Autor Thema: Fischschuppen  (Gelesen 808 mal)

plaenerdd

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Fischschuppen
« am: Januar 08, 2021, 20:53:28 Nachmittag »
Hallo,
heute gabs bei uns gebratenen Saibling. War sehr lecker. Bevor er in die Pfanne gewandert ist, habe ich mir 3cm2 von der schönen schillernden Haut abgetrennt und bei Seite gelegt. Nach dem Abendbrot habe ich dieses Stück Haut mit einem Skalpell von seinen Schuppen befreit, die nur ca, 2mm groß sind und die nur zusammen mit dem Schleim zu haben waren. Ich war sehr angenehm überrascht, welch schöne Pol-Objekte das sind.
Zu erst eine Einzelaufnahme im X-Pol mit Rot1 und dann ein animiertes Gif-Bild, mit HF, XPol und XPol+Rot1 - alles Einzelaufnahmen mit dem SPlanApo4.
Viel Freude beim Betrachten und beim eventuellen Nachkochen wünscht
Gerd
« Letzte Änderung: Januar 14, 2021, 22:02:38 Nachmittag von plaenerdd »
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
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andr_brno

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #1 am: Januar 08, 2021, 22:39:39 Nachmittag »
Hallo Gerd,
wieder ein schönes Bild und eine tolle Vorlage zum Nachmachen! Nach dem Eichenmehltau, den ich prompt auf einer winzigen Steineiche in meinem Garten gefunden habe, freue ich mich jetzt doppelt auf den nächsten Saibling! Hältst du das famose Kursprogramm die nächsten Wochen im Lockdown durch?
Der Kochplan für's Wochenende steht!
Heute gerade noch erlaubte Neujahrsgrüße
Andreas

deBult

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #2 am: Januar 09, 2021, 03:18:56 Vormittag »
Gerd,

Nice, but please lower the frequency of the overlapping pictures a bit: to my eyes it looks like a Disco.

Best, Maarten
Reading the German language is OK for me, writing is a different matter though: my apologies.

Olympus BH2 with SPlan Apo & Achro mix and several condensers, CH2 with Dplan & Achro-phaco, an Oly HSC mono for travel.
The correct number of scopes to own is N+1 (Where N is the number currently owned)

plaenerdd

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #3 am: Januar 09, 2021, 08:26:11 Vormittag »
Hallo Andreas,
den Saibling (jeder nicht zu großer Salmonidae sollte auch passende Schuppen liefern) gabs bei uns mit Bärlauchbutter...

Hallo Maarten,
I lowerd dowen the frequency at 1 sec.

Beste Grüße
Gerd
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deBult

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #4 am: Januar 10, 2021, 11:17:04 Vormittag »
Thanks the 1 second frequency is way better (to me).
« Letzte Änderung: Januar 10, 2021, 11:19:59 Vormittag von deBult »
Reading the German language is OK for me, writing is a different matter though: my apologies.

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deBult

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #5 am: Januar 10, 2021, 11:22:18 Vormittag »
May I request some guidance on the very nice distance / scale bar you are using.

I tried Picolay: but have to count pixels to calibrate, Micam is my next option for try out. Any recommendations please?

Best, Maarten 
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Dünnschliffbohrer

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #6 am: Januar 10, 2021, 16:19:08 Nachmittag »
Zitat
und die nur zusammen mit dem Schleim zu haben waren.

Hallo Gerd,
sehr schöne Fotos. Zum Schleim: lege die Schuppen mal 3 Tage in KOH oder NaOH-Lsg. ein. Damit sollte der Schleim weggehen. Es könnte aber, wenn du es im Haus machst etwas stinken. Ggf. hinterher mit Essigwasser nachspülen. Viel Erfolg!
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

mikroskopiefan30

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #7 am: Januar 10, 2021, 16:55:16 Nachmittag »
Hallo Gerd,

wirklich schöne Fotos. Und diese schillernden Farben :) Saibling könnte ich auch mal wieder kochen ;) Ich liebe Fisch. Die Kombination mit Bärlauchbutter hört sich lecker an.

LG Natalie
Mikroskope wissen sehr gut, welchen Mist Kleinvieh machen kann. (Martin Gerhard Reisenberg)

plaenerdd

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #8 am: Januar 10, 2021, 18:10:15 Nachmittag »
Hallo Maarten,
heir habe ich kürzlich beschrieben, wie ich die Skalen für jedes Objektiv angefertigt habe. Die lege ich dann nur als Ebene über das noch nicht verkleinerte Bild. Ich nutze dazu GIMP.

Hallo Natalie,
die Farben sind Interferenzfarben, die durch die Verwendung des Polarisationskontrastes an kristallähnlichen doppelbrechnenden Strukturen entstehen.

Hallo Dsf.
ich mazeriere z.Z. einfach in Wasser. Das dauert vielleicht etwas länger als mit KOH oder NaOH und stinkt vielleicht etwas mehr, aber ich habe schon heute gesehen, dass die Schuppen schon schön vereinzelt im Wasser flitter. Ich habe Angst, dass die Schuppen mit aufgelöst würden, so wie Haare, die ja auch aus Horn bestehen.

Beste Grüße
Gerd
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plaenerdd

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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #9 am: Januar 10, 2021, 20:19:29 Nachmittag »
Hallo,
Experiment gescheitert: Nach 3 Tagen im Wasser (es roch unangenehm) sind die kleinen Schuppen schon hinüber. Hätte ich nicht gedacht! Im Hellfeld sieht man sie noch, aber sie sind teilweise schon zerbrochen. Was mich aber verwundert: Die Doppelbrechung ist futsch.
Ich habe mich jetzt erstmal bei Wikipedia belesen:
Zitat von: Wikipedia, Elasmoidschuppe
Elasmoidschuppen werden in taschenartigen Spalträumen im Bindegewebe (Stratum laxum) der Lederhaut, den so genannten Schuppentaschen gebildet. Sie sind aus zwei Schichten mit unterschiedlicher Feinstruktur und Kalkgehalt aufgebaut. Die obere Lage besteht aus Knochengewebe mit Einlagerungen aus Hydroxylapatit. Darunter liegt eine fibrilläre Platte aus orthogonal ausgerichteten Kollagenfasern, die teilweise oder völlig unverkalkt bleibt.

Es sieht also so aus, als sei der Hydroxylapatit und/oder Kalk aufgelöst worden. Ich werde also demnächst nochmal Saibling braten. Dann achte ich darauf, dass das Wasser basisch bleit. Ich hoffe so die Schuppen zwar zu reinigen, aber nicht zu entkalken. Also vielleicht NaOH oder KOH und vor allem zeitlich engmaschige Kontrolle. Ich hoffe so ein gutes "Rezept" für eine Fischs(ch)uppe liefern zu können.
Beste Grüße
Gerd
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Re: Schuppe vom Saibling
« Antwort #10 am: Januar 12, 2021, 08:28:41 Vormittag »
Hallo Gerd,

interessant. Dass mit der kollagenfaserigen Platte wusste ich auch nicht. Liegt wohl daran, dass der Saibling für mich viel zu modern ist. Meine Fischschuppen haben so etwas nicht.

Ich würde es aber genau umgekehrt deuten: wahrscheinlich wurde das Kollagen aufgelöst und damit verschwand dann auch die starke Faserdoppelbrechung. Nur der verknöcherte Anteil aus niedrig doppelbrechendem Hydroxylapatit blieb erhalten. KOH sollte den auch überhaupt nicht angreifen (Säuren wären da problematischer). Auch das Bild sieht so aus als wäre der verknöcherte Anteil erhalten geblieben.

Viel Erfolg!
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plaenerdd

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Re: Fischschuppen
« Antwort #11 am: Januar 14, 2021, 22:51:26 Nachmittag »
Hallo,
ich bin da nochmal etwas tiefer eingestigen in das Fischschuppenthema. Saibling gabs gerade nicht, aber die Regenbogenforelle Deshalb habe ich die Themenüberschrift etwas algemeiner gefasst. Die Forelle hat auch gut geschmeckt und ähnlich kleine Schuppen und die sind auch genauso schön, wie die beiden folgenden Bilder zeigen, bei denen ich etwas mehr Aufmerksamkeit auf ein sauberes Präparat gelegt habe.


Bild 1:"normales" Durchlicht-Hellfeld


Bild 2: X-Pol mit Rot1

Auf der rechten Bildseite sieht man die Hauttasche, in der die Schuppe gebildet wird und die beim Fischentschuppen meist mit kommt. Sie barg für mich die meisten Überraschungen.
Da sind zum einen die Pigmentzellen. Davon soll es eigentlich 3 verschiedene Typen geben: Schwarzzellen, Gelbzellen und Rotzellen, wobei ich irgendwie nur die schwarzen und die gelben gefunden habe:


Bild 3: Pigmentzellen der Fischhaut

Hier gibt es ein pdf-Dokument zu Aufbau und Funktion des Fischkörpers. Auf Seit 12 sind die Pigmentzellen dargestellt.

Noch spannender fand ich aber die glitzernden Kristallstäbchen, die dafür verantwortlich sind, dass diese Hauttasche so schön silbern glänzt. Das tut nicht die ganze Fischschuppe, sondern nur der Teil, der noch die Haut dran hat. Im Durchlicht sind sie sowohl im Hellfeld als auch im polarisierten Licht nicht besonders auffällig, aber im Auflicht geht die Post ab. Um den direkten Vergleich noch einmal zu gewährleisten nochmal erst ein DL-HF-Bild, aber mit dem Auflichtobjektiv aufgenommen, dann Auflicht-Dunkelfeld und dann noch Auflicht-Hellfeld. Es ist kaum zu glauben, aber das ist der gleiche Abschnitt des Präparates. Ich habe wirklich nur von DL auf AL umgeschaltet.

Bild 4: Durchlich-Hellfeld mit dem NeoSplan5x


Bild 5: dgl. im Auflicht-Dunkelfeld


Bild 6: im Auflicht-Hellfeld fallen die Glanzzellen nicht so sehr auf. Dafür hat man jetzt auch wieder etwas Fischschuppe im Bild

Auch die Schuppen der Regenbogenforelle lösen sich recht schnell auf, wobei die Glanzkristalle frei werden und im Wasser umherflirren:

Bild 7: vereinzelte Glanzkristalle im Auflicht-Dunkelfeld

Ich habe gelesen, dass diese Glanzkristalle aus Guanin bestehen sollen, das in saurem Milieu aufgelöst wird. Deshalb habe ich HCL unter das Deckglas gesaugt. Die Nadeln haben sich zumindest aufgelöst, aber es hat auch zu einer reichlichen Blasenbildung  geführt (CO2?), was ja eher für Kalzit sprechen würde.
Ja, da bleiben noch ein paar Fragen offen.
Beste Grüße
Gerd
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