Autor Thema: Blattabdrücke  (Gelesen 8441 mal)

Klaus Herrmann

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 14946
  • ∞ λ ¼
Blattabdrücke
« am: Dezember 08, 2009, 22:50:17 Nachmittag »
Hallo,

 eigentlich dachte ich eine unnötige Methode. Aber nun hat mir meine Tochter ihre neu erworbene Künste gezeigt und ich war verblüfft, wie einfach es geht: Hier mit einem Sprühklarlack. Nur wenn man versucht die Lack-Abzüge in Harz einzubetten, dann ist die Herrlichkeit vorbei: die Brechungsindices des Einbettharzes sind zu ähnlich zum Lackfilm. Man erhält keinen Kontrast!





Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Druse

  • Gast
Re: Blattabdrücke
« Antwort #1 am: Dezember 09, 2009, 01:02:21 Vormittag »
Lackabdrücke hatte neulich auch Regi gezeigt (glaube ich?),

es geht wirklich sehr einfach, ich mache diese Abdrücke im Unterricht mit farblosem Nagellack und Tesa, das hat den Vorteil, dass man die Präparate auf den Objektträger geklebt prima aufbewahren kann.

Die Fotoqualität ist nicht gut: aufgenommen mit meiner Canon Ixus frei aus der Hand und mikroskopiert mit meinem einfachen Optika Schülrmikroskop (also prä-Zeis ;)):





es handelt sich um Abdrücke der Blattunterseite der Christrose (Helleborus niger), deutlich erkennbar sind die anomocytischen Stomata.

Viele Grüße
Mila

Holger

  • Gast
Re: Blattabdrücke
« Antwort #2 am: Dezember 09, 2009, 13:20:11 Nachmittag »
Nur wenn man versucht die Lack-Abzüge in Harz einzubetten, dann ist die Herrlichkeit vorbei: die Brechungsindices des Einbettharzes sind zu ähnlich zum Lackfilm. Man erhält keinen Kontrast!

Hallo Klaus,

und ganz dumme Frage: Sind diese Abdrücke auf den Bildern eingebettet oder nicht?

Gruß,
Holger

Klaus Herrmann

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 14946
  • ∞ λ ¼
Re: Blattabdrücke
« Antwort #3 am: Dezember 09, 2009, 13:38:00 Nachmittag »
Hallo Holger,

so krass würde ich es nicht ausdrücken :D
Zitat
und ganz dumme Frage:

aber die Antwort darauf 
Zitat
Sind diese Abdrücke auf den Bildern eingebettet oder nicht?
habe ich eigentlich schon gegeben:

wenn eingebettet ist nichts zu sehen - gleicher Brechungsindex!

Das ist der Effekt, der bei Edelstein-Untersuchungen genutzt wird:

 man legt den Stein in eine Flüssigkeit, die den selben Brechungsindex wie der Stein selbst hat, dann kann man ohne Reflexe in ihn hineinsehen und Fehler, Fremdeinschlüsse sichtbar machen. Der Stein selbst verschwindet optisch.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Ragin

  • Member
  • Beiträge: 353
Re: Blattabdrücke
« Antwort #4 am: Dezember 09, 2009, 20:10:33 Nachmittag »
Hallo Klaus
Das klingt ja interessant mit den Flüssigkeiten und dem Brechungsindex. Der Frank war so lieb und hat mir einen Bernstein mit einer Fliege drinnen mit geschickt. Das Problem dabei sind die vielen Zäsuren in der Oberfläche die es schwer machen, in´s Innere zu blicken. Ich hab mal versucht, die Oberfläche etwas zu erhitzen um die ganzen Kratzer durch schmelzen zu egalisieren aber da ist die Stelle gleich braun geworden. Dann dachte ich daran, mich mal mit feinem Schleifpapier dran zu machen aber da kam ich noch nicht dazu. Vielleicht gibt es ja die geeignete Flüssigkeit mit dem selben Brechungsindex, nur wie bekomme ich die heraus? Hat das was mit der spezifischen Dichte zu tun? dann währe ja Wasser schon recht nahe am Bernstein dran. Der geht gerade mal so unter. Mit etwas Salz drinnen gelöst müsste er eigentlich schweben. Ich glaube aber, dass das eher andere Faktoren sind als die Spez. Dichte oder? Wie kriege ich denn raus, in welcher Flüssigkeit ich welchen Stein einlegen muss zur Betrachtung?
Lieben Gruß
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch

Klaus Herrmann

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 14946
  • ∞ λ ¼
Re: Blattabdrücke
« Antwort #5 am: Dezember 09, 2009, 21:38:54 Nachmittag »
Hallo Rainer,

die Methode anzuschmelzen ist zwar unkonventionell, aber Bernstein zersetzt sich beim Schmelzpunkt. Ich hab noch nicht nachgeschaut, aber ich schätze dass er einen Brechungsindex von ca. 1,4... hat. Ich würde es mal einfach mit Wasser versuchen, hat 1,33 und sollte erst mal helfen. Salzwasser ist eher ungünstig, weil er da nicht unter geht.

Alle Lösemittel die mir einfallen mit einem geeigneten Brechungsindex lösen den Bernstein auf.

Aber versuch es doch mal ganz modern mit googeln. Bernstein, Einschlüsse ...
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

felix

  • Member
  • Beiträge: 307
Re: Blattabdrücke
« Antwort #6 am: Dezember 09, 2009, 21:40:54 Nachmittag »
Mit farblosem Nagellack gelingen die Abdrücke sehr schön.  Anschließend auf einen OT legen, ein Deckglas lose auflegen und mit schmalen Streifen Tesa am OT fixieren.  Die Differenz der BIs des Lacks und der umgebenden Luft sorgen für ein kontrastreiches Bild.  Sehr plastisch wirkt das ganze dann noch bei schiefer Beleuchtung. -- felix
"Du" angenehm.

Ragin

  • Member
  • Beiträge: 353
Re: Blattabdrücke
« Antwort #7 am: Dezember 09, 2009, 22:50:16 Nachmittag »
Hallo Klaus
Danke für Deinen Tipp. Statt Googel verwende ich immer die grüne Suchmaschine und forestle wenn ich was suche. Das funktioniert genau so gut nur dass mit dem Großteil der Erlöse Regenwald gerettet wird. Wen´s interessiert: http://de.forestle.org/
Der Brechungsindex liegt etwas höher. Ich habe es mal in Wasser probiert, aber da war kaum eine Verbesserung bemerkbar. Die Sprünge in der Oberfläche sind zu gravierend. Muss wohl doch mit Schleifmitteln beigehen. In Wikipedia steht haufenweise Info was den Bernstein betrifft.
Die Technik mit dem Lackabdruck scheint mir sehr gut zu sein. Wie funktioniert das denn genau? Bei haarigen Blättern wird´s bestimmt problematisch schätze ich mal. Das Blatt wird doch sicher vom Lack wieder abgelöst oder?
Schönen Abend noch
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch

Druse

  • Gast
Re: Blattabdrücke
« Antwort #8 am: Dezember 09, 2009, 23:03:41 Nachmittag »
Hallo Rainer,

ich bin zwar nicht Klaus ;) aber antworte trotzdem...

Die Lackabdrucktechnik habe ich mir hier abgeguckt:

http://www.kopernikusschule.de/WPU-WEB-Mikroskopie/Mikroskopie00.htm

Diese Technik geht sehr einfach im Unterricht. Ich verwende einen schnell "trocknenden" Nagellack.
Klaus' Tochter benutzte Sprühlack, andere nehmen Uhu...

Viele Grüße
Mila


Ragin

  • Member
  • Beiträge: 353
Re: Blattabdrücke
« Antwort #9 am: Dezember 09, 2009, 23:32:58 Nachmittag »
Hallo Mila
Danke für den Link. Das sieht ja wirklich sehr einfach aus. Muss ich mal ausprobieren. Mal sehen, wer in meinem Umfeld über klaren Nagellack verfügt. Ich schätze, dass vielleicht Uhu Hart funktioniert wenn es keine Blasen gibt. Mein Stemi reicht grade so aus, um die Spaltöffnungen zu erkennen.
Liebe Grüße
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch

Klaus Herrmann

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 14946
  • ∞ λ ¼
Re: Blattabdrücke
« Antwort #10 am: Dezember 10, 2009, 00:27:43 Vormittag »
Zitat
ich bin zwar nicht Klaus  aber antworte trotzdem...

muss ich leider bestätigen - hab zur Sicherheit nochmal in den Spiegel geschaut, Du wirkst irgendwie jugendlich-hübscher :-[

Und abgesehen davon hätte ich zur Technik wenig beitragen können: hat meine Tochter gemacht.

 Aber sie hat mein Mikroskop benutzt - will sagen: ein kleiner Beitrag kommt auch von mir!  :D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken