Autor Thema: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale  (Gelesen 1183 mal)

Klaus Henkel

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #15 am: Oktober 17, 2020, 14:46:20 Nachmittag »
Hallo zusammen,

ich habe am Wochenende spontan einen Tropfen aus einem Untersetzer untersucht, in dem ich einige Moorpflanzen in Anstaukultur halte. Ich hab eine ganz kleine Menge Detritus mit pipettiert und einfach mal geschaut, was ich darin finden kann. Ich finde es jedes mal aufs neue fantastisch, welche Universen sich in einem winzigen Wassertröpfchen mit etwas Schmodder auftun können.

Neben einem glasartig durchsichtige Wenigborster, der sehr an den Öltröpfchenwurm erinnert, den Gerd neulich gezeigt hat (nur eben ohne die Öltröpfchen), habe ich einen interessanten Wurm entdeckt, den ich für einen Strudelwurm unbekannter Spezies halte (Fotos s. unten).

Der Wurm ist etwa 1.250 µm lang ...

Guten Tag D. Mon!


Zur Bestimmung könnten Sie mal die Aperturblende weniger stark schließen - viel weniger.

Wie sicher sind Sie, daß es sich nicht um einen Wurm, sondern um einen Ciliaten handelt, z. B.
Spirostomum minus?

Gruß
KH
« Letzte Änderung: Oktober 17, 2020, 14:57:32 Nachmittag von Klaus Henkel »

Ole Riemann

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #16 am: Oktober 17, 2020, 21:35:10 Nachmittag »
Guten Abend Herr Henkel,

wenn ich Ihre Frage richtig interpretiere, schließen Sie die Diagnose Ciliat nicht aus. Der im Eingangsbeitrag dargestellte Organismus ist ganz klar ein Plathelminth - eindeutige Merkmale sind die gut sichtbare Statocyste sowie der Pharynx. Diese Strukturen sind auch bei etwas stärker geschlossener Aperturblende gut sichtbar, in der fotografischen Dokumentation im Hellfeldbild so vielleicht sogar noch besser erkennbar als bei weiter geöffneter Kondensorblende.

Beste Grüße

Ole Riemann
« Letzte Änderung: Oktober 17, 2020, 21:38:22 Nachmittag von Ole Riemann »
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Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=19707.msg149740#msg149740

D.Mon

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #17 am: Oktober 19, 2020, 19:38:12 Nachmittag »
Hallo zusammen,

vielen Dank für die neuen Beiträge.

Zur Bestimmung könnten Sie mal die Aperturblende weniger stark schließen - viel weniger.

Danke für den Hinweis. Die Empfehlung habe ich an anderer Stelle schon einmal erhalten und eigentlich beherzige ich sie auch, aber anscheinend bin ich da immer noch zu zaghaft und orientiere mich noch zu stark an den Markierungen des Herstellers auf dem Kondensor. Ich bin noch Anfänger und immer froh über konkrete Ratschläge, die mit ermöglichen, den Umgang mit dem Mikroskop und die noch recht bescheidene Qualität meiner Aufnahmen zu verbessern.

Wie sicher sind Sie, daß es sich nicht um einen Wurm, sondern um einen Ciliaten handelt, z. B.
Spirostomum minus?
Als ich meinen Beitrag gepostet hatte, war ich mir gar nicht sicher. Ich verfüge weder über besonders viel Erfahrung noch über eine entsprechende Vorbildung in Mikrobiologie. Es war lediglich eine Vermutung aufgrund der Beobachtung einer anderen Strudelwurm-Spezies (die ich - nebenbei bemerkt - wegen widersprüchlicher Merkmale auch noch nicht genau identifizieren kann).

Nachdem ich zwischenzeitlich versucht habe, mich einzulesen und etwa 40 Individuen beobachten konnte, hat sich meine Vermutung aber einigermaßen gefestigt. Trotzdem bin ich über alternative Anregungen froh und habe jetzt auch etwas über Spirostomum minus nachgelesen. Ich glaube, dass ich diese Art aus verschiedenen Gründen (Gestalt, Bewegungsmuster, übliches Vorkommen ...) relativ sicher ausschließen kann, bin aber jetzt besser vorbereitet, falls mir in dieser Richtung einmal etwas unter die Linse kommt.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich für die Veröffentlichung der Mikrofibel bedenken. Sie hat mir bei der Vorbereitung des Kaufs meines Mikroskop sehr geholfen und auch jetzt schaue ich immer wieder hinein, um etwas nachzulesen.

Hier noch zwei aktuellere Bilder, bei denen ich die Aperturblende weiter geöffnet habe. Wenn ich die Blende noch weiter öffne (Austrittspupille des Objektivs voll ausgeleuchtet), habe ich den Eindruck, dass die Bilder sehr flau werden. Die Schärfentiefe nimmt dann außerdem so stark ab, dass ich die Tiere nicht mehr vernünftig abbilden kann. Halbwegs scharfe Bilder von diesen Gesellen zu bekommen, ist ohnehin eine Herausforderung, wenn sie im Mikroaquarium in einem Objektträger mit eingeschliffener Vertiefung herum schwimmen, immer wieder abtauchen und vom Licht der Mikroskopbeleuchtung zu fliehen scheinen.


Volle Auflösung - Gesamtansicht


Volle Auflösung - Detail mit Prostomium, Statocyste, Ringfurche, Pharynx simplex (andeutungsweise erkennbar), Darmanfang. Die größeren, hellgrünen Punkte sind aufgenommene Nahrung.

Für Bewertungen und Kritik bin ich jederzeit offen.

Herzliche Grüße
D.Mon
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon ♂
--
"Mein Gott, es ist voller Sterne", Arthur C. Clark, Odyssee im Weltraum

Mikroskop: Motic Panthera U
Kamera: Sony SLT A55 / Sony ILCE-6400
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Michael

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #18 am: Oktober 22, 2020, 16:56:40 Nachmittag »
Hallo D.Mon,

ich finde, Du musst Dich mit Deinen Bildern keinesfalls verstecken. Du hast Dir ein sehr schwieriges Objekt ausgesucht, das mit seiner Größe (2mm!) und seiner Kontrastlosigkeit fast nicht mehr für ein Mikroskop geeignet ist. Dazu kommt, dass Du den Wurm lebend beobachtest und die dazu notwendige Schichtdicke von geschätzt 0,4 mm jedes Objektiv fast überfordert. Es hat schon seinen Grund, dass hier sehr selten große Strudelwürmer im einfachen Hellfeld gezeigt werden.
Ein gutes Mikroskopbild zeigt die Details, die man zeigen will, deutlich. In diesem Sinne sind Deine Bilder gut - der Rest ist eine Frage der Ästhetik. Ich glaube nicht, dass mit einem Hellfeldbild unter diesen Umständen viel mehr rauszuholen ist.

Viele Grüße

Michael
Gerne per Du

D.Mon

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #19 am: Oktober 23, 2020, 21:56:14 Nachmittag »
Hallo Michael,

vielen Dank für Deine positive Resonanz. Das motiviert natürlich dazu, hier weitere Bilder zu zeigen.

Ich bin aber auch an Anregungen und Kritik sehr interessiert und gehe diesen immer nach. Beispielsweise hat mich der knappe, aber dafür prägnante Hinweis von Herrn Henkel dazu veranlasst, mich noch einmal intensiver mit der Aperturblende zu beschäftigen und darüber erneut nachzulesen. In diesem Sinne sehe bei mir ich auch allgemein noch Verbesserungsbedarf sowohl beim Umgang mit dem Mikroskop als auch beim Fotografieren sowie beim Aufbereiten und Ausgestalten der Aufnahmen.

Was die Ästhetik angeht: Ich versuche gerade meinen eigenen Stil zu entwickeln.
Ich habe großen Respekt vor den Forenkollegen, in deren Fotos bestimmte Informationen sauber isoliert und auf höchstem Niveau wissenschaftlich präzise herausgearbeitet sind. Ich selbst bin aber kein Wissenschaftler und gehe an die Sache etwas anders heran. Für mich ist das Mikroskopieren und das Anfertigen der Bilder eine sehr emotionale Angelegenheit. Beispielsweise wäre es eine Sache von einer Minute, die (teils unscharfen) Strukturen und Bildstörungen im Hintergrund mit PS wegzustempeln. Für mich gehören die aber zum Bild dazu, was nicht jedem gefallen muss. Letztlich produziere ich aber keine Bilder für ein naturwissenschaftliches Fachbuch oder eine Vorlesung in Mikrobiologie sondern zur eigenen Freude und zum Zeigen im Familien- und Freundeskreis (oder eben hier). Die größte Unsicherheit habe ich noch beim Abwägen, wie viel Bildbearbeitung (Belichtung, Farbumfang, Kontrast, Schärfe ...) das Bild verbessern und wo es anfängt penetrant zu werden.

Ich mikroskopiere zurzeit auch ausgesprochen gerne in einer - wie es in der Mikrofibel etwas abfällig heißt - "dicken Suppe". Mir erschließen sich dabei nach Feierabend ganze Universen und jede Drehung am Fokussiertrieb kann neue, begeisternde Überraschungen ins Sichtfeld rücken. So habe ich beispielsweise schon vor einigen Wochen einen anderen Strudelwurm gefunden, zu dem ich auch noch jede Menge Fragen auf Lager habe. Ist das Interesse erst einmal geweckt, bietet heute das Internet Zugang zu einer Fülle von Informationen und auch die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten, wie zum Beispiel in diesem sehr sympathischen Forum.

In diesem Sinne: Herzliche Grüße
D.Mon
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Klaus Henkel

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Re: Unbekannter Strudelwurm aus Moorschale
« Antwort #20 am: Oktober 29, 2020, 02:49:26 Vormittag »
Guten Morgen Ole Riemann


wenn ich Ihre Frage richtig interpretiere, schließen Sie die Diagnose Ciliat nicht aus. Der im Eingangsbeitrag dargestellte Organismus ist ganz klar ein Plathelminth - eindeutige Merkmale sind die gut sichtbare Statocyste sowie der Pharynx. Diese Strukturen sind auch bei etwas stärker geschlossener Aperturblende gut sichtbar, in der fotografischen Dokumentation im Hellfeldbild so vielleicht sogar noch besser erkennbar als bei weiter geöffneter Kondensorblende.

Beste Grüße

Danke für die Berichtigung!
Hatte ich doch wohl zu flüchtig hingeschaut.
KH