Autor Thema: "Drehflunder".... um 30 µ groß  (Gelesen 492 mal)

Chris57

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"Drehflunder".... um 30 µ groß
« am: März 14, 2019, 20:16:58 Nachmittag »

Hallo,

aus dem Bodengrund am Rand eines kleinen, flachen, mit Fallaub ziemlich vollen Parkgewässers. Um 30 µ groß.

Das Objekt (ein Tierchen) drehte sich immerzu um etwa den Punkt, wo man auf der Collage das "Schwänzchen" sieht. Es hat die Form einer Flunder, biegt sich auch beim Drehen und ist weitgehend durchsichtig. Ob diese "Drehflunder" sich mit ihrem Schwänzchen irgendwo angeheftet hat oder ob ich sie womöglich zwischen Objektträger und Deckglas gequetscht habe, weiß ich nicht.

Ich wüßte zumindest in etwa gerne die Richtung, in der ich dieses Tierchen (?) vermuten soll.

Danke & schö A
Chris
Die Realität des Mikrokosmos ist besser als Science Fiction.

Aquarius

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Re: "Drehflunder".... um 30 µ groß
« Antwort #1 am: März 17, 2019, 14:53:22 Nachmittag »
Hallo,

das müsste Phacus longicauda sein. https://de.wikipedia.org/wiki/Herzflagellat

Die gleiche Form ist am Anfang dieses Videos zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=HKFxW_S2yaQ
« Letzte Änderung: März 17, 2019, 14:55:17 Nachmittag von Aquarius »
Viele Grüße,
Arndt.

Mein Mikroskop: Leitz Dialux (Hammerschlag) mit Achromaten 4/10/25/40/100 + 3 x Periplan GF10 (Trino). Leitz Kardioid-Kondensor 0.8 und Systemkondensor 600 ("Badewanne"). Leitz Wetzlar Gefriermikrotom.
NVW Wuppertal: https://tinyurl.com/y5xzl9g4

Michael Plewka

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Re: "Drehflunder".... um 30 µ groß
« Antwort #2 am: März 18, 2019, 08:35:52 Vormittag »
hallo Chris,

wie schon aus Deinen beiden letzten Beiträgen
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=33725.0
und
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=33781.0

mit Ciliaten deutlich wird: grundsätzlich sollte Dein Ansatz zur besseren Bestimmungsmöglichkeit von Organismen durch andere Forumsmitglieder aufgrund von Fotos  in der Verringerung der Schichtdicke des Präparats liegen und zumindest in dem anschließenden Versuch, verschiedene Ebenen desselben Organismus zu fotografieren. Dieser Ansatz  ist auf Deinen Fotos nämlich nicht zu erkennen. Dass bei den  Organismen Cilien zu erkennen sind, steht m.E. außer Frage, aber wie sie angeordnet sind, kann man nicht erkennen, sollte aber mit jedem Mikroskop und einer Smartphone-Kamera (ohne Blitz!) möglich sein.

Auch in Deinem jetzigen Präparat ist die Schichtdicke zu groß (pressen!), so dass keine Details (Zellkern? Flagellen? Trichocysten? Chloroplasten?) zu erkennen sind. Insofern ist ein Bestimmungsversuch pure Kaffeesatzleserei (zugegebenermaßen ist ein 30µm großer Organismus aber auch schon recht schwierig zu dokumentieren.).

Ausschließen kann man Phacus (das verlinkte Video zeigt am Anfang zwar ein Phacus, aber definitiv kein P. longicauda), da Phacus nicht formveränderlich ist und Chloroplasten hat; siehe hier:

http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Algen/01_e-algae/Euglenophyceae/e-source/Phacus%20longicauda.html


P.S. einzellige Organismen sind grundsätzlich keine "Tierchen".....

Beste Grüße
Michael Plewka

Chris57

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Re: "Drehflunder".... um 30 µ groß
« Antwort #3 am: März 18, 2019, 09:54:53 Vormittag »
Hallo und vielen Dank für die hilfreichen Erläuterungen.
Deine Aufnahmen von Phacus longicauda sind wirklich spitzenmäßig, Michael - da kann ein einfacher Lichtmikroskopiker und Bio-Laie natürlich nicht mithalten; ich fürchte, auch durch "Pressen" nicht. Werde dennoch versuchen eine Tipps zu beherzigen.
Aber auch wenn eine Bestimmung nicht klappt, bleibt es faszinierend zu sehen, welches Leben, welche Formen- und Artenvielfalt sich selbst im Kleinsten noch verbirgt.
Viele Grüße von Chris
Die Realität des Mikrokosmos ist besser als Science Fiction.