Autor Thema: HISTOLOGIE: Herzinfarkt  (Gelesen 33618 mal)

Florian Stellmacher

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #15 am: November 22, 2009, 11:23:44 Vormittag »
Lieber Andreas,

Dein Bild ist leider nicht verlinkt - ich würde es gerne sehen.

Grüße,
Florian
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Choms

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #16 am: November 22, 2009, 11:31:05 Vormittag »
Lieber Florian,

der erste Versuch, die Bilder hochzuladen ging leider in die Hose. Aber jetzt stimmt´s. Bitte einfach nochmal anklicken.

Gruß
Andreas

Florian Stellmacher

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #17 am: November 22, 2009, 11:39:24 Vormittag »
Lieber Andreas,

sehr schöne Fotos! Sehe ich das richtig, dass eigentlich die angefärbten Glanzstreifen unter der Auflösungsgrenze des Lichtmikroskops liegen und hier nur deshalb sichtbar sind, weil durch langes Färben viel Farbstoff "hängen geblieben" ist?

Die motorischen Endplatten sind auch mit Fe-Hämatoxylin gefärbt? Klasse Bild!

Herzliche Grüße,
Florian
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Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #18 am: November 22, 2009, 11:46:47 Vormittag »
Andreas,

Sehr schön!!  So möchte ich es auch mal haben. Ich muss mich noch immer berufen auf http://stainsfile.info/StainsFile/stain/stainindex.htm und warte noch auf mein Romeis.
Gib mir bitte dein exactes Protokoll. Beizen, womit; diff, womit??  Ich habe nur den haematoxyline nach Weigert. Geht das auch?

Grüße Ronald
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reblaus

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #19 am: November 22, 2009, 13:08:57 Nachmittag »
Liebe Histo- und Pathologiker,
eine Frage als Halblaie zu den Glanzstreifen. Woher der Name, wenn man sie im Lichtmikroskop nicht sieht? Die Kontrastierung mit FeHae von Andreas kann auch nicht Anlass für den Glanz sein.
Mein Herzmuskelpräparat (Sammlung meiner Frau aus Jugendtagen) zeigt noch viel größere Lücken als im 2. Bild von Florian zu sehen sind. War der Patient schon länger tot oder hat das was mit der Präparation zu tun (vermutlich Kryostat o.ä.)?.
Verwechsle ich eventuell motorische Endplatten mit Glanzstreifen?
Gruß und Dank für die Aufklärung
Rolf

Peter V.

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #20 am: November 22, 2009, 13:15:49 Nachmittag »
http://www.springerlink.com/content/q5q16788334175m2/

Letzter Satz im dritten Absatz.

Herzliche Grüße
Peter
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reblaus

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #21 am: November 22, 2009, 14:15:51 Nachmittag »
Hallo Peter -
Vielen Dank! Zeigt mal wieder, dass die alte Literatur dringend neu ausgewertet werden muss. Was habe ich im Laufe meines Werdegangs doch alles neu entdeckt, was den echten Literaturkennern nur ein mildes Lächeln abgenötigt hätte. Schade dass die Seite nicht weitergeht und für den Kauf des Rests bin ich momentan als Botaniker doch zu geizig.
Gruß
Rolf

Choms

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #22 am: November 22, 2009, 15:27:47 Nachmittag »
Hallo Rolf, hallo Florian,

Hier etwas zum Bau und Funktion der Glanzstreifen im Herzmuskel:

Die Glanzstreifen markieren die Zellgrenzen zwischen den einzelnen Herzmuskelzellen. Hier sind die Zellmembranen zweier benachbarter Zellen zickzack-artig miteinander verzahnt. Dieser Bereich entspricht ungefähr der Dicke eines Sarkomers der Querstreifung und ist in der LM durchaus darstellbar.
Die "gap junctions" sind Bestandteil eines Glanzstreifens und nur im Elektronenmikroskop sichtbar.

Innerhalb des Glanzstreifens gibt es eine Vielzahl von "gap junctions", in denen sich die Zellmembranen im Nanometerbereich aneinanderlegen. Die gap junctions fungieren als elektrische Synapsen, in denen ein Reiz direkt - ohne eine chemische Transmission wie in normalen Nervensynapsen - an die Nachbarzelle weitergegeben wird.

Da der Herzmuskel nur durch wenige Nerven (His'sches Bündel) eine induzierenden Reizimpuls an einzelnen Stellen erhält, wird die Reizleitung über die gap junctions in den Glanzstreifen im Herzmuskel gewährleistet. Diese relativ langsame Reizleitung von Herzmuskelzelle zu Herzmuskelzelle bewirkt vor allem eine koordinierte Kontration in den einzelnen Herzkammern. So wird eine extrem komplizierte Steuerung der Herzmuskelkontraktion alleine durch eine Reizübertragung von Nerven auf die Herzmuskelzellen elegant gelöst.

Nähere Einzelheiten zu Bau und Funktion der Glanzstreifen findet ihr in diesem Link:

http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/EMNexus.html

Andreas
« Letzte Änderung: November 22, 2009, 15:42:44 Nachmittag von Choms »

Druse

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #23 am: November 22, 2009, 15:40:24 Nachmittag »
Hallo,

wie schnell ist denn "die relativ langsame Reizleitung"? Ich finde es immer wieder faszinierend, dass drei kleine Kationen (Na+, K+, Ca2+) so schnell duch ihre Kanäle jagen und so Spannungsänderungen verursachen.
Ich habe Millisekunden im Kopf, aber nichts Genaues...?

Gespannte Grüße
Mila

Choms

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #24 am: November 22, 2009, 16:32:18 Nachmittag »
Hallo Mila,

Die Reizleitung im Herzmuskel ist wirklich nur relativ langsamer als in einem Skelettmuskel. Der Unterschied liegt auch hier in der Struktur.

Im Skelettmuskel ist die kleinste, geschlossen reagierende Einheit die Muskelfaser. Sie ist ein Syncytium, d.h. eine Funktionseinheit aus vielen verschmolzenen Muskelzellen. Daher enthalten diese Muskelfrasern - im Gegensatz zu den glatten Muskelzellen und den Herzmuskelzellen - immer zahlreiche Zellkerne. Auf einen Reiz an den motorischen Endplatten einer Muskelfaser reagiert die Faser mit einer synchronen Kontraktion über ihre gesamte Länge und damit über die Muskellänge (zwischen 3 mm und 30 cm) innerhalb von 2 bis 3 Millisekunden.

Der Herzmuskel besteht im Gegensatz aus einzelnen Zellen. Jede einzelne Zelle reagiert zwar auf einen Reiz genauso schnell wie eine Skelettmuskelzelle, aber durch die Weiterleitung des Reizes von Zelle zu Zelle ist nur eine sukzessive Kontraktion der Herzmuskelzellen über den gesamten Muskel einer Herzkammer möglich. Dass Prinzip ist ähnlich wie beim Melken der Kühe. Die Kontraktion setzt an der Basis der Herzkammer ein und drückt das Blut wie eine Welle vor der Kontraktion durch die Herzklappe.
Trotzdem bewegen wir uns auch hier im Millisekundenbereich. Die zeitliche Differenz zwischen den Kontraktionen der beiden Herzkammern liegt im Normalfall bei 20 Millisekunden.

Andreas

Druse

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #25 am: November 22, 2009, 16:36:24 Nachmittag »
Vielen Dank Andreas,

klasse erklärt und ich habe wieder etwas dazugelernt :)

Herzliche Grüße
Mila

Choms

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Re: HISTOLOGIE: Herzinfarkt
« Antwort #26 am: November 24, 2009, 12:09:02 Nachmittag »
Noch ein Nachklapp zu den Färbetechniken:

Lieber Florian,
die motorischen Endplatten sind durch die Versilberung nach Bodian gefärbt worden.

Lieber Ronald,
die Glanzstreifen habe ich wie folgt gefärbt:

1. 3-6h in folgender Lösung beizen:   500 ml 4% Lösung von Eisen-III-ammoniumsulfat in Wasser
                                                  5 ml Eisessig
                                                  6 ml 10% Schwefelsäure

2. Gut auswaschen, dest. Wasser mehrmals wechseln

3. 30 Mimuten färben:   0,5 g Hämatoxylin in 10 ml 92% Ethanol unter leichter Erwärmung ( möglichst keine offene
                                Flamme!)
                                90 ml destilliertes Wasser
                                0,1 g Natriumjodat
                                Diese haltbare Stammlösung zum Färben 1:1 mit destilliertem Wasser verdünnen

4. Gründlich mit Leitungswasser spülen

5. unter ständiger mikroskopischer Kontrolle mit folgender Lösung differenzieren:
   2,5% Eisen-III-ammoniumsulfat

6. Gründlich spülen, entwässern eindecken

Ich wünsche gutes Gelingen!
Andreas