Autor Thema: Perlensonne neigt zur Supernova  (Gelesen 586 mal)

plaenerdd

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Perlensonne neigt zur Supernova
« am: Oktober 11, 2020, 15:21:35 Nachmittag »
Hallo,
in einer gestern gesammelten Probe aus "meinem" Moorteich im Tharandter Wald fand ich mehrere Exemplare von Pompholyxophrys, der Perlensonne. Leider zerfallen diese Wesen sehr schnell, wenn sie in den Fokus des Kondensors geraten. Beim ersten Exemplar dachte ich noch, dass es dem Deckglasdruck nachgibt, aber die beiden nächsten fand ich in einem sehr dicken, frisch angefertigten Präparat und sie zergingen genauso schnell innerhalb von weniger als 2 Minuten. Für den lichtschluckenden DIC muss ich beim 40er Objektiv die 100W-Halogenlampe schon voll aufreißen, um noch mit annehmbaren Belichtungszeiten fotografieren zu können. Möglich, dass sie bei moderater Beleuchtung etwas länger durchhalten. Hier 3 Fotos im Abstand von jeweils 1 min.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
Inverses: Willovert mit Ph

Kurt

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #1 am: Oktober 11, 2020, 22:24:47 Nachmittag »
Hallo Gerd,

diese Perlensonne habe ich in meiner Probe aus dem Tharandter Moor nicht gefunden. Das Nadel-Sonnentierchen (Acanthocystis turfacea) mit den gegabelten Nadelspitzen war in meiner Probe oft vertreten und natürlich viele, viele Zieralgen (Bilder folgen).



Viele Grüße
Kurt


Michael Plewka

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #2 am: Oktober 13, 2020, 10:28:19 Vormittag »
Hallo Gerd,

mit der von Dir sehr schön dokumentierten "Supernova" (was ich mal so charakterisieren möchte: Spontanzerfall eines Protisten ohne erkennbare mechanische (z.B. Deckglasdruck) oder chemische  (Zusatz von Säuren/ Detergentien etc.)  Einwirkung von außen) hast Du eine interessante Beobachtung gemacht, die andere Mikroskopiker sicherlich  bei einigen anderen Protisten ebenfalls machen konnten, mich eingeschlossen.


Die Frage nach der Ursache für diesen Zerfall ist sicherlich naheliegend, genauso wie die Vermutung, dass es sich um den Einfluss des Lichts handeln könnte. (In diesem Zusammenhang halte  ich allerdings  einige der  Behauptungen  in diesem thread hier: 
https://www.mikro-tuemplerforum.at/viewtopic.php?f=23&t=713
für wenig überzeugend; sie sind auch  durch keinerlei  Fotos belegt. )

 Ob speziell bei Pompholyxophrys punicea   die Möglichkeit besteht, dass die kugelförmigen Schuppen eine Sammel-Linsen-Funktion für das Licht haben, wird sicherlich  ein Physiker besser beurteilen  können.  Ich selbst habe diese Art  in den letzten Jahren des öfteren gesehen und auch mehrfach Fotosessions mit dem Viech gemacht:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenProtista/01e-protista/e-Rhizopod/e-source/Pompholyxophrys%20punicea.html

Deshalb konnte ich nun anhand der Foto-Metadaten überprüfen, wie lange die Viecher dem Licht ausgesetzt waren und kann somit   nun zu Protokoll geben, dass "meine" Viecher durchaus ca. 1/2 Stunde im DIK beobachtet worden sind, ohne dass es zu Beeinträchtigungen gekommen ist.

Da meine Daten nun die Hypothese vom  Einfluss des Lichts bei dieser Art nicht bestätigen, ergeben sich m.E.  Fragen, zu deren Beantwortung die Leser dieses Forums sicherlich etwas beisteuern können, z.B.:

1. gibt es Protisten, die besonders empfindlich sind, d.h. besondes häufig zerfallen? Wer hat so etwas schon mal beobachte bzw. dokumentiert?
(Ich hatte mal vor einiger Zeit eine Probe mit dem Ciliaten Paradileptus trachelioides, bei der sich die Viecher, obwohl vorher ziemlich intakt aussehend, reihenweise unter dem Deckglas während des Schwimmens zerlegt haben:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenProtista/01e-protista/e-Ciliata/e-source/Paradileptus%20trachelioides.html
)

2. ist die Ursache für die "Supernovae" bei den Chloroplasten zu suchen?


Wäre bestimmt interessant, dieses Phänomen mal weiter zu verfolgen.


Beste Güße
Michael Plewka



D.Mon

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #3 am: Oktober 13, 2020, 18:29:55 Nachmittag »
Hallo gerd,

Interessante Fotos. Das erst gefällt mir richtig gut, die anderen sind - na ja - eher "interessant".

Viele Grüße
D.Mon
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon ♂
--
"Mein Gott, es ist voller Sterne", Arthur C. Clark, Odyssee im Weltraum

Mikroskop: Motic Panthera U
Kamera: Sony SLT A55 / Sony ILCE-6400
Adaption: Ofenrohr

MikroMax20

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #4 am: Oktober 13, 2020, 18:43:57 Nachmittag »
Hallo plaenerdd
Das erste Fot ist echt gut geworden, danke fürs teilen

Grüße
Mikroskope und Fernrohre verwirren eigentlich den reinen Menschensinn

plaenerdd

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #5 am: Oktober 13, 2020, 21:37:30 Nachmittag »
Hallo Michael,
danke für Deine ausführliche Andwort. Welche Lichtquelle hast Du an Deinem Mikroskop. Bei mir ist es wie gesagt eine 100W-Halogenlampe. Vielleicht ist ja auch Dein IR-Filter besser als meiner. Licht ist ja nicht gleich Licht.
Ich habe, nachdem ich das Schauspiel 3 mal hintereinander gesehen und 2x fotografiert habe, bei der 4. Sonne, die im Bild auftauchte, gefilmt.
Man kann sehr schön sehen, dass irgendwelche Membranen nachgeben und Flüssikeiten mit körnigen Inhalten ineinanderströmen, wobei die Körnchen heftig in (?Browenscher) Bewegung sind.
Allerdings dauert das Hochladen auf Youtube noch fast 3h. Werde den Link zum Video morgen veröffentlichen.
Beste Grüße
Gerd
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Bernd

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #6 am: Oktober 14, 2020, 08:51:42 Vormittag »
Hallo Gerd,

um einen Hinweis darauf zu bekommen, ob die Beleuchtung für das Zerplatzen verantwortlich ist, solltest du versuchen, so ein Vieh mal mit möglichst schwacher Beleuchtung zu beobachten (auch den Strahlenteiler rausnehmen). Leben die Viecher dann länger?
Vergleiche über verschiedene Systeme hinweg wird man nicht sinnvoll machen können. Da müßte man schon Spektren und Lichtintensitäten in der Objektebene messen. Außer dem verbauten IR-Sperrfilter spielen ja noch viele andere Komponenten eine Rolle. Das fängt bei der Birne an und dann folgt die nicht geringe Anzahl von Gläsern und Linsen im Beleuchtungsstrahlengang.

Viele Grüße
Bernd

plaenerdd

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #7 am: Oktober 14, 2020, 21:01:02 Nachmittag »
Hallo Bernd,
ja das werde ich beim nächsten Mal probieren. "Leider" fahre ich am Freitag für eine Woche in den Urlaub. Ob die empfindlichen Dinger dann überhaupt noch in meiner Probe auf der Fensterbank sind, weiß ich nicht. Bin gestern schon keinem begegnet.
So, aber hier nun endlich der Link zum Video
Beste Grüße
Gerd
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Michael Plewka

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Re: Perlensonne neigt zur Supernova
« Antwort #8 am: Oktober 15, 2020, 19:33:49 Nachmittag »
Hallo Gerd, hallo Bernd,

natürlich ist es aus wissenschaftlicher Sicht die beste Methode, möglichst viele Individuen einer Art unter ansonsten gleichen Bedingungen verschiedenen Beleuchtungsstärken und /oder verschiedenen Spektren auszusetzen, um dann die Vitalität/Letalität zu prüfen.

Das ist natürlich entsprechend aufwendig und wahrscheinlich bei relativ seltenen Viechern gar  nicht möglich.


Zitat
...Vergleiche über verschiedene Systeme hinweg wird man nicht sinnvoll machen können....


Dem möchte ich insofern widersprechen:

Prinzipiell ist es möglich, bei einer größeren Anzahl von Beobachtungen eine Tendenz zu finden, ob bestimmte Arten (im Sinne einer "Supernova") besonders empfindlich sind. Dann könnte man das mit der verwendeten Lichtquelle in Zusammenhang bringen. Die Chance besteht zumindest.

Dass dabei "andere Kompononten" eine Rolle spielen mögen, ist unbestritten, aber in welchen Größenordnungen?

Ich hatte in meinem Beitrag zuvor zwei Arten miteinander verglichen. Dabei sei auf folgendes noch hingewiesen:

"Meine " Aufnahmen von Pompholyxophrys wurde mit dem 100x Objektiv gemacht; diejenigen von den sich zerlegenden Paradileptus mit dem 20x.
Annähernd gleiche Helligkeit im Blickfeld angenommen (was durch ND vor dem Objekt realisiert wird), ist Pompholyxophrys somit somit in etwa  der 25fachen Beleuchtungsstärke ausgesetzt gewesen wie Paradileptus. Dennoch ist  diejenige Art  geschädigt worden, die einer deutich geringeren Beleuctugsstärke ausgesetzt war.  Es sind somit Zweifel  angebracht, ob das mit dem Licht oder der Wärme (ich verwende eine LED) zusammenhängt; es sind schlicht und ergreifend mehr Daten von unterschiedlichen Organismen nötig.

Beste Grüße
Michael Plewka

P.S. @ Gerd: ich wünsche schönen Urlaub....