Autor Thema: Mein Garten unter dem Mikroskop  (Gelesen 4680 mal)

jcs

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Mein Garten unter dem Mikroskop
« am: Juli 01, 2020, 22:51:59 Nachmittag »
Nachdem ich mein Mikroskop mittlerweile so halbwegs im Griff habe, und auch beim Schneiden und Färben erste Fortschritte erkennbar sind, habe ich mich im hauseigenen Garten auf die Suche nach diversen Objekten gemacht, die einerseits interessant sein könnten, aber auch "optisch etwas hermachen".

Der Garten ist gärtnerisch etwas vernachlässigt, und daher hat sich eine recht umfangreiche Flora und Fauna breitgemacht. Eine erste Inventur ergab, dass ich  ziemlich lang brauchen werde, um die diversen "Unkräuter" alle unters Mikroskop zu bekommen. Gewässer gibt es auch, da werde ich dann einmal Richtung "Tümpelei" erste Schritte machen. Das Projekt wird mich also eine Zeitlang beschäftigen, und ich denke, Langeweile kommt so schnell keine auf.

Im ersten Bild ein Eindruck der "Gesamtsituation".

Beginnen werde ich mit einem Klassiker, einem Querschnitt (ca. 50mum dick) aus dem Spross der Waldrebe (zweites Bild, Stack mit 5x Objektiv, Wacker-Färbung). Im dritten Bild ein Moosblatt, ebenfalls ein Stack, aber diesmal mit 40x-Objektiv.

Große botanische Details kann ich mangels Fachkenntnissen nicht bieten. Der Thread ist also eher eine Art Tagebuch meiner mikroskopischen Tätigkeiten, mit Schwerpunkt auf Botanik. Wer etwas Fachliches anmerken will, bitte gerne kommentieren.

Jürgen
 
« Letzte Änderung: Juli 01, 2020, 22:59:03 Nachmittag von jcs »

plaenerdd

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #1 am: Juli 01, 2020, 23:15:59 Nachmittag »
Hallo Jürgen,
fachlich kann ich nicht viel beitragen, aber schön ist es, was Du in dem Garten entdeckt hast.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
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D.Mon

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #2 am: Juli 03, 2020, 01:05:58 Vormittag »
Hallo Jürgen,

Du macht gerade das vor, was ich mir auch für die Zukunft vorgenommen habe. Ich bin nur noch nicht so weit. Jeden Tag entdecke ich neue Untersuchungsobjekte im Garten, die ich mir für die spätere Beobachtung merke.

Möchtest Du zu Beginn noch etwas über Deine Ausrüstung erzählen? Das Thema Fotostacking möchte ich mir auch noch aneignen. Falls Du da zufällig einen empfehlenswerte Link zur technischen Umsetzung hast, kannst Du den gerne auch posten.

Viele Grüße
D.Mon
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon
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Klaus Herrmann

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #3 am: Juli 03, 2020, 10:01:27 Vormittag »
Hallo Jürgen,

 das ist ja ein bescheidenes kleines Gärtle, was du uns da zeigst. Wieviele Hektar sind es denn? ;)

Beide Bilder sind sehr schön. Die Clematis ist immer attraktiv. Leider löst sich oft die äußere Rinde ab. Welche Wackervariante hast du eingesetzt? (ist es die ASim II mit Alcianblau?) Könntest du noch ein Bild zeigen so aus der Mitte verschoben, dass man auch die Rinde sieht?
Das Moosblatt ist auch gelungen.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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jcs

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #4 am: Juli 03, 2020, 15:31:04 Nachmittag »


Möchtest Du zu Beginn noch etwas über Deine Ausrüstung erzählen? Das Thema Fotostacking möchte ich mir auch noch aneignen. Falls Du da zufällig einen empfehlenswerte Link zur technischen Umsetzung hast, kannst Du den gerne auch posten.

Hallo Gerd und d.mon,

danke für Eure Rückmeldung. @d.mon, mein Mikroskop ist ein Leica DM2000 LED, mit 5x,10x, 20x, 100x HC Plan Fluotar und einem 40x N-Plan Objektiv. Kamera ist eine Panasonic G9, die ich über ein Ofenrohr adaptiert habe. Mit LED-Beleuchtung und den modernen Objektiven ist es wirklich ein Vergnügen, durch solche Mikroskope zu schauen, mit ihrer hellen und klaren Wiedergabe der Objekte.

Dazu kommt noch diverse Peripherie, da ja wie überall gilt: In der Probenvorbereitung liegt das Geheimnis des Erfolgs. So habe ich ein günstiges gebrauchtes Stereomikroskop ergattert. Das war ein Impulskauf, der mittlerweile aber unverzichtbar geworden ist. Diverse Tübchen, Fläschchen und Döschen (unter anderem von Klaus Herrmann hier im Forum), sowie Präparierwerkzeug inkl. SHK-Halter von Detlef Kramer.
« Letzte Änderung: Juli 04, 2020, 12:28:22 Nachmittag von jcs »

jcs

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #5 am: Juli 03, 2020, 15:42:17 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

 das ist ja ein bescheidenes kleines Gärtle, was du uns da zeigst. Wieviele Hektar sind es denn? ;)

Beide Bilder sind sehr schön. Die Clematis ist immer attraktiv. Leider löst sich oft die äußere Rinde ab. Welche Wackervariante hast du eingesetzt? (ist es die ASim II mit Alcianblau?) Könntest du noch ein Bild zeigen so aus der Mitte verschoben, dass man auch die Rinde sieht?
Hallo Klaus,

der Garten spielt zum Glück noch in der sub-1000m²-Liga. Außerdem ist der Thread-Titel "Mein Garten ..." etwas euphemistisch formuliert.

Der Garten gehört zu unserem Wochenendhaus, und die meiste Zeit des Jahres haben hier Wühlmaus, Schnecken & Co das Oberkommando. Selbst in der warmen Jahreszeit ist nicht immer ganz klar, wer das Sagen hat. So sieht man im ersten Bild, dass die hauseigene Fledermaus zeitweise der Meinung war, ein frisch verfliestes WC ist der standesgemäßere Schlafplatz als ein vergammelter Dachboden. Auch die regelmäßig vorbeischauende Kröte wollte sich im Hausinneren etwas genauer umsehen, bis ihr ein Hausbewohner (unabsichtlich) den tieferen Sinn des Sprichwortes "jemandem die Tür vor der Nase zuschlagen" vor Augen führte.

Zu den Waldreben: Seit Kurzem habe ich einen SHK-Klingenhalter von Detlef, mit dem die Schnitte schon etwas präziser werden. Mein 3D-gedrucktes Provisorium hat einen zu flachen Anstellwinkel, und die Klinge weicht dann leicht aus. 2-3° machen da offenbar viel Unterschied.

Hier noch einmal eine Waldrebe in der Totale, mit dem SHK-Halter geschnitten und mit Deiner Wacker-Färbung mit Alcianblau gefärbt. Das Bild ist ein Pano-Stack aus 4 Aufnahmen mit dem 5x-Objektiv.

Jürgen
« Letzte Änderung: Juli 03, 2020, 16:36:48 Nachmittag von jcs »

Klaus Herrmann

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #6 am: Juli 03, 2020, 15:56:59 Nachmittag »
Hallo Jürgen, der Schnitt ist sehr gut gelungen und die Färbung ebenfalls, und für ein Debut perfekt.

Nebenbei angemerkt: du bist zwar konsequent mit der falschen Schreibweise meines Nachnamens, aber mein Vorname steht immer fett unter jedem Beitrag. Mein Schicksal dass man bei mir beides schon mal verwechseln kann. ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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D.Mon

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #7 am: Juli 03, 2020, 16:02:11 Nachmittag »
Vielen Dank für das Zeigen Deiner Ausrüstung. Für mich ist es immer sehr interessant, zu sehen, wie und womit andere arbeiten.

Gruß
D.Mon
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jcs

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #8 am: Juli 03, 2020, 16:28:38 Nachmittag »

Nebenbei angemerkt: du bist zwar konsequent mit der falschen Schreibweise meines Nachnamens, aber mein Vorname steht immer fett unter jedem Beitrag. Mein Schicksal dass man bei mir beides schon mal verwechseln kann. ;)
Autsch, ab jetzt merke ich mir das. Hab's oben gleich ausgebessert.

Jürgen
« Letzte Änderung: Juli 03, 2020, 16:37:50 Nachmittag von jcs »

Fahrenheit

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #9 am: Juli 03, 2020, 21:20:53 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

Deine Schnitte sind gut und die Färung ebenfalls!
Auch die Aufnahme vom Mossblatt hat nmir gut gefallen.

Ich hoffe, die Fledermaus hat sich nicht so sehr an Eurer Anwesenheit im Bad gestört. :)

Du wirst sicher schnell feststellen, was sich zu schneiden lohnt. Eine der für mich faszinierendsten Tatsachen der Natur ist, dass der gesamte Formenreichtum auf recht wenige Grundbaupläne zurück geht. Die Querschnitte der Sprosse / Blattstiele / Blätter sind also auf mikroskopischer Ebene oft ununterscheidbar ähnlich.
Ggf. lohnt sich hier etwas Literatur, auch um die einzelnen Gewebe erkennen und ihre Funktion zuordnen zu können. Anfangen würde ich mit dem Buch Mikroskopisch-Botanisches Praktikum von Gerhard Wanner. Mehr tipps findest Du z.B. hier:

http://mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html 

Herzliche Grüße
Jörg
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D.Mon

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #10 am: Juli 03, 2020, 23:27:23 Nachmittag »
Anfangen würde ich mit dem Buch Mikroskopisch-Botanisches Praktikum von Gerhard Wanner.

Danke für diesen Tipp (auch wenn er nicht direkt an mich gerichtet war). Scheint ein fantastisches Buch zu sein und genau das, was ich gesucht habe. Hab's eben für 5,33 inkl. Versand gebraucht entdeckt ("sehr guter Zustand"). Da kann man nix falsch machen.

Gruß
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Fahrenheit

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #11 am: Juli 04, 2020, 06:04:41 Vormittag »
Gerne! :) Mit etwas Glück ist es die erste Auflage. Sie bleibt auf jeder Seite aufgeschlagen auf dem Tisch liegen, bei der zweiten Auflage ist das nicht mehr der Fall.

Herzliche Grüße
Jörg
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jcs

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #12 am: Juli 04, 2020, 09:57:29 Vormittag »

Deine Schnitte sind gut und die Färung ebenfalls!
Auch die Aufnahme vom Mossblatt hat nmir gut gefallen.

Du wirst sicher schnell feststellen, was sich zu schneiden lohnt. Eine der für mich faszinierendsten Tatsachen der Natur ist, dass der gesamte Formenreichtum auf recht wenige Grundbaupläne zurück geht. Die Querschnitte der Sprosse / Blattstiele / Blätter sind also auf mikroskopischer Ebene oft ununterscheidbar ähnlich.
Ggf. lohnt sich hier etwas Literatur, auch um die einzelnen Gewebe erkennen und ihre Funktion zuordnen zu können. Anfangen würde ich mit dem Buch Mikroskopisch-Botanisches Praktikum von Gerhard Wanner.
Hallo Jörg,

freut mich sehr, dass die Aufnahmen einer fachmännischen Beurteilung halbwegs standhalten! Das Buch von G.Wanner habe ich mir vor ein paar Wochen besorgt, es blitzt bei genauer Betrachtung zwischen den Okularen des oben gezeigten STEMI durch.

Bis ich bei der Bezeichnung und Interpretation der verschiedenene Gewebetypen etwas Sinnvolles beisteuern kann, wird noch einige Zeit vergehen. So simpel ist das Thema dann ja doch nicht. Was ich genauso spannend finde wie die oberirdischen Teile der Pflanzen ist das, was sich unter der Erde abspielt. Da werde ich versuchen, mich etwas genauer zu vertiefen.

Aufgrund des Bodenaufbaus und Mikroklimas scheint unser Garten ein gesundes Bodenleben aufzuweisen, was sich in einer recht umfangreichen Pilz-Flora äußert. So haben sich auch 4-5 Orchideenarten etabliert, die ja auf die Bodenpilze angewiesen sind. Dazu werde ich dann noch ein paar Bilder zeigen.

Vorerst aber ein erster "unterirdischer" Versuch eines botanischen Schnittes (z-Stack aus Aufnahmen mit 5x-Objektiv), in dem Fall von einer banalen Brennessel, die sich im Komposthaufen etabliert hat. Ich denke, das ist noch gar nicht die eigentliche Wurzel, sondern eher der unterirdische Teil des Sprosses (Rhizom?).

LG

Jürgen


jcs

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #13 am: Juli 07, 2020, 00:46:44 Vormittag »
Heute habe ich eine Teichrose "geerntet", die demnächst unters Mikroskop kommen soll. Den Algenbewuchs habe ich etwas abgekratzt, um einen ersten Schritt in die Tümpelei zu machen. Interessant, was sich da alles tummelt. Unter anderem ein Wasserfloh?, der gerade auf Kollissionskurs mit einer wurmartigen Gestalt ist, eingeklemmt zwischen Fadenalgen. Falls da jemand etwas Genaueres sagen kann, bitte gerne.

Naja, Prachtfoto ist das noch nicht, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Jürgen

JB

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Re: Mein Garten unter dem Mikroskop
« Antwort #14 am: Juli 07, 2020, 01:01:12 Vormittag »
Hallo Jürgen,

Vorne ein Huepferling (Copepoda), hinten eine Dipterenlarve (Ceratopogonidae?).

Beste Gruesse,

Jon