Autor Thema: Jung - Schlittenmikrotom Wartung  (Gelesen 4392 mal)

Winfried Todt

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #15 am: März 08, 2017, 20:03:01 Nachmittag »
Hallo Hugo,

ich werde das Mikrotom zerlegen und die Bilder hier veröffentlichen.

Herzliche Grüße
Winfried

jako_66

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #16 am: September 07, 2019, 18:50:21 Nachmittag »
Liebe Foristen,

nach dem Lesen dieses Threads habe ich ein gebrauchtes Jung HN-40 jetzt auch zerlegt (Danke nochmals Jörg für die Wartungsanleitung!).

Trotz Fin Super auf den Gleitbahnen war es eine Ruppelpiste, wenn der Schlitten bewegt wurde. Meine Frage: Gleitbahnen abziehen, warum soll das 1 Tag brauchen?
Im Handbuch wird das Abziehen mit Chrom-III-oxid auf Schmirgelpapier (280er, 400er, dann 1000er) empfohlen.

Was ich heute hinbekommen habe, ist mit Diamantpaste (erst 6 μm, dann 3 μm) die Bahnen dünn einzustreichen & nach jeweils 20-30 Zügen flutschte der Schlitten auf dem Gleitbahnöl. Allerdings ist nur der Auflagenbreich des Schlittens jetzt mattgrau geschliffen. So lassen oder doch die komplette Bahn abziehen?

Dank`Euch vorab & beste Grüße

Sven



Bob

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #17 am: September 07, 2019, 20:35:21 Nachmittag »
Hallo Sven,
so ein Schmiermittel mit Feststoff-partikel wie Fin Super sollte auf nur normal verschlissenen Bahnen eigentlich ein akzeptables Gleiten zulassen. Spannend wäre es gewesen, herauszufinden, was da eigentlich noch unregelmäßig reibt. Das könnten z.B. Partikel gewesen sein, die in die Oberfläche gedrückt waren, oder Kontakt an Stellen, die sich eigentlich nicht berühren sollen.

Nach dem Schleifen mit Diamantpaste würde ich vor allem darauf achten, diese gründlichst zu entfernen. Wenn der Schltten dann gut läuft, schnell wie langsam, würde ich es dabei belassen.
Optimal gleitfreudige Führungen brauchen nicht spiegelblank sein, das ist eher hinderlich. Ideal ist eine auf viele kleine Tragpunkte fein geschabte Oberfläche, in deren Tälern sich das Öl gut hält. Es macht aber m.E. keinen Sinn, so eine Schabung an bereits gebrauchten Oberflächen anzubringen, dass passt dann eh nicht über die gesamte Länge.

Viele Grüße,

Bob

jako_66

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #18 am: September 07, 2019, 22:18:55 Nachmittag »
Hallo Bob,

Danke für die Antwort! Denke der Vorbesitzer hat wohl die Bahnen etwas unregelmäßig blankpoliert. Dann ist ihm das Teil auch noch heruntergefallen. Zuerst fürchtete ich, das Schienenteil wäre verbogen. Alles, was Gewindestange heißt, ist entweder verbogen oder abgebrochen. Selbst das Messinglager im Fuß, welches das Stellzahnrad-Krims-Krams trägt, war krumm. Beherzte Hammerschläge am Schraubstock und alles funktioniert wieder bestens. Selbst der automatische Vorschub arbeitet nun wieder exakt.

Wenn ich noch einmal die Wahl zwischen Schmodder- oder verbogen-Mikrotom hätte, ich würd`den Schmodder nehmen...

Dann lasse ich alles so wie es jetzt ist. Das Schnippelaufkommen hält sich ja (noch) in Grenzen.

Viele Grüße

Sven
« Letzte Änderung: September 08, 2019, 19:51:21 Nachmittag von jako_66 »

Hugo Halfmann

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #19 am: September 09, 2019, 13:43:03 Nachmittag »
Hallo Sven,

Zitat
Trotz Fin Super auf den Gleitbahnen war es eine Ruppelpiste, wenn der Schlitten bewegt wurde. Meine Frage: Gleitbahnen abziehen, warum soll das 1 Tag brauchen?
Im Handbuch wird das Abziehen mit Chrom-III-oxid auf Schmirgelpapier (280er, 400er, dann 1000er) empfohlen.
Das braucht so ewig, weil man die gründlich gereinigten und entfetteten Bahnen von Hand, mit einem ebenen Schleifklotz langsam und gerade über die gesamte Länge komplett abzieht.  Beim Wechsel zu feinerem Korn ist alles gründlichst zu säubern, damit keine gröberen Körner den feineren Schliff zunichte machen.

Je nach dem wie flach die Schlaglöcher sind, kann man auch gleich mit feinem Schleifpapier beginnen, das dauert dann zwar länger, weil der Abtrag geringer ist, aber die Gefahr, was zu ruinieren ist deutlich geringer.

Ist man mit den Bahnen fertig, schleift man den Schlitten wie folgt ein: Schleifpapier knicken und über die Gleitbahn legen und den Schlitten über das Schleifpapier hin- und herschieben.

Sinn und Zweck der ganzen Prozedur ist es, feinste, durchgehende Rillen zu erzeugen, in denen sich das Öl sammelt, so daß die Bildung eines Ölfilms, auf dem der Schlitten schön gleitet, recht einfach wird. Mit Polieren hat das nichts zu tun!

Sowas macht man mit Ruhe und Geduld, Hektik ist hier fehl am Platze.
« Letzte Änderung: September 09, 2019, 16:41:11 Nachmittag von Hugo Halfmann »
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

jako_66

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #20 am: September 10, 2019, 18:28:25 Nachmittag »
Liebe Foristen,

auf Bitten von Holger stelle ich gerne einige Fotos vom Jung Mikrotom HN-40 rein. Die abgebrochenen Gewindestangen im 3. Bild sind aufgebohrt und mit einem M5-Gewindeschneider korrigiert. Aufgrund des restlichen guten Zustandes gehe ich nicht von einer allzu hohen Fallhöhe aus. Für die vakante Position am Stellzahnrad suche ich noch eine Rändelschrauben-Konstruktion. Ein Versuch den Hersteller zu kontaktieren war nicht erfolgreich.
Mit Schleifpapier ab 2000er Korn werde ich die Bahnen am Wochenende komplett abziehen, eventuell vielleicht mit Wasserschleifsteinen äquivalenter Korngröße?


Viele Grüße

Sven

Bob

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #21 am: September 10, 2019, 19:12:29 Nachmittag »
Hallo Sven,
das Ding sieht doch sonst noch prima aus und wurde vermutlich wenig benutzt. Ich würde daher nicht unnötig viel daran herumschleifen. Ideal zum Gleiten ist ein Oberfläche mit vielen kleinen Vertiefungen, die sind jetzt nicht vorhanden, sind es aber auch nicht, wenn Du die Bahnen auf Spiegelglanz bringst.
Was Du noch machen könntest: Die Führungsflächen des Schlittens entfetten , dann dünn mit Edding bemalen, und über die entfettete Führungsbahn schieben. Evtl. zeigt Farbauftrag, dass doch noch vorstehende Stellen zu finden sind. Das ganze dann mal anders herum durchführen. Solche vorstehenden Stellen werden durch Abschleifen oft nicht gezielt genug getroffen.
Welche Sorte Gleitbahnöl verwendest Du?
Mein 1870er Schanze Mikrotom aus Messing hat sicherlich mehr erlebt, als Dein Mikrotom, aber 220er Gleitbahnöl hilft über allen Kummer hinweg. 8)

Ich meine, dass Jung in Leica aufgegangen wäre.

Viele Grüße,

Bob

jako_66

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Re: Jung - Schlittenmikrotom Wartung
« Antwort #22 am: Oktober 04, 2019, 19:42:21 Nachmittag »
Liebe Foristen,

gestern habe ich die Schlittenbahnen vom Jung HN-40 mit 320/400/800/1200 Schleifpapier jeweils im feuchten Zustand mit etwas Chrom-(III)-oxid abgezogen, wie in der Bedienungsanleitung beschrieben. Jetzt funktioniert alles perfekt. Mein Tipp: schnell arbeiten bzw. die Bahnen schnell abtrocknen, sonst rostet es etwas. Oder mit Öl schleifen.

Dank der Gleitbahnölspende von Bob ist mein Favorit das GLP68. In der Reihe mit ansteigender Viskosität wird der Schlitten langsamer: Fin Super (Schlitten zu schnell) < GLP68 (Schlitten gleitet perfekt)< GLP220 (Schlitten zu langsam).

Wer Chrom-(III)-oxid braucht, dem kann ich gerne eine kleine Dose kostenfrei zukommen lassen.

Viele Grüße

Sven