optimale Linsenanordungen ?

Begonnen von Reinhard, September 03, 2020, 16:00:17 NACHMITTAGS

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peter-h

Hallo Reinhard,

mein Arbeitspferd ist ein Olympus BH-2. Dafür gibt es auch einen Vergrößerungswechsler wie bei Zeiss der-die-das Optovar. Diese Zusatzteile brauchen Bauhöhe, also wird ohne Optik der mech. Tubusabstand von 160mm um ca. 40mm vergrößert. Das geht also garnicht! Somit benötigt man ein Telansystem mit einem negativ Achromat und danach einem positiven Achromat.  Das sind somit 4 Linsen, welche nach "Hochglanzprospekt" absolut keinen Einfluß auf die Bildqualität haben. Weiter träumen.
Beim Zeiss Optovar ist jedenfalls eine starke Vignettierung festzustellen. Messungen habe ich vor langer Zeit einmal gezeigt.
Wir benutzen Plan Apo Objektive und dann reicht ein achromatisches System um die Bildqualität nicht zu beeinträchtigen.

Zum 2. Punkt.
Wenn ich höchste Auflösung brauche, dann benutze ich auch bei einem Apochromat monochromatisches Licht. Meine Nachvergrößerung wird mit einer Barlowlinse aus der Astronomie gemacht. Das ist bei UV @365nm fast zwingend. Wenig Linsen !

Gruß
Peter

JB

Zitat von: Reinhard in September 04, 2020, 17:49:45 NACHMITTAGS
Hat jemand evtl. Bilder von "aufgeschnittenen" Optovaren?

Hallo Reinhard,

Nur schematisch und beim kleinen Optovar: http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/indexmag.html?http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artjun12/fs-optovar.html

Die Telanlinsen selbst sind beim ueblichen Optovar fuer Standard RA achromatische Linsen; zusammen mit den Teleskopen also beim kleinen Standard mindestens 6 Linsen in 4 Gruppen. Beim Phomi sind es weniger vermeidbare Gruppen, weil das Optovar nicht so einfach austauschbar ist.

Beste Gruesse,

Jon

reblaus

Hallo -

wenn man bedenkt wieviele Linsen- und Prismenflächen mit oder ohne Kitt das Licht beim Universal oder gar Phomi vom Objektiv zum Auge des Betrachters durchqueren muss kommt es auf die beiden Linslein im Optovar auch nicht mehr an, da hat sich nicht mal Zeiss die Mühe gemacht eine Schnittzeichnung zu publizieren, ich nehme mal diese abschreckenden Beispiele:


Hier der Normalfall - Telan im 5er Revolver


Hier das 4 linsige System in einem Auflichtkondensor

... und oben geht es ja so weiter!

Viele Grüße

Rolf


Reinhard

Hallo zusammen,

danke für Eure weiteren Informationen und die interessanten Schnittzeichnungen.
Mein vorläufiges Resümee:

Zeiss Standard (kein Phomi/Universal)
kein Optovar
Zeiss Apo 100/1,3 Öl
Zeiss KPL 12,5 (W)
Grad-Monotubus (!)

müßte das Maximum an Bildqualität bei hohen Vergrößerungen ergeben, weil hier die Zahl der Linsen
zwischen Objekt und Auge minimal ist.
Gleichzeitig ist das Maximum mit knapp unter dem 1000-fachen der N.A. erreicht.

Viele Grüße
Reinhard
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vvbasti

Hallo die Schnittbilder sind sehr interessant.
Aus welchem Dokument sind diese denn ?

Ich bin seit längerem schon auf der suche nach derartigem, um einen einheitlichen Workflow zu finden.

Ziel dessen ist alle meine 4 unis auf eine einheitliche optische Achse zu bringen. So dass man nicht immer alles neu ausrichten muss wenn man ein Teil tauscht (revolver) (tisch) (epi) (rs)

Falls es eine Art werkstatthanbuch gibt wäre ich sehr interessiert daran.

Was mir auch aufgefallen ist, die telansysteme in den Revolvern unterscheiden sich auch je nach Zeitachse Ihres entstehens.

Erkennt man auch an der hochglanz chrom RMS Aufnahme, oder der mattierten version. Auch bei den pol habe ich leichte bauliche Unterschiede.

Ob das linsensystem auf der gleichen berechnung bassiert ?

Und dann natürlich noch das 0,63er telan

Sicher dass das Optovar in 1x und 1,25x gab, hatte die Erinnerung dass dies nur beim Uralt Phomi mit schw. Revolvern war.
Dort war glaube ich auch das ganze telan system anderst.
Und auch die Beschriftung.
Der pol schieber z.b hatte sein telan integriert.
Und ist nur im gen1 nutzbar

JB

Zitat von: Reinhard in September 05, 2020, 10:47:54 VORMITTAG
Zeiss Standard (kein Phomi/Universal)
kein Optovar
Zeiss Apo 100/1,3 Öl
Zeiss KPL 12,5 (W)
Grad-Monotubus (!)

müßte das Maximum an Bildqualität bei hohen Vergrößerungen ergeben, weil hier die Zahl der Linsen
zwischen Objekt und Auge minimal ist.

Hallo Reinhard,

Meiner persoenlichen Erfahrung nach tritt das vermeindliche Problem der "zu vielen Linsen" in der Praxis nicht in Erscheinung. Die Grossmikroskope funktionieren trotz der "vielen Linsen" in der Durchlichtmikroskopie hervorragend (meine Beobachtung beruht besonders auf dem Orthoplan, ich habe kein Phomi). Meine Vermutung ist, dass der ausgekluegelte Beleuchtungsstrahlengang der Grossmikroskope fuer deren ausgezeichnete Bildqualitaet mitverantwortlich ist.

Wenn ich an einem Grossmikroskop mit guter Beleuchtung arbeite (Orthoplan, Axioplan, DMLB) arbeite, merke ich den Unterschied in der Beleuchtung zum Standard 14 sofort. Wunderbar klare und scharfe Bilder an den grossen Stativen.

Der Monotubus ist eine gute Idee wenn Sie monokular arbeiten!

Ich denke Sie haben jetzt genug Information um zwei Konfigurationen zu vergleichen (Standard gegen Phomi), z.B. mit Testdiatomeen.

Viel Erfolg,

Jon

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

dieses Thema mit den viellinsigen Systemen ploppt hier immer wieder einmal auf. Ich kann Jons Erfahrung definitiv auch an den entsprechenden Zeiss-West Großmikroskopen nachempfinden. Selbst der sehr verschachtelte Strahlengang der Phomis  lieferte zur Zeit der Kleinbildfotografie brillantere Aufnahmen als mit den meisten anderen Settings.
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo,

ZitatSelbst der sehr verschachtelte Strahlengang der Phomis  lieferte zur Zeit der Kleinbildfotografie brillantere Aufnahmen als mit den meisten anderen Settings.   
das glaube ich gerne, es war damals nicht ganz so einfach eine Kamera perfekt an das Mikroskop zu adaptieren. Aber dagegen, dass die Abbildungsqualität bei einem komplexen Strahlengang sogar besser ist, spricht einfach die Physik. Und ich darf natürlich nicht ein eventuell altes Standard 14 (mit alter Optik) mit einem Mikroskop mit modernerer Optik vergleichen. Und bei der Beleuchtung darf ich bei so einem Vergleich qualitativ natürlich auch keine Unterschiede voraussetzen sonst vergleiche ich Äpfel mit Birnen.

Hubert

peter-h

Zur Abrundung des Themas,

ich habe mir mein Optovar etwas näher angesehen und bin leicht erschrocken. Nicht 2 Achromate sind verbaut, sondern in den Stellungen 1,25 , 1,6 , 2 ist ein Linsengrab von7 Linsen im Strahlengang ! Trotz einfacher Vergütung der Linsen wird sicher niemand an eine bildverbessernde Funktion des Systems glauben. Die Vignettierung hatte ich schon angedeutet.

Gruß
Peter

Reinhard

Hallo Peter,

alles theoretisieren nützt oft nichts. Du zeigst hier den wahren chirurgischen Geist im Sinne von "Aufmachen und reinschaun" !  ;) ;D
Vielen Dank für diesen sehr interessanten Einblick in das Herz der Finsternis eines Optovar.

Der Vergleich müsste also folgendermaßen aussehen:

Zeiss WL in der von mir vorgeschlagenen Minimalausrüstung (s.o)  gegen
Zeiss Phomi mit verbautem Optovar und dem üblichen Binotubus, wobei man dann in Optovarstellung 1,25x statt des KPL 12,5 das
KPL 10 nehmen kann, um mit dem gleichen Objektiv (Apo 100/1,3 Öl) dann wieder die Endvergrößerung 1250 zu erhalten.
Die Dokumentation ist das Problem, weil ja ein Bild durch das Okular gemacht werden müßte.

Viele Grüße
Reinhard
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Peter Reil

Zitat von: Reinhard in September 05, 2020, 17:36:45 NACHMITTAGS

Die Dokumentation ist das Problem, weil ja ein Bild durch das Okular gemacht werden müßte.


Ich verstehe das Problem jetzt noch weniger.

Eine Kamera mit Stativ so aufzubauen, dass das Objektiv genau am Okular anliegt,  das ist doch nicht schwierig. (Damit machen z. B. einige Mykologen saubere und absolut hochwertige Fotos, die in Publikationen Anwendung finden.)
Dann eben ein Testpräparat nehmen (Diatomeen oder Objektmikrometer oder ähnliches) und die Konfigurationen durchspielen und fotografieren.

Dann sind Vergleichsbilder da, deren Ergebnisse tatsächlich verglichen werden können.
Ob sich dann die Theorien (viele Linsen ergeben schlechtere Bilder) bewahrheiten , sollte sich erkennen lassen - oder auch nicht.   ;D

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

peter-h

Hallo Peter,

wenn ich mich am Sonntag langweile, dann mache ich einige Vergleiche.  ;D ;D ;D

Schöne Grüße
Peter

Reinhard

Hallo zusammen,

wenn ich das auf Peter's Optovar-Bild richtig sehe, ist ja auf diesem bei "1,25" gar keine Linse zu sehen, das heißt,
hier kommt nur die "Eigenvergrößerung" des Tubuskopfes zur Wirkung.
Um aber die "schädlichen" Einflüsse der Optovar-Linsen mit zu berücksichtigen, müßte man also auf "1,6" gehen, was
dann wieder zur Folge hat, daß statt des KPL 12,5 beim WL doch ein KPL 16 eingesetzt werden müßte, damit das gleiche Objektiv
verwendet werden kann.

Viele Grüße
Reinhard
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David 15

Hallo Reinhard,

also ich sehe eindeutig eine Reflektion von Peters Lampe in der 1,25 Stellung des Optovars => Linse vorhanden.

Viele Grüße
David
''Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.'' ( Albert Schweitzer)

Vorstellung: ''Hier''

Jürgen Boschert

@David,

nein in dieser Stellung ist das ein freier Durchgang.
Beste Grüße !

JB