Autor Thema: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?  (Gelesen 301 mal)

Alex H.

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Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« am: Februar 08, 2020, 14:38:01 Nachmittag »
Hallo miteinander,

ich habe vor einer Woche Staubblätter der Hasel in Euparal eingedeckt und für einen Tag auf die Wärmeplatte gelegt. Heute wollte ich das Präparat auf der Wärmeplatte etwas nachtrocknen. Zwischendurch habe ich den OT mal mit dem Mikroskop begutachtet, und hierfür mit einem Baumwolltuch und sanftem Druck das Deckglas gereinigt. Dieses hat sich dadurch verschieben lassen, als hätte ich frisch eingedeckt. Das Präparat ist hinüber.
Jetzt zu meiner Frage: lässt sich bereits angetrocknetes Euparal durch eine zu hohe Trocknungstemperatur wieder verflüssigen?

Grüße
Alex
Ich befasse mich mit der Botanik, derzeit vorrangig mit Kryptogamen und den Bestäubungsmechanismen der Spermatophyta
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liftboy

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #1 am: Februar 08, 2020, 15:21:08 Nachmittag »
Tja Alex,  gelitten!

Aber keine Angst, derlei ist mir auch schon reichlich passiert. Ebenfalls Vorsicht bei schon etwas älteren (bis 1 Monat) Präparaten und Ölimmersion. Die Immersion hatte geklappt, das anschließende putzen nicht!

Grüße
Wolfgang

Alex H.

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #2 am: Februar 08, 2020, 15:45:27 Nachmittag »
Hallo Wolfgang,

dann denkst du das Euparal war einfach noch nicht fest? Mein erster Eindruck war dass es durch eine neuerliche zu heiße Trocknung wieder flüssig wurde... Das ist aber wohl keine Eigenschaft von Euparal, oder?

Grüße
Alex
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HDD

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #3 am: Februar 08, 2020, 15:59:46 Nachmittag »
Hallo Alex
Das ist mir auch schon passiert. Ich denke mal das Euparal verhält sich ähnlich wie ein Harz. Wenn man es erwärmt erreicht es wieder einen teigigen Zustand und härtet dann aber wieder aus. Dadurch können aber Spannungsrisse entstehen. Wenn sich allerdings das Deckglas verschiebt, dann war es das mit dem schönen Präparat.

Viele Grüße   Horst-Dieter
« Letzte Änderung: Februar 09, 2020, 06:38:37 Vormittag von HDD »

Herbert Dietrich

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #4 am: Februar 08, 2020, 16:50:01 Nachmittag »
Hallo Alex,

durch die Wärmebehandlung wird nach meiner Erfahrung das Präparat vom Rand her angetrocknet, fest ist es aber noch lange nicht.
Man kann zwar vorsichtig mikroskopieren, aber in den inneren Bereichen ist das Euparal noch lange nicht fest. Wann das geschieht?
Da ich überwiegend immer noch mit Caedax eindecke, kann ich nur sagen, dass auch ganz dünne Diatomeenpräparate noch Wochen bis Monate
im Innern noch nicht fest sind.

Herzliche Grüße

Herbert

liftboy

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #5 am: Februar 08, 2020, 17:13:25 Nachmittag »
Hallo Herbert,

zun Caedax kann ich nichts sagen, aber Kanadabalsam hat fast ein Jahr gedauert, bis es wirklich fest war. Dafür aber bis jetzt unverwüstlich!

Grüße
Wolfgang

Herbert Dietrich

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #6 am: Februar 08, 2020, 17:28:54 Nachmittag »
Hallo Wolfgang

Künstlichen Kanadabalsam verwende ich neben Caedax, ich denke im Verhalten der beiden ist kaum ein Unterschied,
Es kann Einbildung sein, aber ich finde die Farben sind noch etwas strahlender als bei Euparal.

Herzliche Grüße

Herbert

Klaus Henkel

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #7 am: Februar 09, 2020, 13:38:23 Nachmittag »
Hallo Wolfgang

Künstlichen Kanadabalsam verwende ich neben Caedax, ich denke im Verhalten der beiden ist kaum ein Unterschied,
Es kann Einbildung sein, aber ich finde die Farben sind noch etwas strahlender als bei Euparal.

Herzliche Grüße

Herbert

Es kommt darauf an. Deine Beoachtung ist real. Sobald das Euparal ausreichend getrocknet ist, bei 40 bis 50 Grad im Trockenschrank, über Nacht genügt (auf den Wohldenberg-Treffen haben wir die Präparate um ca. 18 Uhr eingelegt und am folgenden Vormittag herausgenommen. Das genügt völlig.) Dann strahlen die Farben kontrastreich und klar und stehen anderen Einschlußmitteln in dieser Hinsicht in nichts nach.

Wenn man Euparalpräparate kuz nach dem Einschluß im Mik. betrachtet, könnte man enttäuscht sein, wenn man es nicht besser weiß. Ich habe mehrere hundert Euparalpräparate aus den Jahren 1955 bis 2010, die strahlen, gewinnen jeden Wettbewerb.

Zur Verflüssigung:
Man kann jedes Einschlußmittel verunreinigen. Man muß die "Regeln" einhalten. Ich habe oft beobachtet, daß Anfänger meist viel zu viel Einschlußmittel aufs Präparat geben, zu dicke Tropfen. Das wird dann nie etwas Richtiges.

Grüße!
KH

Fahrenheit

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #8 am: Februar 09, 2020, 19:53:03 Nachmittag »
Lieber Alex,

nach meiner Erfahrung dauert es bis zu 6 Mionate, bis Euparal komplett durchgetrocknet ist. Wie oben schon geschrieben: wenn nur der Rand getrocknet ist, kann etwas zu viel Kraft aufs Deckglas das Präparat zerstören.
Dafür ist es was Luftblasen und sogar ein wenig Feuchtigkeit angeht, recht tolerant.

Herzliche Grüße
Jörg
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Alex H.

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Re: Euparal - Verflüssigung durch zu hohe Trocknungstemperatur?
« Antwort #9 am: Februar 09, 2020, 21:41:25 Nachmittag »
Hallo miteinander,

vielen Dank für eure Antworten und Einschätzungen. Ich habe die lange Trocknungsdauer von Euparal unterschätzt. Ich dachte das ginge auf der Wärmeplatte doch etwas schneller bis das Präparat sicher zu handhaben ist. Bei meinen Präparaten kommt noch dazu dass diese relativ dick sind, und deshalb ist die Menge an Eindeckmittel dementsprechend hoch. Ich fertige kaum Schnitte an, sondern decke hauptsächlich komplette Pflanzenteile wie Brutkörper, Frucht- oder Staubplätter ein. Da mein Interesse eher der Morphologie als der Anatomie auf Zellebene gilt.

Nach meinem gestrigen Missgeschick bin ich derzeit dabei meine Wärmeplatte zu modifizieren. Die Trocknung erfolgt jetzt nicht mehr direkt über die Oberfläche der Wärmeplatte, sondern durch die Lufttemperatur in einer Art Wärmeschrank aus Karton. Die Temperatur die am OT ankommt lässt sich so relativ stabil einstellen. Hohe Temperaturspitzen am Präparat kommen nun nicht mehr vor.

Grüße
Alex
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