Autor Thema: Inverse Mikroskope  (Gelesen 977 mal)

Bernhard Gutwenger

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Inverse Mikroskope
« am: April 15, 2019, 10:41:09 Vormittag »
Liebe Mikroskopiker,

Ich habe vor Kurzem ein gebrauchtes Inversmikroskop Leica DM IL erworben, das ältere Modell
mit der Halogenbeleuchtung. Hatte da Glück weil es in einem sehr guten Zustand ist und
hervorragend verpackt war. Scheint ja nicht selbstverständlich zu sein.
Überrascht war ich, wie groß das Mikroskop ist. Braucht viel Platz. Meine Frage an Euch:
Gibt es auch schnuckelige kleine inverse Mikroskope ?

Gruß von
Bernhard G.

Bob

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #1 am: April 15, 2019, 10:45:19 Vormittag »
Hallo Bernhard,
das alte Olympus CK ist recht klein, aber auch einfach, ohne Feintrieb und mit einfachem Kondensor, einsetzbar bis zum 20:1 Objektiv.
Es gab auch das schwarze Zeiss Standard GFL in inverser Ausführung, das war auch eher kompakt.

Viele Grüße,

Bob

floramobil

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #2 am: April 15, 2019, 11:17:15 Vormittag »
Hallo Bernhard

Klein, aber nicht schnuckelig ist das Leitz Labovert. Von der Grösse her ist es wie ein ganz normales aufrechtes Leitz Forschungsmikroskop aus jener Zeit, wie z.B. das Laborlux.

Ich habe hier grad ein Labovert auf der Werkbank, das ich revidiere. Die sind leider nie in gebrauchsfähigem Zustand.

Es ist vollkommen egal, was die Verkäufer in das ebay Inserat schreiben. Die neuesten dieser Labovert sind 20 Jahre alt, die Fette sind verharzt. Vieles ist so schwergängig, dass es kaum noch bewegt werden kann. Man muss einen Teil der Drehknöpfe fast schon mit dem Vise Grip bedienen, während es eingentlich ganz fein zwischen den Fingerspitzen gehen solte.

Es gibt zudem ein Problem mit dem Schiebemechanismus der Fokussierungseinstellung. Dort hat Leitz von mir aus gesehen das falsche Fett verwendet. Dieses wir durch die ständige Schiebebewegung an das Ende der Führungsschiene geschoben. So läuft der Mechanismus trocken und kreischt.

Fazit: Um ein gebrauchtes, sehr gut erhaltenes, perfekt gepflegtes Labovert gebrauchstauglich zu machen, musst Du mit 15 Stunden Arbeitsaufwand eines Wartungsspezialisten rechnen. Falls Du bereit bist, Kompromisse einzugehen, dann wird er immer noch sechs Stunden für die Wartung der Fokussiereinrichtung verrechnen müssen. Dazu kommen die Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung.

Es gibt Laboverts in ebay für 500 Euro. Wenn Du einen Fachmann findest, der seriös nach Werkstandards das herrichtet, so gibst Du nicht weniger als 2000 Euro für seine Arbeit aus. Am Schluss hast Du ein Gerät auf dem Tisch, das vor 20 Jahren um die 20'000 DM gekostet hatte, entsprechend ca. 15'000 Euro von heute.

Herzlichen Gruss von
Jürg Brechbühl

JB

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #3 am: April 15, 2019, 13:09:27 Nachmittag »
Hallo Bernhard,

Die kleinen inversen von Zeiss: Planktonmikroskop, UPL und Invertoskop D
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11647.msg86138#msg86138
http://up.picr.de/24395897co.jpg

Noch kleiner ist das "Junior invers"  :D https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=3882.0

Von Olympus wie oben gesagt das CK und von Nikon das winzige https://www.microscopyu.com/museum/nikon-tms-inverted-microscope .

Der Anschluss einer Kamera ist oft schwierig.

Beste Gruesse,

Jon


Bernhard Gutwenger

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #4 am: April 15, 2019, 16:47:08 Nachmittag »
Ganz herzlichen Dank für Eure Antworten, die sind sehr informativ.

Gruß von
Bernhard G.

plaenerdd

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #5 am: April 15, 2019, 19:39:02 Nachmittag »
Hallo Bernhard,
auch das WILOVERT von Will und das WILOWERT 2 von Hund sind von der Größe eines normalen Labormikroskopes.
LG Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: CZJ-Nf mit Phv, Pol, DF, HF; Auflicht: VERTIVAL, Stemi: MBS-10; Inverses: Willovert mit Ph

Bernhard Lebeda

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #6 am: April 15, 2019, 20:22:46 Nachmittag »
Hallo Bernhard

Klein, aber nicht schnuckelig ist das Leitz Labovert. Von der Grösse her ist es wie ein ganz normales aufrechtes Leitz Forschungsmikroskop aus jener Zeit, wie z.B. das Laborlux.


Hallo Jürg

also beides steht hier vor mir und ich  kann Deine Größeneinschätzung nicht nachvollziehen! Das Labovert ist schon deutlich massiver und größer als das Laborlux, den Vergleich mit einem Dialux würde ich für realistischer halten.

Deine negativen Erfahrungen sind mir zum Glück (?) erspart geblieben: knapp 700€ mit Phako und alles läuft butterweich! Ist übrigens ein tolles Gerät, das möchte ich nicht mehr missen!

Viele Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

JB

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #7 am: April 15, 2019, 20:36:19 Nachmittag »
-

floramobil

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #8 am: April 15, 2019, 20:42:58 Nachmittag »
Hallo Bernhard

Klein, aber nicht schnuckelig ist das Leitz Labovert. Von der Grösse her ist es wie ein ganz normales aufrechtes Leitz Forschungsmikroskop aus jener Zeit, wie z.B. das Laborlux.



Deine negativen Erfahrungen sind mir zum Glück (?) erspart geblieben: knapp 700€ mit Phako und alles läuft butterweich! Ist übrigens ein tolles Gerät, das möchte ich nicht mehr missen!


Hallo Bernhard

Für mich sind das keine negativen Erfahrungen. Das wäre ein Missverständnis. Für sind es ganz normale Herausforderungen, Probleme, die man halt meistern muss, wenn man ein altes Mikroskop kauft. Ich zerlege und warte die Geräte selber.
Mich nimmt wunder, wo Dein Labovert vorher gestanden ist und wann der letzte Service gemacht wurde. Diese Fette verharzen ohne Gnade. Das ist ein ganz normaler chemischer Prozess. Wenn Deines "butterweich" läuft, dann hat es jemand zerlegt und neu gefettet.

Herzlichen Gruss von
Jürg Brechbühl

Werner

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #9 am: April 15, 2019, 20:46:12 Nachmittag »
Das kleinste inverse Mikroskop ist das Swift Feldmikroskop. Aber das gibt es leider nicht mehr frisch...

Gruß   -   Werner

Michael L.

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #10 am: April 15, 2019, 21:48:09 Nachmittag »
http://www.brunelmicroscopessecure.co.uk/acatalog/field.html

Guten Abend,

das schöne Swift gibt's unter der obigen Adresse.

Gruß,


Michael

Peter V.

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #11 am: April 15, 2019, 22:57:31 Nachmittag »
Hallo,

wie Bernhard schon sagt: Das Laborvert ist auch ein ziemlich großes Mikroskop, hat aber den Vorteil, dass es bei der Bedienung und vom ganzen Feeling wie ein ganz normales aufrechtes Mikroskop funktioniert. Man muss nicht, wie mein manchen Inversen, Yoja-Üungen bei der Bedienung vollführen und hat nicht diesen nach vorn  weit ausladenden "Giraffenhals", an dem sich der Bino oder Trino befindet. Ich verstehe gar nicht, wieso sich diese Bauform - die meines Wissens bei Inversmikroskopen so nur beim Laborvert realisiert wurde - nicht durchgesetzt hat; möglicherweise hat es praktikable Gründe bei der Laborarbeit mit Zellkulturen, die mir nicht bekannt sind. Oder der allein bis zum Bino 4 x umgelenkte Strahlengang war einfach zu komplex auf aufwändig. Für die Tümpelei ist es jedenfalls für meine Begriffe optimal.
Ich habe ein 1 1/2 funktionsfähige Laboverte und ein weiteres Stativ. Tatsächlich waren alle mehr oder weniger überholungsbedürftig, wobei es übrigens über einen sehr ungewöhnlichen Trieb verfügt. Ich würde auch fast vom Laborvert abraten, wenn man nicht sicher sein kann, dass es einwnadfrei funktioniert oder jemanden in der Hinterhand hat, der es einem repariert (oder es gar selbst kann).

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13468.msg101972#msg101972

Für mich ist es jedenfalls auch mein liebstes "Inverses"!

Herzliche Grüße
Peter

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floramobil

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #12 am: April 16, 2019, 01:21:03 Vormittag »
Ich verstehe gar nicht, wieso sich diese Bauform - die meines Wissens bei Inversmikroskopen so nur beim Laborvert realisiert wurde - nicht durchgesetzt hat;

Hallo Peter

Auf diese Frage kenne ich die definitive Antwort:

Ich kaufte vor 10 Jahren meine moderneren Mikroskope von einem älteren Herrn, der bis vor ca. 15 Jahren Handelsvertreter bei Wild-Leitz Heerbrugg war. Er hatte bei sich auf dem Dachspeicher eine grosse Sammlung von solchen Vorführgeräten, die er nach seiner Pensionierung verhökerte.

Seine Aufgabe war während Jahrzehnten, zu den Kunden ins Labor zu gehen, dort deren Arbeitsabläufe kennenzulernen und nachher die massgeschneiderte Optiklösung von Wild und später von Leica zu offerieren.

Nachdem also meine Quelle hinreichend beschrieben ist:
Seine Auskunft war, dass das Labovert in der Herstellung extrem aufwendig war. Die Justierung der Lichtführung im Stativ war dermassen heikel und arbeitsauwendig, dass die Leitz am Labovert nie Geld verdient und immer nur draufgelegt haben. Es hat schlicht nicht rentiert. Darum hat es auch kein anderer Hersteller imitiert.


Ich würde auch fast vom Laborvert abraten, wenn man nicht sicher sein kann, dass es einwnadfrei funktioniert oder jemanden in der Hinterhand hat, der es einem repariert (oder es gar selbst kann).

Ich zerlege, reinige und fette aktuell mein zweites Labovert FS. Das letzte habe ich vor sechs Jahren gemacht. Beim letzten machte ich die Fokussiermechanik und den verstellbaren Tisch. Auch die X-Y-Objektführung auf dem Tisch habe ich komplett zerlegt, gereinigt und gewartet.

Oben im Stativ den Antrieb für den Kondensor und die Aperturblende habe ich noch nie gemacht. Das übe ich dann an einem schrottreifen Stativ, bevor ich es an den gut erhaltenen Laboverts mache.

Nachdem was ich oben geschrieben habe über die Justierung der Lichtführung im Stativ: Davon lasse ich unter allen denkbaren Umständen die Finger. Das soll auch kein Servicetechniker versuchen. Wenn die Leica das im Werk nicht mehr machen, dann sollte man es bleiben lassen.

Vielleicht sollte ich gelegentlich einen Beitrag über Reinigung und über Fettung schreiben.

Herzliche Grüsse
Jürg Brechbühl
« Letzte Änderung: April 16, 2019, 09:18:20 Vormittag von floramobil »

Peter V.

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #13 am: April 16, 2019, 08:13:54 Vormittag »
Hallo Jügr,

Danke für diese Infos! Genau so habe ich es mir in etwa gedacht. In der "schwarzen und grauen" Zeit beeindruckte Leitz stets durch grundsolide und sehr "einfache", pragmatische Konstruktionen (ganz im Gegensatz zu den teilweise schon absurd komplexen Konstruktion aus der Michelschen Ära bei Zeiss - bestes Beipsiel die Phasenkontrast-/DIK-Kondensoren). Man vergleiche beispielsweise einmal die Konstruktion, den Strahlengang und die Benutzerfreundlichkeit der beiden Flaggschiffe - Orthoplan bei Leitz und Phomi / Universal bei Zeiss.

Mit den "Weißen" wurde es anscheinend auch bei Leitz komplexer mit einer Vielfalt unterschiedlicher Anschlussmaße (z.B. für Kondensoren) und auch extrem komplexen Strahlengängen. Ähnlich wie beim Laborvert sieht es auch beim Aristoplan aus, zumindest bei dem Modell mit eingebautem Variotubus; auch hier läuft der Lichtstrahl über zahlreiche Spiegelchen und Prismen. Wer hier ohne entsprechendes Wissen und Hilfsmittel zur Justage eingreift, hat verloren! Ebenso, wenn sich mal ein Prisma oder ein Spiegel löst.

Eigentlich wundert es nicht, dass Leitz mit diesen aufwändig gearbeiteten Mikroskopen letztlich nicht am Markt bestehen konnte.

Hezrliche Grüße
Peter
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floramobil

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Re: Inverse Mikroskope
« Antwort #14 am: April 16, 2019, 09:11:36 Vormittag »
Hallo Peter

Um das folgende Argument einsichtig zu machen, müsste ich ein Beispiel mit Photos dokumentieren. Dazu fehlt mir im Moment die Zeit. Also schreibe ich es einfach auf.

Am Labovert sind die Mechaniken extrem aufwendig konstruiert, mit einer opulenten Liebe zu Details und mechanischen Speziallösungen. Da konnten sich die Maschineningenieure so richtig austoben. Dutzende und hunderte von Teile werden da zusammengefügt, selbst um einfachste Funktionen zu erfüllen wie die Höhenverstellung des Tisches beim Labovert FS.

Die aufwendige Mechanik steht in einem seltsamen Kontrast zu der naiven, fast schon unbeholfenen Weise, wie das alles geschmiert und gefettet wurde. Ich gehe davon aus, dass man den grössten Teil der Mechanik sehr viel einfacher gestalten könnte, wenn man dafür die Eigenschaften von Schmierstoffen (haftende, gleitende, dämpfende) von Anfang an in die Konstruktion einberechnen täte.

So wie das ganze von Leitz zusammengesetzt und geschmiert wurde, müsste es mindestens alle fünf Jahre zerlegt, vom alten Fett befreit und neu gefettet werden. Das wären dann alle 5 Jahre um die 10 bis 15 Stunden Arbeit bei einem spezialisierten Wartungstechniker.

Mit einer einfacheren Konstruktion unter Einbezug der Schmiermitteleigenschaften würde man weniger Bauteile benötigen und könnte die Wartungsintervalle verlängern. Ich bin absolut sicher, dass bei vielen Sachen weniger mehr wäre.


Herzliche Grüsse von
Jürg Brechbühl
« Letzte Änderung: April 16, 2019, 09:25:48 Vormittag von floramobil »