Autor Thema: Frage an die Stitcher  (Gelesen 2383 mal)

anne

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Frage an die Stitcher
« am: Januar 28, 2021, 22:17:14 Nachmittag »
Hallo zusammen,
mit dem Stitchen bin ich nicht so vertraut, daher ein paar Fragen zur Reihenfolge.
Bearbeitet man jedes Einzelbild vor dem Stitchen oder erst das Gesamtbild oder beides?
In welchem Format und in welcher Größe speichert ihr die Einzelbilder und die gleiche Frage für das Gesamtbild.
lg
Anne

plaenerdd

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #1 am: Januar 28, 2021, 22:42:12 Nachmittag »
Hallo Anne,
ich benutze den Microsoft Image Composite Editor. Der ordnet sich die Einzelfotos selber zu einem Pano zusammen, gleicht Helligkeisunterschiede in gewissen Grenzen an und läßt vor allem das Stitschen in Originalgröße zu (was nicht alle Programme machen). Das kann man aber am Schluß einstellen, in welcher Skalierung/Größe man das fertige Pano speichern will. Ich arbeite mit JPGs, was sicher nicht optimal ist.
Was die davon unabhängige Bildbearbeitung angeht: Ich mache das Meiste hinterher am fertigen Panorama (ggf. Nachschärfen, Rauschen entfernen). Wenn man allerdings eine automatische Entfernung von Sensorflecken machen will, sollte man das natürlich vorher für die Einzelbilder tun. Eine Bereinigung von störenden Bildteilen sollte man auf keinen Fall vorher machen, weil sonst das Programm u.U. nicht die richtigen Teile zusammem gepuzzelt bekommt. Die Bildüberlappung sollte mind. 10% sein.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
Inverses: Willovert mit Ph

othum

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #2 am: Januar 28, 2021, 23:28:09 Nachmittag »
Hallo zusammen,
mit dem Stitchen bin ich nicht so vertraut, daher ein paar Fragen zur Reihenfolge.
Bearbeitet man jedes Einzelbild vor dem Stitchen oder erst das Gesamtbild oder beides?
In welchem Format und in welcher Größe speichert ihr die Einzelbilder und die gleiche Frage für das Gesamtbild.
lg
Anne

Hallo Anne,

kleine Panos (2-4 Bilder) funktionieren manchmal ganz gut mit den Bordmitteln von Lightroom. Vorteil: nur 3 Mausklicks. Nachteil: 0 manuelle Eingriffsmöglichkeit; entweder es passt oder es passt nicht.

Für "richtige" Panos kommt man nicht um eine dezidierte Stitchingsoftware herum. Ich empfehle PTGui, das ist die (kostenpflichtige) grafische Benutzeroberfläche der (kostenlosen) PanoramaTools; einer der Goldstandards.
Vorteil: Beliebig viele Bilder, man kann manuell eingreifen durch manuelles Setzen von Kontrollunkten, man kann Bereiche mit dem Pinsel aussparen, und Vignettierungen werden so rausgerechnet, dass am Ende eine ziemlich gleichmäßige Beleuchtung dabei rauskommt.

Mein Workflow: In RAW fotografieren (36MPx), in LR entwickeln, schärfen, als TIFF exportieren (verkleinert auf 9MPx, 16-bit), in PTGui stitchen, als *.psb Datei exportieren und dann in Photoshop Maßstab einfügen und Feintuning. Statt LR/PS tut es natürlich auch jede andere vernünftige Software.

Hier ein mikroskopisches Beispiel aus 98 Stacks á 5 Aufnahmen:
http://www.thum.li/Mikro/Dracaena/Bild-14_gross/index.html

Und ein makroskopisches Beispiel aus 55 Bildern, entstanden aus 55 Belichtungsreihen á 5 Aufnahmen:
http://www.thum.li/NMZ/LPN_9/

In beiden Fällen wurden die Bilder noch mit krpano interaktiv, also "zoombar" und "drehbar" gemacht

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
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Heike

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #3 am: Januar 30, 2021, 00:40:38 Vormittag »
Hallo Anne,
ich nutze auch den Microsoft Image Composite Editor. Wenn die Einzelkacheln sehr unterschiedlich geraten, was selten
passiert, dann bearbeite ich sie vorher mit Photoshop, denn, wie Gerd schon schrieb, ICE kann krasse Helligkeitsunterschiede
nur bedingt ausgleichen.
Es kommt auch ein bisschen drauf an, was der Rechenknecht drauf hat. Bei größeren Stitches mit mehr als 30 Tiles begnüge
ich mich gezwungenermaßen mit jpgs, alles, was in etwa darunter liegt, werden Raws bevorzugt, die ICE problemlos verarbeitet.
Wenn Dein Rechner genug Power hat, dann nimm auf jeden Fall die Raws, oder Tifs.

Grüsschen
Heike



JaRo

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #4 am: Januar 30, 2021, 08:45:43 Vormittag »
Hallo Anne,
ich arbeite auch viel mit dem ICE. Die Fotos bearbeite ich in der Regel erst danach.
Das Programm ist wirklich gut und ich habe damit schon Panoramen in Gigapixel-Größe erstellt. Das ging auf meinem einigermaßen schnellen Laptop auch mit tiff-Bildern...
Das Gesamtbild speichere ich dann ebenfalls als tiff.
Viele Grüße
Jan

anne

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #5 am: Januar 30, 2021, 09:28:47 Vormittag »
Danke Euch allen!😀
Dann werde ich mir das Programm mal runterladen.
Bisher habe ich kleine Sachen immer mit Photomerge gestitcht.
Aber nun möchte ich auch mal einen größeren Stitch aus ca. 50 Einzelbildern machen und dachte es könnte auch anders gehen.
lg
Anne

othum

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #6 am: Januar 30, 2021, 10:37:28 Vormittag »
Ein grundsätzlicher Hinweis noch:

Bei der Panoramaaufnahme mit dem Mikroskop macht man einen systematischen optischen Fehler durch das Verschieben entlang der xy-Achse. Die resultierenden Parallaxenfehler sind grundsätzlich nicht nachträglich korrigierbar! Die Stitchprogramme gehen auch von einem idealen Szenario aus, dass keine xy-Verschiebung sondern eine Verschwenkung um den NPP (No Parallax Point) erfolgt. Für die "klassische" Panoramafotografie verwendet man dementsprechend auch spezielle NPP-Adapter auf dem Stativ.
Bei 2D Objekten ist das ziemlich egal, die notwendigen Verzerrungen der Aufnahmen kriegt die SW "hingebogen". Je "dreidimensionaler" die Aufnahmen aber sind, zB Stacks aus mehreren Ebenen, desto größer wird der Parallalaxenfehler. Das einzige was dann hilft ist, den Überlappungsbereich der Aufnahmen deutlich (!) zu vergrößern um die xy Verschiebung benachbarter Aufnahmen und damit dem Parallaxenfehler zu minimieren.

Viel Spaß beim Stichen!

Oliver
« Letzte Änderung: Februar 01, 2021, 22:21:20 Nachmittag von othum »
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reblaus

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #7 am: Januar 30, 2021, 11:44:32 Vormittag »
Hallo Oliver -

Sowohl der Schnitt als auch die Gießerei haben mich absolut fasziniert - vor allem letztere, weil ich nicht allein an der Mikroskopie interessiert bin und ich mit ähnlichen Darstellungen selbst bei niedigerem Niveau  einigen Freunden durch Jugenderinnerungen eine Freude machen könnte.
Nun möchte ich Dich aber nicht durch detaillierter Auskunftwünsche von der Arbeit abhalten, deshalb nur zwei Fragen:
Kennst Du ein brauchbares Druckwerk zu dieser Materie?
Welche Hardware würdest Du für ein zeitlich erträgliches Arbeiten voraussetzen? Derzeit nutze ich einen 3 Jahre alten HP Spectre mit IntelCore i7 2,5 GHz , 8 GB RAM, noch ca 250 GB freier Speicher.

Viele Grüße und bitte mehr von Deinen Panoramen!

Rolf

anne

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #8 am: Januar 30, 2021, 18:30:34 Nachmittag »
Lieber Oliver,
danke für die Tips!
Deine Bilder sind grandios, der Schnitt ein Wahnsinn!!!
ich schau mal ob ich meine Idee umsetzen kann.
lg
anne

mlippert

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #9 am: Januar 31, 2021, 10:31:03 Vormittag »
Benutzt jemand von Euch die Live-Stitch Funktion in der Touptek Software / Clones? Funktioniert das?

othum

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #10 am: Januar 31, 2021, 10:59:59 Vormittag »
Hallo Rolf,

Ich melde mich morgen abend nochmal in Ruhe, inklusive Buchtipps und weiteren Bildern :).
Auf die Schnelle: Dein Rechner sollte reichen...

Beste Grüße, Oliver

Hallo Oliver -

Sowohl der Schnitt als auch die Gießerei haben mich absolut fasziniert - vor allem letztere, weil ich nicht allein an der Mikroskopie interessiert bin und ich mit ähnlichen Darstellungen selbst bei niedigerem Niveau  einigen Freunden durch Jugenderinnerungen eine Freude machen könnte.
Nun möchte ich Dich aber nicht durch detaillierter Auskunftwünsche von der Arbeit abhalten, deshalb nur zwei Fragen:
Kennst Du ein brauchbares Druckwerk zu dieser Materie?
Welche Hardware würdest Du für ein zeitlich erträgliches Arbeiten voraussetzen? Derzeit nutze ich einen 3 Jahre alten HP Spectre mit IntelCore i7 2,5 GHz , 8 GB RAM, noch ca 250 GB freier Speicher.

Viele Grüße und bitte mehr von Deinen Panoramen!

Rolf
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othum

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #11 am: Februar 01, 2021, 19:01:17 Nachmittag »
Hallo zusammen,


Nun möchte ich Dich aber nicht durch detaillierter Auskunftwünsche von der Arbeit abhalten, deshalb nur zwei Fragen:
Kennst Du ein brauchbares Druckwerk zu dieser Materie?
Welche Hardware würdest Du für ein zeitlich erträgliches Arbeiten voraussetzen? Derzeit nutze ich einen 3 Jahre alten HP Spectre mit IntelCore i7 2,5 GHz , 8 GB RAM, noch ca 250 GB freier Speicher.

Viele Grüße und bitte mehr von Deinen Panoramen!

hier möchte ich gerne in Ruhe drauf eingehen.

Zunächst zwei Buchtipps (ich habe jetzt nicht geschaut, ob es neuere Ausgaben gibt, die könnten dann aktueller bezogen auf die eingesetzte Software sein. An den prinzipiellen Techniken hat sich natürlich nichts geändert):

Thomas Bredenfeld: Panoramafotografie Digitale Fotopraxis, ISBN 978-3-8362-4009-3

Stefan Gross: Panoramafotografie Der Meisterkurs, ISBN 978-3-8272-4755-1

Vorbemerkungen zur Panoramafotografie:
Man muss hier noch mehr als in der klassischen Fotografie unterscheiden, was mann erreichen will. Der nötige Aufwand, um ein 1280Px breites Bild für die Web-Darstellung zu erstellen, ist ein komplett anderer, als ein Gigapixelpanorama, wie meine "Giesshalle" oben, wo man auf 100% reinzoomen kann. Ersteres kann heute fast jedes Handy, bzw. kann man freihand mit der Kamera und den Bordmitteln von Lightroom oder Photoshop (^=Photomerge) gut und schnell bewerkstelligen. Die folgenden Tipps und Beispiele sind daher aus der Kategorie "Jedes Pixel zählt", bzw. "auf zum Gigapixelpanorama".

Generell gilt:
1. Je kürzer der Abstand zum nächsten Objekt, desto notwendiger ist ein Stativ mit No-Parallax-Point (NPP-)Adapter (Der NPP liegt nämlich definitiv nicht dort, wo das Stativgewinde an der Kamera angebracht ist, sondern üblicherweise irgendwo mitten im (!) Objektiv).
2. Je größer die Brennweite des Objektivs, desto größer die Auflösung des fertigen Panoramas
3. Je größer die Brennweite des Objektivs, desto mehr Aufnahmen sind nötig
4. Je größer die Brennweite des Objektivs, desto wichtiger wird die Beachtung der Schärfentiefe (ich empfehle dringend die Verwendung eines Schärfentieferechners, zB den von Erik Krause: http://www.erik-krause.de/schaerfe.htm)
5. Je größer der abgebildete Bildkreis (max 360°-Kugelpanorama, wie zB die "Giesshalle"), desto sorgfältiger ist die Belichtung zu betrachten, ggf sind Belichtungsreihen und HDR-Technik notwendig
6. Fotografiert wird letztendlich immer im Modus "M" (wie "Meister") und mit manuellem Fokus
7. Sorgfältige Planung ist das A und O

Was passiert in der Software beim Stitchen, hier am Beispiel von PTGui:
In PTGUI werden die Bilder (idealerweise automatisch) angeordnet:

Bei 360° Panoramen, wie in diesem Beispiel, sieht man direkt ein prinzipielles Problem: Wie bei der Erstellung von Landkarten lassen sich Kugeloberflächen nicht vernünftig zweidimensional abbilden. Deshalb braucht man hinterher (außer es geht um relativ kleine Bildwinkel, dh Ausschnitte aus einer ganzen Kugel) eine weitere Software, die diese 2D-Datei wieder in eine perspektivisch korrekte Darstellungsform umsetzt, die natürlich nur digital funktioniert…

Herzstücke sind dann zum einen der Kontrollpunkteditor:

Hier werden in den Überlappungsbereichen pixelgenau Kontrollpunkte gesetzt. PTGUI erstellt die automatisch, die können aber bei Bedarf auch manuell ergänzt, gelöscht oder verschoben werden.

Zum anderen die Maskierungsfunktion:

Hier kann man in Überlappungsbereichen bestimmte Teilbereiche aussparen (rote Markierung) oder erzwingen (grüne Markierung), wenn sich zB Gegenstände bewegen (Fussgänger, Autos oder hier: Vögel) und man die nicht mehrmals im fertigen Bild haben möchte.

Das Ergebnis ist dann immer eine 2D Datei in einem (fast) beliebigen Dateiformat (TIFF, JPG, PSD (von mir bevorzugt)), die dann im Bildbearbeitungsprogramm der Wahl feingeschliffen werden kann, bevor man sie in einem Editor, wie zB „krpano“, in die interaktive Webversion bringt.
Letzteres beruht übrigens darauf, dass aus dem flachen Pano eine Würfelprojektion erstellt wird. Diese wird dann in kleine, Web-taugliche „Häppchen“ zerlegt in Form unzähliger jpg-Quadrate. Die Zwischenstufe, die voll aufgelöste Würfelprojektion (die aus 6 Dateien, entsprechend den 6 Würfelflächen) kann man übrigens nutzen, um auch im Bereich des Zenits oder Nadirs in Photoshop o. ä. Retuschen vornehmen zu können, was in der dort stark verzerrten 2D-Darstellung nicht vernünftig geht.

Hier nun ein paar konkretere Ausführungen zu den oben beschriebenen 7 Punkten anhand von Beispielen (alles mit der Pentax K-1, "Vollformat", RAW-Workflow ist Pflicht). Panos erstellt mit Lightroom (in einfachen Fällen) oder mit PTGUI (in komplexeren Arbeiten. Dann wurden die Aufnahmen zunächst in LR entwickelt und als TIFF exportiert, und in PTGUI als *.psd oder *.psb wieder exportiert), visualisiert mit krpano:

http://www.thum.li/NMZ/KB/kb.html
Ein relativ einfaches Beispiel des Kö-Bogens in Düsseldorf zur winterlichen blauen Stunde. 24mm Brennweite hochkant, 6 Aufnahmen vom normalen Stativ. Die hohe Dynamik des K-1 Sensors (ist der gleiche Sony-Sensor, der auch in der Nikon D-800/810 verbaut wurde) erlaubt, auf eine Belichtungsreihe zu verzichten; die kurze Brennweite erlaubt hinreichend Schärfentiefe bei förderlicher Blende (etwa f=11). Daher nur Einzelaufnahmen. Der Vordergrund ist etwas zu nah, daher sind dort Parallaxenfehler unvermeidlich, die aber bedingt durchs Motiv nicht auffallen, oder gut wegretuschiert werden können. Gestitcht mit PTGUI.

http://www.thum.li/NMZ/GZW_4/
Ein Blick in den Tagebau Garzweiler. 180mm Brennweite hochkant, 3 Reihen á 28 Aufnahmen vom normalen Stativ. Auch hier nur Einzelaufnahmen, da kein/kaum Vordergrund (=kein Schärfentiefenproblem). Und da Teleaufnahme => auch gut vom normalen Stativ aus machbar. Hier ist nur das Wetter ein Problem. Das hintere Ende des "Lochs" ist 8-10 km entfernt; wenn da die Sonne reinscheint kommt es zu starkem "Seeing" wie in der Astrofotografie, was zu verschwommenen Aufnahmen führt. Bei grauem Himmel ist es langweilig, und bei leichter Bewölkung ändert sich die Beleuchtung ständig während der Aufnahmereihe. Daher hier ein Beispiel für Punkt 7 der Liste oben. Gestitcht mit PTGUI.

http://www.thum.li/NMZ/_K055459-Pano/index.html
Upper West Side/Central Park in Manhattan. Mit etwas Übung geht das sogar aus der Hand ohne Stativ: 70mm Brennweite hochkant, 20 Aufnahmen freihand, gestitcht in Lightroom.

http://www.thum.li/NMZ/_K056312-Pano/index.html
Blick auf Midtown Manhattan. 60mm Brennweite hochkant, 12 Aufnahmen vom normalen Stativ. Auch hier nur Einzelaufnahmen, da der Sensor auch diesen Kontrastumfang bei sorgfältiger Belichtung noch ohne HDR Technik verarbeiten kann. Andere Kameras verlangen hier vermutlich nach HDR! Gestitcht in Lightroom.

http://www.thum.li/NMZ/LPN_8b/
"Gichtbühne" im Landschaftspark Nord. Hier jetzt das erste 360° Panorama. Das geht nur noch mit Stativ und NPP-Adapter (ich verwende einen "Nodal Ninja 5")! Brennweite 15mm hochkant, 13 Aufnahmen. 360° Aufnahmen im freien überfordern im Regelfall sogar den Dynamikumfang meiner K-1. Daher je Aufnahme eine Belichtungsreihe aus 5 Einzelaufnahmen. Diese wurden in Photomatix Pro 5.1 zu HDR Bildern zusammengefügt, sehr dezent (!) einem Tonemapping unterworfen, als TIFF exportiert, in PTGui gestitcht, dort als *.psd exportiert und in PS fertig bearbeitet.

http://www.thum.li/NMZ/LPN_9/
Die schon oben gezeigte Giesshalle. Stativ/NPP-Adapter. Brennweite 35mm hochkant. 55 Belichtungsreihen á 5 Aufnahmen. Komplett in PTGui als HDR Pano gestitcht und als *.psb Datei (11 GB Dateigröße) exportiert. In PS Tonemapping durchgeführt und auf 8bit JPG runtergerechnet. Das Stitchen ist ein Leistungstest für den Rechner, da er etwa 60 GB Rohdaten verarbeiten muss.

http://www.thum.li/NMZ/HzH/tour.html
Letztes Beispiel: Eine virtuelle Tour am "Haus zum Haus" in Ratingen. Hier sind nun mehrere 360°-Panos miteinander verknüpft, ein Klicken auf die Pfeile bringt einem zum nächsten Pano (daher "Tour"), das von ebendieser Stelle aus geschossen wurde.

Ihr seht, man kann beliebig viel Aufwand in die Bilder reinstecken ;)

Die Rechneranforderung ist aber überschaubar. PTGUI braucht im Bearbeitungsmodus nicht viele Ressourcen, beim finalen Erstellen der Ausgangsdatei kann man bei Bedarf einen Kaffee trinken gehen. Gleiches gilt für die Umwandlung der Dateien in die interaktive Darstellung via krpano, die läuft im Notfall über Nacht...
Lediglich für die Bearbeitung der aus PTGUI erzeugten *.psd/*.psb Dateien braucht man bei besonders grossen Projekten ordentlich Dampf. Die *.psb Datei der "Giesshalle" ist 11 GB gross, um damit vernünftig zu arbeiten, sollte man eine SSD haben und ordentlich Arbeitsspeicher (CPU/GPU ist nicht so wichtig).

Ich hoffe, dieser Ausflug in die Makroskopische Fotografie hat gefallen ;)
Für Mikroskopie nutze ich auch PTGUI, das Resultat ist aber natürlich keine Kugelprojektion sondern eine planare Projektion (mit Parallaxenfehlern bei Aufnahmen mit etwas „Dreidimensionalität“!), aber sonst den gleichen Workflow.
Beste Grüße, Oliver

« Letzte Änderung: Februar 01, 2021, 22:33:37 Nachmittag von othum »
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jako_66

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #12 am: Februar 01, 2021, 19:29:09 Nachmittag »
Hallo Oliver,

klasse Zusammenstellung, klasse Aufnahmen!!!

PTGui nutze ich auch gerne. Bei etwas höher auflösenden Kameras muss man aufpassen, dass z.B. das jpg-Format noch alle Pixel aufnehmen kann. Steigt man auf tiff um, schmieren beim fertigen Panorama neuere Programme gerne ab. Ältere wie Nikon Capture NX2 bekommen dass noch hin, dauert aber (ewig).
Gemein finde ich einen wolkenlosen Himmel bei mehrzeiligen Panoramen oder einen flächigen weißen Rand bei Mikroskop-Panoramen von Pflanzenstengeln. Ist man erst einmal beim manuellen Hinzufügen von Kontrollpunkten angelangt ...

Viele Grüße

Sven

othum

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #13 am: Februar 01, 2021, 19:47:19 Nachmittag »
Hallo Oliver,

klasse Zusammenstellung, klasse Aufnahmen!!!

PTGui nutze ich auch gerne. Bei etwas höher auflösenden Kameras muss man aufpassen, dass z.B. das jpg-Format noch alle Pixel aufnehmen kann. Steigt man auf tiff um, schmieren beim fertigen Panorama neuere Programme gerne ab. Ältere wie Nikon Capture NX2 bekommen dass noch hin, dauert aber (ewig).
Gemein finde ich einen wolkenlosen Himmel bei mehrzeiligen Panoramen oder einen flächigen weißen Rand bei Mikroskop-Panoramen von Pflanzenstengeln. Ist man erst einmal beim manuellen Hinzufügen von Kontrollpunkten angelangt ...

Viele Grüße

Sven

Hallo Sven,

Danke für das Lob.
Die Probleme, die Du beschreibst, kann ich nicht bestätigen. Ich arbeite ja mit 36MPx Aufnahmen,  die entsprechenden 16-bit TIFFs sind jeweils etwa 200 MB gross, und selbst bei dem Giesshallen Pano konnte PTGUI 5*55 davon problemlos verarbeiten (ok: 6(12)-Kern Xeon 3.6 GHz , 64 GB RAM). Schwieriger ist der Export, weil das irgendwann die Spezifikation von TIFF überschreitet. Aber *.psb geht immer und kann in PS gut bearbeitet werden.

Das mit dem blauen Himmel ist richtig, auf der anderen Seite reicht es, diese Bilder im Editor grob zu arrangieren...

Und den weissen (schwarzen) Rand beim Mikroskopieren beachte ich gar nicht. Der ist am Ende mit wenigen Mausklicks in PS fleckenfrei herbeigezaubert ;)

Beste Grüße, Oliver
« Letzte Änderung: Februar 01, 2021, 22:34:52 Nachmittag von othum »
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reblaus

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Re: Frage an die Stitcher
« Antwort #14 am: Februar 03, 2021, 15:02:07 Nachmittag »
Hallo Oliver -

vielen, herzlichen Dank für Deine ausführliche und verständliche Darstellung, die mir nun einen vernünftigen Zugang zu dieser Problematik eröffnet hat!
Mein einschlägiges Online-Vertiefungsstudium hat gestern abend zur nächtlichen Stunde begonnen und ich werde versuchen weitere Fragen zunächst durch die Literatur beantworten zu lassen.
Der "Meisterkurs" von Gross steht ja jetzt teilweise auf der Traumfliegerseite, scheint aber seit 2012 nicht mehr aktualisiert zu sein. Allerdings kann mir dank frühkindlicher Fehlprägung der Bildschirm das bedruckte Papier immer noch nicht ganz ersetzen und so habe auch das Buch von Bredenfeld (3. Auflage 2916) geordert.
Ich fürchte aber, dass ich mich mit den ganz dummen Fragen trotzdem an das Forum (d.h. Dich) wenden muss - aber ich will mich bemühen deren Zahl klein zu halten ...

Viele Grüße und erfolgreiche Antikörperbildung!

Rolf