Autor Thema: Salinengetümpel  (Gelesen 1839 mal)

Florian D.

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Salinengetümpel
« am: September 09, 2021, 20:24:10 Nachmittag »
Habe die Ehre, liebe Tümpler,


das Tümpeln ist ja normalerweise nicht so mein Gebiet. Vor 2 Wochen weilte ich allerdings in Spanien im Naturpark "Alto Tajo" und dort wurden und werden jetzt wieder  Keuperablagerungen ausgelaugt und in offenen Salinen Salz gewonnen. Zwischen den Salzkristallen tummeln sich muntere rote Salinenkrebse und ich habe mal eine Soleprobe entnommen, in der Hoffnung darin vielleicht auch einige halophile Archaebakterien zu finden. Schliesslich möchte ja jeder gerne mal seine Urururururugrosstanten und -onkel kennen lernen.
Jetzt rein mit dem Phako, eine Stunde gebraucht um wieder rauszufinden, wie man die einstellt und hier jetzt ein paar Photos.
Vielleicht habt ihr ja eine Idee, was da kreucht und feucht!

Viele Grüsse
Florian

plaenerdd

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #1 am: September 09, 2021, 22:05:32 Nachmittag »
Hallo Florian,
Phako ist bei Tümpelbestimmungshilfen eher nicht so zielführend. Hellfeld wäre besser, noch besser beides. Unbedingt erforderlich sind aber Größenangaben oder wenigstens eine Angabe mit welchen Objektiv (Vergr./n.A.) Du da im Salzwasser gerumgestochert hast.
Außer Bild 1 = Hallit kann ich nicht all zu viel beitragen, aber das wirst Du als Mineralienmikroskopiker ja selber erkannt haben.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
Inverses: Willovert mit Ph

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #2 am: September 09, 2021, 23:00:53 Nachmittag »
Hallo Gerd,

ja, ja, ich bin halt kein grosser Photograph. Diese Salzlake hat einen Brechungsindex von 1.36, da ist ohne Phako kaum mehr Kontrast da.
Die Bilder 2, 3 und 4 mit dem 40/ 0.65, der Rest mit 100/1.30.
Das einzige Buch, das ich habe, ist "Das Leben im Wassertropfen". Wird mir für Salzlake nicht wirklich weiterhelfen.

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #3 am: September 09, 2021, 23:10:54 Nachmittag »
Könnte es sich bei den Bildern 2, 3 und 5 um verschiedene Stadien von Dunaliella salina handeln?
https://www.researchgate.net/figure/Light-micrographs-of-Dunaliella-salina-Different-stages-of-the-life-cycle-a-d-green_fig1_266355878

Die kleinen schwarzen Stäbchen auf Bild 4 sind teilweise beweglich. Könnte das Halobacterium salinarum sein?
« Letzte Änderung: September 09, 2021, 23:21:26 Nachmittag von Florian D. »

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #4 am: September 10, 2021, 08:56:21 Vormittag »
Sehe jetzt, dass es mit Salinibacter ruber echte Bakterien gibt, die von der Morphologie und Färbung den Halobacterium sehr ähnlich sind und ebenfalls in Salinen vorkommen. Ich weiss nicht, ob man die mikroskopisch überhaupt unterscheiden kann.

Carsten Wieczorrek

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #5 am: September 10, 2021, 09:29:50 Vormittag »
Hallo,
also bei Deinem letzten Bild würde ich mal auf Achromatium oxaliferum tippen.
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #6 am: September 10, 2021, 09:49:43 Vormittag »
Hallo Carsten,

danke für die Rückmeldung. Ich dachte, Achromatium oxaliferum ist ein Süsswasserbakterium?

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #7 am: April 26, 2022, 19:16:12 Nachmittag »
Hallo,

anfang dieses Jahres haben wir Bacalao gekocht und ich habe ein Stückchen davon lange in mit Meersalz gesättigtem Wasser gekocht. Nach Abkühlung gab ich dann etwas von der Salinenbrühe dazu und habe es seitdem auf der Fensterbank stehen. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, färbt sich die Brühe zunehmend rosa und ich habe mal wieder eine Probe genommen. Nach Anraten Gerds diesmal ohne Phaco. Aufgenommen mit Objektiv 100/1.30.  Einige der Stäbchen bewegen sich relativ flott durch die Gegend. Ich habe wenig Zweifel, dass es sich um Halobacterium salinarum handelt.

Viele Grüsse
Florian
« Letzte Änderung: April 26, 2022, 19:25:45 Nachmittag von Florian D. »

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #8 am: Mai 02, 2022, 16:54:29 Nachmittag »
Ich habe jetzt mal Fr. Prof. Josefa Antón Botella von der Universität Alicante angeschrieben, die als erste das Salinibacter ruber beschrieben hat und ihr die Photos geschickt. Sie hat mir nett geantwortet und meint, dass ziemlich sicher das Salinibacter vorliegen würde, aber vielleicht auch einige Halobacterium. Die letzteren seien empfindlicher gegen niedrige Salinität. Wenn man die Probe mit Wasser verdünnt, platzen die Archäen wohl eher. Kein sonderlich belastbares Kriterium, aber immerhin.

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #9 am: Mai 02, 2022, 18:20:51 Nachmittag »
Ich muss auch sagen, dass ich von den heutigen Mikrobiologen etwas enttäuscht bin. Wenn Paul Ehrlich schon von Archäa gewusst hätte, hätten wir heute sicher mehrere Färbungen, die eine Unterscheidung von Bacteria und Archäa erlauben würden.

Viele Grüsse
Florian

3nzo

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #10 am: Mai 04, 2022, 07:37:54 Vormittag »
anfang dieses Jahres haben wir Bacalao gekocht und ich habe ein Stückchen davon lange in mit Meersalz gesättigtem Wasser gekocht. Nach Abkühlung gab ich dann etwas von der Salinenbrühe dazu und habe es seitdem auf der Fensterbank stehen.
Hallo Florian,
Ich möchte das Experiment wiederholen. Könnten Sie mir einen Hinweis geben, möglicherweise mit einer privaten Nachricht, wenn Sie glauben, dass es nicht von allgemeinem Interesse ist.
Welche Art von Kabeljau, gesalzen, Stockfisch oder andere?
Kochen in mit Meersalz gesättigtem Wasser, also gekauftem Salz oder Meerwasser?
Tötet Kochen Bakterien nicht ab?
Was meinst du mit Salzbrühe?
Ich glaube, dass die Salzlösung übersättigt sein sollte, damit sich Salzbakterien entwickeln können.
Könnten wir auf Kabeljau verzichten und nur Meerwasser verdunsten?
Danke und viele Grüße.

Enzo

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #11 am: Mai 04, 2022, 08:23:35 Vormittag »
Hallo Enzo,

Du musst hier zwischen der Zubereitung der Nährlösung unterscheiden, die natürlich gekocht wird, und der Probe aus der Saline, die die halophilen Organismen enthält.
Zur Zubereitung der Nährlösung bin ich wie folgt vorgegangen:
Der Stockfisch war gesalzen, wir haben ihn allerdings zum Essen 2 Tage in Wasser eingeweicht und das Wasser öfter gewechselt. Während der Rest im Kochtopf verschwunden ist, habe ich ein kleines Stück länger in Leitungswasser gekocht, dem ich Salz aus der Saline, aus der auch die Probe mit den Mikroorganismen stammt, zugesetzt hatte, und zwar so viel, dass ein Bodensatz von Salz erhalten blieb, die Lösung also übersättigt war.

Nach dem Kochen habe ich den Überstand in ein Gefäss mit Deckel gegossen, abkühlen lassen und dann mit der Wasserprobe aus der Saline (das meine ich mit Salinenbrühe) beimpft (einfach einen Schluck dazu gegossen).

Wenn Du nach Halobacterium salinarum suchst, findest Du sicher Nährmedien mit definierterer Zusammensetzung, ich vermute aber, es funktioniert mit fast jeder übersättigten Salzlösung, die irgendwelche organischen Nährstoffe enthält (z. B. Fleischextrakt). Eine reine Salzlösung wird eher nicht funktionieren.

Viele Grüsse
Florian
« Letzte Änderung: Mai 04, 2022, 08:32:41 Vormittag von Florian D. »

3nzo

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #12 am: Mai 04, 2022, 15:04:13 Nachmittag »
Hallo Florian,
Ich weiß nicht, ob ich das richtig verstehe.
Sie müssen etwas Organisches, Fleisch oder Fisch, in übersättigtem Salzwasser kochen und den Schaum, der als Nährstoff schwimmt, in das übersättigte Salzwasser geben, das die Bakterien enthält, oder mit der Bakterienprobe geimpft werden. Ist diese Vorgehensweise korrekt, bleibt zu definieren, wie oft mit anderen Nährstoffen nachgefüllt werden soll.
Als Nährstoff haben Sie eine Kabeljaubrühe verwendet, das bedeutet, dass sich diese Bakterien in der Natur von tierischer organischer Substanz ernähren. Könnte der Pflanzenstoff wirken?
Danke und viele Grüße.

Enzo

Florian D.

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #13 am: Mai 05, 2022, 08:50:58 Vormittag »
Hallo Enzo,

Wie gesagt, ich tümple ja eher selten und dies ist auch mein erster Ansatz einer Bakterienkultur. Andere Bakterienkulturen sind deutlich problematischer als diese Hypersalinen. Aufgrund des hohen Salzgehaltes kann man ziemlich sicher sein, dass keine Humanpathogenen Bakterien heranreifen. Die Halobakterien sind überaus robust gegen Temperaturschwankungen und überleben sogar das vollständige Eintrocknen des Mediums.
Einige definierte Kulturmedien wurden untersucht:
https://academic.oup.com/femsle/article-pdf/173/2/353/19104165/173-2-353.pdf
Sie enthalten alle Salze, wie man sie im Meerwasser oder in Salinen findet und ich wusste, dass Halobacterien auch auf gesalzenem Stockfisch nachgewiesen wurden. Von daher dachte ich, dass so ein Stockfischextrakt als Nährmedium genügen würde. Ich habe die Kultur bisher nicht umgeimpft oder nachgefüttert. Für systematische Versuche ist also jede Menge Raum.
Nachdem die Salinibacter im Gegensatz zu den Halobacter empfindlich auf Penicillin G reagieren, könnte man versuchen, die Halobacterien (bzw. ähnliche andere Archäen) zu isolieren.

Viele Grüsse
Florian

3nzo

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Re: Salinengetümpel
« Antwort #14 am: Mai 05, 2022, 17:58:34 Nachmittag »
Hallo Florian,
danke für die info und den hinweis. Ich werde versuchen, einen Pesso mit gesalzenem Stockfisch zu kaufen  :)
Danke und viele Grüße.

Enzo