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Polarisationsmikroskop

Begonnen von Hape, November 14, 2009, 12:13:48 NACHMITTAGS

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Hape

Hallo Mikro-Freunde,

nach jahrelangem Hobbymikroskopieren im Hellfeld, Dunkelfeld- u. Phasenkontrast habe ich mir nun
für den Zeitvertreib im Winter ein wunderschönes Polarisationsmikroskop zugelegt.

Leider weiß ich momentan noch nicht so richtig damit umzugehen, kann aber über die Drehfunktion des Objekt-
tisches schon feststellen, ob ein objekt anistrop od. Isotrop ist. In meheren jedoch schwer zu lesenden Publikationen findet man auch, daß man sogar einzelne Stoffe od. deren Bestandteile mit Hilfe der PolMiks
bestimmen kann. Aber wie geht das?

Leider gibt auch die kurze Bedienungsanleitung in der im wesentlichen nur die verschiedenen Bedienungselemente
erklärt sind dazu keine Auskunft.

Andere Frage noch: Die Objektive sind einzeln zentrierbar aber wie geht das? Die Zentrierschlüssel sind jedenfalls orhanden. Muss ich die denn unbedingt zentrieren, die Optik liefert gute Bilder und ich möchte nicht einfach was verstellen daß ich dann so nicht mehr hinbekomme...

Viele Mikrogrüsse
Euer Hape

Nomarski

ZitatAndere Frage noch: Die Objektive sind einzeln zentrierbar aber wie geht das? Die Zentrierschlüssel sind jedenfalls orhanden. Muss ich die denn unbedingt zentrieren, die Optik liefert gute Bilder und ich möchte nicht einfach was verstellen daß ich dann so nicht mehr hinbekomme...

Moin Hape,

Zum erstgenannten wirst du dir wohl erstmal die Grundlagen erarbeiten müssen.

Zu der Objektiv-Zentrierung kann ich soviel sagen: Jedes Objektiv ist von der Fertigung her immer anders zentriert. Wenn du also den Tisch bei eingestellten Präparat drehst, wirst du beobachten, daß er je nach Zentrierung aus der Mitte und gar aus dem Sehfeld wandert. Um dem bei Untersuchungen entgegenzuwirken, hat man die Zentriermöglichkeit. Der Zentriervorgang ist in der einschlägigen Literatur auch beschrieben.

Aber diese "Anlaufschwierigkeiten" müssen noch kein Grund sein, die Polariastionsmikroskopie an den Nagel zu hängen. ;)

Viele Grüße und nur nicht aufgeben!
Bernd

Frank D.

#2
Zitat von: Hape in November 14, 2009, 12:13:48 NACHMITTAGS
Leider weiß ich momentan noch nicht so richtig damit umzugehen, kann aber über die Drehfunktion des Objekt-
tisches schon feststellen, ob ein objekt anistrop od. Isotrop ist. In meheren jedoch schwer zu lesenden Publikationen findet man auch, daß man sogar einzelne Stoffe od. deren Bestandteile mit Hilfe der PolMiks
bestimmen kann. Aber wie geht das?

Hallo Hape,
ein Beispiel ist die Bestimmung von Mineralien, die bei einer bestimmten Schliffstärke und der damit verbundenen Doppelbrechung eine typische Interferenzfarbe zeigen.
Sehr schön erkennt man diese Abhängigkeit auf der Michel Lévy Farbtafel, die auf der Zeiss Homepage zu finden ist.

http://www.zeiss.com/C1256CFB00332E16/0/FECC5775A0897BCCC1256D08002A4E39/$file/46-0014_d.pdf

Wenn die Schliffdicke bekannt ist (in der Zeiss Tabelle können die Werte zwischen 0 und 50µm abgelesen werden), folgst Du der entsprechenden waagerechten Linie bis zu der im Mikroskop sichtbaren Interferenzfarbe. Dort triffst Du dann auf eine diagonale Linie, die Dich zu den möglichen Mineralklassen führt.

Wenn Du möchtest schicke ich Dir ein Stück Naturgips (Mineral), welches mit einer Rasierklinge gut zu bearbeiten ist und die oben beschriebenen Farben schön zu beobachten sind.

Mit freundlichen Grüßen
Frank

Robert Götz


In manchen Punkten schon sehr veraltet (Zitat: "die Ätherteilchen, welche das Licht fortpflanzen.."), aber insgesamt doch noch
sehr lesenswert und informativ ist das Buch "Das Polarisationsmikroskop" von Dr.E.Weinschenk, das bei ebay und in online-Antiquariaten
häufiger angeboten wird.

Gruß
Robert Götz


Bernhard Lebeda

#4
Hallo Hape

herzlichen Glückwunsch zum neuen Mikroskop!!

Es könnte allerdings sein, dass der winterliche Zeitvertreib zunächst aus einlesen in die Materie bestehen wird!

Fürs Hobby gibt es zwei Grossbereiche der Polarisationsmikroskopie:

I.Biologische Objekte eine klassiche Einführung ist

Einführung in die praktische Polarisationsmikroskopie von Czaja

oder auch  Molekül und Welle von Kurt Freytag


II. Mikroskopie von Gesteinsdünnschliffen

da wird es kompliziert und ich kann schon mal versprechen, dass man mit der Michel-Lévy Farbtafel allein nicht weit kommen wird. Und ohne geduldiges einlesen in die Materie wird es schnell langweilig!!

Nun gibt es zur Dünnschliffmikroskopie und optischen Mineralogie Unmengen an Literatur (siehe meine homepage!!)
Ich sage aber gleich, dass etwa 80-90% für Laien kaum lesbar sind.

Es gibt auch im Netz sehr viel zu dem Thema, einfach mal geschickt goo(r)geln  ;D

z.B.

http://www.uwgb.edu/DutchS/PETROLGY/thinsect.htm

http://www.geolab.unc.edu/Petunia/IgMetAtlas/minerals/minerals.html

http://geology.about.com/gi/o.htm?zi=1/XJ/Ya&zTi=1&sdn=geology&cdn=education&tm=7&f=00&tt=14&bt=0&bts=0&zu=http%3A//www.gly.bris.ac.uk/www/teach/opmin/mins.html


Schöne Seite zu Polarisationsmikroskopen ist diese hier:

http://earth2geologists.net/Microscopes/


Und schliesslich noch einige Bücher, die mir als völligem physikalisch/chemisch-und mineralogischen Laien sehr geholfen haben (und immer noch helfen  ;))

Methoden der Dünnschliffmikroskopie
von Müller/Raith

A colour atlas of Rocks and Minerals in Thin Section von Mackenzie/Adams


Minerals and the Microscope von H.G. Smith


Einiges gibt es auch als E-Book

http://www.toodoc.com/A-Colour-Atlas-of-Rocks-and-Minerals-in-Thin-Section-pdf.html


Bei all dem braucht es Geduld und Ausdauer, das liest man nicht mal so nebenher beim bügeln!!


Und nun wünsch ich viel Erfolg und ebensolchen Spass


Viele polarisierte Mikrogrüsse


Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Robert Götz


ZitatA colour atlas of Rocks and Minerals in Thin Section von Mackenzie/Adams

Aber vorsicht, dieses Buch wird bei ebay gelegentlich überteuert angeboten. Ich habe es schlicht bei Amazon bestellt, da
es noch lieferbar ist, ist das der billigste Weg.


derda

Hallo Hape,

mitlerweile habe ich mir auch schon einiges an Literatur zugelegt und möchte deshalb die Liste vom Bernhard noch um zwei Bücher ergänzen:

1. "Mineral Optics, Principles and Techniques" von Wm. Revell Phillips. Finde das dieses Buch prima für Einsteiger geeignet ist. Es glänzt durch schöne Illustrationen und behandelt die Technik rund um die Polmikroskopie bis zum Universaldrehtisch. Im Netz oft für kleines Geld zu bekommen (~20 Euro).

2. "Anleitung zu allgemeinen Polarisations-Mikroskopie der Festkörper im Durchlicht" von Rinne / Berek. Inhaltlich große Übereinstimmung mit dem oberen Buch. Etwas technischer (aber auf Deutsch) geschrieben und ausschließlich s/w-Grafiken (bis auf beigeheftete Farbtafel). Die Ausgabe von 1973 kostet ~50-75 Euro.

Wegen der guten Bebilderung würde ich Buch 1 vorziehen.

Viele Grüße

Erik

Hape

#7
Hallo liebe Mikrofreunde,
danke für Eure zahlreichen Antworten; wie ich sehe ist die Materie doch nicht so ganz einfach...aber es macht ja Spaß sich damit zu beschäftigen.
Auch die vorgeschlagene Literatur scheint interessant, jedoch reichen meine Englischkenntnisse nicht für den
wissenschaftlichen Bereich.
Versuche mein Glück ersteinmal mit Kristallen bestimmter (und vor allem bekannter) chem. Verbindungen.
Sind ja alleine schon (ohne wissenschaftlichen Anspruch) wunderschöne Beobachtungen möglich zB. Zitronensäure,Kalimhexacyanoferratlsg. und viele mehr.
Wäre schön mit Euch anderen Anwendern der Polarisationsmikroskopie in Verbindung und Austausch zu bleiben.
Schönen Abend und Sonntag wünscht Euch
der Hape

Klaus Herrmann

Hallo Hans-Peter(?),

nicht, dass ich direkt neugierig bin, aber was für ein Mikroskop hast Du denn? Man könnte viel bessere Ratschäge geben, wenn da nicht ein schwarzes Tuch drüber wäre und Du bittest um Ratschläge.

Und nach Studium der Literatur wird Dir schnell klar werden dass das nix bringt: 
ZitatKalimhexacyanoferratlsg.

wenn unter der Abkü.
Zitatlsg.
wie üblich Lösung zu verstehen ist! ;)

Viel Spaß beim "Kucken"
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Hape

Hallo Klaus,

ja klar das Du als Chemiker da sehr genau bist ;), natürlich meinte ich auf dem Objektträger auskristallisierte
Kaliumhexacyanoferratlsg. ebenso wie auskristallisierte Zitronensäure.
Stoffe, die sich in wässriger Lösung befinden eignen sich natürlich nicht... :o

Gruß Hape

TPL

#10
Zitat von: Hape in November 14, 2009, 23:03:37 NACHMITTAGSAuch die vorgeschlagene Literatur scheint interessant, jedoch reichen meine Englischkenntnisse nicht für den wissenschaftlichen Bereich.

Hallo Hape,
auch ohne Fachenglisch gibt es die von Bernhard genannten deutschsprachigen Fachbücher - insbesondere den "Müller/Raith" (Methoden der Dünnschliffmikroskopie, mehrere Auflagen die im Netz teilweise frei als PDF abrufbar sind). Das ist in meinen Augen das beste Buch, um sich mit der Kristalloptik von Gesteinen schnell und solide vertraut zu machen. Ich empfehle deutschsprachigen Interessenten auch lieber die deutschsprachigen Bücher, da sie in mancherlei Hinsicht (über die Sprache hinaus!) anschaulicher sind als ihre englischsprachigen Pendants.

Ein Polarisationsmikroskop ist mit der Betrachtung von hübschen künstlichen Kristallisaten auf Dauer evtl. ein wenig unterfordert. Da bietet das o.g. Buch ein paar schöne Ansätze, die Arbeiten mit natürlichen Kristallen und deren Eigenschaften fortzusetzen.

Viel Spaß dabei!