Interessante Pilzfunde 101 - Weißtannen-Frühlingsrisspilz

Begonnen von Bernd Miggel, Januar 17, 2024, 14:30:08 NACHMITTAGS

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Bernd Miggel

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Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Unter den Risspilzen (Fam. Inocybyceae) gibt es einige Arten, die man bereits am Fundort identifizieren kann. Zu diesen gehört der Weißtannen-Frühlingsrisspilz Inocybe queletii. Er ist eine der größeren Arten mit beige, hellocker bis ockerfarbenem Hut und reinweißem, mit einem Knöllchen versehenen Stiel. Man findet ihn schon ab April, und zwar nur auf Kalkboden, vorzugsweise bei Weißtannen. Obwohl in der RL (2016) mit ,,G" (Gefährdung unbekannten Ausmaßes) angegeben, dürfte er meines Erachtens in Kalk-Tannenwäldern nicht selten sein.



Bild 1 – Kollektion von junger Fruchtkörper am Fundort. Die runde Stielknolle und das reinweiße Fleisch deutlich erkennbar. Foto: Hans Stern.

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#1
Hans Stern fand diese auffällige Art mehrfach im Kalk-Tannenwald ,,Kappeler Heide" bei Villingen in Baden-Württemberg auf 750 mNN bei Weißtannen. Den hier beschriebenen Fund machte er Ende Mai 2019.


Bild 2 – Reife Fruchtkörper am Fundort: weißlicher bis ockerfarbener Hut, weißer Stiel mit Knolle, graubraune Lamellen mit heller Schneide. Foto: Hans Stern.

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#2
Makroskopische Merkmale

Hut bis 80 mm im Durchmesser, zuerst kegelig, dann ausgebreitet mit stumpfem Buckel und umgebogenem Rand, weißlich, beige, hellocker bis ockerfarben. Hutrand bei jungen Exemplaren mit weißen Velumfetzen behangen. Lamellen anfangs weißlich, später hellbräunlich, schließlich graubraun, Schneiden weißlich (Cheilozystiden). Stiel schlank, zylindrisch, weiß, basal mit deutlicher, rundlicher Knolle, im oberen Bereich bereift (Kaulozystiden). Fleisch weiß bis cremefarben, im Schnitt geruchlos bis schwach spermatisch.


Bild 3 – Detail aus Bild 1. Es zeigt den weißen Velumbehang am Hutrand. Foto: Hans Stern

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Mikroskopische Merkmale

Sporen in Länge x Breite: 8,5-12 x 5,5-6,5 µm, Schlankheitsgrad Q: 1,6-1,8.
glatt, gelblich, mandelförmig, apikal oft konisch ausgezogen; Basidien 4-sporig.

Bild 4 –  Sporen in Wasser. Foto: Hans Stern.

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Cheilozystiden, Pleurozystiden und Kaulozystiden ähneln einander in Form und Größe, sie sind spindelig, dickwandig mit 2-3 µm Wandstärke und besitzen teilweise einen Kristallschopf. Maße: 50-75 x 15-20 µm. Kaulozystiden sind nur im oberen Stielbareich vorhanden.

Bild 5 –  Cheilozystiden, dickwandig, mit und ohne Kristallschopf. Foto: Hans Stern.

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Ähnliche Arten
•   Ziegelrote Risspilze (Inocybe erubescens) erscheinen ebenfalls früh im Jahr, und junge Fruchtkörper können ähnlich aussehen. Sie gehen allerdings eine Mykorrhiza mit Laubbäumen ein, und der Hut rötet im Verlauf des Wachstums. Auch ist der Hut bei älteren Exemplaren stark radialrissig.
•   Der Weißrosa Risspilz (Inocybe whitei), besitzt kleinere, weiße Fruchtkörper, die bei Verletzung oder im Alter rötlich flecken. Er wächst erst im Herbst, und zwar vor allem bei Fichten.
•   Der Seidige Risspilz (Inocybe geophylla) ist meist kleiner, sein Hut ist spitzgebuckelt und seidig glänzend. Er wächst vom Sommer an bis in den Spätherbst hinein.

Literatur
•   BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 48.
•   ENDERLE, M. & STANGL, J. (1981) - Rißpilze (Inocyben). Beitrag zur Kenntnis der Ulmer Pilzflora: 93.
•   KRIEGLSTEINER, G. & GMINDER, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Blätterpilze III: Nr. 5.60.
•   KUYPER, TH.W. (1986): A Revision of the Genus Inocybe in Europe, I Subgenus  Inosperma and the smooth-spored species of Subgenus Inocybe,  Persoonia — Suppl. Vol. 3: Nr. 61, Fig. 126.
•   LUDWIG, E. (2017): Pilzkompendium Bd. 4: Nr.130.107.
•   STANGL, J. (1989): Die Gattung Inocybe in Bayern. Hoppea Bd. 46. Regensburg: Nr. 77; Tafel 20/1.
•   https://www.inocybe.org/genus-inocybe-glattsporer-smooth-spored/queletii/ (abgerufen am 17.01.2024)
•   https://www.123pilze.de/000Forum/board/index.php?thread/18640-inocybe-queletii-weisstannen-fr%C3%BChlings-risspilz/
(abgerufen am 17.01.2024).


Viel Freude beim Anschauen!
Bernd



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