Autor Thema: Schieflicht-Experiment  (Gelesen 901 mal)

Carsten Wieczorrek

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Schieflicht-Experiment
« am: April 16, 2019, 22:02:30 Nachmittag »
Hallo,

mit Schieflicht hat sicherlich schon jeder Mikroskopiker experimentiert. Man kann wirklich interessante Kontrast-Experimente anstellen.

Man sieht aber auch, dass alle optischen Tricks (da schließe ich mal Phasenkontrast und DIK mit ein) zu Bildern führen können, von denen man ohne Erfahrung nicht sagen kann, ob das, was man sieht (oder zu sehen glaubt), auch wirklich da ist. Ja, ist auch ein alter Hut...
Ich habe Mikroman Peters Abbe-Schieflicht-Kondensor erworben und experimenriere damit etwas herum. Ich zeige Euch hier drei Bilder einer Triceratium arcticum, ein Lieder-Präparat. Alle sind mit unterschiedlichen Einstellungen des Schieflicht-Kondensors entstanden. Alle Bilder sind mit PICOLAY aus 15 Fotos gestackt.

Auf einem Bild glaubt man (jedenfalls ich) Pooren, also Löcher zu sehen. Auf dem zweiten Bild sind es geschlossene Waben und auf dem dritten Bild kleine Erhebungen. Und dennoch scheinen alle Bilder scharf zu sein.

Seht Ihr das auch so?

Viel Spaß beim betrachten und Grüße


Carsten
« Letzte Änderung: April 16, 2019, 23:16:16 Nachmittag von Carsten Wieczorrek »
Für's grobe : CZJ GSZ 1
Zum Durchsehen : CZJ Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, PHV, CZ Neofluar PH
Zum Draufsehen : CZJ Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Drauf- und Durchsehen: CZJ Epival Hellfeld
Für psychedelische Farben : CZJ Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
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Kurt Wirz

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #1 am: April 16, 2019, 22:22:45 Nachmittag »
Hallo Carsten

Das ist ja irre, so extrem habe ich das noch nie gesehen,
oder liegt es an meiner Müdigkeit?
Beim zweiten und dritten Bild, wechselt im Bild der Eindruck ab.
Ich betrachte das Bild in der Mitte und sehe Löcher, dann schaue ich in die obere rechte Ecke und wandere langsam wieder zur Bildmitte, dann sind es Hügelchen.
Scrolle zum untersten Bild, schaue in die Mitte, sind es Löcher, schaue auf den Text den ich gerade schreibe und beim nächsten Blick auf das Bild sind es Hügelchen.
Scrolle rauf.... u.s.w.
Hügelchen oder Löcher wechseln sich stetig ab.

Vielen Dank für dieses Beispiel

Kurt
« Letzte Änderung: April 16, 2019, 22:32:42 Nachmittag von Kurt Wirz »
.
Meine Bilder entsprechen nicht immer exakt der Realität,
ich wünsche mir deshalb Betrachter, die auch unbelastet geniessen können.

http://www.focus-stacking.com

mikropit

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #2 am: April 16, 2019, 23:11:18 Nachmittag »
Hallo, also ich sehe wie beim 2.Bild immer nur Vertiefungen. Das heisst praktisch kein Unterschied zwischen Bild 2 und 3.
vG  Peter
mikropit

Carsten Wieczorrek

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #3 am: April 16, 2019, 23:19:38 Nachmittag »
@Peter

a) so etwas habe ich erwartet, auch wenn ich es nicht verstehen
b) ich sehe in 1 Löcher, in 2 erhabene "Strassen" mit tiefer liegenden, aber geschlossenen Flächen und in 3 tief liegende "Schacht-Strassen" mit deutlich erhöhten Flächen.

Gute Nacht

Carsten
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Klaus Herrmann

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #4 am: April 16, 2019, 23:20:37 Nachmittag »
Lieber Peter,

 Ganz einfach: dein Hirn interpretiert wie es will. Vielleicht hilft dir ein par mal blinzeln, dann springt das Bild.
Lehre: glaub ja nicht was du siehst- es könnte auch ganz anders sein! Die Welt ist voller optischer Täuschungen!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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anne

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #5 am: April 17, 2019, 08:20:59 Vormittag »
Hallo Carsten,
wenn Du die Bilder jetzt noch drehst, dann sieht jedes Bild wieder anders aus.
Aufklärung wie es wirklich aussieht gibt dann das REM.

lg
anne

plaenerdd

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #6 am: April 17, 2019, 18:56:55 Nachmittag »
Hallo Carsten,
das was Anne vorgeschlagen hat, habe ich auch gerade ausprobiert, die Bilder 2 und 3 um jeweils 180 Grad gedreht und sie wechseln ihren Anschein. Ich denke, es liegt an der Lage der "Schatten". Unsere Augen sind gewohnt, dass das Licht von oben kommt und die Schatten entsprechend liegend: Bei einer Vertiefung im oberen Teil der vertieften Fläche bei einer Erhebung umgekehrt. Dadurch wechseld beim Drehen des Bildes dann der Eindruck auch sofort.
Schattige Grüße
Gerd
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Durchlicht: CZJ-Nf mit Phv, Pol, DF, HF; Auflicht: VERTIVAL, Stemi: MBS-10; Inverses: Willovert mit Ph

Carsten Wieczorrek

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #7 am: April 17, 2019, 20:02:51 Nachmittag »
Hallo Gerd,

Zitat
Ich denke, es liegt an der Lage der "Schatten".

Ja, natürlich, dass ist ja genau die Aufgabe eines Schieflicht-Kondensors.

Carsten
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limno

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #8 am: April 17, 2019, 20:32:22 Nachmittag »
Guten Abend liebe Schieflichtfreunde,
Klaus hat recht! Blinzeln etc. verändert den optischen Eindruck., wobei ich meine, dass die Richtung aus welcher der Schatten kommt gewisse Eindrücke begünstigt.
Gute Nacht

Heinrich

mikropit

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #9 am: Mai 22, 2019, 09:53:18 Vormittag »
Hallo, Das ist ja interessant. Wie ist dann die Realität? Sind es nun Vertiefungen oder Erhebungen. Wie sehen gedruckte Bilder aus?
vG Peter vom Bodensee.
mikropit

andr_brno

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #10 am: Mai 22, 2019, 21:29:05 Nachmittag »
Zum plastischen Effekt der Senf vom Landesvermesser dazu:
Aus der Kartenschummerung ist bekannt, dass plastische Effekte durch die scheinbare Beleuchtungsrichtung "von links oben" entstehen. Daher kommt auch bei der Kartenschummerung das Licht scheinbar aus Nordwesten, vorausgesetzt die Karte ist wie üblich nach Norden orientiert, und der Schatten der Berge liegt im Südosten. Dann entsteht ein plastischer Eindruck von Berg und Tal.
Bei der schiefen Beleuchtung ist es ebenso.

Viele Grüße
Andreas

wilfried48

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #11 am: Mai 25, 2019, 10:42:11 Vormittag »
....
Aufklärung wie es wirklich aussieht gibt dann das REM.

lg
anne

Liebe Anne,

nein das REM hat das gleiche Problem, nur ist es dort der Detektor der die Sekundärelektronen einfängt.
Wenn Gebiete ,für die Richtung unter dem der Detektor auf die Probe schaut, im "Elektronen"schatten liegen erscheinen sie im Bild dunkler.
Das Gehirn interpretiert dann die Bilder immer so wie wenn mit Licht beleuchtet würde das aus Richtung des Detektors kommt.
Aber man kann im REM natürlich auch bei hohen Vergrösserungen die Probe noch weit kippen und so durch verschiedene Kippwinkel die "Wahrheit" herausfinden.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Photomikroskop II, AL, DL, HD, Pol, Ph, DIC
Zeiss Inversm. IM35, DL, Ph, Pol, EPI-Fl
Zeiss Stemi 2000 C
Zeiss Reisem. Standard Junior Aufrecht u. Invers, DL, HD, Ph, Pol

Vorst. Wilfried48
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anne

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #12 am: Mai 25, 2019, 11:08:55 Vormittag »
Lieber Wilfried,
danke Dir für die Erklärung!

lg
anne

plaenerdd

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Re: Schieflicht-Experiment
« Antwort #13 am: Mai 25, 2019, 14:40:10 Nachmittag »
Hallo,
das sind ja Staks aus jeweils ca. 15 Bildern. Auch durch Vergleich der Einzelbilder sollte sich das herausfinden lassen. Interessant wäre natürlich auch zu wissen, aus welcher Richtung das Licht bei der Aufnahme kam. Dann müsste man als erstes schauen, wie die Gesamtschale liegt (zeigt ihre Wölbung zu uns hin oder von uns weg?) und müsste dann schauen, wo die Schatten der Einzeldellen liegen. Vielleicht kannst Du, Carsten, ja auch noch mal die 3-D-Funktion von PICOLAY bemühen.
Wenn man sich den Rand der Schale ansieht, an dem die Einzelzellen sich fast rechtwinklich zum Betrachter herabziehen, sieht man, dass die Dunklen Striche zwischen den Zellen Vertiefungen sind, die Einzelzellen also erhaben.
Beste Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Mai 25, 2019, 14:43:47 Nachmittag von plaenerdd »
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