Autor Thema: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I  (Gelesen 3566 mal)

Carlos

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Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« am: August 13, 2019, 10:17:11 Vormittag »
Hallo Experten für „schiefe Beleuchtung“
Betrachtete Objekte  zeigen bei „Schiefer Beleuchtung“ Details, die weder im „Hellfeld“ (HL)  noch im „Dunkelfeld“ (DF) zu erkennen sind. Welche Details dabei erkennbar sind, hängt nach meiner Erfahrung davon ab, aus welcher Richtung das Licht auf das Objekt trifft.
Bei  „ringförmiger, schiefer Beleuchtung“, bei der das Objekt aus allen Richtungen gleichmäßig „schief“ beleuchtet wird, sind diese Details allerding nur unzureichend zu erkennen. Ich habe mir deshalb „provisorisch“ eine Beleuchtungshilfe gebaut, bei der ich eine de-zentrierte Iris-Blende entlang des Sehfeldrandes führen kann und so aus unterschiedlicher Richtung ein im Zentrum des Sehfeldes gelegenes Objekt „schief“ beleuchten kann. Durch Zusammenlegung der Bilder, aus unterschiedlichen Richtungen „schief beleuchtet“, erhalte ich dann ein Bild, das (fast) alle Details enthält. 
Das Arbeiten mit meinem „ Provisorium“ ist jedoch sehr mühsam. Reproduzierbare Ergebnisse lassen
sich damit nur sehr schwierig realisieren. Das, was ich benötige, ist eine mechanische Einrichtung, die eine dezentrierbare und drehbare (360°) Irisblende hat. Diese Einrichtung soll auf den Lichtaustritt meines Leitz-Ortholux I befestigt/aufgelegt werden. Die Größe der Öffnung der Irisblende und der Grad der Dezentrierung  ist abhängig vom jeweiligen Objektiv, mit der Möglichkeit, die Irisblende um 360° zu drehen, soll die jeweilige Richtung der „Schiefen Beleuchtung“ eingestellt werden. Mir scheint, dass  das zu realisieren, eine für einen erfahrenen Bastler, von denen es  ja hier im Forum viele gibt, recht einfach ist.
(Das  Prinzip wird auch im „Großen, ABBEschen  Beleuchtungsapparat“ genutzt. M.W. wird hier nicht die dezentrierte Blende sondern der Tisch gedreht. Leitz hat derartige „Apparate“ auch bei Pol-Mikroskopen  mi t Drehtisch eingesetzt.)
Hat jemand das oben beschriebene Prinzip der „Schiefen Beleuchtung“ mal realisiert?
Hat jemand eine Idee, wie man eine oben beschriebene Apparatur für das Ortholux I bauen kann?
Gruß Carlos

Silber_und_Licht

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #1 am: August 13, 2019, 10:46:18 Vormittag »
Moin Carlos!

Nein, beim großen "Abbé" wird sehr wohl die exzentrisch gestellte Iris gedreht. Grundsätzlich würde ich mich aber mal über die "Kreutz´sche Blende" informieren. Martin Kreutz hat sich diese vor gefühlt etwa 70 Jahren ausgedacht und stellte sie anlässlich eines Vortrags in Hagen auf den Mikroskopie-Tagen vor. Seine (und auch später meine eigenen) Ergebnisse sind bestechend schön. Allerdings benötigst Du für das Ortholux I einen Hellfeld-Kondensor herkömmlicher Bauart. Mit dem Berek-Kondensor ist das schlecht zu realisieren.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine ringförmige schiefe Beleuchtung mit dem Heine-Kondensor zu realisieren und mittels eines Kreis-Segments aus schwarzer Pappe beispielsweise, drehbar auf den Lichtaustritt gelegt um einen Teil des Lichtrings auszublenden, oder - noch besser - direkt unter den Lichteintritt klemmen. Es gab/gibt sogar eine Klemmhalterung für so etwas.

Zum dritten hat Bruno Wirtz (im Mikrokosmos beschrieben) vor langen Jahren sehr ansprechend gute Ergebnisse erzielt, indem er das Licht mit einem kleinen, drehbaren Spielkasten auf dem Lichtaustritt des Ortholux I bzw. seines Selbstbaus schräg in den Kondensor eintreten ließ. Dieser Spiegelkasten lenkte das Licht zweimal um - erst 90° seitlich in die Horizontale und dann wieder mit variablem Spiegel schräg in Richtung optische Achse nach oben - und war um 360° drehbar, sodass er seine Diatomeen von allen Seiten unter schnell wechselndem Schieflicht betrachten konnte.

Es gab auch eine stellbare, auf den Lichtaustritt aufsetzbare Irisblende für das Ortholux I von LEITZ. Aber die habe ich noch nie in Realität irgendwo gesehen, kenne sie auch nur aus der Literatur. Allerdings sollte sie nach meinem Dafürhalten an dieser Stelle zumindest in Verbindung mit einem Zweiblenden-Kondensor nicht zu allerbesten Ergebnissen führen.

Freundliche Grüße vom

Wolfgang
"Du" fänd' ich ganz in Ordnung.

das Schönste: ZEISS Lumipan
das Liebste: LEITZ Panphot II, Ortholux
das Beste: ZEISS Axiomat

eine etwas umständliche Vorstellung: www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28652.0

ortholux

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #2 am: August 13, 2019, 11:20:23 Vormittag »
Es gab auch eine stellbare, auf den Lichtaustritt aufsetzbare Irisblende für das Ortholux I von LEITZ. Aber die habe ich noch nie in Realität irgendwo gesehen

Die ist tatsächlich nicht häufig, aber damit klar ist, wonach gesucht wird:





Wolfgang

Carlos

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #3 am: August 13, 2019, 12:34:01 Nachmittag »
Hallo Wolfgang (S. + L.),
Zitat
Es gab auch eine stellbare, auf den Lichtaustritt aufsetzbare Irisblende für das Ortholux I von LEITZ. Aber die habe ich noch nie in Realität irgendwo gesehen, kenne sie auch nur aus der Literatur. Allerdings sollte sie nach meinem Dafürhalten an dieser Stelle zumindest in Verbindung mit einem Zweiblenden-Kondensor nicht zu allerbesten Ergebnissen führen.
Mein „Provisorium“ arbeitet genau so! Das Teil habe ich, wie Du, noch nie in Realität, geschweige denn als Angebot, gesehen. An Leitz-Kondensoren habe ich einige. Gute Ergebnisse habe ich mit dem „Badewannen-Kondensor“ (wie auch mit einem Phako-Kondensor in Hellfeldstellung) erreicht.
Hallo Wolfgang  (Ortholux),
Ja, genau das Teil suche ich!
„Original“ von Leitz wäre zwar schön, muss aber nicht sein. So kompliziert sieht das doch nicht aus! Müsste man doch sicher nachbauen/nachstellen können (z.B. mit 3D-Druck-Teilen).
Gruß Carlos

olaf.med

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #4 am: August 13, 2019, 12:52:04 Nachmittag »
Das  sollte  man doch leicht aus einem alten Kondensor, in dem ja genau  eine solche  Einrichtung verbaut ist, machen  können.

Herzliche Grüße, Olaf

Carlos

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #5 am: August 13, 2019, 13:22:14 Nachmittag »
Hallo Olaf,
Zitat
Das  sollte  man doch leicht aus einem alten Kondensor, in dem ja genau  eine solche  Einrichtung verbaut ist, machen  können.
In welchem Kondensor ist denn "eine solche Einrichting verbaut"? Und wer ist "man"? Ich schaffen das nicht! Deshalb suche ich nach Hilfe!
Gruß Carlos

knipser009

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #6 am: August 13, 2019, 13:33:12 Nachmittag »
hallo Carlos

der Lomo Abbe Kondensor OI 14 hat eine solche Möglichkeit

http://mikroskopfreunde-nordhessen.de/dateien/OI-14.pdf
Viele Grüße aus dem SaarPfalzKreis

Wolfgang
gerne per "Du"

ortholux

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #7 am: August 13, 2019, 13:43:25 Nachmittag »
Der Abbe'sche Beleuchtungsapparat, zu finden an verschiedensten Leitz-Hufeisenstativen, ist mechanisch identisch. Nur die Steckhülse für die Lichtaustrittsöffnung des Ortholux fehlt.

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=20190.0

Wolfgang
« Letzte Änderung: August 13, 2019, 13:45:07 Nachmittag von ortholux »

olaf.med

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #8 am: August 13, 2019, 16:54:13 Nachmittag »
Hallo  Carlos,

Kondensor von Wolfgang,  Anpassung durch  mich wäre möglich.

Herzliche Grüße,

Olaf

RainerTeubner

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #9 am: August 13, 2019, 17:36:42 Nachmittag »
Hallo,

 den Mikrokosmos-Artikel von Bruno Wiertz findet ihr in der Anlage:

Viel Spaß bei der Lektüre!

Rainer
Mikroskop: Carl Zeiss Jena Jenaval
Bildbearbeitung: Gimp und picolay
Kamera: Canon EOS 5D II

Werner

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #10 am: August 13, 2019, 18:11:11 Nachmittag »
Statt die Blende zu verschieben, müßte doch auch die Verschiebung des gesamten Lichtbündels bei fester Blende funktionieren. Das könnte man mit einer schwenkbaren Planplatte realisieren.
Z.B. eine Stück 2 cm dicke Plexiglasplatte oder ersatzweise ein Stapel Objekttrager, mit Immersionsöl zusammengelebt.

Nur so als Anregung - Werner

Lupus

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #11 am: August 13, 2019, 18:59:29 Nachmittag »
Hallo,

bezüglich der Bildwirkung ist es ein deutlicher Unterschied, ob man Schieflicht in der Aperturblendenebene erzeugt, oder durch ein wie auch immer geartetes Neigen des Lichtbündels deutlich unterhalb dieser Ebene. Im ersten Fall lassen sich die ausgeprägteren Effekte erzielen.

Hubert

Carlos

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #12 am: August 13, 2019, 21:51:53 Nachmittag »
Hallo Olaf/Wolfgang,
Zitat
Kondensor von Wolfgang,  Anpassung durch  mich wäre möglich.
Interessantes Angebot. Das wäre sicher das, was mir vorschwebt.  Ich melde mich bei euch in Kürze per PN, um Details zu klären. (Kann aber etwas dauern. Ich bin nicht mehr der Schnellste.)
Danke und Gruß  Carlos

ortholux

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #13 am: August 13, 2019, 21:56:34 Nachmittag »
Hallo Olaf/Wolfgang,
Zitat
Kondensor von Wolfgang,  Anpassung durch  mich wäre möglich.
Interessantes Angebot. Das wäre sicher das, was mir vorschwebt.  Ich melde mich bei euch in Kürze per PN, um Details zu klären. (Kann aber etwas dauern. Ich bin nicht mehr der Schnellste.)
Danke und Gruß  Carlos

Haaaaalt!!! Die Idee ist gut, aber in Ermangelung eines Abbe'schen Beleuchtungsapparates leider nur eine Idee.

Ich kann Dir nur empfehlen, bei ebay die Augen aufzuhalten. Je nach Zustand kostet ein Hufeisenstativ zwischen 40 und 120 €. Und irgendwann kommt eins mit Abbe'schem Beleuchtungsapparat.

Ich halt auch mal die Augen auf.

'nacht
Wolfgang

Peter V.

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Re: Apparat für „schiefe Beleuchtung“ am Ortholux I
« Antwort #14 am: August 13, 2019, 22:03:30 Nachmittag »
Hallo,

ich gebe auch noch einmal zu bedenken, was Lupus angemerkt hat: Wäre es nicht besser, den Eingriff in den Strahlengang in der Aperturblendenebene durchzuführen? (wie auch immer man das konstruiert). H i e r erzielt man die besten Ergebnisse!
Ein sehr gutes Schieflicht kann man übrigens mit dem normalen Phasenkontrastkondensor 402a erzielen, wenn man eine Stellung zwischen den einzelenen Ringblenden anwählt. Das wäre übrigens meine Präferenz.

Herzliche Grüße
Peter


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