Brauche Hilfe: Zerstörungsfreier Schnitttransport

Begonnen von Bernd Miggel, Oktober 27, 2020, 12:32:15 NACHMITTAGS

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Bernd Miggel

Hallo miteinander!

Meine Mikrotomschnitte sind ca. 15 µm dick (quergeschnittene Huthaut von Pilzen). Wer kann mir einen guten Tipp geben, wie man den Schnitttransfer von Mulde zu Mulde eines OT am besten hinbekommt, ohne die Schnitte zu beschädigen?
Wenn ich eine feine Pinzette verwende, wickeln sich die Schnitte direkt um die Spitze und werden beschädigt.
Teilweise sind die Färbereagenzien (z.B. Tannin für Tannin-Eisen-Schleimfärbung) ziemlich trübe, so dass man die Schnitte in der Flüssigkeit gar nicht sieht.
Wenn man statt des Transfers mit Filterpapier absaugt, bleiben die Schnitte oft am Papier hängen.

Ich bin sehr auf eure Tipps gespannt!

Herzliche Grüße
Bernd

detlef.q

#1
Hallo Bernd,

wenn man anstelle mit Filterpapier, vorsichtig und langsam die Flüssigkeit mit einer sehr feinen Kanüle absaugt, wäre das eine Möglichkeit?
Man könnte dafür von einer Kanüle einer Spritze die Spitze abschleifen und dann senkrecht von oben langsam die Flüssigkeit abnehmen. Oder mit einem Glasröhrchen, welches zu einer Kapillare ausgezogen ist, auf dem ein Pipettensauger steckt.

Geht ein feiner Pinsel für den Übertrag nicht? Den könnte man ja modifizeiren, indem man Haare wegschneidet, so dass nur mehrere nebeneinander stehen bleiben. Dieser hat dann mehr Auflagepunkte als eine Pinzette und der Schnitt kann sich nicht darum wickeln.

Auf jeden Fall sind Holzschnitte einfacher zu händeln als deine Huthäute!  ;)

Gruß Detlef

Bernd Miggel

Hallo Detlef,

das war eine prompte Antwort, danke für die Tipps!  :)
Eine Spritze mit Kanüle hab ich, schaun wir mal. Auf ein paar Haare gestutzte Pinsel werde ich bei klaren Flüssigkeiten mal testen.

Herzliche Grüße
Bernd

Peter Reil

Hallo Bernd,

ich nehme einen extrem feinen Pinsel.
Damit kann ich die Schnitte anheben. Manchmal rollen sie sie auch um den Pinsel. Beim Ablegen ins nächste Näpfchen entrollen sie sich wieder.

Freundliche Grße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

othum

Hallo Bernd,

ich nehme auch Pinsel Größe "000", damit klappt das ganz ordentlich. Bei sehr filigranen Strukturen ist jedes Anfassen zu viel, da versuche ich, den Schnitt insgesamt nur zwei mal zu bewegen: Nach dem Schneiden in ein Uhrglas und dann erst wieder zum Transfer auf den OT. Im schlimmsten Fall sogar nur einmal vom Mikrotom direkt auf den OT und dann direkt Färben auf dem OT...

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

A. Büschlen

Hallo Bernd,

schneidest du frisches, nicht fixiertes Material?
Lassen deine Färbungen/Reaktionen eine Fixierung zu?

Gruss Arnold

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

Hallo Arnold,

das Material ist fixiert, entwässert und in PEG eingebettet.

Viele Grüße - Bernd

A. Büschlen

Hallo Bernd,

kannst du die Schnitte zerstörungsfrei vom Mikrotom auf den OT transportieren? Wenn ja, schwimmen die Schnitte in der Färbelösung? Wenn sie nicht in der Färbelösung schwimmen dann würde ich die Färbelösung nach dem färben abkippen in dem du den OT über einer Petrischale kippst so dass Färbelösung vom Schnitt wegfliesst. Dann nach Protokoll weiter arbeiten.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

#8
Hallo Arnold,
vom Mikrotom kann ich sie problemlos auf einen OT bringen. Die Schnitte schwimmen dann in der Flüssigkeit. Aber vielleicht kann ich die Flüssigkeit trotzdem ablaufen lassen. Werde ich noch testen.

Hallo Detlef,
mit Kanüle absaugen geht nicht. Die Schnitte werden angesaugt und verstopfen die Öffnung.

Hallo Peter und Oliver,
so einen feinen Pinsel mit 2 oder 3 Haaren werde ich mir zurechtschneiden.

Danke an alle!

Hier ein erstes Ergebnis: Verschleimte Huthaut (100 µm dick, oben) und Hutfleisch (unten) des Apfeltäublings, gefärbt in Tannin - Eisenchlorid:




Bernd

Peter Reil

Hallo Bernd,

tolle Färbung - man sieht das Verschleimte richtig gut!

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Bernd Miggel

Hallo Peter,
leider bekomme ich bisher nur solche kleine Ausschnitte eines Schnitts flach zu liegen, der Rest ist völlig verdreht und vergruschdelt. Was mache ich da nur falsch? >:(
L.G. - Bernd

Peter Reil

Hallo Bernd,

das ist das Geheimnis des speziellen Pinsels.  ;)

Zuerst den Tropfen Hydromatrix (oder Euparal)  auf den Objektträger, dann das Präparat einlegen. Mit dem Pinsel kann man den Schnitt flach ausrichten - oder manchmal auch nicht.  :-[

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Bernd Miggel

Hallo Peter,
wenn das funktioniert, kaufe ich mir extra einen Hut, um ihn vor dir zu ziehen!  :)
Liebe Grüße
Bernd

Bernd Miggel


Hallo Peter,

Könnte das Ausrichten auch in Glyzeringelatine funktionieren? Bei Euparal müsste ich erst noch entwässern.

Viele Grüße
Bernd

Peter Reil

Hallo Bernd,

natürlich. Das Präparat auf das Gelatinebröckchen auflegen, von unten mit Feuerzeug erwärmen bis es sich verflüssigt, dann gerade "zupfen".

Unter der Stereolupe eigentlich kein Problem. Da lassen sich auch die Luftblasen leicht zur Seite schieben.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom