Autor Thema: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?  (Gelesen 1440 mal)

Peter Reil

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #15 am: Juli 05, 2022, 20:13:52 Nachmittag »
Hallo Helmut,

ich zitiere mal aus der Beschreibung:

"KAMERA-ANSCHLUSS
Das NEXCOPE NIB ist speziell für ein Einsatz von c-Mount Kameras ausgelegt. Ein entsprechender Kameraadapter ist im Lieferumfang. Der Kameraanschluss sitzt seitlich und verfügt über einen Umschalter zwischen visueller Beobachtung und Kamera (100/0 bzw. 0/100)"

 ;D

Für mich wäre allein das bereits ein Ausschlusskriterium.

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

roydebatzen

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #16 am: Juli 05, 2022, 21:04:53 Nachmittag »
Also ich muss nochmal ehrlich sagen von den Mitgliedern mit den meisten Beiträgen kamen bisher die unqualifiziertesten Kommentare.

Peter Reil, Peter V. wat ihr meint mit irgend nem inneren Entschluss zu sehen, entspricht der Sichtweise die ein Kleinkind hat. Das ist schon etwas anstrengend.

Ich habe hier einen Beitrag geschrieben um mir für einen Privatkauf teure Anschaffung eine qualitativ hochwertiges Werkzeug zu holen.
Auch wenn ich mir nun am Ende wohl doch nicht das Nexscope holen werde, vor allem weil ich denke das es schwierig zu erweitern oder zu warten ist habe ich mal ne Ansage für euch alte Hasen:

Schaut euch das Mikroskop (z.B. auf der nächsten großen Labormesse) mal an, denn es ist wirklich ein Gerät, dass nicht nur ich sondern auch viele andere Mikroskopiker im Internet als ein echtes hochwertiges Produkt ansehen. Kein einziger der Leute die es ausprobiert hat schreibt etwas schlechtes darüber, zumindest habe ich nichts gefunden.

Ich werde mir nun wohl doch ein gebrauchtes Gerät holen, doch um ehrlich zu sein ist mir schon unwohl ob das in jeder Lage und Ansicht nachher wacklig ist.
Naja aufs eine oder andere geht man wohl ein Risiko ein. Ich hoffe das der Wackeleindruck alter Mikroskope bei mir nur durch die Uni bedingt ist und ich am Ende doch ein Spitzengerät bekomme.

Für die die es interessiert, ich werde mir von Dr. Jekyl (Harald) das Leitz Diavert holen, zumindest sieht es gerade danach aus.

Peter V.

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #17 am: Juli 05, 2022, 22:10:31 Nachmittag »
Hallo,

ich werde wohl nie verstehen, wieso man sich in einem Forum anmeldet und Fragen stellt, wenn man die Antworten nicht hören will. Aber die Tatsache, dass es nun anscheinend doch ein gebrauchtes Leitz wird, zeigt ja, dass manche doch nicht so beratungsresistent sind.  ;) Nun, wenn  einem (auch am Ende unhöflichen) Fragesteller letztlich doch geholfen wird und er ein gutes Gerät bekommt, ist das Ziel eines solchen Forums erreicht. Ob man allerdings bei weiteren Fragen, die sich vielleicht stellen, hier noch auf offene Ohren stößt, wenn man meint, zum Abschluß noch ein wenig bei denen, die ihre Zeit aufwenden, um einem zu helfen, herummaulen zu müssen, sei dahingestellt.

Mit unqualifizierten Grüßen
Peter

« Letzte Änderung: Juli 05, 2022, 22:26:05 Nachmittag von Peter V. »
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roydebatzen

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #18 am: Juli 05, 2022, 23:00:45 Nachmittag »
Das ist schon wieder genauso ein Kommentar, du stützt deine Aussagen überhaupt nicht auf Fakten, weder war ich beratungsresistent, noch begründest du an irgendeiner Stelle warum du meinst das die Gebrauchtgeräte dem Nexcope überlegen sind.

Das ist keine wirkliche Hilfestellung sondern nur Hören-Sagen. Schau dir mal momotaros Kommentare an, da sind Links zu Tests oder Aussagen zu dem Foto dabei.

Ich habe das starke Gefühl das ich nur die eig. gute Neuware nicht nehmen soll, weil hier viele sagen früher war alles besser ohne das wirklich zu begründen.

Ich sag ja nicht das subjektive Erfahrungen nicht zählen, aber technische Fakten gehören schon irgendwie dazu, wenn du meinst das du mir helfen kannst.
Das Kernelement deiner Aussagen ist ja einfach:
Fakt ist: Ein gutes Gebaruchtmikroskop (selbst 30 oder 40 Jahre alt) leistet mehr als ein moderner Plaste-Chinabomber in der von Dir angeführten Preisklasse.

Ich habe Artikel gesehen, in denen beschrieben wird das Billig-Hersteller aus China jetzt auf einem Niveau sind wie europäische Firmen vor 30 Jahren, und einige Leute sagen europäische Firmen vor 30 Jahren produzieren teils bessere Teile als heutzutage.


plaenerdd

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #19 am: Juli 05, 2022, 23:28:53 Nachmittag »
Hallo Stefan,
Zitat
PlanA<Apochromat<Neofluar<Achromat zu ordnen sind (bitte um Berichtigung), und das Apochromat für die meisten Anwendungen voll ausreicht
Da würde ich ja mal berichtigen wollen:
Die Achromate sind die einfachsten und preiswertesten heute üblichen Mikroskopobjektive und die (nicht die Apochromate) reichen für die allermeisten Beobachtungen aus. Apochromate sind farblich besser korrigiert, sind also für die Mikrofotografie "besser", wenn es um die Farbtreue geht. Beide (Achromate und Apochromate) haben aber i.d.R. gewisse Verzeichnungen zum Bildfeldrand hin. Diese werden von Planobjektiven ausgeglichen. Da gibt es Planachromate und Planapochromate. Klar die Planapochromate (bestens korrigierte Farb- und Verzerrungsfehler) sind die "besten" oder zumindest die teuersten, denn sie sind am aufwendigsten konstruiert.
All diese Bezeichnungen sind aber nicht wirklich ganz scharf definiert und werden herstellerabhängig nicht 100%ig deckungsgleich benutzt. Die Fluare stehen zwischen Achromaten und Apochromaten. Ihre Frontlinse (und die vieler Apochromate) besteht aus Flourit , das nur die Mohshärte 4 besitzt, während Silikatgläser meist wesentlich härter sind (um die 6) und deshalb auch weit weniger leicht verkratzen. Die teuren Apochromate haben i.d.R. auch bei gleicher Vergrößerung eine wesentlich höhere n.A. und somit auch bessere Auflösung, aber das wird mit einer kleineren Schärfentiefe erkauft. Die teuren Dinger haben also nicht nur Vorteile! Man muss wissen was man sehen will, um zu entscheiden, welches Objektiv das Richtige ist. Nicht immer ist höchstes Auflösungsvermögen das Entscheidende. Manchmal sind höhere Schärfentiefe oder größerer Arbeitsabstand einfach wichtiger. Zudem sind die hochkorrigierten Objektive meist sehr anfällig für ungenaue Deckglasdicken. Für die Betrachtung durch Kulturflaschen oder Petrischalen sind sie deshalb oft ungeeignet.
Vielleicht solltest Du alles noch ein wenig sacken lassen und Dir mal in der Mikrofibel die Grundlagen noch etwas ansehen, bevor Du kaufst.
Wichtig bei Gebrauchtkauf: Auf Rückgaberecht achten, wenn man schon keine Garantie hat. Nicht die Katze im Sack kaufen! Du musst die Möglichkeit haben, das Gerät ausgiebig zu testen und es trotzdem zurück geben zu können, wenn es nicht das leistet, was Du brauchst. Gut wäre es wohl auch, sich bei Anwendern aus Deinem speziellen Gebiet um zu horchen, also bei Leute aus der Forschung, die an genau diesen Themen arbeiten. Das Mikroskopieforum ist ja in erster Linie hobbyistisch ausgerichtet, was nicht heißt, das hier nicht auch zahlreiche Profis unterwegs wären.

Zitat
Schau dir mal momotaros Kommentare an, da sind Links zu Tests oder Aussagen zu dem Foto dabei.
Viele Mikroskop-"Tests" und auch die zu anderen technischen Geräten sind einfach nur gefakte Werbung, weiter nichts. Da muss man seehr aufpassen!

Übrigens: Abgesehen von ein paar Sticheleien, die hier unter Foristen aber üblich sind, sind Peter und Peter durchaus sehr qualifiziert. Ihre sachlichen Argumente solltest Du durchaus bedenken. Die Unterstellung einer schon gefallenen Entscheidung ist aber auch durch langjährige Erfahrung und die Beratungsresistenz vieler anfragender Möchtegernmikroskopiker hier im Forum bedingt. Diese Vermutung als Unterstellung auszusprechen ist sicher nicht ganz glücklich, aber zumindest aus meiner Sicht nachvollziehbar, aber vielleicht habe ich ja auch schon zu viele Beiträge geschrieben, um als qualifiziert zu gelten ;D

Beste Grüße
Gerd (aus Dresden)
« Letzte Änderung: Juli 05, 2022, 23:31:23 Nachmittag von plaenerdd »
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
Inverses: Willovert mit Ph

Peter V.

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #20 am: Juli 05, 2022, 23:30:18 Nachmittag »
Hallo,

die Fakten sind doch ganz einfach:

Moderne "Chinabomber" mögen durchaus eine gute Optik haben, sind aber mechanisch sicher um Klassen schlechter und erheblich kurzlebiger als solide Mikroskope aus den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern. Das kannst Du nun glauben oder nicht. Wie soll man Dir das jetzt beweisen? Im Übrigen muss ich das auch gar nicht, denn wir führen hier keinen Glaubenskrieg und ich habe auch keinerlei Motivation, mit jemandem zu diskutieren, der über Null Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Du als Unerfahrener hast nach einem Rat gefragt, den hast Du von Erfahrenen bekommen und nun nimmst Du ihn entweder an oder nicht. So einfach ist das. Mag jetzt für Dich arrogant klingen, aber damit muss und kann ich leben. Ich habe nichts, aber auch gar nichts davon, wenn Du ein Diavert oder sonst ein gebrauchtes Mikroskop kaufst statt eines Bresser, Next- oder sonstigen Chinascopes. Wir beraten hier nach bestem Wissen und Gewissen und entweder nimmt man unseren Rat an oder nicht.

Diana, die ich bereits erwähnte, da sie im Forum aktiv ist, handelt mit Mikroskopen, wartet und reapriert sie. Das ist bei den soliden Mikroskopen wie z.B. den Leitz-Geräten (z.B. auch dem Diavert) kein Problem, insbesondere bekommt man gut Ersatzteile. Hat sie aber moderne Geräte (selbst der großen Vier also Olympus, Leica, Nikon und Zeiss) auf dem Tisch, ist sie oft der Verzweiflung nahe. Plastikteile, die brechen und für die es keinen Ersatz gibt. Kunststoffzahnräder mit Zahnverlusten, wackelige Konstruktionen, die zudem regelrecht darauf ausgelegt sind, nicht mehr reparabel zu sein. Sie hat schon öfter mal darüber berichtet. Geht an einem solchen Mikroskop etwas kauptt. ist es meist ein nicht reparabler Totalschaden.

Geräte der Klasse Next-/Bestcope oder was auch immer sind  nicht mehr "für die Ewigkeit" konstruiert wie noch ein Leitz Diavert. Aber letztlich enstcheidest Du, wofür Du dein Geld ausgibst.

Ich denke, dass wir damit diese unerquickliche Diskussion beenden sollten.

Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: Juli 06, 2022, 10:17:17 Vormittag von Peter V. »
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Peter V.

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Aljoscha

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #22 am: Juli 06, 2022, 10:05:03 Vormittag »
Hallo,


Das ist keine wirkliche Hilfestellung sondern nur Hören-Sagen.

Was erwartest Du in einem Forum anderes? Du fragst und hörst dann, was gesagt wird, und zwar von Leuten, die richtig viel Erfahrung mit Mikroskopen haben.


Zitat
Ich habe das starke Gefühl das ich nur die eig. gute Neuware nicht nehmen soll, weil hier viele sagen früher war alles besser ohne das wirklich zu begründen.

Ich sag ja nicht das subjektive Erfahrungen nicht zählen, aber technische Fakten gehören schon irgendwie dazu, wenn du meinst das du mir helfen kannst.



Dann folge doch einfach deinem Gefühl und nehme das Nexscope. Achte aber darauf, dass Du die Konfiguration erwirbst, die langfristig alle deine Ansprüche erfüllt. Alternativ würde ich es mir schriftlich geben lassen, dass eine spätere Aufrüstung möglich ist. Wie gut die mechanische Qualität ist, merkst Du ohnehin erst, wenn es zu spät ist. Anfangs machen die Plaste-Zahnräder einen guten Job.

Viele der von dir angeführten Aussagen sind wahr. Die Premium-Hersteller erreichen nicht mehr die Fertigungsqualität der 60er und 70er Jahre. Dafür ist der Kostendruck zu hoch. Das Leitz, Baujahr 1971, das auf meinem Tisch steht, hat in dieser Ausstattung damals so viel gekostet wie ein Mercedes 200. Vergleiche den Preis des Nexscope mit dem eines Mercedes 200 und Du erkennst, was Du erwarten darfst. Das Leitz hat Phasenkontrast, Dunkelfeld und eine vollständige Ausrüstung für Epi-Fluoreszenz mit wechselbaren Filtersätzen. Dafür habe ich etwa so viel aufgewandt, wie das Nexscope kosten soll. Allerdings habe ich Fluotare und Planachromaten dran.

Was die Fotografie anbelangt: 99,9 % aller C-Mount-Kameras liefern eine eher mäßige, um nicht zu sagen schlechte, Bildqualität ab. Ich habe persönliche einige ausprobiert, auch solche höherer Preisklasse, und war nie zufrieden. Die Dinger taugen allenfalls zur Dokumentation. Mein 50 Jahre altes Leitz hat eine optisch und mechanisch perfekte Adaption für eine spiegellose Vollformatkamera, die richtig gute Bildqualität abliefert und außerdem Videos mit 60 B/s aufnimmt und live auf dem Bildschirm des Computers anzeigt. Die Adaption hat ein höchst kompetentes Mitglied dieses Forums angefertigt.

Viele Grüße

Alexander
« Letzte Änderung: Juli 06, 2022, 10:07:40 Vormittag von Aljoscha »

momotaro

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #23 am: Juli 06, 2022, 13:28:22 Nachmittag »
Remember the Golden Rule v 2.0: Do whatever works best for you.

LG Helmut
„Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig, die Gelegenheit flüchtig.“ — Johann Wolfgang von Goethe Wilhelm Meister's Lehrjahre (1786–1830)

rhamvossen

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #24 am: Juli 06, 2022, 15:45:52 Nachmittag »
Hallo Helmut,

Zitat
Remember the Golden Rule v 2.0: Do whatever works best for you

Vielleicht sollte das ergänzt werden mit: "and don't waste other peoples time"  ;)

Beste Grüsse,

Rolf

Klaus

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #25 am: Juli 06, 2022, 18:18:34 Nachmittag »
Rolf,

genau das dachte ich auch…

Gruß

Klaus

Florian Stellmacher

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #26 am: Juli 06, 2022, 19:11:00 Nachmittag »
Moin zusammen!

Sieben Gedanken zum Thema:

1.   Ich bin ziemlich sicher, dass es nie zuvor so viele Mikroskope, die explizit für den Hobbybereich gebaut wurden, auf dem Markt gab wie heute, und dass die Qualität dieser Geräte nie schlechter war als in den letzten 15 bis 20 Jahren.

2.   Es gab und es gibt keinen echten Hobby-Markt für Inversmikroskope. Sehr wohl gab und gibt es aber Instrumente für verschiedene Budgets.

3.   Wer jemals im professionellen Bereich, z.B. für Kliniken und Institute, Instrumente angeschafft hat, mag sich schon die Augen gerieben haben, wer für was welchen Preis ansetzt und dann hinterher astronomische Rabatte gewährt. Ich habe es aufgegeben, dahinter mehr zu sehen als den Versuch, erstmal maximal Kasse zu machen und dann ggf. als der „gute Onkel“ dazustehen. Natürlich gibt es Ausnahmen, z.B. haben wir mit Christian Linkenheld exzellente Erfahrungen gemacht. Die Frage, ob das hier favorisierte Bresser-Derivat-Mikroskop letztlich seinen Preis objektiv, d.h. in Hinblick auf Konstruktions- und Fertigungskosten und den zu erwartenden Servicebedarf, wert ist, ist schon fast lustig – das ist es natürlich nicht. Aber, die Ansprüche von Beschaffungsstellen sind mitunter verblüffend gering; solche Instrumente schaffen es inzwischen vermehrt, in den Katalogen von Labor-Allroundversorgern aufzutauchen, und ich bin sicher, dass dies Erfolg hat, weil die Bestellung sehr einfach und schnell geht. Angebote spezialisierter Händler einzuholen, kostet Zeit. Und Beratung braucht man nicht, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ich erlebe das immer wieder (s.u.).

4.   Dass die mechanische Belastbarkeit solcher Chinamikroskope objektiv schlechter ist als die von Geräten namhafter Hersteller, die übrigens inzwischen auch fast alles in Fernost produzieren, bezweifle ich. Schon der Vergleich eines Orthoplans mit einem (vielleicht noch nicht gelb angelaufenen) DMLB lässt einen nachdenklich werden. Wer schon mal eine exorbitant teure Mikrodissktionsstation mit allem Zipp und Zapp, bei der dann aber mal Zipp und mal Zapp streiken und der Tubus wie eh und je unter UV-Einwirkung in Hornhautumbra angelaufen ist, gesehen hat, der weiß: Die fetten Jahre sind vorbei. Welchen betriebswirtschaftlichen Sinn hat auch die Tresorqualität vergangener Zeiten, wenn man vom Verkauf und nicht vom Mythos lebt? Und die in der Referenzklasse ubiquitäre Bingbling-Elektronik dürfte schon in 10 Jahren oldscool oder im Eimer sein (ob das bei meinem BMW in 15 Jahren auch noch funktioniert, ist auch so eine Frage). Fairerweise muss man aber auch folgendes sagen: Im Hobbybereich wird wohl kaum jemand eine so starke Belastung des Instruments erreichen, wie im professionellen Bereich. Da sitzen viele verschiedene Leute, teilweise ohne jede Einweisung, dran. Tatsächlich hat es z.B. eine Doktorandin schon geschafft, die Objekttisch eines Axioverts mit einem Objektiv der Kiloeuroklasse durchzubiegen, weil sie einfach mit Schmackes so lange weitergedreht hat, bis das Geräusch aufgehört hat. Wer sowas plant, hat früher Zeiss gekauft. Ob man das heute vorbehaltlos noch empfehlen kann, weiß ich nicht. Wenn ich das Axioskop 40, das ich täglich stundenlang benutze, so ansehe, kommen mir da erhebliche Zweifel. Wäre ich Taxifahrer und nicht Pathologe, hätte mein Wagen inzwischen 2 Mio. Kilometer Stadtverkehr hinter sich und wäre entsprechend am Ende. Die konstruktiv auf 100 Jahre Routineeinsatz ausgelegte Qualität des Orthoplans überzeugte da schon mehr. Da ist irgendwann der Lack ab, aber die Mechanik ist nicht totzukriegen.

5.   Wichtig ist immer zu wissen, was man wirklich braucht – sonst erzählen einem das die Vertreter. Und da schrecken auch die großen vier vor nichts zurück. Da bekommen Chemiker ein biologisches Hellfeldmikroskop mit Kamera im Zwischentubus angedreht. Die Kamera spuckt das Bild auf USB aus, und die Studenten stecken dann Ihren Stick da rein, fotografieren einen Kristall in einer Glaskapillare, die sie mit den Fingern dabei festhalten (was wegen des fest verschraubten Präparatehalters des Kreuztisches nicht so einfach ist), und tragen den Stick dann zum Laptop. Super durchdacht – eine echte Profilösung! Die Kamera war natürlich in Rekordzeit hinüber (komischerweise nicht der USB-Port…), kein Trino – also gleich mal eine Neuanschaffung. Als ich den Kollegen ein Polmikroskop zum Spielen dagelassen habe, waren die echt erstaunt, dass sie ihren Kristall richtig sehen konnten. Als ich ihnen dann noch beschrieben habe, wie das aussähe, wenn sie die Kapillare in Immersion untersuchen würden, haben die mich für einen Märchenonkel gehalten. Der Vertreter hatte natürlich keine Problemlösung parat und leichtes Spiel. Die nächste Anschaffung geht über kompetentere Stelle.

Für reine Zellkultur tut es jedes Inversmikroskop, Phase ist Hilfreich. DIC ist sicher nur nice to have, Varel ebenso.

6.   C-mount Kameras sind im professionellen Bereich absolut üblich. Wohl kaum eine Publikation dürfte mit einer Spiegelreflexkamera bebildert worden sein. Es gibt sie in diversen Preisklassen, und wer Geld ausgibt, bekommt auch etwas Vernünftiges. Privat reicht mir eine einfache Kamera von Christian für das Livebild aus, und damit habe ich auch schon Bilder für Publikationen gemacht. Schöne Bilder machen wir heute per Slidescanner. Solche Instrumente liegen natürlich preislich weit oberhalb dessen, was man sich privat hinstellen würde. Inzwischen sind diese Scanner im sogar Multispektralbereich so gut aufgestellt, dass sie diverse Farbkanäle zu einem Bild montieren und man Dinge fotografiert, die man im Mikroskop so nie aufnehmen könnte.

7.   By the way: Zellkultur braucht nicht nur ein Mikroskop. Im Kampf gegen den Pilz ist z.B. auch eine Bench recht hilfreich. Schon eine Idee, wo die stehen soll?

Viele Grüße,
Florian
« Letzte Änderung: Juli 06, 2022, 19:16:56 Nachmittag von Florian Stellmacher »
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

roydebatzen

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #27 am: Juli 06, 2022, 20:16:33 Nachmittag »
Hallo Florian,

ja Bench ist unterwegs, wird eine Berner C130 für 600 € geschossen, echt geil.
Das mit dem Elektro-Klimbim hab ich auf der Analytica gesehen.
sorry das die Antwort so kurz ist, und danke für die auch fachlich begründete Antwort.
Noch am Rande, für ein kleines Zellkulturlabor habe ich dann Bank, Mikro und brauche an großen Geräte noch Zentrifuge und Inkubator(scheiße).
Kennst du dich mit Zentrifugen aus? Ich hätte gerne eine mit der ich bis 9000 Umdrehungen 2 ml Eppis (für RNA-Reinigung z.B.) und dann aber auch 10 oder 20 ml Eppis für Blutplasma-Reinigung machen kann. Gibt's da Geräte?
Und hast du eine Idee wie schwachsinnig ein CO²-Inkubator für privat ist? Ich denke das absolute Maximum ist der kleinste Inkubator mit Gasflasche. Was das angeht steh ich aber noch am Anfang, vllt mach ich auch erstmal nur Blutreinigung...

Noch ein kurzes Wort an die China-Hater, es haben mir auch privat Leute geschrieben, die sich nicht trauen im Forum zu antworten, die auch nicht unbedingt ein Gebrauchtgerät für einen Einsteiger mit solidem Investment sehen, und danke Peter V. das du es geschafft hast die Links hervor zu holen, ich sehe was du meinst! So ein Plastik-Kram im Gewinde will ich echt nicht, auch wenn es mir wohl erst in ein paar Jahren auffallen würde, in denen ich schon eine Menge Spaß am Gerät gehabt hätte.

So und jetzt versuch ich nochmal meine Gedanken zu ordnen um langsam einen Abschluss zu finden (hilft vllt auch ein paar Neulinge zu verstehen):
Ich bin mir eig. nur zu 30 % sicher was für ein Mikroskop ich will, und den größten Teil werde ich erst rausfinden wenn ich damit arbeite.
Wovor ich schiss habe ist vor allem nochmal so ein Wackelteil wie aus der Uni zu haben oder einen Totalausfall nach 100 Tagen, außerdem habe ich noch keine Ahnung wie man Teile ersetzt.

Deswegen wäre wohl ein Gerät wie das Axiovert hier:
https://shop.labexchange.com/de/labor-und-analytik/mikroskope/110161-b00036456-zeiss-axiovert-200.html
Die beste Wahl. Es hat gute hochauflösende Objektive, ist das Vollpaket mit Kamera und allem, also Stecker rein und los. Ist mit 7000 € aber etwas zu teuer, aber das denke ich hätte ich komplett ohne Ahnung kaufen sollen.

Ebenso gut ist wohl das Olympus IX 50 wie hier:
https://www.mikroskop-online.de/mikroskopverkauf.html
Nachdem wie ich die Publikationen gelesen habe der Allrounder für diese Arbeiten, man kann Teile austauschen und es ist Kriegserfahren, Fluoreszenztauglich und Kamera auch noch inklusive.
Mit 3500 € nur eine Spur außerhalb meines Budgets.

Daneben gibt es Neugeräte wie das Motic Inverted microscope AE31E trino oder eben das NexCope 610 von Bresser.
Beides hat als Neuware Garantie, und für das Bresser habe ich mit einem 2700 € Angebot auch einen Preis der für einen Einsteiger zwar zu hoch ist, aber für mich in ein paar Monaten abstotterbar ist. Ich habe auch nochmal mit Bresser Kontakt aufgenommen, Ersatzteile werden von der Firma geliefert und der Kontakt ist insgesamt gut.

Als letzten Kämpfer habe ich das Leitz Diavert. Nachdem ihr mich drauf aufmerksam gemacht habt das ich Leica im Studium hatte, hätte ich fast kotzen können ^^
Naja, das Gerät überzeugt mich jetzt aber trotzdem. Zum einen habt ihr klar dargestellt das die Dinger schwer kaputtbar, vor allem aber wartbar und erweiterbar sind. Das Problem ist allerdings das ich sie (noch) gar nicht warten könnte. Mir war außerdem nicht klar ob so ein Gerät Bilder schaffen kann die ebenbürtig mit einer klinischen Bildgebung sind, und da vllt in der Zukunft für euch als Werbematerial bei 43:45:
https://www.youtube.com/watch?v=eQgZm-218pA&ab_channel=hobbieswithsteve
Der Typ zeigt Bilder mit seinem Diavert bei denen intuitiv sofort klar wird: mit diesem Gerät lassen sich gestochen scharfe Bilder aufnehmen die moderne Mikroskope in die Tasche stecken können.
Auch ein Aufbau wie dieser mit Bildgebung am Rechner zeigt das man mit diesem Gerät (etwas Tüftelei und guten Teilen) einen labortauglichen Aufbau hinbekommt:
https://www.ebay.de/itm/202634641036?hash=item2f2df73e8c:g:4FUAAOSwx~pbWLVN

Ich werde mich jetzt also für das Diavert entscheiden und verfluche euch jetzt schon alle weil ich eine ganze Weile brauche bis ich verstehen dass wenn ich Fluoreszenz-Objektive in 100x nutzen will, ich auch drauf achten muss das der Kondensor dafür geeignet ist, und ich mit der Halogenleuchte gar kein rotes Spektrum abdecken kann. Naja wird halt ne steile Lernkurve und ja Florian du hast es wohl auf den Punkt gebracht als du sagtest dass es  keinen echten Hobby-Markt für Inversmikroskope gibt. Da muss man wohl einfach tüfteln lernen oder zu viel Geld ausgeben für ein Gerät das nur vorübergehend hält.

So liebes Tagebuch das habe ich heute erlebt...

PS: Eine Alternative ist mir noch eingefallen, ich könnte ja einfach bei Florian in der Pathologie vorbeischneien und mir mal ein Mikroskop "ausleihen". Die Versicherung kennt das doch sicher schon.




« Letzte Änderung: Juli 06, 2022, 20:40:52 Nachmittag von roydebatzen »

Peter V.

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #28 am: Juli 06, 2022, 21:27:04 Nachmittag »
Hallo Stefan,

was mich jetzt mal wirklich interessiert: Was um alles in der Welt  war denn nur so wackelig an den Mikroskopen in der Uni? Ich habe hier drei Leica DMIL und an denen wackelt nichts! Gab es da einen Objektführer, der wackelig war? Oder ist der Objektivrevolver heruntergrutscht, sodass die Fokusbene verloren ging? Fakt ist, dass die Geräte, wenn sie wackeln, einfach "runtergenudelt" wurden und einmal hätten überholt werden müssen.

Ich habe vor geraumer Zeit an einer Uni einem Institutsdirektor privat geholfen, einige Mikroskope wieder flott zu machen. Was ich da zum Teil angetroffen habe, spottete jeder Beschreibung. Ein Doktorand arbeitete mit einem Zeiss Standard, auch einer Ikone des Mikroskopbaus, bei dem der Objektvrevolver nicht mehr rastete! Das wurde halt so hingenommen und auch nicht einmal übermässig beklagt. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie er damit überhaupt arbeiten konnte und habe dann einen neuen Revolver besorgt. Damit war das Mikroskop wieder tadellos. An Instituten erlebt man die tollsten Dinge, was den Zustand von Mikroskppen betrifft. Aber genau das ist es eben: Diese alten Schätzchen kann man wieder flott machen, bei den modernen Plastikkisten (teilweise auch der bekannten Hersteller) ist oft Hopfen und Malz verloren.

Schau Dir mal diese Triebmechanik eines Diavert an: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=32511.msg240032#msg240032 So etwas findest Du heute in keinem Mikroskop mehr, auch nicht bei den großen Marken - und bei den Billig-Chinageräten schon gar nicht. Wie Du siehst, gibt es exakt ein Kunststoffbaulteil in diesem komplexen Trieb, und das ist ein hochwertiges und unkaputtbares Nylonzahnrad, keines der heute üblichen Zahnräder aus Joghurtbecherplastik. Die Zahnrad besteht auch nicht aus Gründen der Sparsamkeit (wie heute) aus Kunststoff, sondern weil hier spezielle Eigenschaften erforderlich waren, die man am besten mit Nylon realisieren konnte. Derartige Triebe sind immer reparabel, zumal man da auch noch recht gut Ersatzteile kommt; die bereits erwähnte Diana von microscopia.de zum Beispiel repariert und überholt solche Triebe.

Solltest Du Dich tatsächlich für ein Diavert entscheiden, bin ich mir sicher, dass Du damit keine schlechte Wahl triffst - natürlich muss es in Ordnung sein.  Kaum ein Inversmikroskop ist so gut und relativ problemlos (wegen guter Verfügbarkeit der Komponenten) ausbaubar für Phasenkontrast und Fluoreszenz. Und egal was daran je mal defekt wäre - es ist reparabel.

Wenn Du hier nicht gleich diejenigen Foristen, die die helfen wollen, brüskierst, wird Dir hier im Forum auch jede Menge Hilfe bei Fragestellungen zuteil, für die Institute extrem teure Lösungen der Hersteller nehmen müssten oder wo sie vielleicht gar nicht zum Ziel kämen. Wir haben "Mechaniker", die einem mal ein Teil drehen und zum Teil sogar komplexe individuelle Teile anfetrigen können, wir haben Foristen, die sich mit dem Umbau auf LED (auch für spezielle Wellenlängen) beschäftigen..und und und!

Herzliche Grüße
Peter



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Aljoscha

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Re: Kaufberatung: Ist das Nexcope NIB610 ein labortaugliches inverses Mikroskop?
« Antwort #29 am: Juli 06, 2022, 21:39:23 Nachmittag »

Ich werde mich jetzt also für das Diavert entscheiden und verfluche euch jetzt schon alle weil ich eine ganze Weile brauche bis ich verstehen dass wenn ich Fluoreszenz-Objektive in 100x nutzen will, ich auch drauf achten muss das der Kondensor dafür geeignet ist, und ich mit der Halogenleuchte gar kein rotes Spektrum abdecken kann. Naja wird halt ne steile Lernkurve und ja Florian du hast es wohl auf den Punkt gebracht als du sagtest dass es  keinen echten Hobby-Markt für Inversmikroskope gibt. Da muss man wohl einfach tüfteln lernen oder zu viel Geld ausgeben für ein Gerät das nur vorübergehend hält.

So liebes Tagebuch das habe ich heute erlebt...


Hallo,

Eine sehr gute Entscheidung!

Das Diavert in dem Link ist maßlos überteuert. Ein Forumsmitglied verkauft gerade ein Diavert. Auch die in diesem Thread genannte Fachfrau für Leitz-Mikroskope kann sicher ein gutes Instrument liefern. Das sind bessere Einkaufsquellen als ein Angebot auf Ebay.

Viele Grüße

Alexander