Autor Thema: Versuche rund um Kernschwarz  (Gelesen 4413 mal)

jako_66

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #75 am: April 01, 2021, 20:07:48 Nachmittag »
- ok, Bismarckbraun alleine ist es nicht. Aber eine Mischung aus einer verdünnten Anilinschwarz-Lösung mit einem Tropfen Bismarckbraun sieht vielversprechend aus, zumindest was den Farbton der Lösung im Vergleich zur Chroma-Version angeht.

3.4.21: Leider färbte die Chroma-„Kernschwarz“-Lösung Paraffinschnitte gar nicht. In der Dünnschichtchromatographie konnte selbst nach zig-fachem Substanzauftrag nichts detektiert werden.

Viele Grüße

Sven

« Letzte Änderung: April 03, 2021, 22:34:21 Nachmittag von jako_66 »

Bob

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #76 am: April 04, 2021, 09:04:02 Vormittag »
Hallo Sven,
es handelt sich hier wirklich um ein schön anspruchsvolles Rätsel! Die falschen Fährten mit den Aprikosenkernen und dem alkalischen Ansatz waren schon gut gelegt, aber die unterschiedlichen Farbstoffe, die unter dem selben Namen verkauft wurden, setzen dem ganzen die Sahnehaube auf. Das ganz dann vor dem Hintergrund einer sicherlich minimalen kommerziellen Bedeutung - Leidenschaft pur!

Meine Dünnschichtchromatografiekenntnisse sind etwas eingestaubt: Ich hätte gedacht man lässt den Stoff vom Lösungsmittel weitertransportieren, und dann gibt es immer irgendwo mindestens einen Fleck. Was bedeutet es, wenn es keinen gibt?

Dass die Chroma-Lösung so zwischen uneingebetteten und Paraffinschnitten unterscheidet, ist ja auch rätselhaft.

Viele Grüße,

Bob

jako_66

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #77 am: April 04, 2021, 21:55:20 Nachmittag »
Hallo Bob,

wenn es keinen Fleck gibt ist kein Farbstoff drin oder bleibt am Start liegen. Da ich mehrere Laufmittel probiert habe, scheidet letzteres aus. Vermutlich ist eine Komponente im Laufe der Zeit ausgefallen. Zumindest lässt sich das Wacker-Simultan-Gemisch von Klaus Herrmann gut trennen. D.h. wir haben ein Laufmittel für die Acridinrot-Synthese, immerhin.

Bearbeite gerade für Fotos von heute. Denke wir haben jetzt auch einen Ersatz für das Chroma "Kernschwarz" gefunden. Doch vorab ein Paraffinschnitt mit dem Chroma-"Braun" aus dem Jahre 1997, gefolgt von einem Paraffinschnitt 20 µm gefärbt mit dem Chroma-Nachbau "Hamburger Anilinschwarz". Große Unterscheide zur Eisen-Färbung gibt es nicht, finde ich. Dagegen ist der Nachbau viel leichter (!) anzuwenden und färbt nicht so aggressiv mögliche Verunreinigungen.

Anwendung wie das Chroma Kernschwarz nach dem MKB 90 min bei Raumtemperatur als Erstfärbung, Gegenfärbung im Anschluss. Die Rezeptur ist noch ca. zu 1/3 mit Wasser verdünnt. Ein bisschen Spielraum ist also noch.

Viele Grüße

Sven
« Letzte Änderung: April 11, 2021, 21:50:22 Nachmittag von jako_66 »

Bob

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #78 am: April 05, 2021, 18:21:48 Nachmittag »
Hallo zusammen,
ich habe mich nochmal an meinen Palmenblättern versucht. Diesmal in Glycerinseife eingeschlossen, gut zu schneiden war das aber auch nicht, 40µ. Aber mit der Färbung bin ich weiter gekommen. Ein Problem war vorher oft, dass das Chryosidin nicht wiederzufinden war. Deshalb habe ich es eben mal so probiert:

- Chryosidin 0,05% für wenige Mintuen, dabei einemal bis kurz vorm Sieden erwärmen
- Safranin 1 Tropfen/100ml kalt für eine Stunde
- Ein paar Tropfen Svens Kernschwarz V8 Lösung A, kurz einwirken lassen, ein Tropfen Lösung B dazu, mit Pipette mischen, absaugen
- Spülen, Iso, Euparal

So gefärbt kommen alle drei Farben gut zur Geltung, im Original sind Chryosidin und Safranin noch besser zu unterscheiden.

Viele Grüße,

Bob
« Letzte Änderung: April 05, 2021, 18:24:45 Nachmittag von Bob »

Horst Wörmann

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #79 am: April 07, 2021, 10:09:15 Vormittag »
Hallo Sven,

nochmal zum Chroma-Produkt: kann man darin wohl Sulfat oder Chlorid nachweisen?

Viele Grüße
Horst

Hallo zusammen,

es riecht leicht süßlich. Kann sein, dass Essig mit enthalten ist. In Verbindung mit 45% Ethanol schwer heraus zu schnuppern. Herstelldatum 8/1997 und nicht von Holborn.

Wenn das ursprüngliche Kernschwarz eine Eisentinte ist (so schreibt es Schömer auch), sollten wir jetzt verschiedene Wege für die Färbung gefunden haben.

Ein anwendungsfreundlicherer Chroma-Nachbau ist dann eine andere Baustelle.

Viele Grüße

Sven

# Bob: Bismarckbraun gebe ich Dir gerne ab, wenn es funktioniert. Die andere Idee ist, Anilinschwarz mit APS im Schnitt zu entwickeln

jako_66

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #80 am: April 07, 2021, 21:10:54 Nachmittag »
Hallo Horst,

wenn Du Barium2+ oder Silbernitrat hast, kann ich es versuchen.

Viele Grüße

Sven

jako_66

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #81 am: April 10, 2021, 16:12:40 Nachmittag »
Hallo zusammen,

bevor hier nur noch die schönen Bilder mit dem Anilinschwarz gezeigt werden, anbei 2 weitere "Kernschwarz"-Bilder mit der Eisengallus-Methode "Quick & Dirty".

Hier sieht man den "Vorteil" dieser Färbung in einer gewissen Dreckigkeit, die insbesondere dem letzten Bild ein "moosiges" Aussehen gibt. Habe lange überlegt ob es mir gefällt...

Beides Brenn-Nesselschnitte in 20 µm. Das erste Bild sollte eine Schwarz-Rot-Gold-Färbung werden. Färbung mit Acridinrot (incl. der rosa-Komponente), Acriflavin & zusätzlich mit Alcianblau im 2. Bild mit den üblichen Zeiten.

Viele Grüße

Sven
« Letzte Änderung: April 10, 2021, 19:05:01 Nachmittag von jako_66 »

Bob

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #82 am: April 10, 2021, 20:42:36 Nachmittag »
Hallo Sven,
das Acriflavin sieht auch gut aus und würde auch in Fluoreszenz etwas hermachen. Meine nächsten Versuche werden mit der Zimmerpalme in Paraffin sein, vorgestern Infiltration begonnen, gestern Blöcke gemacht, heute geschnitten. Die Blätter sehen ja im Querschnitt sehr spannend aus. Da sie offenbar durchweg aus röhrenartigen Strukturen bestehen, lagert sich das Eisengallus-Schwarz zwar gut an, aber nicht ein, und so bleibt das Bild recht sauber. Das Problem mit dem Einlagern ist auch, dass der Umfang von der individuellen Handhabung und vom Objekt abhängt. Baum-Zweige ließen sich z.B. gar nicht gut damit färben. Auf das Hamburger Anilinschwarz bin ich schon gespannt, aber heute war mein Schwarz des Tages erstmal Erdschwarz, Gartenarbeit mit alle Mann war angesagt....

Viele Grüße,

Bob

Bob

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Re: Versuche rund um Kernschwarz
« Antwort #83 am: April 11, 2021, 21:08:56 Nachmittag »
Hallo zusammen,
heute habe ich die ersten Schnitte entparaffiniert und gefärbt. Die Palmenblätter waren in Paraffin besser zu schneiden, aber das Einbetten ist nicht ohne Folgen an dem Material vorbeigegangen, die Spannkraft ist raus, der Schnitt sieht etwas schrumpelig aus.
Gefärbt mit:
Chryosidin 0,1% kurz erwärmt bis kurz vorm Sieden, insgesamt für 4 Minuten
Safranin 1Tropfen 1% pro 30ml Wasser für 20 Minuten
Hamburger Anilinschwarz für 20 Minuten

Verglichen mit dem Eisengallus-Farbstoff geht das Hamburger Anilinschwarz etwas in Richtung braun und ist viel zahmer in der Anwendung. Das Problem der beliebigen Einlagerung des Farbstoffs in Bereiche des Schnitts besteht damit nicht. Damit dürfte es auch leichter werden, Kombinationsfärbungen zu entwickeln. Die obige Reihenfolge ist vermutlich nicht optimal, ich würde beim nächsten Durchgang wohl eher zuerst schwärzen.

Viele Grüße,

Bob