Zentrifugieren in der Hobby-Mikroskopie

Begonnen von Klaus Henkel, November 13, 2009, 13:19:25 NACHMITTAGS

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Klaus Henkel

Werte Mikrofreunde!

Mehrere Jahrzehnte Mikroskopie als Hobby haben mich selbstverständlich auch oft genug zur Zentrifuge greifen lassen.

Was habe ich zentrifugiert? Worauf beruhen meine Erfahrungen?
- Pollen und Sporen
- Ciliaten und Rotatorien
- Diatomeen (Schalen, hautpsächlich)

Was habe ich gelernt?
- Verwende ausschließlich zweiarmige Handzentrifugen.
- Niemals eine motorische Zentrifuge.
- Warum? Nur die erste vermittelt der kurbelnden Hand das Gefühl, wann "genug ist".

Worauf ist zu achten?
- Auf absolut gleiches (!) Gewicht sowohl der leeren wie der gefüllten Zentrifugengläser.
- Auf Unwuchten jedweder Art, die eine gute Handzentrifuge mechanisch schädigen.
- Bei Pollen, aber noch mehr bei Ein- und kleinen Mehrzellern auf langsamste bis moderate Drehgeschwindigkeiten, damit man die Organismen nicht am Boden des Zentrifugenglases zerquetscht.

Manche der hier im Forum erwähnten Konstruktionen und Vorstellungen scheinen solcherlei Erfahrungen nicht Rechnung zu tragen.

MfG KH

Dieter Stoffels

Hallo Herr Henkel,

ich habe die Möglichkeit mit einer Vielzahl an Zentrifugen (mit Festwinkel- und Ausschwingrotoren) zu arbeiten. Hierbei handelt es sich um motorisch getriebene Zentrifugen mit Drehzahlbereichen bis zu 13.000 UpM. Für die Anreichungen biologischen Materials setze ich die Zentrifugen in der Regel nicht ein, da das Probenmaterial auch bei niedrigen Drehzahlen häufig zu Brei zentrifugiert wird. Eine Ausnahme stellt die Anreicherung von Bakterien aus Wasser dar. Zwar gebrauche ich keine Handzentrifuge, arbeite aber gerne mit der Sedimentation in einem Spitzkelch (oder einem fein ausgezogenem Sektglas). Zwar ist diese Art der Anreichung zeitaufwendig, führt aber zu den besten Ergebnissen.

Viele Grüße!

Dieter Stoffels

wasilis

Hallo

Ich habe mehrere Jahre im Labor gearbeitet, weniger Mikroskopie sondern mehr Zellkultur und molekulare Biologie. Ich bin absolut gegen Handzentrifugen da man zwar nach Gefühl arbeiten kann aber keine konstanten Bedingungen erreicht. Für die Reproduzierbarkeit und Dokumentation absolute Bedingung.
Bei den ansonst komplexen und stringenten Färbeprotokollen in der Mikroskopie leuchtet mir ein laxer Umgang mit den Zellen nicht ein.
Wenn man periphere mononukleäre Zellen aus dem Blut isoliert z.B im Ficoll-Gradienten sind 1800g für 20 min empfohlen, DNA isolation, Präzipitation dtl. mehr.... Man kann durch Zentrifugation auch Zellen trennen, z.B Granulos von Erys, Lymhozyten von Thrombos usw. oder Zellen kultivieren und reinigen das auch Sinn für die Hobby Mikroskopie machen könnte.

Weiterhin sind Handzentrifugen relativ teuer >100Euro.

Möglicherweise sind bei viel Erfahrung in der Mikroskopie, die mir leider fehlt, und eingeschränkten Einsatzbereich Handzentrifugen sinnvoll.

Aber diese abenteuerlichen Vorschläge mit dem Handmixer (anderer Beitrag übet zentrifugieren) und Tesa....... finde ich nicht nachahmenswert und potentiel sehr gefährlich.

Beste Grüe
Wasilis







Klaus Henkel

Zitat von: wasilis in November 13, 2009, 15:55:41 NACHMITTAGS
Hallo

Ich habe mehrere Jahre im Labor gearbeitet, weniger Mikroskopie sondern mehr Zellkultur und molekulare Biologie. Ich bin absolut gegen Handzentrifugen da man zwar nach Gefühl arbeiten kann aber keine konstanten Bedingungen erreicht. Für die Reproduzierbarkeit und Dokumentation absolute Bedingung.
[...]

Wasilis

Lebende Tierchen müssen nach dem Zentrufugieren umherschwimmen, sich jagen, vermehren und fressen. Tun sie das, dann kümmern mich doch keine "konstanten Bedingungen" oder Reproduzierbarkeiten. Ich habe ganz gezielt Zentrifugieren in der Hobby-Mikroskopie im Betreff geschrieben, da sind die Bedingungen für reproduzierbare Labor-Präsisionstechniken unangebracht.

Mit freundlichem Gruß
KH

Eckhard F. H.

Hallo Herr Henkel,
Sie wecken meine Neugier mit dem Vermerk, u.a. Sporen zentrifugiert zu haben. Wie stellten Sie das an und zu welchem Behufe? Sporenmikroskopie spielt bei mir eine Hauptrolle, aber für den Part der Zentrifuge fehlt mir die Fantasie?
Gruß - E. Nowack

Klaus Henkel

#5
Zitat von: E. Nowack in November 13, 2009, 16:35:32 NACHMITTAGS
Hallo Herr Henkel,
Sie wecken meine Neugier mit dem Vermerk, u.a. Sporen zentrifugiert zu haben. Wie stellten Sie das an und zu welchem Behufe? Sporenmikroskopie spielt bei mir eine Hauptrolle, aber für den Part der Zentrifuge fehlt mir die Fantasie?
Gruß - E. Nowack

Herr Nowack, das UND bei Pollen und Sporen war als verbindendes Und gemeint: also Pollen und Sporen gemeinsam. Die stammten aus Luftuntersuchungen in meiner Gegend hier. Ich habe einfach eine Reihe Objektträger mit Glyzerin bestrichen und aufs Balkongeländer gelegt, dann nach einem Tag wieder abgenommen. Dann das ganze abgespült und in dem verdünnten Glyz.-Wasser-Gemisch zentrifugiert, damit die Suche nach einzelnen Pollenkörnern usw. nicht stundenlang dauert.
Und natürlich Pollensuche in Hochmoorproben und im Honig. Sedimentieren dauert zu lange.
Gruß KH

wasilis

Hallo
Du zentrifugierst ja auch per Hand mit einer bestimmten Geschwindigkeit und mit dieser Geschwindigkeit, aber konstant kann man auch elektrisch zentrifuguieren.
Wenn man z.B mit 800g zentrifugiert verbleiben zwar einige Zellen im Überstand, diejenigen im Pellet sind aber vital!  Man kann sogar tote von lebenden Zellen durch differenzierte Zentrifugation trennen. Makrophagen, ja selbst fragile Granulozyte überleben das problemlos. Ich denke das gilt auch für andere Einzeller (Amöben usw). Werde das mal testen
Bei Sporen und ähnlichen Objekten hast du sicherlich recht da kenn ich mich zu wenig aus.

Beste Grüße

Wasilis

isoplexis

Hallo,

ich zentrifugiere meine HeLas immer bei 1000 rpm (entspricht etwa 300 g auf meiner Eppendorf Zentrifuge) und sie wachsen wie sie sollen.

Gebrauchte Zentrifugen sind nun nicht so teuer und ehrlich gesagt bin ich für Handbetrieb zu faul.

ZitatMan kann sogar tote von lebenden Zellen durch differenzierte Zentrifugation trennen.

Geht. Geht aber besser im FACS.

Eckhard F. H.

Hallo Herr Henkel,
Ihr ´UND´war mir keineswegs entgangen, deshalb mein ´u.a.´. Aber ich gestehe, Sporen (und Pollen ;) aus auf dem Balkon aus der Atmosphäre zu fischen, das ist, mit Verlaub, nicht naheliegend. Aber zumindest hat es mir eine neue Dimension eröffnet und meine Fantasie beflügelt.  :'(
Danke und herzlichen Gruß - E. Nowack

Günther Langer

Hallo,

Sporen und Pollen kann man auch aus Spinnennetzen gewinnen. Man wickelt das Netz mit einem Stäbchen auf und löst die Spinnseide mit verdünntem Clorix, Eau de Javelle, Bleach etc. Die Methode wird auch beim Umweltmonitoring (z.B. Stäube etc.) verwendet.

Viele Grüße

Günther L.
Zeiss Standard WL, 14 und Phomi II
Zeiss DRC und SV 8
Leitz Laborlux 12
Makro-Setup: Leitz Aristophot mit Balgen u. StackShot
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