Zeiss EOA von 1939: Wie realisiere ich Dunkelfeldmikroskopie?

Begonnen von Newbie10, April 17, 2020, 09:57:36 VORMITTAG

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Newbie10

Hallo, ich bin absoluter Anfänger in der Mikroskopie, habe mich aber in der letzten Zeit etwas eingelesen. Auslöser war ein sehr schön erhaltenes Zeiss EOA Mikroskop aus dem Jahr 1939, das ich günstig erstanden habe und zwar mit dem Ziel, es auch zu benutzen. Das Instrument ist in nahezu neuwertigem Zustand, sowohl die Optik als auch die Mechanik, das sollte also eigentlich funktionieren.

Die Hellfeldmikroskopie habe ich ausprobiert, das klappt wunderbar. Am meisten interessiert mich aber die Dunkelfeldmikroskopie und da habe ich eine Frage: Wie realisiere ich das am besten? Eingebaut ist ein Immersions-Kondensor mit Irisblende und Filterhalter. Dden ganzen Apparat kann man ausbauen und in die Halterung könnte man z. B. einen passenden Kardioid Kondensor einbauen. Bei Ebay habe ich welche gesehen, aber für mich sieht das so aus, als ob da die Dunkelfeldblende und die Abblendiris gar nicht dabei sind. Da ich kein Lampenhaus habe, wo man dem Lichtstrahl ggf. mit Blenden und Iris die richtige Form geben kann, sondern nur einen normalen Spiegel, frage ich mich, wie das mit so einem Kardioid Kondensor eigentlich funktioniert? Oder wäre es sinnvoller, einfach in den Filterhalter eine gebastelte Dunkelfeldblende einzulegen? Ich habe wirklich keine Ahnung und wäre für jeden Tipp dankbar. Ich habe mal ein Foto vom Mikroskop zur Illustration angehängt.

Schon mal danke im voraus!

Gerd Schmahl

#1
Hallo Newbie,
Kardioidkondensoren haben weder eine Zentralblende noch eine Irisblende.
Hier ist die Bedinungsanleitung von CZJ.
Mit Zentralblenden im Filter kannst Du für die Trockenobjektive bis zum Objektiv 40/ 0,65 ein Dunkelfeld realisieren. Du brauchst dazu aber für jedes Objektiv eine andere Blende. Deren Durchmesser kannst Du ermitteln, in dem Du ein Stück Millimeterpaier in den Filterhalter legst und ohne Okular in den Tubus schaust, nachdem Du ein Präparat scharf gestellt hast. Noch besser geht es mit einem Hilfsfernrohr, wie man es für die Einstellung der Phasenringe benutzt. Aperturblende muss ganz offen sein.. Du musst dann den auszählen, wie groß der sichtbare Durchmesser ist.
Eine andere Methode:
Wieder Präparat scharf stellen und Kondensor ordentlich einstellen. Dann Aperturblende ziehst Du diesmal zu, nimmst das Okular heraus und schaust in den Tubus, schließt die Aperturblende langsam bis sie gerade am Bildrand verschwindet. Kondensor aus der Fassung schrauben ohne die Blende zu verschieben und den Durchmesser der Blendenöffnung mit Zirkel ausmessen.
Das musst Du für jedes Trockenobjektiv machen und den Durchmesser der Zentralblende sicherheitshalber einen mm größer als Deinen Meßwert wählen.
Zentralblenden lassen sich gut mit Münzkapseln der Größe 26mm als Träger realisieren.  Das ist das Innenmaß. Das Außenmaß ist dann 32mm, wie Du es für Deinen Filterhalter brauchst. Oft passen verschiedene Centstücken, die man in die Mitte klebt ganz gut als Zentralblende.
Für das 90er Immersionsobjektiv weiß ich nicht, ob das auch noch funktionieren könnte. Da wäre der Kardioidkondensor in jedem Fall die bessere Variante. Der Kardioidkondensor funktionieren auch für die Trockenobjektive super, er müss aber in jedem Fall immergiert werden wenigstens mit Wasser, sonst kann das Licht auf Grund der Totoalreflexion nicht aus ihm heraus. Die Blende am 90er Objektiv musst Du dabei zuziehen, so dass dessen Apertur unter 1 gesenkt wird.
Schön wäre es wenn DU Dich mal unter "Mikroskopiker im Netz" kurz vorstellst und ich hoffe, Du hast nicht vor mit der Dunkelfeldmikroskopie dem Enderlein-Schwachsinn zu frönen!
Beste Grüße
Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Newbie10

Hallo Gerd, danke für die schnelle Antwort. Ja, die Bedienungsanleitung hatte ich auch gefunden und mich dann gefragt, wo denn die Zentralblende und die Iris sind, denn ohne geht es ja wohl nicht mit dem Dunkelfeld. Wenn ich meinen Kondensorapparat abbaue, um den (ggf. noch zu beschaffenden) Kardioidkondensor einzubauen, sind Filterhalter und Iris ja weg und der Lichtstrahl geht ungebremst in den Kardioidkondensor. Also irgendwo dazwischen muss noch was eingebaut werden: Nur was und vor allem wie? Der Kardioidkondensor hat weder einen Tubus, auf den man was aufstecken kann, noch eine Feststellschraube, wenn man was reinstecken will. Irgendwie "fehlt" da was. Wie gesagt, ich habe keine wirkliche Ahnung.

Noch eine Frage zu deiner Empfehlung Nr. 2: Woran merke ich, dass die Apertur unter 1 ist? Der Kondensor hat 1,2. 

Und keine Angst, Enderlein hat mir vor deiner Anmerkung nichts gesagt und nach einer kurzen Recherche kann ich als überzeugter Naturwissenschaftler da nur ein Urteil abgeben: Junk Science.

Gerd Schmahl

#3
Hallo Newbie,
an deinem 90er Immersionsobjektiv ist ein Blendering. Auf der einen Seite sollte 1,25 stehen, auf der anderen 0,8. Du drehst einfach so lange in Richtung 0,8, bis es dunkel wird (vorausgesetzt Du hast einen auf Dunkelfeld eingerichteten Kondensor. Der Kondensor muss immer eine wesentlich höhere Apertur haben als das Objektiv, damit die direkten Lichtstrahlen seitlich an der Öffnung des Objektives vorbei laufen und nur das Streuricht des Objektes, das im Schnittpunkt des Lichtkegels liegt, in das Objektiv gelangt.
Hier ist das Prinzip des Kardioidkondensors im Vergleich zu einem Paraboloid-Kondensor  erklärt.  Der Kondensor selber braucht dann auch keine Aperturblende (Irisblende) mehr. Die Apertur der Kondensors bleibt unverändert hoch. Wenn Du am Hellfeldkondesor mit eine Zentralblende Dunkelfeld erzeugst, musst Du die Aperturblende auch ganz aufmachen. Da kann man sie sich am speziellen Dunkelfeldkondensor auch gleich weglassen. Du würdest damit nur die Strahlen des äußeren Lichtkegels auch noch wegblenden, die die Zentralblende übrig gelassen hat. Der Kardioidkondensor ist unten mit einer Glasplatte abgeschlossen, damit kein Staub auf die Spiegelflächen kommt. Auf dieser Glasplatte ist die Zentralblende aufgedampft.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
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wilfried48

#4
Hallo Newbie (ein Vorname wäre persönlicher),

ein schönes Schätzchen hast du dir da angelacht und wenn es wirklich aus dem Jahr 1939 ist dann ist das Fett sicher noch nicht verharzt und es läuft deshalb noch einwandfrei. Die späteren baugleichen Produkte von VEB Zeiss Jena hatten alle schlechte Fette, die schon lange verharzt wären.
Was für eine Produktionsnummer hat es denn ?
Zur Dunkelfeldblende hat Gerd ja schon alles gesagt. Dunkelfeld ist natürlich sehr lichtschluckend und mit einem Spiegel als Beleuchtung wirst du da selbst mit dem speziellen Dunkelfeldkonsensor nicht glücklich werden. Die intensive Sonne als Lichtquelle fällt ja flach, da die Beobachtungsumgebung insbesondere bei einem Monokular ja auch etwas abgedunkelt sein sollte.
Aber mit einer sauber eingekoppelten köhlerbaren leistungsstarken LED Lichtquelle, kannst du auch mit der selbstgebastelten Dunkelfeldblende gutes Dunkelfeld machen. Auch mit dem 90er Ölimmersionsobjektiv, deines hat eine Blende zur Anpassung der maximalen Apertur eingebaut.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Newbie10

#5
Danke an euch beide, Gerd und Wilfried für die Antworten. Jetzt bin ich deutlich schlauer!

Ja, das Gerät ist tatsächlich von 1939 (Auslieferung, das Modell ist von 1938). Ich habe im Zeiss Archiv nachgefragt und innerhalb von ein paar Stunden eine Antwort bekommen. Die sind wirklich sehr hilfsbereit. Die Triebe laufen wie eine Eins, die Optik ist sauber, das Instrument hat nicht den kleinsten Kratzer. Ich denke auch, dass ich da mit 200 € nicht zu viel bezahlt habe. Wenn ich vergleiche, was ich im Neuwarensektor dafür bekommen hätte.
Es ist auf jeden Fall ein schönes Instrument für den Anfang, glaube ich.

Der Kardioid-Kondensor, den ich bei Ebay gefunden habe, der sieht so aus:


@Gerd: Wenn ich bei dem Ding unten reinschaue, sehe ich mittig durch die Frontlinse. Das sollte doch dann eigentlich nicht möglich sein, wenn da eine mittig angebrachte Zentralblende wäre, oder? Ist das Teil vielleicht unvollständig? Fehlt da vielleicht die Glasplatte mit der Zentralblende?

Danke nochmal an alle.
Florian

Gerd Schmahl

Hallo Florian,
Ich bin bei der Blende von dem verlinkten Bild ausgegangen. Ich habe den Kondensor selber nicht mehr und kann nicht nachsehen. Eigentlich braucht es die Blende gar nicht zwingend, da nur ein ringförmiger Teileingespiegelt wird, der Rest geht nach unten wieder aus dem Kondensor heraus. Wahrscheinlich gucktst Du nicht durch den Kondensor hindurch sondern siehst den mittleren Teil der verspiegelten Halbkugel.
Übrigens solltest Du keine laufenden Internetauktionen im Forum verlinken. Könnte sonst sein, dass Dir jemand das Teil wegschnappt, denn hier lesen viele Mikroskopiker mit und es steht auch so in den Forenregeln. Wenn die Kondensor o.k. ist, ist der Preis durchaus moderat. Schreibe doch den Verkäufer einfach mal an.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
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wilfried48

Hallo Florian,

wenn du von unten reinschaust siehst du vielleicht einen Lichtfleck auch in der Mitte, aber das ist normal, da der Lichtweg ja umkehrbar ist, werden alle oben unter grossem Winkel einfallenden Lichtstrahlen unten wieder einigermassen parallel rauskommen. Aber nicht die zentral auffallenden Lichtstrahlen die werden von der Kardioidoptik gesperrt.
Also ich denke, das der Kardioidkondensor aus der Bucht in Ordnung ist.
Aber pass auf mit dem Durchmesser der Aufnahme, da gab es zwei. Bei den neueren Mikroskopen waren es 39,5 mm und bei den älteren also deinem müssten es 37mm sein.
Also bitte vor dem Bieten erst den Steckdurchmesser erfragen.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

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https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Newbie10

Hallo Gerd und Wilfried,
das mit dem Ebaylink wusste ich nicht. Ich habe ihn entfernt. Aber ich bin nicht sauer, wenn mir den jemand wegschnappt, dann nehme ich halt den nächsten ;) Ich frag einfach mal nach.
VG und danke für die sehr hilfreichen Tipps!
Florian

Newbie10

Hat einen 39,5 mm Durchmesser, klappt also bei mir nicht. Wer ihn will, kann ihn haben  ;D

konsonant

hallo
also danke Gerd, die Zentralblenden-durchmesser-ermittlung ist super erklärt, war mir neu.
Bei manchen Dunkelfeldkondensoren kann man die Zentralblende herausnehmen, dann hat man zugleich die Möglichkeit für irgendwie Hellfeld , ist aber speziell, ungeprüfte Tauglichkeit.
Von Normarski-Bernd weiß ich, daß er einfach einen Konfetti auf den Kondensor legt um Behelfsdunkelfeld zu kriegen.
ich selbst habe einen englischen Öl-Dunkelfeldkondensor( C. Baker), von den Abmessungen eines Achromatobjektives, sogar mit RMS-Gewinde, dessen beleuchtetes Präparatfeld ist sehr klein, gerade für das 100x-Sichtfeld ausreichend.
Ist ein Öl-Dunkelfeldkondesor unimmergiert überhaupt Dunkelfeld erzeugend ? funktioniert auch ungeölt ?
gruß conso
schreibrecht unbegrenzt gesperrt. danke dem zuspruch. https://www.fip.fr/

Gerd Schmahl

#11
Hallo conso,
wollte zwar eigentlich keine Trolle mehr füttern, aber:
Um die hohen Aperturen jenseits der 1 zu erlangen braucht es zwingend eine Immersion, weil sonst die entscheidenen Strahlen der totalen Reflexion an der Grenzfläche Glas/Luft der Totoalrefexion anheimfallen. Sie kommen schon nicht aus dem Kondensor heraus und erst recht nicht in den Objekträger hinein, weil der Winkel zu flach ist.

Hallo Florian,
hast Du den Durchmesser der Kondensorhalterung nachgemessen? Eventuell passt dann einer von LOMO. Die haben auch Kardioidkondensoren gebaut.
Die Sowjerts hatten nach dem Krieg die Maschinen von Zeiss-Jena als Reparationsleistungen mit nach St.Petersburg genommen und dort im LOMO-Werk, das schon vor dem Krieg für Zeiss-Jena Zulieferungen gemacht hatte, noch sehr lange die Jenaer Miroskope nachgebaut und haben nach meinem Wissen auch noch bei den weit verbreiteten LOMO-Biolam-Mikroskopen kleinere Kondensordurchmesser gehabt als die von Nachkriegs-Zeiss-Jena, die ihr Werk neu aufbauen mussten.  Wenn mich nicht alles täuscht, haben die 36,5mm Durchmesser. Kann ich am Montag mal nachmessen, wenn ich wieder auf Arbeit bin.
Beste Grüße
Gerd
EDIT:
Habe in meinem Ersatzteilager noch eine LOMO-Biolam Kondesorhalterung gefunden: Hat 36,8mm Innendurchmesser, der Kondensor also wahrscheinlich 36,5mm
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

liftboy

Hallo Gerd,

den OI-13 Kardioid hab ich gerade vor mir leigen :-) 37mm°
und Tatsache: wenn man von unten reinschaut, glaubt amn durchzusehen, ist aber nur eine Spiegelung!

Viele Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

konsonant

hallo Gerd
Nebenbei , weshalb erscheint der Satz : wolle keine Trolle mehr füttern, in einer Rede an mich ? War mein Beitrag Forums-unpassend ? Wenn das Absicht war, unterstellst du mir unlautere Absichten ? Bin ich unfreundlich, gehässig, lästerig, verulke, verhöhne ich und mache mir einen Spaß aus dem Betreiben Anderer ? Wann, wo, wie ? ich lasse das mal auf sich beruhen, schätze solcherart Reden aber nicht.

Generell : meine Frage war ob ein Immersion-Dunkelfeld-Kondensor noch funktioniert, wenn er nicht immergiert ist, also weiter gedacht, ob er noch als Trocken-Dunkelfeld-Kondensor brauchbar wäre, also bis max Apertur 1. Nur aus Interesse, ist vielleicht Entscheidungs-behilflich.
gruß conso
schreibrecht unbegrenzt gesperrt. danke dem zuspruch. https://www.fip.fr/

rhamvossen

#14
Hallo Florian,

Schönes Mikroskop hast du da. Ich habe es auch! Und ich habe mal schnell einen Test gemacht, sehe das angehängte Bild. Ich denke es spricht für sich. Kurz: du brauchst eine mattierte Scheibe 32 mm und schwarze Kleber 18 mm. Diese gebastelte Dunkelfeldscheibe funktioniert bis Objektiv 40/0.65. Die Mattscheibe dann mit der mattierte Seite nach unten und der Kondensor ganz nach oben fahren. Es funktioniert natürlich auch mit die niedrigen Objektive. Du brauchst keine separate Scheibe für jedes Objektiv und ein Spiegel funktioniert  prima, sicherlich mit eine helle Lampe wie die Jansjö. Aber pass auf, niemals in Hellfeld so eine helle Lampe ohne Mattscheibe im Filterhalter! Das Licht  ist dann viel zu hell. Viel Erfolg und beste Grüsse,

Rolf

PS: Es hat mich mehr Zeit gekostet um das hier oben zu schreiben als der Test zu machen  ;)