Autor Thema: Kombination von Okularen und Objektiven unterschiedlicher Hersteller  (Gelesen 11261 mal)

Detlef Kramer

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Kombination von Okularen und Objektiven unterschiedlicher Hersteller
« am: November 10, 2009, 14:19:15 Nachmittag »
Hallo,

eine immer wiederkehrende Frage ist, inwieweit es möglich ist an einem Mikroskop Oklulare und Objektive verschiedener Hersteller zu kombinieren. Der folgende Beitrag bezieht sich zunächst auf ein Objektiv von Zeiss West aus der Endlichserie, das Peter Höbel mit verschiedenen Okularen kombiniert hat. Die beiden letzten Beispiele beziehen sich auf Okulare, die keinerlei Kompensations-Funktion erfüllen, alle anderen sind kompensierende Okulare, d.h. sie korrigieren Fehler, die im Zwischenbild des Objektivs noch vorhanden sind. Man erkennt deutlich, dass dies bei den verschiedenen Herstellern auf ganz unterschiedliche Weise erfolgt, so dass letztlich nur die Schlussfolgerung bleibt: optimale Ergebnisse bekommt man nur, wenn Objektive und Okulare eines Herstellers kombiniert werden.

Andererseits erkennt man auch, dass es durchaus tragbare Kompromisse möglich sind. Man darf dabei nicht übersehen, dass Peter Höbel ein besonders kritisches Objekt ausgewählt hat und auch daraus nur eine Hälfte, also von Bildmitte bis Rand ausgewählt hat. Dies bedeutet, dass bei einem biologischen Objekt ein durchaus akzeptables Ergebnis zu bekommen ist, wenn z.B. besagtes Zeiss-West-Objektiv mit einem Zeiss-Jena-Okular oder einem Leitz-Okular der beliebten Periplan-Serie kombiniert wird.

Auffallend ist auch, dass die japanischen Hersteller, in dem Fall Olympus, offenbar ganz andere Wege gingen.

Hier die Beispiele:

"...und weil es so schön ist, hier einige mögliche und unmögliche Kombinationen. Worte helfen in solchen Fällen kaum, denn wer glaubt schon?













Bis auf Nikon und das Einfachokular, sind es sonst Kompensationsokulare ! Aber eben mit sehr unterschiedlicher Funktion."

Die weiteren Beispiele hat P. H. nachgereicht:

Dass wie hier Olympus mit Olympus ein gutes Ergebnis liefert ist unumstritten.

Der leichte Hotspot kann durch Abstandsvariation mit der Kamera ausgeschaltet werden.

Nun aber liefert ein Zeiss Okular mit einem Olympus Objektiv auch kein schlechtes Ergebnis, obwohl umgekehrt kaum vorzeigbar.


Und hier wird der Unterschied von Zeiss Kpl zu CZJ PK schon sehr deutlich.


Es ist somit für jede Kombination einzel zu prüfen, ob chromatische Korrektur und Planität den Anforderungen der Nutzer entsprechen."

Hier noch weitere Beispiele mit einem Objektiv Leitz Fluotar 6 x:

1. mit einem Zeiss-West KPL 10 x:
2. mit einem Zeiss-Jena PK 10 x:
3. mit einem Olympus WHK 10 x:
4. mit einem Leitz Periplan 10 x:




D.K.
(Moderator)
« Letzte Änderung: November 10, 2009, 20:05:25 Nachmittag von Detlef Kramer »
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Udo Hammermeister

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Re: Kombination von Okularen und Objektiven unterschiedlicher Hersteller
« Antwort #1 am: Januar 10, 2010, 11:29:09 Vormittag »
Hallo !

Zunächst mal recht herzlichen Dank für die hervorragende Dokumentation an Detlev Kramer und Peter Höbel. Zu vielen Fragen, die immer wieder kommen, kann man sich hier selbst ein anschauliches Bild machen. Besser gesagt, die schon fertig gemachten Bilder nur anschauen.

Wundern tut mich aber noch eine Sache: Ein Olympus-Objektiv mit einem Zeiss-West-Okular ergibt ein ziemlich gutes Bild, umgekehrt aber gar nicht. Wie lässt sich das erklären?

Nun weiß man zunächst nicht, ob die Unschärfe am Rand auf die chromatische Vergrößerungs-Differenz (das was die Okulare dann kompensieren) zurückzuführen ist oder auf die Bildfeldwölbung (sowohl des Objektivs und des Okulars). Dies kann man eliminieren, indem man gezielt auf den Rand fokussiert. Die Unschärfe der Bildwölbung kann so wieder ausgeglichen werden. Liegt es an der CVD, ist auch mit nachfokussieren nichts zu machen. Ich habe dies gerade noch mal zur Sicherheit ausprobiert an einem Zeiss-Standard mit Okularen von PZO (nicht kompensierend).
Denkbar ist ja auch, dass manche Objektiv-Okular-Systeme auch hinsichtlich der Bildfeldwölbung etwas kompensieren? Dann kämen schon zwei Dinge ins Spiel.

Man sagt, Olympus-Objektive gehen ganz gut mit Zeiss-West. Was ich auch bestätigen kann. Mein erstes Mikroskop hatte einige Olympus-Objektive dran, die ich dann später am gleichen Revolver mit den Zeiss-Objektiven verglichen hatte; kaum ein Unterschied. Nur eben seltsam, dass es umgekehrt nicht das gleiche Ergebnis ergibt.

Grüße Udo

Klaus Herrmann

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Re: Kombination von Okularen und Objektiven unterschiedlicher Hersteller
« Antwort #2 am: Januar 10, 2010, 12:29:23 Nachmittag »
Lieber Detlef, lieber Peter,

danke für diese anschauliche Dokumentation. Die ist zum Glück hier in der richtigen Rubrik, dass man sie auch auf Anhieb findet!

# Udo:
Zitat
Olympus-Objektive gehen ganz gut mit Zeiss-West. Was ich auch bestätigen kann

Das kann ich ebenfalls bestätigen. Ich habe vor Jahren mal ein UVFL 10 /0,4  0,17/160 von Oly bekommen und im Vergleich mit dem CZ 10er Planapo festgestellt, dass es deutlich besser auflöst (das hat auch nur eine Apertur 0,32) und brillianter ist. So dass ich die schöne Reihe der Planapos 4,10,25, 40 an meinem Standard 18 unterbrochen habe und die Leistung über die Ästhetik gestellt habe.

Ich habe dieses Objektiv sonst nie mehr gesehen, scheint also eine Rarität zu sein.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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