Durchlicht kontra AuflichtObjektive

Begonnen von chishoro, November 08, 2009, 22:05:46 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

chishoro

Viele Hersteller von Mikroskopen bieten bei gegebener Objektivklasse (z.B. die Achromaten) sowohl die Auflicht wie auch Durchlichtobjektive an.

Im Rahmen der Firma Zeiss koennte man jetzt beispeislweisse das Auflichobjektiv Epiplan HD 8/0.2 160/- mit einem aenlichen Durchlichtobjektiv (z.B. einem Plan Achromaten 10x vergleichen.

Mich wuerde jetzt eingentlich folgendes interessieren:

- Wodurch unterscheiden sich Auflicht resp. Durchlichtobjektive in Wesentlichen (soferne beides z.B. Achromaten sind)
- Welche Einschraenkungen sollte man erwarten wenn man Auflichtobjektive fuer Durchlicht oder umgekehrt verwendet ?
- Gelten solche Einschraenkungen denn unabhaengig von der Vergroesserung ?
- Gelten solche Einschraenkungen auch dann wenn beide Objektive mit oder ohne Deckglass verwendet werden koennen ? (also z.B. 160/-) ?

           Gruss,

                  chishoro

Werner Jülich

Sie können bis zu einer NA von ca. 0,25 mit beiden Objektivtypen vergleichbar viel sehen, egal ob das Durchlichtobjektiv ohne Deckglas genutzt wird oder das Auflichtobjektiv mit. Darüberhinaus wird es dann aber sehr schnell ungeniessbar, spätestens ab NA 0,5 kann von wechselseitiger Verwendung keine Rede mehr sein. 
Werner Jülich

Frank D.

Hallo chishoro,

hier einige Anforderungen an die Objektive für Auflicht-Hellfeld Beleuchtung.
Aus: CZJ Applikationsorientierter Mikroskopobjektivkatalog 2/1987

MfG
Frank

( an Bernd: Habe mich bemüht die Erdkrümmung zu kompensieren und den Text Deiner natürlichen Horizontlinie anzupassen! )

http://www.npshare.de/files/16c046e4/CZJ%20Objektive_23.pdf

Nomarski

#3
Hallo,

Zitat- Gelten solche Einschraenkungen auch dann wenn beide Objektive mit oder ohne Deckglass verwendet werden koennen ? (also z.B. 160/-) ?

Ich kenne kein Auflicht-Objektiv mit der Aufschrift 160/0,17. Einzige Ausnahme: Das Epiplan HD 40x 160/0,17.

(an Frank: Gut gemacht! Jetzt müssen nur noch die stürzenden Linien ausgeglichen werden. Hat dein Scanner Shift-Optik?  ;D)

TPL

#4
Zitat von: chishoro in November 08, 2009, 22:05:46 NACHMITTAGS- Wodurch unterscheiden sich Auflicht resp. Durchlichtobjektive in Wesentlichen (soferne beides z.B. Achromaten sind)
- Welche Einschraenkungen sollte man erwarten wenn man Auflichtobjektive fuer Durchlicht oder umgekehrt verwendet ?
- Gelten solche Einschraenkungen denn unabhaengig von der Vergroesserung ?
- Gelten solche Einschraenkungen auch dann wenn beide Objektive mit oder ohne Deckglass verwendet werden koennen ? (also z.B. 160/-) ?

Hallo chishoro,
ich bleibe beim Beispiel der Zeiss-West-Endlich-Optik:
1. Ob sich die Optik-Rechnungen unterscheiden, kann ich nicht sagen. Aus Franks Artikel geht aber hervor, dass CZJ bei den Vergütungen andere Verfahren eingesetzt wurden. Ich nehme an, CZW hat das ähnlich gehandhabt. Mechanisch gibt es dagegen große Unterschiede: Auflicht-Objektive sind üblicherweise kurz gefasst, um bei der klassischen Montage eines AL-Kondensors anstelle des DL-Revolvers noch ausreichend Platz für dicke Proben zu bieten. Die Abgleichlängen der Epiplane betragen deshalb 22 oder 33 mm (Ausnahme: EPIPLAN StM, EPIPLAN Ph und ein paar wenige andere mit 45 mm Abgleichlänge). Außerdem hat kein mir bekanntes AL-Objektiv einen Objektschutz! Und das ist eine wirklich wichtige Sache, wenn man sich überlegt, ob man die EPIPLAN StM-Objektive am Durchlicht-Revolver einsetzt. Ich tue das, z.B. bei unabgedeckten Dünnschliffen, aber bei den starken Objektiven (vom 40er an aufwärts) muss man höllisch aufpassen, damit man bei deren extrem kurzen Arbeitsabständen nicht die Frontlinse ins Präparat drückt :'(. Abhilfe: ein Anschlifftisch. Damit scheidet dann allerdings der schnelle Wechsel zum Durchlicht aus.

2. AL-Objektive lassen sich - abgesehen vom oben gesagten - völlig problemlos für Durchlicht-Präparate verwenden, wenn a) entweder die Eigenvergrößerung/num. Apertur gering ist (s. Beitrag von Herrn Jülich) oder wenn b) die Proben unbedeckt sind. Starke DL-Objektive für unbedeckte Präparate ("o.D.") gab es von Zeiss mehrere, und die lassen sich auch gut für unbedeckte Auflicht-Präparate einsetzen. Am ehesten natürlich Plan-Objektive wie das Plan 63/0,90 o.D.

3. s.o.

4. Objektive, die Zeiss mit dem Strich ("-") gekennzeichnet hat, lassen sich grundsätzlich sowohl mit als auch ohne Deckglas einsetzen; d.h. man erhält ein scharfes Bild. Allerdings liefern die wenigsten Objektive im AL auch ein kontrastreiches und reflexarmes Bild, wenn ein Deckglas aufliegt. Dagegen lassen sich die schwachen AL-Objektive ohne für mich erkennbare Einbußen sowohl im DL als auch im AL einsetzen.

Klaus Herrmann

Hallo Thomas,

super Zusammenfassung, der man eigentlich nichts mehr hinzufügen muss - ich hab nur noch ein Beispiel zur Demo Deiner Aussage:

ZitatAllerdings liefern die wenigsten Objektive im AL auch ein kontrastreiches und reflexarmes Bild, wenn ein Deckglas aufliegt.

Diese Aufnahme habe ich im Auflicht gemacht und zwar im polarisierten Auflicht (gekreuzte Polarisatoren). Im normalen AL-HF war das Bild so flau dass ichs wieder gelöscht habe! Die Polarisation löscht Reflexlicht, das ja polarisiert ist. Allerdings ist das mit dem EpiPlanNeofluar 10x gemacht. Ab dem 20er wirds dann wieder schlecht, weil das ja für D=0 ist und das Deckglas dann stört! Bestätigt die Aussage von Herrn Jülich!

Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Jürgen Boschert

Hallo,

zum Thema Deckglas: ich habe ein Zeiss/West Epiplan HD 100 /1,25 Öl. Das liefert von unbedeckten Präparaten im Durchlicht knackscharfe Bilder (im Auflicht natürlich sowieso), ist aber bei Präparaten mit Deckglas im Durchlicht absolut unbrauchbar.

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB

Nomarski

Guten Abend,

Zitatzum Thema Deckglas: ich habe ein Zeiss/West Epiplan HD 100 /1,25 Öl. Das liefert von unbedeckten Präparaten im Durchlicht knackscharfe Bilder (im Auflicht natürlich sowieso), ist aber bei Präparaten mit Deckglas im Durchlicht absolut unbrauchbar.

Das ist sicher nicht verwunderlich, da es für unbedeckte Präparate gerechnet ist und mit der Aufschrift D=0 gekennzeichnet ist. In der Druckschrift "Optik für Mikroskope" ist dies auch so angegeben.

Jürgen Boschert

Hallo,

"mental" ist mir das schon klar. Aber die Geschichte mit der homogenen Immersion steckt bei mir - und ich denke wohl bei vielen von uns - so tief, dass man Öl-Immersionen immer mit Deckglas = wurscht assoziiert. Dieses Objektiv hat mich in Erstaunen versetzt, wie vollkommen daneben man mit dieser Auffasung liegt , wie gesagt, insbesondere der Umfang der Qualitätseinbuße der Abbildungsleistung war für mich sehr überraschend.

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB

Klaus Herrmann

Hallo Jürgen

diese 100er öl oD werden doch von dem Medizinern zum Betrachten von unbedeckten Blutausstrichen verwendet.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

TPL

...das glaube ich nicht, Klaus, dass das EPIPLAN HD 100/1,25 Oel, von dem Jürgen schrieb, von Medizinern eingesetzt wurde - jedenfalls bestimmt nicht häufig. Das waren wohl eher die konventionell gebauten DL-Objektive (ohne Dunkelfeld-Beleuchtungsringraum, dafür mit Objektschutz!), die, soweit ich weiß, als einfache Achromaten, Planachromaten und als Neofluare gebaut wurden.

Udo Hammermeister

Wenn der Brechungsindex vom Immersionsöl und vom Deckglas bis auf 2 - 3 Stellen hinterm Komma gleich ist, fällt mir einfach keine Erklärung mehr dazu ein, dass dieses Objektiv mit einem Deckglas so viel schlechter abbildet.
Es sei denn, der Arbeitsabstand dieses Objektivs ist kleiner als 0,17 mm, was ja durchaus in der Größenordnung solcher Objektive liegt. Dann bedarf es keiner weiteren Erklärung.
Oder es ist gar der Rest Wasser, der sich ja meistens unter einem Deckglas befindet.

Grüße Udo

TPL

#12
Zitat von: Udo Hammermeister in November 10, 2009, 01:42:22 VORMITTAGEs sei denn, der Arbeitsabstand dieses Objektivs ist kleiner als 0,17 mm, was ja durchaus in der Größenordnung solcher Objektive liegt. Dann bedarf es keiner weiteren Erklärung.

Hallo Udo,
am Arbeitsabstand kann es nicht liegen, denn der ist bei diesem Objektiv mit 0,25 mm gerade noch groß genug für die Präparatdicke, das Deckgläschen und einen Immersionsöl-Film.

@Jürgen: ich weiß zwar, dass Du Deine Geräte sehr gut kennst, aber hast Du bei der DL-Anwendung des EPIPLAN HD 100/1,25 Oel den Auflicht-Reflektor entfernt? Der verschleiert das Bild dann ja nur unnötig. Zeiss hatte für diesen Zweck spezielle Kappen aus schwarz eloxiertem Aluminium, die man anstelle der Reflektoren einsetzen kann.

Klaus Herrmann

Hallo Thomas,

recht hast Du:
ZitatEPIPLAN HD 100/1,25 Oel
das ist nicht für die Medizinmänner gemacht. Habs gerade in der Liste nachgeschaut und bin etwas irritiert über das HD bei einem öl-Objektiv. Das mus ja völlig anders gebaut sein wie die trockenen HD-Epiplane?

Ich habe noch nie eines in der Hand gehabt - wie sieht das denn aus?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

TPL

#14
Zitat von: Klaus Herrmann in November 10, 2009, 12:44:27 NACHMITTAGS... und bin etwas irritiert über das HD bei einem öl-Objektiv. Das mus ja völlig anders gebaut sein wie die trockenen HD-Epiplane? Ich habe noch nie eines in der Hand gehabt - wie sieht das denn aus?

Hallo Klaus,
Bilder vom EPIPLAN HD 100/1,25 Oel kann ich heute abend einstellen. Grundsätzlich ist der Aufbau dem anderer HD-Objektive ähnlich: zentraler Objektivtubus und ein peripherer Ringraum, durch den der Beleuchtungsstrahlengang geführt wird. Bei den schwachen HD-EPIPLANen sitzt in diesem Ringraum eine Streuscheibe, während bei den stärkeren HD-EPIPLANen das Licht direkt auf die hochpolierte, innenliegende Kegelstumpf-Fläche trifft, über die es unter flachem Winkel zum Präparat hin reflektiert wird.

Beim EPIPLAN HD 100/1,25 ist dagegen im Frontbereich randlich ein gläserner Ring mit prismatischem Querschnitt eingekittet, der das Licht schief auf die Probe lenkt. Dieser Ring ist (zumindest bei meinem Exemplar) nicht gegen die Frontlinse hin abgedichtet oder verkittet und lässt sich zusammen mit der Frontkappe abschrauben. Das war auch bitter nötig, denn als ich mein Exemplar bekommen habe, war dort eine Menge altes Immersionsöl "gelagert" (ich hoffe mal, dass es nichts Anderes war :-X)