Autor Thema: Der etwas andere Staubschutz  (Gelesen 903 mal)

plaenerdd

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Der etwas andere Staubschutz
« am: Februar 21, 2021, 20:34:57 Nachmittag »
Hallo,
es hat mich immer gestört, dass man sich so schnell irgedwelche Staubfusseln einfängt, wenn man Dauerpräparate herstellt. Wenn man kein gefliestes Labor hat, sondern in dem Raum, in dem man präpariert, auch anderen Lebenstätigkeiten nachgeht, ist irgendwie immer Staub unterwegs. Deshalb habe ich mir für mein Stereomikroskop MBS-10 einen Glaskasten gebaut, aus dem nur die Okulare herausschauen. Er besteht aus 6 Glasscheiben, Kunststoffwinkeln aus dem Baumarkt und ziemlich viel Silkon (3/4ste Katusche). Zum Präparieren muss ich natürlich die fordere senkrechte Glasscheibe herausnehmen, damit ich unter dem Gerät arbeiten kann, aber der Staubeintrag hällt sich seit dem sehr in Grenzen.

Kernstück ist eine Glasplatte mit einem Loch von 12cm Durchmesser die in 45° zur Senkrechten angebracht ist. Ich habe sie mit dem Diamatblatt eines Fliesenschneiders aus einem Lampenschirm herausgetrennt. Das Loch war dort schon drin.

Die mit Klebeband noch mal abgedichtete Plastescheide mit den beiden Löchern für die Tubusrohre, die im ersten Bild zu sehen ist, hat eine Durchmesser von ca. 14cm. So kann ich fokussieren, ohne dass sich eine Öffnug auftut. Die Scheibe ist noch ein Provisorium. Am schönsten wäre sicher auch hier Glas. Mal sehen, ob mir mein Glaser meines Vertrauens eine solche herstellen kann. Ansonsten wird es eine Metallscheibe, die auf den Tuben hoch und runter gleiten kann beim Fokussieren und so das Loch in der Glasscheibe verdeckt hällt.
Bisher hatte ich immer mit großen Plastiktüten gearbeitet, in die ich zwei Löcher für die Okulare geschnitten hatte, aber die muss man auch oft wechseln, weil die Plaste den Staub regelrecht anzieht. Mit dem Glas, das sich leicht reinigen läßt, verspreche ich mir eine nachhaltige Lösung.

Wie löst ihr das Staubproblem?

Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
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Carsten Wieczorrek

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #1 am: Februar 21, 2021, 20:43:08 Nachmittag »
Hallo,
da fehlt eine evakuirbare Präparate-Schleuse und rechts und links ein Durchgriff mit eingearbeiteten Gummihandschuhen  ;D
Und natürlich Überdruck von 1,1 bar, damit nix rein kann.  8)

Carsten
Für's grobe : CZJ GSZ 1
Zum Durchsehen : CZJ Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO
Zum Draufsehen : CZJ Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
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Für psychedelische Farben : CZJ Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
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plaenerdd

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #2 am: Februar 21, 2021, 20:51:22 Nachmittag »
Hallo Carsten,
vielleicht sollte ich mir diesen Inkubator ersteigern und umbauen?
Beste Grüße
Gerd
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Lumi

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #3 am: Februar 21, 2021, 21:46:55 Nachmittag »
Hallo Gerd,
schöner funktioneller Aufbau, und um so mehr dass du dich an Echtglas ran traust
und schöne Ausrüstung.
Ein Luftanschluss oben an der Kabine wäre noch denkbar, der über Luftfilter/Sterilfilter eine leichte staubfreie Brise in die Kammer bläst. Als Luftspender könnte man einen 12V Kompressor aus dem KFZ-Bereich ausprobieren.

Grüße
Franz

plaenerdd

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #4 am: Februar 21, 2021, 22:04:53 Nachmittag »
Hallo Franz,
ich bin ja mit den Armen unten in der Kiste, wenn ich präpariere. Da kann ich keinen Pustewind gebrauchen, der Staub von meinen Klamotten oder der Haut auf die Präparate bläst. Im Gegenteil setzte ich mir noch einen Mund-Nase-Schutz auf, damit ich möglichst wenig Luftverwirbelungen erzeuge. Dass ich damit keinen 100% staubfreien Raum hinbekommen kann, ist mir schon klar, aber die Ausschussrate wegen Staubfusseln, die ganz besonders in meinen geliebten Pol-Präparaten leuchten, hat sich schon mit der Plastetüten-Methode sehr verringert und wird sich hiermit weiter verringern, auch wenn sie nie Null sein wird.
Mich würde aber auch intreressieren, wie andere dieses Problem lösen.
Beste Grüße
Gerd
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Fraenzel

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #5 am: Februar 21, 2021, 22:14:07 Nachmittag »
Ich nehme da behelfsmäßig einen Blasebalg aus Ostasien. Früher stand mir ein Reinraumarbeitsplatz zur Verfügung - aber da war noch nix mit Mikroskopen...
Mikrogrüße
Peter
auch ich mag das "Du"

Lumi

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #6 am: Februar 21, 2021, 22:49:25 Nachmittag »
Gerd,
du kannst die Frontscheibe hochfahrbar umbauen, so dass nur die Hände Staub rein bringen können,
und mit Latexhandschuhen bläst die Luft den letzten Partikel aus dem Raum
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/immer-mehr-corona-tests-deutschlands-labore-sind-am-limit-17028759/kapazitaetserhoehung-in-person-17028519.html

Werner

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #7 am: Februar 22, 2021, 08:01:17 Vormittag »
...Keinen Kompressor verwenden, der hat zu viel Druck und zu wenig Volumenstrom und ist zu laut.
Ein PC-Lüfter ist ideal und kann mit einem kleinen Steckernetzteil betrieben werden.

Vor langer Zeit hatte ich eine große Plastiktüte als provisorischen "Reinstraum" beim Kunden verwendet. Darin wurden Seagate-Festplatten aufgeschraubt, um die Scheiben durch Drehen wieder vom klebenden Lesekopf zu trennen. Nur so konnte der Computer wieder in Betrieb gehen.
Es gab eine Serie von Seagateplatten, die zu klebenden Köpfen neigten.
Seagate hatte das stets abgestritten, aber beim Nachfolgemodell ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Köpfe NICHT mehr kleben bleiben.
So geht Marketing, Lügen und Vertuschen...

Gruß - Werner

bernd552

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #8 am: Februar 22, 2021, 12:11:53 Nachmittag »
Hallo Gerd,

.... so als mögliche, platzsparendere Alternative als LaminarFlow - Version (blau eingekreist) aus dem 3D Drucker. Lose aufliegende Diatomeen & co. fliegen bei dem einstellbaren Luftstrom (Lüftermotor oben links im blauen Kreis) nicht weg.
Ein feuchtes Tuch vor der Ansaugöffnung des Lüfters gehängt, hilft spürbar bei trockenen Jahreszeiten gegen allzu vielen Aufladungen.

Deine Haube ist aber voll amtlich und ein besserer Staubschutz bei Arbeitspausen!

LG
Bernd


Nachtrag: Bei höheren Arbeitsabständen kommt um das Filtergehäuse eine Verlängerungsschürze aus durchsichtiger Folie ;)
« Letzte Änderung: Februar 22, 2021, 12:14:31 Nachmittag von bernd552 »

Reinhard

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #9 am: Februar 22, 2021, 14:14:00 Nachmittag »
Hallo Freunde,

und das wäre der Staubschutz für die großen Jungs hier, also die mit den vielen Mikroskopen!
 :D :D


Günstig abzuholen in "Hanford site"/Washington.

Viele Grüße
Reinhard
« Letzte Änderung: Februar 22, 2021, 14:16:43 Nachmittag von Reinhard »
seit wann ist Kunst ein Fehler ?



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Carsten Wieczorrek

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #10 am: Februar 22, 2021, 14:56:40 Nachmittag »
Hallo,
on der Bucht wird gerade eine gebrauchte GloveBox von Zeiss angeboten. Mit 6500 Eronen seid ihr dabei :)
Carsten
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Bob

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #11 am: Februar 22, 2021, 19:55:55 Nachmittag »
Hallo Gerd,
eine schöne Glaskiste hast Du Dir da gebaut! Ich selbst hätte da nicht den ganz dringenden Bedarf dran und auch nicht wirklich den Platz, aber die Wirksamkeit ist bestimmt gut. Eine überlegenswerte Optimierung wäre es, den Druck innen minimal durch einblasen von gefilterter Luft zu erhöhen. Wie schon geschrieben ein 12V PC-Lüfter mit Betrieb an 5V USB-Spannung, darauf vielleicht ein PKW-Luftfilter. Dann hat man keinen richtigen Zug, aber der Staub geht eher raus als rein. Als Ergänzung könnte man noch einen Abluftschlauch anschließen, und das Ding mit einem kräftigeren Lüfter als Laborabzug benutzen, z.B. zum Pleurax abdampfen.

Viele Grüße,

Bob

mikromeister

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Re: Der etwas andere Staubschutz
« Antwort #12 am: Februar 23, 2021, 18:10:03 Nachmittag »
So sieht das bei mir aus.
Das Mikroskop steht in einer Laminar Flow Box und ich habe nur fürs Foto die Handschuhe ausgezogen.

Die Box habe ich aus Makrolon Platten und einem Hepa H14 Filterelement gebaut. Belüftet wird mit einem großen langsamlaufenden Radiallüfter, der etwa 0,5m/s Strömungsgeschwindigkeit in der Box erzeugt. (Standardwert aus der Literatur)

Die Luft ist partikelfrei, aber beim Hantieren in der Box ist nur mit großer Sorgfalt und ständiger Kontrolle zu vermeiden, dass oberflächenhaftende Partikel eingeschleppt werden.
Eine starke 365nm Lampe zur Partikelsuche und diverse Klebroller und Pads sind ständige Begleiter

Das Arbeiten ist anstrengend, weil einem erstens ständig die Luft um die Augen streicht und zweitens der Lärmpegel störend bleibt.

Bequem und nicht sehr teuer ist eine ausrangierte Rezepturwerkbank aus der Apotheke. Aber auch hier gilt, dass erst der Arbeiter die Sauberkeit erreichen kann. Offene Boxen oder auch professionelle Reinräume sind nur sauber, solange die Nutzer genau wissen was sie tun.
Vielen Dank und freundliche Grüße

Markus


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