Autor Thema: Eine "gespenstische" Amöbe - Ditrema  (Gelesen 384 mal)

KayZed

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Eine "gespenstische" Amöbe - Ditrema
« am: Juli 22, 2022, 14:44:42 Nachmittag »
Hallo Tümpler,

meine Moorproben fördern immer wieder neu "Gespenster" zu Tage.
Heute habe ich eine Amöbe entdeckt, die ich schwer zuordnen kann.

Diplophrys oder Gymnophrys oder weder noch?
Für Diplophrys spricht, dass die verzweigten Filopodien eindeutig bipolar aus dem Zellkörper entspringen und Plasmatröpfchen transportieren.
Es fehlt aber die Ölkugel, das Tier ist deutlich größer (ca. 40 µm) und die Filopodien sind wohl zu lang.
Die Größe des Zellkörpers und die Länge der Filopodien würde eher für Gymnophrys sprechen, dort können die "Fangarme" aber am ganzen Zellkörper entspringen.
Wer kann das Moor-Gespenster-Rätsel aufklären?

Die Aufnahme wurde mit DIK 40 gemacht.



Betreff am 23.07. nach Bestimmung durch Ole geändert.

Grüße
KlausZ
« Letzte Änderung: Juli 23, 2022, 15:16:02 Nachmittag von KayZed »
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Ole Riemann

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Re: Eine "gespenstische" Amöbe
« Antwort #1 am: Juli 22, 2022, 22:32:24 Nachmittag »
Lieber Klaus,

schönes Foto! Ich halte dieses Objekt für Ditrema, eventuell Ditrema longicollis. Charakteristisch sind die zwei einander gegenüberliegenden Schalenöffnungen, aus denen die Granulopodien austreten.

Viele Grüße

Ole

KayZed

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Re: Eine "gespenstische" Amöbe
« Antwort #2 am: Juli 23, 2022, 09:50:12 Vormittag »
Lieber Ole,

herzlichen Dank für deine Bestimmung. Schön, dass es im Forum solche Experten wie dich gibt.

Die einzigen Informationen habe ich bei Penard Labs gefunden.

Das Tier gehört offensichtlich zu den granulofilosen Amöben. Deshalb ist es wohl zutreffender von Granulopodien zu sprechen
Zu dieser Gruppe gehört auch Cathrulina, die ich vor Kurzem ebenfalls in einer Deckglas-Kultur aus dem Schwemm-Moor (Walchsee) gefunden habe.

Es scheint ein junges Exemplar zu sein, weil zwischen Schale und Zellkörper noch ein gewisser Abstand besteht. Außerdem ist die Amöbe noch völlig farblos, sie wird wohl später eher gelblich-braun. In der Mitte ist der Makronukleus zu erkennen. Fraglich ist, ob das Plasma vakuolisiert ist oder es sich um echte kontaktile Vakuolen handelt.
Dazu habe ich es nicht spezifisch genug beobachtet. Nun sehe ich auch die länglichen bipolaren Kragen aus denen die Granulopodien entspringen. Deshalb wohl "longicollis".

Der alte Dumont-Werbespruch gilt auch hier: Wer etwas weiß, sieht mehr.
Auch deshalb ist die Biologie der Protisten so faszinierend.

Nebenbei, die Grünalge rechts unten sehe ich in dieser Deckglas-Kultur immer wieder. Kann sie auch schlecht zuordnen.

Ein schönes Wochenende
KlausZ

PS: Nach etwas Recherche gehe ich davon aus, dass es sich bei der Grünalge um die Schildalge Coloechaete (vermutlich) scutata handelt.

« Letzte Änderung: Juli 23, 2022, 15:18:38 Nachmittag von KayZed »
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