Schutzbekleidung beim Arbeiten mit Xylol und Isopropanol

Begonnen von Christoph F, März 27, 2020, 18:22:34 NACHMITTAGS

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treinisch

Hallo,

Zitat von: Peter V. in März 27, 2020, 21:17:07 NACHMITTAGS
Aber im Ernst: Der "gesunde Menschenverstand" im Umgang mit Chemikalien geht leider völlig verloren, weil kaum noch jemand die tatsächliche Gefahr einschätzen kann, wenn "alles" gefährlich ist.

normalerweise argumentiere ich ja auf der anderen Seite, weil es mir Angst macht, wenn ich mir vorstelle, dass so manche Leute bestimmtes Zeug in die Hände bekommen. Aber ich stimme dir zu Peter. Bei der Chemikalienregulierung ist die Grenze zur Sinnhaftigkeit seit längerem nicht nur überschritten, sondern gestürmt.

Wie so oft im Leben ist das halt die Gegenreaktion. Uns hat man im Studium (ich bin 73 geboren) noch erzählt, man könne mit Benzol die Hände waschen, etc. pp.

Tja, ist halt ein Pendel. Ich weiß nur nicht, ob es jemals zurückschlägt?

Meine Meinung:
Was Iso angeht: Keine Schutzmaßnahmen erforderlich.
Xylol: bei ordentlichem Arbeiten keine Schutzmaßnahmen erforderlich.

Schöne bequeme Schutzbrille ist allerdings eine gute und sinnvolle Angewohnheit, beim schneiden, bohren, fräsen, pipettieren, mischen, streichen, mörsern. Genau wie beim Arbeiten nicht zu essen.

vlg
Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Christoph F

Hallo,
danke für die vielen Antworten, das hat mir sehr geholfen. Ich habe mir auch schon fast gedacht, dass die Handhabung solcher Stoffe bei ml Mengen kaum so gefährlich sein kann. Auch, dass Isopropanol als gängiges Putzmittel verwendet wird hat mich dem Sicherheitsblatt gegenüber etwas skeptisch gemacht. Um Klaus Frage noch zu Beantworten: Ich benutze Xylol als Lösungsmittel und Zwischenmedium für Malinol. Also Entwässerung mit Isopropanol, dann ins Zwischenmedium Xylol bevor ich es in Malinol einbette.
LG Christoph
Wissen ist nicht mit Können gleichzusetzen. Können entsteht aus Wissen und 10000 Wiederholungen.

Bernd

Hallo,

was bei Isopropanol wichtig ist aber gerne vergessen bzw nicht erwähnt wird: niemals in Klarglasflaschen im Hellem lagern! Isopropanol ist ein berüchtigter Peroxidbildner (Explosionsgefahr). Gebinde sollte deshalb möglichst jährlich auf Peroxide getestet und falls positiv entsorgt werden.

Viele Grüße
Bernd

Carsten Wieczorrek

Hallo,
unsere Kunden forder immer wieder das Sicherheitsdatenblatt für die Literflasche destiliertes Wasser an. Muss ich nacher mal raussuchen.
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Klaus Herrmann

#19
Hallo Christoph,

ZitatIch benutze Xylol als Lösungsmittel und Zwischenmedium für Malinol. Also Entwässerung mit Isopropanol, dann ins Zwischenmedium Xylol bevor ich es in Malinol einbette.

Das ist einer der Gründe, warum ich und viele,viele andere seit Jahrzehnten Euparal verwende. Da reicht Isopropanol.

@ Bernd 
ZitatBeim Abdestillieren von 2-Propanol bis zur Trockne ist es deshalb zu teils schweren Unfällen gekommen. Es ist daher ratsam, Isopropanol vor dem Abdestillieren auf Peroxide zu prüfen.
Die Explosionsgefahr gibt es aber nur bei sehr alten Proben und wenn man es destilliert, das Peroxid reichert sich im Rest an.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

olaf.med

....
Zitatunsere Kunden forder immer wieder das Sicherheitsdatenblatt für die Literflasche destiliertes Wasser an.

H2O ist ja auch in jeder Form ein lebensgefährlicher Stoff - überlege mal wie viel Leute weltweit darin ertrinken!
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Peter V.

#21
Hallo,

natürlich wiwehert der Amtsschimmel auch bei Wasser und natürlich gibt es dafür auch Sicherheitsdatenblätter:

http://www.wittig-umweltchemie.de/pdf/Sicherheitsdatenblatt-AQUA-DEST-destilliertes-Wasser.pdf

https://www.carlroth.com/medias/SDB-3478-DE-DE.pdf?context=bWFzdGVyfHNlY3VyaXR5RGF0YXNoZWV0c3wyMjgzNTJ8YXBwbGljYXRpb24vcGRmfHNlY3VyaXR5RGF0YXNoZWV0cy9oNzMvaDE0Lzg5NDc4NDYzMTYwNjIucGRmfGI3Nzg4YTM1Mzc1OWYzZTUyNTZjODNjMGM2OGU3NTExNzY0Zjk5ZDMzNDU0N2IwYzEyYWRmNjE1ZDczMzVhNjA


Hier die wichtigsten Hinweise:

ZitatBeschreibung der Erste-Hilfe-MaßnahmenAllgemeine Anmerkungen: Kontaminierte Kleidung ausziehen.

ZitatHinweise für die BrandbekämpfungBrandbekämpfung mit üblichen Vorsichtsmaßnahmen aus angemessener Entfernung. Umgebungs-luftunabhängiges Atemschutzgerät tragen

ZitatHinweise wie die Reinigung im Fall von Verschütten erfolgen kannMit saugfähigem Material (z.B. Lappen, Vlies) aufwischen.

Zitat6.1 Personenbezogene Vorsichtsmaßnahmen:Rutschgefahr durch ausgelaufenes / verschüttetes Produkt

Zu Isopropanol: Das wird aber auch in Klarglasbehältnissen geliefert. Wikipedia schreibt zu den Peroxiden:

Zitat
2-Propanol kann, wie andere sekundäre Alkohole auch,[21] mit Luftsauerstoff explosionsfähige Peroxide bilden.[22][23][24] So wurde beispielsweise in Behältern, in denen Isopropanol zehn Jahre aufbewahrt worden war, ein Peroxidgehalt von 1 % festgestellt; Peroxid-Konzentrationen bis 4,2 % wurden berichtet.[21] Beim Abdestillieren von 2-Propanol bis zur Trockene ist es deshalb zu teils schweren Unfällen gekommen. Es ist daher ratsam, Isopropanol vor dem Abdestillieren auf Peroxide zu prüfen.

Danke für den Hinweis übrigens. Dass Isopropanol auch Peroxide bildet, war mir tatsächlich nicht (oder nicht mehr) bewusst, ich hatte es nur die Ether wie z.B. Diethyelther im Kopf.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Tilman

Sehr gut! Wenn heutzutage das Auto mit Verbrennungsmotor erfunden worden wäre, hätte eine Zulassung sicher unüberwindbare Probleme gehabt: Emissionsschutz, Lärmschutz, Umweltschutz, Gefahrguttransport, Chemikaliengesetz, kanzerogene Bestandteile (Benzol usw.). Ganz abgesehen von der Benutzung dieser "Gegenstände" die regelmäßig zu Verletzten und Toten führt. Nein, das Auto passt eigentlich nicht zur heutzutage übliche Vollkaskomentalität. Ich fürchte, wir würden alle mit Fahrrad daherkommen.

Carsten Wieczorrek

Für's grobe : GSZ 1
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Für farbige Streifen : Epival Interphako

reblaus

Danke!

5 (in Worten "fünf") DIN A4-Seiten. Welch tiefe Symbolik!

Gruß

Rolf

Lupus

Hallo,

ZitatDie Explosionsgefahr gibt es aber nur bei sehr alten Proben und wenn man es destilliert, das Peroxid reichert sich im Rest an. 
das Thema Explosion durch Peroxid scheint auch bei dem WHO-Rezept für Desinfektionsmittel für Diskussion gesorgt zu haben:
https://www.ptaheute.de/news/artikel/keine-gefahr-desinfektionsmittel-explodieren-nicht/

Hubert

konsonant

#26
hallo
also das Sicherheitsdatenblatt für das destillierte Wasser gibt "keine" Erste Hilfe Maßnahmen für Verschlucken an. Mein Chemielehrer hat uns erzählt wie sich ein Kommilitone mit dem Trinken von destilliertem Wasser umgebracht hat, er hat dabei Protokoll geführt und von großen Schmerzen berichtet, hat ca 4 Stunden gedauert bis die Eintragung endeten. Das war kurz nach dem Krieg in der Lehrerausbildung, vielleicht fühlte der sich schuldig.

Nachtrag : sorry, der mit dem Protokoll nahm Zyankali, aber den Todesfall mit destillierten Wasser gab es auch. Hat der Lehrer erzählt. Kaum zu glauben. Ja. Aber es haben sich auch schon Ectasy-User mit zuviel Wasser trinken den Tod.
schreibrecht unbegrenzt gesperrt. danke dem zuspruch. https://www.fip.fr/

Carsten Wieczorrek

Dafür gibt es an, wie man Verschmutzungen mit dieser Chemikalie tatsächlich mit Wasser wegwischen kann.


;D ;D ;D
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ImperatorRex

Hallo Carsten,
bitte beim Aufwischen des destillierten Wassers darauf achten, keine Dämpfe einzuatmen. Darauf hatte ich bislang nicht geachtet.
viele Grüße
Jochen

Carsten Wieczorrek

Hallo nochmal,

also, nur zur Sicherheit (doppelt hält besser): dieses Datenblatt gibt es nicht, weil wir das KÖNNEN, weil ich es programmieren kann, weil wir stolz darauf sind, für jeden Dreck ein Datenblatt erstellen zu können UND SCHON GAR NICHT, weil es SINNVOLL ist.

Wir machen das nur, weil die Datenblätter angefordert werden!

Noch eine Anmerkung: solche Datenblätter schalteten den gesunden Menschenverstand  (sofern davon in der breiten Bevölkerung überhaupt noch etwas übrig ist) völlig aus.

Bitte die nächsten Zeilen nicht falsch verstehen, Datenblätter sind schon sinnvoll. Aber mal darüber nachdenken:

"Früher" war ein Totenkopf auf der Flasche. Davon hat man sich etwas auf die Hand gekippt. Gesunder Menschenverstand sagt, sofort Wasser + Seife + schrubben, dann Arzt anrufen.

Gesunder Menschenverstand sagt auch, (zumindest für Laborpersonal) bei 96% Schwefelsäure vielleicht erst mal vorsichtig mit Wasser (kommt ja auf die Säuremenge an).

"Heute": Ich kippe mir etwas auf die Hand. Auf der Flasche sind Symbole drauf. Oh Gott oh Gott? Darf ich da mit Wasser dran? Oder muss es Alkohol sein? Lauge? Eselsmilch? Bevor man aktiv wird, such man erst mal 30 Minuten im Internet nach dem Datenblatt, da man das gerade im Labor nicht findet.

Noch etwas, Schwachsinn hoch drei: Ich verkippe mein destilliertes Wasser im Labor. Ich habe keine Ahnung und besorge mir das Datenblatt. Dort lese ich, ich darf das Wasser mit einem mit Wasser aus der Leitung getränkten Lappen wegwischen! Wow, das ich da nicht selber....
Aber: Darf ich das wirklich so oder muss ich nicht eigentlich korrekt vorher ein Sicherheitsdatenblatt des Reinigungsmittels bei meinem Trinkwasserversorger besorgen? Und was passiert, wenn ich kein destilliertes Wasser sondern Leitungswasser im Labor verklecker?

Ich muss das nicht verstehen, ich muss das  nur programmieren, äh, ne, das heißt "entwickeln".

Nacht,
Carsten
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