Autor Thema: Dolerit  (Gelesen 146 mal)

Dünnschliffbohrer

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Dolerit
« am: Oktober 12, 2019, 23:12:55 Nachmittag »
Liebe Mikroskopiker,

meinem Forumsspitznamen entsprechend, möchte ich endlich mal wieder einen meiner Dünnschliffe zeigen. Ich hatte das Stück 2014 aufgelesen, und den Schliff bereits 2015 angefertigt, und wollte ihn schon längst mal hier gezeigt haben.
Es handelt sich um ein Strandgeröll, welches von einem der umliegenden Berge herunter gekommen ist. Der Berg, der am ehesten in Frage kommt, ist der Högskule-Fjellet südlich der Skansbukta am Billefjord, der vom Eisfjord in Spitzbergen abzweigt. In Westspitzbergen sind während Jura/Kreide an vielen Stellen basaltische Intrusionen aufgedrungen, die dort mehr oder weniger schichtparallele Lagergänge (engl. "sill") gebildet haben. Zunächst einmal zwei Aufschlussfotos. Man erkennt den Lagergang an seinen senkrecht zu den Schichten stehenden, an Basaltsäulen erinnernden Absonderungsflächen. In Wirklichkeit sind es aber keine Basaltsäulen, der Eindruck entsteht nur dadurch, dass das Foto aus recht großer Entfernung aufgenommen wurde.
Petrographisch ist das Gestein eigentlich nichts besonderes. Es entspricht im Wesentlichen einem grobkörnigem Basalt. Zwischen den Sedimenten aus der Trias, in die das Magma eingedrungen ist, konnte es ja langsam abkühlen und gröbere Kristalle bilden. Im einfach polarisierten Licht sieht man Erz (opak, d.h. schwarz und länglich). Weiters viele Plagioklasleisten (hell, z.T. erkennt man die Verzwilligung). Und schließlich, hauptsächlich in den Zwickeln gelegen, Pyroxen, der in verschidenen Brauntönen erscheint. Die Struktur mit den leistenförmigen Feldspäten als Einschlußkristall in den Pyroxenen (Augiten) wird als ophitische Struktur bezeichnet.
Die Bildbreite müßte ungefähr 1,5 X 1 mm sein.









Auf den letzten beiden Bildern ist offenbar ein "vergammelter" Augit, der den großen gelb-braunen Klecks bildet, mit abgebildet:





Viel Spass beim ansehen, und einen schönen Sonntag! Für Berichtigungen und Ergänzungen bin ich immer dankbar.


"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

olaf.med

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Re: Dolerit
« Antwort #1 am: Oktober 13, 2019, 13:00:15 Nachmittag »
Lieber DSB,

den "vergammelten" Kristall halte ich für einen serpentinisierten Olivin. Augit wäre ja auch nur ein Pyroxen, und warum sollte der sich anders verhalten als die anderen Klinopyroxene im Schliff.

Herzliche Grüße, Olaf

Dünnschliffbohrer

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Re: Dolerit
« Antwort #2 am: Oktober 13, 2019, 19:28:42 Nachmittag »
Lieber Olaf,

danke, ja das mit dem Olivin klingt plausibel. Ich hatte mich auch schon gefragt, warum nur der eine Kristall vergammelt sein sollte, und die anderen nicht. Aber auf Serpentinit wäre ich nicht gekommen. Und zwar wegen der braunen Eigenfarbe, und weil das Zeug zwischen gekreuzten Polaren nicht eisengrau erscheint (Überlagerung durch die Eigenfarbe? Vieleicht auf Grund von Verunreinigungen?). Wegen der braunen Farbe hatte ich dann zuerst mal an den Augit als ursprüngliches Mineral gedacht. Ob das Zeugs Pleochroimus zeigt habe ich noch nicht ausprobiert, wollte es aber noch machen.
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]