Kristallstruktur von Kunststoffen sichtbar machen - kein Mikrotom vorhanden

Begonnen von MichaelH, August 07, 2020, 19:09:12 NACHMITTAGS

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MichaelH

Hallo zusammen :)

ich würde gerne die Kristallstruktur von Kunststoffen sichtbar machen, genauer gesagt von Polyamid 6.

Eigentlich möchte ich genau so etwas aufnehmen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sph%C3%A4rolith#/media/Datei:Spherulite_1.png

Auflichtversuche (mit Polfilter) blieben leider erfolglos (zumindest was die Kristallstruktur betrifft). Im Nachhiein macht es auch Sinn, weil die darunterliegenden Strukturen das Licht difus zurückwerfen und somit nichts gerichtet ist.

Jetzt meine Frage: Gibt es einen Weg, solche Aufnahmen ohne ein Mikrotom zu machen? Oder kennt ihr eine Firma, bei der man sich ein Mikrotom leihen kann (komme aus Ingolstadt)?

VG Michi

olaf.med

Hallo Michi,

so etwas kann man nur an Dünnschnitten im polarisierten Durchlicht sehen, und daher benötigt man ein Mikrotom zur Herstellung des Schnitts. Möchtest Du das an einer bestimmten Probe sehen, oder kann es eine beliebige sein? Im letzteren Fall kann ich helfen.

Grüße,  Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Klaus Herrmann

Hallo Michi,

Olf hat natürlich Recht, das geht nur im Durchlicht Pol.
Ein Mikrotom dafür zu leihen wäre den Berg zum Propheten tragen, einfacher du schickt die Probe in einem Briefle zu mir und ich schneid dir ein paar Scheibchen ab.
Bei der gezeigten Probe ging es um den Lackaufbau nicht um den Kunsstoff.

Das Mikrotom wiegt ca 40 kg, deine Probe vielleicht 1/1000 davon ;)

PM mit deiner Email reicht.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

derda

Guten Moin Zusammen,

gibt es beim Schneiden von Kunststoffen etwas zu beachten? Was sind typische Schnittdicken für eine Untersuchung und welche Messerform ist zu empfehlen?

Was mich auch interessiert: kann ich Kunststoffe im Dünnschnitt unterscheiden (POM, PA, PE)?

Vielen Dank schon mal an die Spezialisten.

Erik

Klaus Herrmann

Hallo Erik,

ZitatWas sind typische Schnittdicken für eine Untersuchung und welche Messerform ist zu empfehlen?

wenn man die Sphäroliten gut sehen will 10- 20 µm; darüber überlagern sich die Strukturen und es wird diffus. Ich verwende Widiamesser; wenn der Kunsstoff gefüllt oder faserverstärkt ist möglichst  Typ D sonst C.

Kunststoffidentifikation haben wir immer IR-spektroskopisch gemacht. Mit Mikroskopie kommt man nach meiner Kenntnis nicht weit.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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MichaelH

Hallo Olaf,
Hallo Klaus,

vielen Dank für eure Antworten :)

Was vielleicht noch wichtig ist: Mein Kunststoff ist faserverstärkt. Ich hätte es an sich gerne selber gemacht, weil ich keine Ahnung bzgl. der Schichtdicken (und evtl. Ausrichtungen der Schnitte?) habe. Aber ich nehme dein Angebot gerne an Klaus, mit etwas Glück klappt es ja aufs erste Mal.

E: Klaus hat scheinbar Erfahrung, ich halte euch auf dem laufenden was am Ende bei rauskommt :)

VG Michi

derda

Guten Abend Klaus,

vielen Dank für die Hinweise. WiDia hatte ich lange nicht gehört 😀

Was mich auch noch interessiert: ob es einen optischen Unterschied zwischen ausgetrockneten spröden Polyamid und dem schlagzähen mit normalem Wassergehalt gibt. Teilweise lässt sich der spröde Zustand durch Lagerung in Wasser wieder verbessern. Möglicherweise sind aber auch bleibende Schäden durch die Austrocknung vorhanden, die im Schnitt möglicherweise erkennbar sind.

Viele Grüße,

Erik