Autor Thema: Histologie: unbekannte Schnitte  (Gelesen 376 mal)

Erich T.

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Histologie: unbekannte Schnitte
« am: November 22, 2020, 10:25:13 Vormittag »
Die nächsten Präparate aus meiner Sammlung unbeschrifteter Schnitte. Diesmal leider in keinem sehr guten Zustand. Das Eindeckmittel hat ziemlich viel Luft unter das Deckglas gezogen, das macht sich besonders beim Fotografieren negativ bemerkbar.

Präparat 1: ich sehe hier neurales Gewebe, auch die gyrusartig gestaltete Oberfläche erinnert mich an einen Gehirnschnitt. Was mich skeptisch macht ist die geringe Größe und der eigenartige Hohlraum im oberen Teil des Bildes. Wenn es sich dabei um einen Ventrikel handelt, wieso ist er nicht mit klarem Liqour gefüllt. Ich kann diesen Schnitt also nicht wirklich zuordnen.

Bild 1: Übersicht


Bild 2: "gyrusartige" Oberfläche


Bild 3: Vergößerung von Bild 2


Bild 4: Vergrößerung von Bild 3


Bild 5: Grenze zwischen dem hellen, zellarmen und dem dunkleren, zellreichen Bereich




Präparat 2: hier habe ich keine Ahnung, was hier zu sehen ist.

Bild 6: Übersicht


Bild 7: Vergrößerung von Bild 6


Bild 8: Vergrößerung von Bild 7


Vielleicht liege ich bei Präparat 1 auch völlig daneben, ich freue mich auf jeden Fall auf hilfreiche Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen
Erich

plaenerdd

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #1 am: November 22, 2020, 12:49:36 Nachmittag »
Hallo Erik,
das Zweite Präparat dürfte ein Drüsengewebe sein, vielleicht Bauchspeicheldrüse. Bin aber kein Histologie-Experte.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
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Ulf Titze

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #2 am: November 22, 2020, 12:57:27 Nachmittag »
Hallo Erich,

ich helfe wirklich gerne, aber hier komme ich auch nicht weiter. Ich würde die Präparate in den Müll schmeißen.

Gruß
Ulf
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Erich T.

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #3 am: November 22, 2020, 14:28:27 Nachmittag »
Auf jeden Fall Danke für das Anschauen. Für mich ein kleiner Trost, dass nicht nur ich nichts konkretes erkennen konnte.
Es sind jetzt  bis auf 2-3 Präparate alle durchbestimmt. Diese werde ich in den nächsten Tagen hier einstellen. Dann befreie ich das Forum von meinen wiederholten Anfragen.

Liebe Grüße
Erich

Erich T.

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #4 am: November 23, 2020, 15:31:18 Nachmittag »
Liebes Forum,
endlich habe ich auch die letzten Präparate bestimmen können. Ich möchte mich nochmals für die Unterstützung und die Geduld aller Mitglieder, die auf meine Anfragen geantwortet haben, bedanken. Besonders bei Ulf Titze und Florian Stellmacher, die durch ihr Fachwissen besonders zum Bestimmen beigetragen haben. Ich besitze jetzt eine kleine, gut bestimmte, wenn auch qualitativ nicht erstklassige Schnittesammlung.

Liebe Grüße
Erich

plaenerdd

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #5 am: November 23, 2020, 17:35:43 Nachmittag »
Hallo Erich,
kannst Du uns noch aufklären, was das 2. Bild zeigt. Würde mich freuen zu erfahren, wie weit daneben ich mit "vielleicht Bauchspeicheldrüse" lag.
Beste Grüße
Gerd
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Erich T.

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #6 am: November 27, 2020, 20:18:49 Nachmittag »
Hallo Gerd,
bei Präparat 2 wäre ich auch gespannt was es ist. Auch ich habe Bauchspeicheldrüse in Erwägung gezogen. So richtig gepaßt hat es aber im Vergleich zu den Abbildungen, die ich gefunden habe, aber irgendwie auch nicht. Nachdem ein wirklicher Experte (Ulf Titze) auch keine Bestimmung abgeben kann, lasse ich es mal als unbestimmt liegen.
Liebe Grüße
Erich

Jürgen Boschert

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #7 am: November 27, 2020, 22:12:13 Nachmittag »
Hallo zusammen,

das Präparat 2 ist wirklich schwer zu interpretieren. Drüse passt wirklich nicht. Für mich sieht das nach Darmzotten aus, aber ungewöhnlich (schräg tangential ?) geschnitten. Was meinst Du dazu, Ulf ?
Beste Grüße !

JB

Holger Adelmann

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #8 am: November 27, 2020, 22:35:08 Nachmittag »
Hallo Erich,

oh Gott, wirf es weg! Aber nein - im Ernst. Lass mich auf die Schnelle raten:

Bild 1: Ich halte das nicht für neuronales Gewebe sondern epitheliales, oben ist vermutlich eine Arterie angeschnitten mit etwas Flüssigkeit / Blutrest darin.
Das Epithel ist teilweise verhornend wie Du an der Unterseite sehen kannst (die dunkelroten Schuppen).
Was Du als Gyri interpretierst halte ich für ein gefaltetes Epithel.

Bild 6 ist so mies weil es eine Biopsie ist. Adenomatöses Gewebe, evt. aus dem Lumen im oberen Magen-Darm Trakt.
Nein -keine Bauchspeicheldrüse, Gerd  ;)

Viele Grüße,
Holger



 
« Letzte Änderung: November 27, 2020, 22:37:34 Nachmittag von Holger Adelmann »

Alfons Renz

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #9 am: November 27, 2020, 22:43:43 Nachmittag »
Hallo Erich,

Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Beim Organ 2 (Bild6 ff.) könnte es sich um den Eileiter handeln (Ampulla??). Eine vage Vermutung...

Beste Grüße,

Alfons

Erich T.

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #10 am: Heute um 09:44:45 »
Hallo liebe Mitglieder,

Was Präparat 1 angeht wäre ein verhornendes Epithel möglich, ich sehe aber keinerlei Hautanhangsgebilde (Haare, Drüsen, ..). Gibt es Körperegionenwo das vorkommt?
Zu Präparat 2 klingt ein Biopsat sehr einleuchtend für mich, mehr kann ich dazuz nicht sagen.
es freut mich, dass diese schlechten Präparate doch noch von euch beurteilt werden. Auch wenn keine abschließende Bestimmung möglich ist, lassen sich die Möglichkeiten eingrenzen.
Danke für euer Interesse,
Liebe Grüße
Erich

Alfons Renz

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #11 am: Heute um 11:25:52 »
Hallo Erich,

ad 1: meine Vermutung Corpus cavernosum. Dann müssen wir nur noch Eins und Zwei addieren. Das würde thematisch passen. Auch im Kontext der anderen Präparate des Kastens??

Alfons

Erich T.

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #12 am: Heute um 14:25:01 »
Hallo Alfons,
das Corpus cavernosum könnte wirklich passen. Es sind einige Präparate des Genitaltraktes vorhanden, auch Schnitte von äußeren Organen wie z.B.: Ohrmuschel. Leider sind die Präparate völlig durcheinander, so daß kein systematischer Zusammenhang zu erkennen ist. Ich glaube sie dürften durch einen, nicht extrem geschickten, Studenten angefertigt worden sein. Irgendwo im Forum glaube ich einen Beitrag gelesen zu haben über schwarze CEESEM Präparatekästen, und dass diese früher im Rahmen des Studiums angefertigt wurden. Um einen solchen handelt es sich auch hier.

Liebe Grüße
Erich

Alfons Renz

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #13 am: Heute um 16:30:30 »
Hallo Erich,

Hinsichtlich der minden Qualität der Schnitte stimme ich mit Dir völlig überein: Es sind wohl 'Allerwelts-Biopsien' (wenn vom Menschen), eher aus der Pathologie.

Ein erstes Qualitätsmerkmal wäre die Art der Herstellung - ob auf Glimmer oder Folie aufgezogen -, dann die Färbung, ob nur 'HE' oder höherwertig (AZAN) und schließlich die Beschriftung: Detailliert oder schlampig.

An allen Universitäten mit medizinischen Fakultäten gab (und gibt) es Kurse der Histologie und Pathologie. Üblicherweise wurden und werden allerdings die (wertvollen!) Lehrpräparate nur für den Kurs ausgeteilt. Die Ausnahme waren die Kurse in Tübingen zu Zeiten Prof. Heidenhains (1900 bis 1949) und seines Präparators Paul Graf (bis 1957), in denen die Studenten schon vorbereitete und gefärbte Schitte auf Glimmerplättchen ausgeteilt bekommen haben und diese nach eigener Einbettung nach Hause mitnehmen und behalten durften. Es gibt dazu einen länmgeren Artikel in den Tiefen des Forums.

Eine weitere Quelle histologischer Präparate sind die 'TA-Kästen', hergestellt von Medizinisch-technischen Assistent(innen) in der Ausbildung, die vor allem durch die Vielfalt unterschiedlichster Färbungen erkennbar sind. Oft sind diese jedoch schon ausgeblichen, das Einbettmittel gesprungen, ausgefällt oder das Deckglas delaminiert.

Sehr speziell sind auch die Präparate aus der Pathologie, die routinemässig mit HE (Haematoxylin + Eosin) gefärbt sind. Für den Nicht-Pathologen leider eher langweilig und wenig hilfreich, da es sich um krankhaft veränderte Strukturen handelt, die man nur dann werten kann, wenn man schon das gesunde Organ kennt.

Ich will bei Gelegenheit nach 'Heidenhainschen Präparaten' des Eileiters und Schwellkörper suchen und die Bilder hier einstellen.

Herzliche Grüße,

Alfons

Alfons Renz

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Re: Histologie: unbekannte Schnitte
« Antwort #14 am: Heute um 18:05:44 »
Nun die Bilder:

1) Überblick: Präparat aus dem Heidenheinschen Kurs, ca. 1941: Eileiter, Frau, EH (zur Sichtbarkeit des Flimmerepithels)
2) Penis, Kind (zusammen mit Präparaten aus dem Studienjahr 1922, aber möglicherweise jünger, Häematoxylin-Eosin)

Details:

Eilleiter Obj. 5x und 25x
Corpus cavernosum Obj. 25x
Corpus cavernosum, anderer Ausschnitt.

Es sind leider keine AZAN-Färbungen dabei.

Schöne Grüße zum Wochenende,

Alfons
« Letzte Änderung: Heute um 18:12:47 von Alfons Renz »