Autor Thema: Herzwürmer  (Gelesen 301 mal)

mlippert

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Herzwürmer
« am: Juni 10, 2021, 00:52:10 Vormittag »
Heute in unserer Praxis: Microfilaria bei einem Hund der ursprünglich aus Rumänien importiert wurde. Das ist wirklich nicht häufig zu sehen!

Rawfoto

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Re: Herzwürmer
« Antwort #1 am: Juni 10, 2021, 07:43:47 Vormittag »
Guten Morgen

Spannend, wie groß ist denn der Wurm - das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen.

Ein paar Fragen (eines Laien):

Wurde der Wurm im Herzgewebe aufgenommen?
Überlebt der Hund so einen Befall?
Werden Hunde aus diesen Ländern nicht dagegen geimpft wenn sie in AT/DE eingeführt werden?

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

mlippert

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Re: Herzwürmer
« Antwort #2 am: Juni 10, 2021, 15:57:05 Nachmittag »
Hallo, der Wurm ist sehr klein. Es handelt sich um die Babies der Elterntiere die das Herz besiedeln. Das Foto ist ca ein 16er Sehfeld beim 100er Objektiv. Breit ist er ca 5 µm, lang vielleicht 300 ausgewickelt. Eigentlich müssten die Tiere im Heimatland korrekt behandelt und untersucht werden, aber wie das bei rumänischen Importen leider ist, werden die Tiere extra als "arme, bedauernswerte Tierschutzhunde" gezüchtet und dann - meist über Großfamilienbande und soziale Medien - in Deutschland an hilfsbereite Menschen verkauft, oft auch noch teuer. Den neuen Besitzern redet man ein, etwas gutes zu tun. Impfpässe und Co. sind meist gefälscht und behandelt gegen Parasiten sind die Tiere eigentlich nie. Kostet ja alles Geld. Am Ende ist es die deutsche Nachfrage nach Tieren, bei denen man denkt etwas gutes zu tun, die das Leid der Tiere mitverursacht - sehr tragisch. Wenn die Leute den Schwindel bemerken und sich beschweren, müssen sie oft aufpassen, dass sie nicht mal Besuch bekommen, denn diese Leute lassen sich nur sehr ungern ihr Geschäft kaputtmachen. Großbritannien hat da jetzt sehr stark den Riegel vorgeschoben, aber in Kontinentaleuropa ist es ohne Wassergrenze natürlich Pustekuchen...

Für die Tiere ist es auch gefährlich, da der nichtsahnende Besitzer mit einer regulären Wurmkur, die zum Absterben der Elterntiere führt, den Hund versehentlich töten kann. Die müssen sehr langsam und sorgfältig behandelt werden um sie loszuwerden.
Besonders ärgerlich für den Rest der Bevölkerung ist, dass so diese Parasiten hier heimisch werden und sich verbreiten. Zum Nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Filarien

Alfons Renz kann zu dem Thema sicher noch viel detailliertere Informationen beisteuern...
« Letzte Änderung: Juni 10, 2021, 16:01:50 Nachmittag von mlippert »

Alfons Renz

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Re: Herzwürmer
« Antwort #3 am: Juni 10, 2021, 20:39:23 Nachmittag »
Liener Micha,

Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Die Dirofilariose beim Hund ist bislang auf die südlichen Länder Europas beschränkt, scheint sich jedoch auch hierzulande zu etablieren. Jedenfalls wurden schon befallene Vektoren - Stechmücken aller Gattungen - nachgewiesen.

Schon aus diesem Grund sollten befallene Hunde unbedingt behandelt werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Die adulten ca. 10 - 20 cm langen Weibchen und die viel kleineren Männchen liegen frei in den Herzkammern oder den großen Blutgefässen, die zu oder vom Herz weg führen (Lungenvene). Täglich produzieren die Weibchen ca. 1000 lebend geborene Larven 'Mikrofilarien', die dann im Blut monatelang zirkulieren und darauf warten, von einer Überträgermücke bei der Blutmahlzeit aufgenommen zu werden. In der Mücke entwickeln sich die Mikrofilarien über 2 Häutungen zur sog. Dritten, metazyklischen Larve, die dann wieder beim Blutsaugen auf einen neuen Wirt übertragen werden können.

Weil die Mikrofilarien nur ca. 1/4 mm lang sind, findet man sie bei leichten Infestationen kaum in einem Blutausstrich. In einem Tropfen Blut verraten sie sich schon bei schwacher Vergrößerung durch ihre Bewegung. Zur Anreicherung kann zentrifugieren (in der Buffy-Coat des Haematokrits!) oder sie nach Haemolyse im Sediment nachweisen.

Mikrofilarien findet man in sehr vielen Tieren (Vögeln, Rindern, Rehen, Hirschen u.v.m.). Im Blut oder in der Haut. Man muss nur gezielt danach suchen.

Herzliche Grüße,

Alfons