Kaufberatung - Mikroskop mit Kamera bis 5000€

Begonnen von revnu, Juni 29, 2021, 01:04:02 VORMITTAG

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Diana1982

#195
Hallo Peter,

Du bist mir zuvor gekommen...
Es sind sogar drei Nylonzahnräder im Orthoplan...macht aber nix...hält und hält und hält... außer vielleicht wirklich mal bei Gewalteinwirkung, dann streikt aber auch gutes Messing etc.

Anbei drei Bilder aktueller Aufgaben, alles modernere bis sehr aktuelle Modelle...oft schon dieses verdächtige Rascheln im Triebknopf, bevor man loslegt...

P.S.: Das Zeug von gestern habe ich aufbekommen, dennoch gibt es vermutlich aufgrund von Verschleiß keine dolle Lösung.

LG Diana
Leitz Orthoplan
Leitz Diavert
Leica DMR
Olympus SZX12

www.microscopia.de

kmueho

Hallo Diana,

die Bilder sind der Knaller! Dürres Plastik auf Metallwellen :o. Da stellt sich die Frage, ob die Ingenieure mit vorgehaltener Waffe zum Rotstift gezwungen wurden, oder ob die das freiwillig gemacht haben.

Zu den drei Bildern zwei Fragen:

Hast du eine ungefähre Vorstellung von den Preisklassen der Geräte?
Ist dein Eindruck, dass da Gewalt im Spiel war, oder ist das schlicht falsch dimensioniert? Alterserscheinungen sollten das ja noch nicht sein.

Viele Grüße,
Kai

Thomas Böder

Zitat von: Diana1982 in Juli 21, 2021, 08:26:11 VORMITTAG
Hallo Peter,


Es sind sogar drei Nylonzahnräder im Orthoplan...macht aber nix...hält und hält und hält... außer vielleicht wirklich mal bei Gewalteinwirkung, dann streikt aber auch gutes Messing etc.


LG Diana

Das erste Bild ist typisch für geschrumpften Kunststoff.
Genau so kenne ich das auch von Projektoren.
Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival 2
Kleinmikroskope: Leitz, Reichert, ROW, Lomo

Diana1982

#198
ZitatZu den drei Bildern zwei Fragen:

Hast du eine ungefähre Vorstellung von den Preisklassen der Geräte?
Ist dein Eindruck, dass da Gewalt im Spiel war, oder ist das schlicht falsch dimensioniert? Alterserscheinungen sollten das ja noch nicht sein.

ZitatDas erste Bild ist typisch für geschrumpften Kunststoff.
Genau so kenne ich das auch von Projektoren.

Hallo Kai, Hallo Thomas,

Bild 1 - wie Du, Thomas, schreibst - einfach Materialalterung, Schrumpfen des Kunststoffes.
Ein aktuelles Marken-Stereo-Mikroskop, man kann es neu je nach Ausstattung ab 2000€ bekommen.

Bild 2 - Dieser Schaden dürfte durch Drehen gegen den Endanschlag oder eine andere Blockade entstanden sein - also sanfte Gewalt.
Auf der Suche nach Ersatzteilen stieß ich aber auch auf Bilder des gleichen Zahnrades, wobei der Schaden auf diesen Bildern wiederum sehr gut auf die "Schrumpfvariante" passt. Es wird als DAS anfällige Bauteil in diesem Mirkoskop beschrieben (ich würde es Sollbruchstelle nennen).
Auf der gegenüberliegenden Seite unter dem Grobtriebknopf ist ebenfalls bereits eine Schraube "ermüdet", abgebrochen und klapperte im Knopf umher. Somit funktioniert eine Feder, die vermutlich kurz vorm Anschlag abbremsen soll, nicht mehr.
Das durchaus ausbaubare Forschungsmikroskop aus der Einstiegsklasse stammt Recherchen nach aus den 80er- bis frühen 90er-Jahren. Einen Neupreis konnte ich nicht ausfindig machen. Neben o.g. Schäden hat es auch diese klebrig gewordene Gummierung der Handauflagen, die wie auch die Lampenhausabdeckung, natürlich aus (günstigem) Kunststoff gefertigt sind und bereits (na gut...30 Jahre sind ja auch ne Zeit...wer mag, kann "bereits" auch weglassen  :P) Sprünge und Abplatzungen aufweisen.

Bild 3 - Aktuelles Marken-Kursmikroskop - neu ab 1800€ (in aller einfachster Ausstattung) zu haben.
Schadensursache vermutlich Drehen gegen den Anschlag gepaart mit kostengünstigem Material.

Ob in den jeweils höher-klassigeren Geräten besserer Kunststoff verbaut wurde/wird, kann ich aktuell nicht sagen. Aber ich finde auch bei den Untere-Mittelklasse-Mikroskopen hätte man die 3 Cent (oder wegen mir 10€) mehr für besseres Material ausgeben können. Nur hätten sie dann halt länger gehalten und das ist ja nicht mehr gewünscht  ::)

LG Diana
Leitz Orthoplan
Leitz Diavert
Leica DMR
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mlippert

Da es Nylon ist, hat es zumindest den Vorteil, dass man die einfach nachdrucken kann! Bei Messing wäre es jetzt schwer.

Aljoscha

Zitat von: mlippert in Juli 22, 2021, 23:24:33 NACHMITTAGS
Da es Nylon ist, hat es zumindest den Vorteil, dass man die einfach nachdrucken kann! Bei Messing wäre es jetzt schwer.

HAllo,

Nylon "einfach" drucken? Habe ich was verpasst?

Viele Grüße

Alexander

mlippert

Ja. Nylon lässt sich sowhl mit dem günstigen Heim-3D-Drucker aus Filament hervorragend zu Zahnrädchen drucken als auch als eines der ältesten SLS (Lasersinter) 3D Druckmaterialien online bestellen. So ein Zahnrad kostet mit Porto vermutlich 15 Euro. Schaust Du:
https://www.shapeways.com/blog/archives/39641-nylon-plastics-material-guide-pa11-pa12-pa12gb-sls-mjf.html

Grüße,
Micha

Thomas M

Hallo,

Zitat von: mlippert in Juli 22, 2021, 23:35:28 NACHMITTAGS
Ja. Nylon lässt sich sowhl mit dem günstigen Heim-3D-Drucker aus Filament hervorragend zu Zahnrädchen drucken als auch als eines der ältesten SLS (Lasersinter) 3D Druckmaterialien online bestellen. So ein Zahnrad kostet mit Porto vermutlich 15 Euro. Schaust Du:
https://www.shapeways.com/blog/archives/39641-nylon-plastics-material-guide-pa11-pa12-pa12gb-sls-mjf.html

Grüße,
Micha

ja, Nylon läßt sich gut im 3D-Druck verarbeiten.

Allerdings sollte man sich bewußt sein, dass die Materialeigenschaften von gedruckten Stücken nicht vergleichbar sind mit spritzgegossenen Teilen. Die mechanischen Eigenschaften der über den Filamentdruck hergestellten Teile sind räumlich nicht isotrop, insbesondere haben sie Schwächen bzgl. der Interlagenhaftung. Solange die Anwendung eher statisch ist und nur kleine Kräfte einwirken, wird das nicht problematisch sein. Im Fall von größeren Kräfte kann das aber schnell zu Materialversagen führen.

Wir hatten z.B. in einer Reihe von Messungen gesehen, dass die Materialeigenschaften von 3D-gedruckten Prüfkörpern aus hochwertigem Nylon nur das bescheidene Niveau von spritzgegossenem ABS ("Billigkunststoff") erreicht haben.

Bei Teilen, die der mechanischen Kraftübertragung dienen sollte man das vielleicht im Hinterkopf behalten.

Mit besten Grüßen
Thomas

mlippert

Korrekt. Auch sind die oft nicht richtig wasserdicht. Könnte aber auch ein Vorteil für Schmierstoffe sein. Bei Jet Fusion gibt's aber abnehmbare, isotrope Eigenschaften.

Thomas M

#204
Zitat von: mlippert in Juli 23, 2021, 19:29:44 NACHMITTAGS
Korrekt. Auch sind die oft nicht richtig wasserdicht. Könnte aber auch ein Vorteil für Schmierstoffe sein. Bei Jet Fusion gibt's aber abnehmbare, isotrope Eigenschaften.

Dazu gäbe es noch vieles zu sagen, an dieser Stelle aber vielleicht nur soviel:

Auch bei den SLS-Technologien handelt es sich um einen schrittweisen Lagenaufbau ("Additive Manufacturing") und es gibt zusätzliche Fragestellungen, wie z.B. die für die Fertigung (Sintern) relevanten thermischen Eigenschaften des Polymers.

Gegenstände, die eine hohe Detailgenauigkeit, eine glatte Oberfläche und einen weitgehend isotropen Aufbau besitzen, können z.B. mit der SLA-Technologie (stereolithographisches Verfahren) hergestellt werden. Bei dieser schon recht lange bekannten Technologie werden photochemisch polymerisierbare flüssige Monomere in einem Tank durch eine Bestrahlung mit UV oder kurzwelligem Licht polymerisiert. In einer moderneren Ausprägung dieses Verfahrens geschieht dabei die Bestrahlung der Monomere  kontinuierlich von unten und das zu druckende Teil wird sukzessive oben nach und nach aus dem Tank gezogen. Verwendet werden so hergestellte Teile u.a. schon seit einiger Zeit im medizinischen Bereich.
Wer möchte, kann sich das Prinzip dieses Verfahrens z.B. in folgendem TED-Talk aus dem Jahr 2015 von Joe DeSimone (Co-Gründer und Chef von Carbon3D) ansehen, in dem er während seines Vortrags recht werbewirksam einen Bucky Ball druckt:

https://www.ted.com/talks/joseph_desimone_what_if_3d_printing_was_100x_faster#t-10118

Ein durchgehendes Limit aller 3D-Druck-Technologien sind immer noch die geringen Geschwindigkeiten in der Fertigung der Teile. Sie kommen daher überall dort (noch) nicht in Frage, wo es um einen größeren Output bzw. höhere Taktraten geht.

Geht es dagegen um hohe Varianz oder Komplexität im inneren Aufbau der jeweiligen Teile und Einzelanfertigungen oder nur geringe Stückzahlen, kann der 3D-Druck durchaus interessant sein. So hat z.B. auch der Filamentdruck schon seit vielen Jahren im "Rapid Prototyping" eine Nische gefunden in der er durchaus  erfolgreich ist.

Mit besten Grüßen
Thomas





mlippert

Hast Du Dir den Link oben angeschaut? Ich redete nicht von SLS sondern von Jet Fusion. Da ist die isotrope Festigkeit besser. Aber die Frage ist: braucht man die? Bei einem Zahnrad wirken die Kräfte nicht isotrop. Das ganze "direkt aus dem Tank ziehen" ist von den Eigenschaften der Kunststoffe nicht vergleichbar mit SLS, FDM oder MJF. Das geht immer nur mit lichthärtenden Systemen mit deren vielfältigen Nachteilen. Deshalb hat sich das auch bis heute nicht im Mainstream durchgesetzt.

Dr. Jekyll

Moin,

inzwischen haben wir uns ja etwas vom Thema entfernt. Revenu ist wohl auch schon ausgeschieden. Er hat das letzte mal vor einer Woche geschrieben und reagiert nicht auf private Nachrichten.
Vielleicht sollte man einen separaten Faden über die Qualität von Kunststoffen öffnen  ;)
Beste Grüße
Harald

jcs

Zitat von: mlippert in Juli 25, 2021, 23:56:48 NACHMITTAGS
Das geht immer nur mit lichthärtenden Systemen mit deren vielfältigen Nachteilen. Deshalb hat sich das auch bis heute nicht im Mainstream durchgesetzt.
Gerade für Anwendungen in der Mikroskpie ist Stereolithographie (inkl. diverser Verwandter) vielfach eine gute Lösung, da deutlich höhere Präzision und geometrische Auflösung möglich sind. Festigkeit und Warmformbeständigkeit sind ebenfalls sehr gut. Nachteil der Photopolymere sind vor allem eine relativ geringe Bruch- und Schlagzähigkeit, was aber im Umfeld Mikroskopie nicht unbedingt der Knackpunkt sein wird.

SLA ist im Vergleich zu FDM übrigens auch wirtschaftlich relevanter: Mit 3D-druckbaren Photopolymeren wird weltweit 50% mehr Umsatz gemacht als mit FDM-Filamenten.

LG
Jürgen

revnu

Zitat von: Dr. Jekyll in Juli 26, 2021, 08:18:53 VORMITTAG
Moin,

inzwischen haben wir uns ja etwas vom Thema entfernt. Revenu ist wohl auch schon ausgeschieden. Er hat das letzte mal vor einer Woche geschrieben und reagiert nicht auf private Nachrichten.
Vielleicht sollte man einen separaten Faden über die Qualität von Kunststoffen öffnen  ;)

Abend,

ausgeschieden nicht, aber hatte ja auf der letzten Seite schon mitgeteilt, dass ich mich ausreichend beraten fühle, um eine Entscheidung treffen zu können und mich bei allen bedankt für die guten Ratschläge. Deine private Mitteilung habe ich erst heute entdeckt und antworte gleich darauf....

Ja, das Thema mit den Kunsstoffzahnrädern darf gerne ausgelagert werden, habe ich nix gegen  :D

Mein Thema soll aber bitte noch offen bleiben, da ich vermutlich noch ein paar Fragen zu Objektiven haben werde. Frühstens aber in paar Wochen. Grad zu viel los an der Arbeit, finde kaum Zeit für andere Sachen.

Gruß Ünver