Autor Thema: Meine erste Schlammprobe  (Gelesen 952 mal)

Lumi

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Meine erste Schlammprobe
« am: September 19, 2020, 17:42:50 Nachmittag »
aus der Donau, aus einem ganz stillen Nebenarm

Hallo zusammen,
Kurzerklärung nach Stichpunkten

- fast keine sichtbaren Hüpfer im Glas
- dafür unzählige Kieselalgen volle/leere
- keine Amöben gefunden (ist das normal?)
- bin trotzdem HAPPY was da alles zu finden ist
- Qualität ist meiner Handyfotografie geschuldet
- ich mags eigentlich nur zeigen, einzelne Bestimmungen sind mir noch nicht möglich,
ich habe gerade erst angefangen mit der Materie,
wenn jemand dazu was sagen möchte, sehr gerne  :)

Grüße
Franz


Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #1 am: September 19, 2020, 17:44:14 Nachmittag »
und nochmal Bilder


plaenerdd

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #2 am: September 19, 2020, 20:04:45 Nachmittag »
Hallo Franz,
Schlamm4 die beiden unteren Bilder zeigen die Goldalge Dinobryon. Den Insassen der Kolonie ist es allerdings unter dem Deckglas ungemütlich geworden. Deshalb haben sie sie verlassen. Hier siehst Du eine intakte Kolonie

Amöben bilden oft Dauerstadien, die man als Ungeübter nur schwer erkennt, weil sie unbeweglich wie sie sind, meist übersehen werden. Da hilft es manchmal, 1..2 Tage zu warten. Wenn die Probe warm steht, kommen sie oft heraus gekrochen.

Bei den Diatomeen will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich glaube im letzten Bild und über den Goldalgen die Gattung Melosiera zu erkennen.

LG Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
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Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #3 am: September 19, 2020, 21:35:04 Nachmittag »
Danke Gerd,
die Goldalge kann ich mir gut merken. Die lateinischen Namen bekomme ich nicht mehr
abgespeichert, im Pilzeforum geht es mir da genauso.
Einem Bekannten habe ich heute geschwind einen Tropfen auf den Objektträger gemacht,
der war ganz schön beeindruckt was er da alles durch das Okular gesehen hat.

Ich habe scheinbar doch noch eine Amöbe entdeckt, und ich habe auch ständig einen Fühler
wahrgenommen (Pfeil).
Bei Schlamm13 weiß ich nicht ob der Fühler zur Kieselalge gehört, schaut aber witzig aus.
Ein sehr behaartes Rädertierchen Schlamm12 habe ich auch noch gefunden, das war mir
aber zu zappelig.
Letztendlich habe ich noch einen flotten Hüpfer Schlamm11 am Deckglasrand entdeckt, der
wollte in die Freiheit, was ich auch unverzüglich gemacht habe, zwar über die Kanalisation, aber
der kommt schon durch.

Grüße
Franz



Michael

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #4 am: September 20, 2020, 10:10:17 Vormittag »
Hallo Franz,
ich finde Deine Bilder ganz gelungen und finde es toll, zu spüren, wie Dich die Begeisterung für das "Leben im Wassertropfen" gepackt hat. Gerade im Schlamm wimmelt oft das Leben - exotischer als jeder Besuch in einem Zoo.

Schlamm12 zeigt einen Bauchhärling (Gastrotrichen) aus der Gattung Chaetonotus ("die mit den vielen Haaren"). Das sind recht lebhafte kleine Kerle und schwer zu fotografieren.

Viele Grüße,

Michael
Gerne per Du

Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #5 am: September 20, 2020, 13:06:04 Nachmittag »
Hallo Michael,
ich war auch beeindruckt was man da alles findet.
Und wenn Schlamm11 wirklich die Naupliuslarve des Ruderfußkrebses ist,
https://de.wikipedia.org/wiki/Nauplius#/media/Datei:Nauplius_larva_of_a_cyclops_copepod.jpg
dann freut es mich umso mehr.

Hier habe ich noch etwas gefunden von 1954 https://www.zobodat.at/pdf/VZBG_95_0076-0087.pdf
da wurden in der Donau 187 verschiedene Formen von Diatomeen gefunden, und der Autor hat vollkommen recht,
wenn er behauptet, man soll nicht schätzen welche Art mehr vorkommt,
ob Pinnularia http://protist.i.hosei.ac.jp/PDB/images/heterokontophyta/raphidineae/Pinnularia/index.html
oder Nitzschia http://protist.i.hosei.ac.jp/PDB/images/heterokontophyta/raphidineae/Nitzschia/index.html

weil das schier unmöglich ist.

Grüße
Franz
« Letzte Änderung: September 20, 2020, 14:31:16 Nachmittag von Lumi »

plaenerdd

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #6 am: September 21, 2020, 17:56:17 Nachmittag »
Hallo Franz,
Schlamm10 scheint mir eher ein Flagellat ("Geißeltierchen") zu sein, wobei das mit dem "Tierchen" realtiv ist. Es gibt Arten mit und ohne Chlorophyll und Arten, die mal welches haben und auch wieder verlieren und dann von organischer Nahrung leben statt vom Sonnenlicht. Die alte Teilung Pflanze/Tier geht da mitten durch die Art. Sicher kann ich es aber an Hand Deiner Bilder nicht sagen, ob der "Fühler" eine Geißel ist. Amöben haben Scheinfüßchen, die sie ausstrecken und wieder einziehen, aber auch die Geißeltierchen wie z.B. einige Arten der Augentiere (Gattung Euglena) können sehr beweglich sein. Ich würde Nr10 in dieser Ecke suchen.
Nr 11 ist eindeutig ein Nauplius
Der "Fühler" im Bild 13 gehört garantiert nicht zu Kieselalge. Die ist auch schon tot. Das ist nur noch das Kieselskelett.
Weiterhin viele schöbe Überraschungen wünscht Dir
Gerd
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Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #7 am: September 21, 2020, 18:52:17 Nachmittag »
Hallo Gerd,
ich habe am Wochenende mal spontan gefilmt was mir unter die Linse kam.
Das Rädertierchen das sich raupenartig fortbewegt ist aus einer anderen Probe.
Zudem habe ich noch eine Standprobe mit Reinigungslösung im Regal stehen.

Zusammen gefasst in zwei kurzen Videos

Video
https://vimeo.com/460148845

Video2
https://vimeo.com/460151276

D.Mon

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #8 am: September 23, 2020, 03:26:16 Vormittag »
Hallo Franz,

sehr schöne Bilder und Videos. Gefällt mir.
Danke fürs Teilen.

Die Rädertierchen mag ich besonders.
So ähnliche beobachte ich zurzeit auch immer wieder.

Schöne Grüße
D.Mon
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon ♂
--
Freude kann man nicht kaufen.
Aber man kann ein Mikroskop kaufen und das ist eigentlich das selbe!
--
Mikroskop: Motic Panthera U
Kamera: Sony SLT A55 / Sony ILCE-6400
Adaption: Ofenrohr

Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #9 am: September 28, 2020, 20:23:48 Nachmittag »
Danke D.Mon,
ich konnte heute einen Wasserfloh mit der Pipette einfangen.
Die Aufnahme ist allerdings im Wassertropfen ohne Deckglas gemacht, bei Sekunde 48-49 könnte man
vielleicht erahnen was das für ein Wasserfloh ist, das ist mir aber nicht besonders wichtig.
https://vimeo.com/462741979
Interessanter wäre zu wissen was er da macht, vermutlich fressen, was sonst.
Zeitlupe kommt bei 20sec.
Grüße
Franz

plaenerdd

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #10 am: September 29, 2020, 11:13:17 Vormittag »
Hallo Franz,
er atmet. Er bewegt seine Kiemenblätter. Außerdem ist er auch ohne Deckglas ein Gefangener in dem kleinen Tropfen, der versucht daraus zu entkommen. An Fressen wird er dabei kaum "denken".
Beste Grüße
Gerd
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Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #11 am: November 24, 2020, 23:10:32 Nachmittag »
Hallo Tümpler,
in meiner Schlammprobe finde ich so gut wie kein "Leben" mehr. Die größeren Kieselalgen sind alle leer,
vereinzelt finde ich noch kleine gefüllte Kieselalgen.

Aber ich finde öfters einen flotten kleinen Hüpfer mit ca. 20 µm Größe.
Hat jemand eine Vermutung? Fotos kann ich nicht bringen, zu schnell ist der Freund :-\

Entschuldigung, ich bringe es nicht besser hin.

Hier das Video https://vimeo.com/483287447

Grüße
Franz

Alfons Renz

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #12 am: November 24, 2020, 23:36:28 Nachmittag »
Hallo Franz,

Das ist kein Krebschen sondern ein Wimpertier, Stylonichia spec., das flink und grazil auf seinen Wimperborsten stolziert. Wirklich erstaunlich welche Aktivität und wie viel Leben so eine einzelne Zelle entwickeln kann.

Herzliche Grüße,

Alfons

Flagellate

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #13 am: Heute um 11:58:04 »
Hallo Franz,
Schlamm10 scheint mir eher ein Flagellat ("Geißeltierchen") zu sein, wobei das mit dem "Tierchen" realtiv ist. Es gibt Arten mit und ohne Chlorophyll und Arten, die mal welches haben und auch wieder verlieren und dann von organischer Nahrung leben statt vom Sonnenlicht. Die alte Teilung Pflanze/Tier geht da mitten durch die Art. Sicher kann ich es aber an Hand Deiner Bilder nicht sagen, ob der "Fühler" eine Geißel ist. Amöben haben Scheinfüßchen, die sie ausstrecken und wieder einziehen, aber auch die Geißeltierchen wie z.B. einige Arten der Augentiere (Gattung Euglena) können sehr beweglich sein. Ich würde Nr10 in dieser Ecke suchen.
Nr 11 ist eindeutig ein Nauplius
Der "Fühler" im Bild 13 gehört garantiert nicht zu Kieselalge. Die ist auch schon tot. Das ist nur noch das Kieselskelett.
Weiterhin viele schöbe Überraschungen wünscht Dir
Gerd

Es könnte eine Cercomonade (Cercomonas) sein. Die bilden häufig Pseudopodien, wie Amöben, aus, sind aber Flagellaten. Im Unterschied zu Amöben haben sie eben immer (soweit ich weiß) ein Flagellum. Anhand der Bewegung kann man sie gut unterscheiden. Cercomonaden haben eine recht schnelle gleitende Bewegung. Amöben sind hingegen langsamer und bewegen sich über die Pseudopodien fort. Bei Cercomonaden "warbern" die Pseudopodien eher einfach hin und her, ohne offensichtlich einen Anteil an der Bewegung zu haben.
Mehr kann man allerdings nicht anhand des Bildes sagen.
Cercomonaden sind übrigens eine sehr schwierige Gruppe! Eine Bestimmung ohne Reinkultur und viel Aufwand ist quasi unmöglich (wie so oft bei den "farblosen", besser heterotrophen, Protisten).

Lumi

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Re: Meine erste Schlammprobe
« Antwort #14 am: Heute um 21:03:33 »
Vielen Dank Alfons,
jetzt habe ich wieder etwas dazu gelernt.

Wir haben hier einen Baggersee den man komplett sich selbst überlässt. Im Sommer kommt
man nicht mal an das Ufer um ein Foto zu machen, der gesamte See ist dann ringsum zugewachsen.
Es gibt nur eine freie Stelle mit einem kleinen Steg, dort waren wir spazieren am Ende des
Sommers. Auf dem See haben sich Enten und Schwäne gesammelt, das war ungefähr das gleiche
Spektakel wie die Schwalbenversammlung diese Jahr. https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38631.0
Leider habe ich keine Fotos gemacht.

Von dem See möchte ich nächsten Sommer mal eine Schlammprobe nehmen.

Grüße
Franz