Vorhang der Täuschung schauen zu können. Wer z.B. in einer Brauerei gearbeitet hat, dem schmeckt erst einmal das Bier nicht mehr.
Beängstigend, beträfe unser „Scharfblick“ zu viele Bereiche des Lebens.

Viele Grüße,
Heiko