Autor Thema: Fluoreszenz im Haushalt  (Gelesen 3055 mal)

Klaus Herrmann

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #30 am: Juli 08, 2020, 21:56:52 Nachmittag »
Lieber Horst,

die Cr-Bande bei ca 700 nm. Bekommt man auch schön im Zeiss Mikrospektrometer bei kleine Rubinkristallen.
Blöd ist halt dass der synthetische genau so schön fluoresziert. Deshalb habe ich bei den Händlern auf Sri Lanka nix gekauft, auch wenn sie zum Schluss auf die Hälfte des Preises runter gingen. Aber einen schönen Topas aus der Wühlkiste habe ich ergattert, den haben sie falsch eingeschätzt.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Horst Wörmann

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #31 am: Juli 09, 2020, 10:09:03 Vormittag »
Lieber Klaus,

ja, es ist das Chrom. Die genaue Wellenlänge ist 694,3 nm. Ich habe meinen Rubin nämlich aus einem Rubinlaser-Rubin rausgesägt. Wegen der Härte ließ sich die Scheibe noch nicht mal richtig polieren.

Lieber Marcus,
schon mal Euro-Banknoten probiert?
Am besten bei der ersten Serie die Omron-Ringe ansehen. Da ist nämlich Europium(3+) als fluoreszierender Stoff drauf, der eine schöne rote Bande bei 680 nm erzeugt. Die neue Serie enthält auch Europium, aber "komplizierter komplexiert" und gibt deshalb nur breite Banden. Näheres dazu auf der MKB-Webseite, da sind auch die Spektren zu finden: http://www.mikroskopie-bonn.de/bibliothek/weitere_themen/227.html
War schon eine tolle Idee: Europium auf Euro-Banknoten!

Viele Grüße aus Bonn
Horst


Marcus_S

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #32 am: Juli 10, 2020, 21:57:54 Nachmittag »
Moin Horst!

Nun habe ich die ganze Mikroskop-Mascheng auf "Bio" umgeschraubt und nun kommen wieder Materialproben...  ;-)  Und eigentlich will ich hier ja nicht alles aus dem Haushalt unter das Mikroskop zerren, sondern haushaltsübliches Zeug nutzen oder auspressen oder so und damit fluorochromieren...

Aber dann habe ich Deinen Artikel einmal in Ruhe beim Kaffeetrinken gelesen. Ich mag den, ich finde den sehr inspirierend. Und der dokumentiert sehr schön (finde ich), daß in vielen unscheinbaren Alltagsprodukten erlesene Materialien, die hochinteressante Effekte verursachen, genutzt werden.

Und da das Auflicht-10er ja immer gerüstet ist, habe ich die letzten mir verbliebenen Geldscheine mal schnell beguckt - die Ringe fluoreszieren auf all meinen Scheinen bei 365 nm-Halogen-Anregung matt grün. Bei Superbreitbandblau dafür aber das Geldscheinpapier schön hellgrün und bei Breitbandgrün hellorange. Geldwäsche? Abbauwürdige Europiumvorkommen kann ich leider nicht nachweisen, schade. Werde ich aber im Auge behalten, falls ich mal alte Scheine in die Hände bekomme. Und wer weiß, vielleicht gibt ja es bald eine neue Geldscheinserie, ohne England...




Aber nun zurück zu den Haushaltsfluorochromen, nach der Notizzettel-Vorschau von neulich muß ich ja liefern, hier also die Langfassung:

Man nehme ein kleines verschließbares Gefäß und zwei dieser dunkelrosafarbigen Haftnotizzettel, in diesem Experiment die des Originalherstellers. Der Haftkleberrand wird sicherheitshalber abgeschnitten und die Zettel werden locker zusamengefaltet in das Töpfchen gegeben, als Extraktionsmittel dazu etwa 10 ml eines Flächendesinfektionsmittels (hat man derzeit ja sowieso im Haus...). Hier ist allerdings wichtig: je propanolhaltiger, desto besser. Rein ethanolische Mittelchen extrahieren den Farbstoff nicht so besonders gut. Gefäß verschließen und gelegentlich umschütteln. Dann irgendwann nach einigen Stunden Papiere entnehmen und verwerfen und mit der zurückbleibenden, deutlich himbeerroten alkoholischen Färbelösung färben.

Oder man könnte sicherlich auch die ganze alkoholische Lösung eindunsten lassen und den Farbstoff in Wasser aufnehmen.

Oder als hier ausprobierte Methode einen Tropfen der alkoholischen Farbstofflösung vor dem Färben auf dem OT eintrocknen lassen und einen Tropfen Wasser draufgeben, dann löst sich der Farbstoff in ausreichender Konzentration im Wasser und man kann die Schnitte in dem Tropfen auf dem OT färben. Und wie nennt man das? Ich sag' mal RZE-Färbung, also rosa-Zettel-Extrakt...

Ein Papiertaschentuchschnipsel, durch Auftupfen eines winzigen Tropfens RZE stellenweise rosa gefärbt und in etwas Wasser eingedeckt fluoresziert dann bei Superbreitbandblauanregung matt grün, bei Grünanregung brutal hell orange. Es sollte mich also nicht wundern, wenn der so gewonnene Farbstoff irgendwas aus der Rhodamin-Ecke ist (erstes Bild: Breitbandgrün, 100 ms belichtet, zweites Bild: Superbreitbandblau, 100 ms belichtet, beide Bilder identisch ver-fitsworkt).

Ein schnell geschnippeltes Scheibchen von meinem fixierten Vorrats-Efeublattstiel nach der oben beschriebenen Tropfen-eintrockenen-lassen-faule-Leute Methode mit der Hälfte eines an einer Präpariernadel hängenbleibenden Tröpfchens, aufgenommen in einem Tropfen Leitungswasser etwa 30 Sekunden lang gefärbt,  Färbelösung abgesaugt, ein Tropfen frisches Wasser drauf, Deckel drauf, geknipst. Zum Vergleich ein ungefärbter Schnitt aus der selben Schnittserie, eingedeckt nur in Wasser. Alle Efeu-Bilder sind mit gleicher Lampenhelligkeit und gleicher Kameraverstärkung und ungefähr gleicher "Histogrammaussteuerung" mit einem 10x/0,3 aufgenommen worden, allerdings mit unterschiedlicher Belichtungszeit: 35 ms gefärbt, 500 ms ungefärbt... Mit Fitswork auf ein Viertel verkleinert und in jpg umgewandelt, ansonsten vollständig unbearbeitet, die vier Bildchen alle identisch im Histogramm auf den vollen Wertebereich von 14 bit Graustufen skaliert und dann als jpg gespeichert.

Viel Spaß!


Viele Grüße von

Marcus


witweb

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #33 am: Juli 11, 2020, 17:32:59 Nachmittag »
Hallo Marcus,

ich verfolge deine "Fluoreszenz im Haushalt" schon eine Weile und bin ausgesprochen begeistert. Mit einfachen Mittel solche tollen Ergebnisse und Erkenntnisse zu erzielen - das gefällt mir sehr und ist zudem wirklich "anregend".
Vielleicht habe ich es irgendwo übersehen, aber kannst du mal kurz dein Equipment beschreiben?

Viele Grüße

Michael


Marcus_S

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #34 am: Juli 12, 2020, 19:00:15 Nachmittag »
Moin Michael,

vielen Dank für Deine netten, anerkennenden Worte! Wenn ich tatsächlich ein paar Anregungen verströmen kann, dann freut mich das sehr.


Mein Mikroskopgeraffel habe ich bisher ganz bewußt nur gerade so weit beschrieben, wie ich es für diese Spielchen für wirklich relevant halte, denn ich möchte die Experimente nicht auf ein speziell ausgerüstetes Mikroskop bezogen wissen. Und ich möchte versuchen, nicht mit vielleicht abschreckend wirkenden Darstellungen der Ausrüstung von den etwas ungewöhnlicheren Fluorochromen abzulenken. Wenn Du mich aber so direkt fragst, dann muß ich ja zumindest was dazu andeuten. Also:

Ich hantiere mit einem hübschen, kleinen, etwa volljährigen und mit ein wenig Zubehör ziemlich universell ausgerüsteten Olympus. Mit einer (zugegeben) mittlerweile recht ansprechend mit Fluoreszenzfilterwürfeln (Schmalband-UV, Superbreitband-B, Breitband-G) bestückten Universal-Auflichtachse. Gelegentlich schubse ich noch einen engeren Blaufilter (450 nm - 490 nm) zusätzlich in den Strahlengang, wenn mir die Blauanregung "untenrum" zu breitbandig ist. Beleuchtet wird im Auflicht mit 100 W Halogen oder einer selbstgebastelten UV-LED-Lampe. Geguckt wird, je nach Anwendung, mit einem bunten Mix aus Auflicht- oder Durchlichtobjektiven, mal mit, mal ohne PhaKo, mehrheitlich mit Planachromaten und wenigen noch etwas hübscheren Objektiven. Und in einer etwas abgedunkelten Ecke eines sonnendurchfluteten Zimmers mit groooßem Südfenster...

Die Kameraanpassung der (wegen ihrer Vielseitigkeit meistens verwendeten SW-) Astrokamera ist zurechtgestümpert, die Optikexperten werden sich gruseln: ein mit selbstgedrehten Adaptern angeflanschtes 55 mm-Fotoobjektiv zwischen Trinotubus und Kamera verkürzt die Brennweite der Tubuslinse und das ergibt einen Verkleinerungsfaktor von 0,45 und damit ein für meine Bedürfnisse ausreichendes Bildfeld und eine recht ordentliche Anpassung der Kamerapixelgröße an die Objektivauflösung. Die Lösung ist sicher nicht elegant, ich finde die aber unglaublich bequem. Zumal ich nur alte Spiegelreflexen habe, bei denen mich das Speicherkartenspielchen nervt und der Fotorüssel auch ziemlich hoch baut und die Kameras haben kein Schwenkdisplay und ich habe keine Trittleiter...

Für die ganze Bildermacherei verwende ich Freeware: FireCapture zum Bilder/Videos aufnehmen, Fitswork zum Bearbeiten (in seltenen Fällen auch Registax oder imPPG) und dann und wann Picolay zum Stacken. Was ist eigentlich dieses Photoshop? ;-)

So, nun isses raus. Hilft Dir das ein wenig weiter?


Aber: auch wenn die Maschinerie sicher eine recht hübsche ist - wer mit seinem Mikroskop (natürlich nicht in der prallen Sonne) irgendwie Autofluoreszenzen von Grünzeug erkennen kann, der kann das hier beschriebene Zeug auch nachmachen. Alles hier Beschriebene ist in einer etwas abgedunkelten Zimmerecke problemlos mit älteren Augen sichtbar.

Und wenn es denn hier schon um das benutzte Gerät geht - mag irgendjemand mit einem anderen Mikroskop, beispielsweise einem "Standard" mit Auflichtfluoreszenz, mal irgendwas "nachkochen" und hier zeigen? Das fände ich zum Abschätzen des Möglichen überaus interessant.


Viele Grüße von

Marcus


Marcus_S

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #35 am: Juli 12, 2020, 19:11:10 Nachmittag »
Moin!

Da ich noch Schnittchen von der RZE-Färbung übrig hatte, da habe ich aus Spaß schnell mal ein bißchen rumprobiert. Und so präsentiere ich die


VWM-RZE-Doppelfärbung ;-)

Einen zwei Tage gewässerten fixierten Schnitt des Efeublattstiels erst etwa 30 Sekunden in dem eingetrockneten und in einem Tropfen Wasser aufgenommenen alkoholischen Vollwaschmittelextrakt gefärbt, mit drei Tropfen Wasser ausgewaschen, das Waschwasser abgesaugt. Gegengefärbt etwa 30 Sekunden mit einem halben Tropfen RZE in einem Tropfen Wasser, zweimal mit je zwei Tropfen Wasser ausgewaschen. Deckel drauf, beguckt mit dem 10x/0,3 in Auflichtfluoreszenz.

Mit Breitbandblauanregung mittels 100 W Halogen ergibt sich ein wunderhübsches, zart abgestuftes Spektrum der Farben grün über grüngelb über gelb bis goldgelb, das kann die Kamera (diesmal die hierfür viel zu grobpixelige ASI 120) nicht wirklich wiedergeben.
Mit der 365 nm-LED-Beleuchtung bei 500 mA gibt es einen interessanten Kontrast von gespenstisch dunkelblau und fahlblaßblau zu lachsorange, naja, die Farbkombination muß man mögen... Und wenn man die Vorhänge zuzieht und das Licht ausknipst, dann geht das mit etwas mehr Apertur sogar schon mit Halogen-UV...
Und: der Kontrollschnitt (hier nicht gezeigt) zeigt eine viel- und andersfarbige, viel schwächere Autofluoreszenz, irgendwas ist da also auf den Efeu aufgezogen.

Bilder wie immer aufgenommen: Verstärkung moderat, Belichtung so eingeregelt, daß das Histogramm gerade nicht übersteuert war. In Fitswork ein wenig unscharf maskiert, etwas (nicht viel!) mehr als sonst am Histogramm herumgezerrt, beim Blauanregungsbild ein wenig an der Farbbalance justiert, auf 75% verkleinert und zart geschärft.

Die beiden Bilder zeigen dasselbe Präparat, das UV-Bild zeigt das Leitbündel, das im Blaubild unten angeschnitten dargestellt ist. Mach' ich nächstes Mal besser. Und das Präparat ist mit RZE völlig überfärbt, das guckt man sich besser nicht mit Grünanregung an, dann war's das mit der Dunkeladaption...


Nochmal Grüße von

Marcus

witweb

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #36 am: Juli 13, 2020, 16:08:17 Nachmittag »
Hallo Marcus,

ich danke dir für die Infos.
Ich hatte gefragt, weil ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spiele, mich mit dem Thema Fluoreszenz zu beschäftigen. Als absoluter Einsteiger. Im Moment gibt mein Equipment das nicht her, deshalb die Frage, was du verwendest. Du bist da ja gut aufgestellt. Ich habe noch keine genauen Vorstellungen, wo man, von der Ausrüstung her, anfangen könnte. Was ich aber schon gesehen habe, nach oben gibt es wohl keine Grenzen... :)
Ich werde deine Beiträge jedenfalls mit großem Interesse weiter verfolgen.

Viele Grüße

Michael
 
   

Marcus_S

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #37 am: Juli 26, 2020, 21:20:50 Nachmittag »
Moin Michael,

besser eine späte Antwort als gar keine Antwort...

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, zu fluoreszieren ;-) , dann möchte ich Dich ausdrücklich bestärken. Ich finde es ungeheuer spaßig und auch sogar oftmals nützlich. Und das bunte Licht hat sowas mysthisch-Wissenschaftliches. Ob man's braucht - was braucht man schon. Aber im Ernst: ich denke, Auflichtfluoreszenz ist für die verschiedensten Anwendungen, auch im Materialbereich, eine wunderbare Ergänzung der Kontrastierungsmöglichkeiten.

Durch die LEDs war das sicher noch nie so einfach und so billig wie heute, zumal es zumindest für ein Zeiss Standard aus den einschlägigen Gebrauchtquellen fertig bestückte Auflichtachsen gibt, an die man recht einfach eine LED anknoten kann. Und wenn man die Behausung für die LED nicht im heimischen Keller basteln kann, dann gibt es heutzutage einige FabLabs, in denen meistens auch eine Drehmaschine vorhanden ist.

Wenn die Objekte stillhalten, dann kann man definitv beim Dokumentieren durch Verlängern der Belichtungszeit was rauskitzeln, dann tun es für Blau- und Grünanregung auch Achromate. Bei sich bewegenden Objekten (wie frei herumschwimmenden fluorochromierten Tümpeltierchen) hilft nach meiner überaus begrenzten Erfahrung allerdings tatsächlich nur eine mehr oder weniger brutale Materialschlacht. Und ich denke, da kommt man auch mit aktuellem, fabrikfrischen Gerät recht schnell an die Grenzen.



Bei dieser Gelegenheit aber mal wieder ein dummer, unausgegorener Gedanke. Zwar kein neues Fluorochrom (ich muß erst einkaufen gehen), nur eine Anwendung.

Wenn man das VWM-Extrakt auf eine Oberfläche aufziehen läßt oder, wenn es nicht aufziehen mag, einfach darauf eintrocknen läßt, dann sollte man doch sowas wie die Oberflächentopographie darstellen können. Der Tensidschlubber aus dem Extrakt sollte hier zur guten Benetzung sogar hilfreich sein und sollte außerdem wirkungsvoll die Bildung irgendwelcher Kriställchen verhindern.

Im Anhang also mal drei Bildchen von Diatomeenerde, technische Qualität unbekannter Herkunft, "frisch gewaschen". Also mit einem Tropfen VWM-Extrakt auf dem OT zu einem Brei angerührt, mit zwei Tropfen 70% Brennspiritus verdünnt und mit einer flach gehaltenen Präpariernadel über den Objektträger ausgestrichen. Nach dem Trocknen an der Luft beguckt mit Auflichtobjektiven: 10x/0,3 und 50x/0,75, natürlich ohne Deckglas. Anregung mit 365 nm-LED (500 mA) + Filterblock in Auflicht.

Aufnahme der sehr hellen, einfarbig hellblauen Fluoreszenz mit der ASI178MM. Man muß aber schon ein wenig hinne machen, da die LED doch recht kräftig an dem Präparat herumbleicht. Belichtungszeit so etwa 100 ms, Aperturblende aber etwas zugezogen, da die 500 mA Diodenstrom ein viel zu helles Bild ergaben. Histogramm zu etwa 70% ausgesteuert, Kameraverstärkung so um 5%, Einzelbilder (1, 2) oder mal eben schnell handgestackt (3).

Was sieht man da? Im Okular wieder mal mehr als im Bild. Vergammelte Kieselalgen, aber darum geht es hier ja nicht, hatte nichts Anderes. Das ganze Porensystem der Kieselalgen kommt sehr hübsch heraus, ohne häßliche Brechungseffekte. Unklar ist mir noch, warum einige Poren so stark fluoreszieren, vielleicht ist da besonders viel VWM-Extrakt kapillar aufgenommen worden. Dafür müßten röhrenartige Probenregionen oder Innenkanten ja besonders empfindlich sein. Irgendwann mal in Ruhe ausarbeiten... Grundsätzlich neu ist die Sache natürlich wieder mal nicht, ist ja eigentlich nur eine alberne Abwandlung der Farbeindringprüfung zur Rißerkennung aus der Materialkunde. Und das funktioniert natürlich auch mit anderen Fluorochromen, ganz sicher.

Und man müßte ja eigentlich mal weiterspielen - abseits von den Haushaltsfluorochromen - einen fettlöslichen Fluoreszenzfarbstoff in einem flüchtigen Lösemittel lösen, auf eine (Diatomeen-) Oberfläche "Auftrocknen" und dann in Glycerin eindeckeln und in AL-Fluoreszenz mit höheraperturigen Objektiven begucken. Damit könnte man ja vielleicht auch opake kleine Partikelchen topographieren...


Viele Grüße von

Marcus





Bild 1
Übersicht_Diatomeenerde_VWM_UV_10x_155941_0000_5.jpg
Objektiv 10x/0,3,
Einzelbild, Bild verkleinert auf 50%, beschnitten, im Kontrast aufgebürstet
etwa 1,1 µm/Pixel

Bild 2
Kieselalge_VWM_UV_50x_14_153046_0000_4.jpg
Objektiv 50x/0,75
Einzelbild in Originalgröße, beschnitten, leicht geschärft, Kontrast aufgehübscht
etwa 0,1 µm/Pixel

Bild 3
Kieselalge_VWM_UV_50x_13_pystkd_sup1_5.jpg
Objektiv 50x/0,75
gestackt in den Standardeinstellungen mit dem aktuellsten Picolay
verkleinert auf 66,6%, beschnitten, im Kontrast optimiert
etwa 0,16 µm/pixel


witweb

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #38 am: Juli 27, 2020, 13:58:38 Nachmittag »
Hallo Marcus,

ja, das Thema interessiert mich schon. Schließt sich ja, vom optischen Eindruck der Bilder her, an die Pol-Fotografie an. ;)
Außerdem auch fachlich/inhaltlich sehr interessant. Mein Standard 18 werde ich wohl nicht umbauen, dafür müsste dann etwas anderes her. Im Moment könnte ich aber den Vorschlägen von Jürgen folgen, der 2018 mal tolle Ideen hier im Forum gezeigt hat: Auflicht-und Simultan-Fluoreszenz mit einer 3 W UV LED-Taschenlampe. Das "Equipment" habe ich und auch schon mal etwas rumprobiert. Sollte gehen! Im Moment habe ich aber noch ein paar andere Sache in der Pipeline. Aber dann...

Mit VWM meinst du Vollwaschmittel bzw. Vollwaschmittel-Extrakt? Was genau?
Auf jeden Fall interessante Ergebnisse mit den Diatomeen! Das ist sicher noch ausbaufähig.

Beste Grüße

Michael





 

Klaus Herrmann

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #39 am: Juli 27, 2020, 19:44:27 Nachmittag »
Lieber Michael

, solltest du Fluoreszenzfarbstoffe benötigen, dann brauchst du nicht auf Vollwaschmittel zurück zu gereifen. Frag einfach mich- ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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witweb

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #40 am: Juli 28, 2020, 07:56:24 Vormittag »
Lieber Klaus,
auf dein Angebote komme ich bestimmt zurück. Aber - kann ich mit deinen Fluoreszenzfarbstoffen auch waschen?
Herzliche Grüße
Michael

Peter V.

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #41 am: Juli 28, 2020, 09:25:46 Vormittag »
Hallo,

Lieber Klaus,
auf dein Angebote komme ich bestimmt zurück. Aber - kann ich mit deinen Fluoreszenzfarbstoffen auch waschen?
Herzliche Grüße
Michael

Natürlich! Habe letztens noch eine Hose mit Klaus' Farben gewaschen!

Hezrliche Grüße
Peter
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Marcus_S

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #42 am: Juli 28, 2020, 10:14:16 Vormittag »
Moin Michael,

wegen des VWM-Extraktes, da zitiere ich mich mal selbst aus dem ersten Beitrag... ;-)

"Den dritten Schnitt habe ich mit einem halben Tropfen eines alkoholischen Extrakts eines Vollwaschmittels behandelt. Auf diese Weise hoffte ich, an die fluoreszierenden optischen Aufheller zu gelangen, auch wenn ich noch sonstigen Kram mit extrahiert würde. Dazu habe ich - wieder streng wissenschaftlich - drei Teelöffel Vollwaschmittel (Tandil) mit 50 ml Brennspiritus vermischt, etwa eine Stunde lang hin und wieder geschüttelt, sedimentieren gelassen und von dem noch immer leicht trüben Überstand zum Färben einen kleinen Tropfen entnommen, diesen mit einem Tropfen Leitungswasser verdünnt und den Schnitt in dieser Lösung auf dem OT gefärbt. Einmal ausgewaschen und in Glycerin eingedeckt."


Fluoreszenzanregung in Auflicht-Dunkelfeld ist sicher auch elegant, habe ich aber nie ausprobiert. Da werden die Anforderungen an die Filter wahrscheinlich nicht ganz so hoch sein, die Anregungsintensität dafür aber wahrscheinlich auch nicht. Und bei UV-Anregung wäre ich mit dem Streulicht sehr vorsichtig. AL-DF-Anregung ist für mich allerdings nicht ganz so attraktiv, weil ich ja den Luxus der Auflichtachse genießen kann.

Wenn Du mit Fluoreszenzanregung bastelnd tätig werden willst, dann könnte es möglicherweise lohnen, wegen irgendwelcher Sperrfilter mal zu den Astronomen zu schielen. Da gibt es in den einschlägigen Läden bunte Farbglasfilter zur Planetenbeobachtung, die werden angeboten zum Einsatz im abbildendenden Strahlengang, es gibt allerdings Exemplare mit ... unterschiedlicher... Qualität. Die sind aber auf jeden Fall günstig und einfach beschaffbar. Mir sind mal ein #12 und ein #21 ins Spektrometer gefallen, beides waren recht ordentliche Farbglaskantenfilter mit einer Transmission 10%/50%/90% bei (ca.) 505 nm/510 nm/550 nm (#12) bzw. (ca.) 565 nm/575 nm/610 nm (#21), maximale Transmission etwa 92%. Die anderen Farben werden irgendwo dazwischen liegen. Kosten so um 17 Euro in 1,25" Durchmesser.


Viele Grüße von

Marcus


Klaus Herrmann

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #43 am: Juli 28, 2020, 11:07:46 Vormittag »
Hallo Marcus,

Zitat
Fluoreszenzanregung in Auflicht-Dunkelfeld ist sicher auch elegant, habe ich aber nie ausprobiert.

Wieso ist das elegant und was soll das bezwecken ausser, dass die Lichtmenge reduziert wird. Eigentlich will man doch möglichst viel an Anregungsenergie haben, weil die Intensität des Fluoreszenzlichts sowieso gering ist.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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witweb

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Re: Fluoreszenz im Haushalt
« Antwort #44 am: Juli 28, 2020, 19:48:27 Nachmittag »
Hi Marcus,
danke für den Tipp mit den Astrofiltern!
Viele Grüße
Michjael