Autor Thema: Gesteine des Kaiserstuhls  (Gelesen 4314 mal)

hugojun

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #15 am: Oktober 01, 2022, 16:40:15 Nachmittag »
Lieber Olaf , Florian

Selber habe ich Zwillingsbildung auch noch nie an terrestrischen Olivinen gesehen.

Dennoch hat Burri 1935 Zwillinge und Drillinge beschrieben. Ihre Bildungs- Voraussetzungen scheinen mit dem Vorhandensein von Kalzium einher zu gehen.

Scheinbar ist ihr Vorkommen aber auf Mini-Kristalle beschränkt.

@ Florian, kannst du uns solch einen Zwilling mal zeigen?

Wie groß sind denn deine Kristalle in Bild 3 und 4?

Seltenes Vorkommen soll aus Randen-Hegau stammen und ein Schliff 344 Rosenbusch -Sammlung von Voigt und Hochgesang gefertigt worden sein.

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=smp-001%3A1935%3A15%3A%3A401


LG
Jürgen


Florian D.

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #16 am: Oktober 01, 2022, 23:47:46 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

interessantes Material hast Du da ausgegraben.
Nachdem ich nachmittags mit Olaf nochmal Kriegsrat gehalten habe, ist der Schliff jetzt unter dem U-Tisch gelandet, siehe Bild.
Man sieht sehr schön eine in den Kristall eingeschaltete Zwillingslamelle. Der Winkel zwischen den Auslöschungsstellungen ist sehr klein, vielleicht nur 2 Grad.
Dem Artikel, den Du gefunden hast, nach scheint es sich bei den Olivinzwillingen nach (011) oder (031), die auch im Tröger als selten erwähnt sind, um Penetrationszwillinge zu handeln, und nicht, wie hier, um normale Laminare Zwillinge.
In jeder Lamelle liegen die X und die Z Achse nahezu in der Schliffebene, allerdings sind in benachbarten Lamellen jeweils die X Achse des einen und die Z-Achse des anderen Individuums praktisch parallel. Die Verwachsungsebene schliesst also fast genau einen 45 Grad Winkel mit den Hauptachsen ein. Die Auslöschungstellungen sind im weissen Licht nicht genau auszumachen und immer farbig, was für Dispersion der Achsen spricht. Das passt alles nicht zu Olivin, aber gut zu (Titan-)augit.

Viele Grüsse
Florian
« Letzte Änderung: Oktober 01, 2022, 23:54:38 Nachmittag von Florian D. »

hugojun

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #17 am: Oktober 02, 2022, 13:35:34 Nachmittag »
Hallo Florian,

mehr optische Analytik ist wohl nicht machbar, wenn der Kriegsrat zu einem gemeinsam vertretbaren Ergebnis gekommen ist.

Die Bilder in deiner angeführten Studie zeigen nur Olivin mit Iddingsit-Zone ( Fig 2 a ) und grenzen sich dadurch deutlich von den Pyroxenen ab.

LG
Jürgen


Florian D.

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #18 am: Oktober 03, 2022, 22:51:40 Nachmittag »
Glückauf,

als nächsten Schliff möchte ich wieder einen Phonolith, diesmal jedoch aus Oberschaffhausen, Bötzingen aus dem Steinbruch Hauri vorstellen. Den Steinbruch selbst konnte ich leider selbst, da nicht angemeldet, nicht besichtigen, allerdings durfte ich mir freundlicherweise aus einigen Kisten mit Ausstellungsmaterial (als "Schotter" beschriftet) einige Proben aussuchen. Der Phonolith des Steinbruchs wird ausser als Schotter auch z. B. zu Fango und auch zu Tierfutterzuschlag verarbeitet. In dem oben zitierten Artikel von Wimmenauer wird darauf hingewiesen, dass er, im Gegensatz zum Phonolith aus Rotweil, auch "Spelzen" von Wollastonit enthalte, das ich bisher in Dünnschliffen noch nicht zu Gesicht bekommen hatte (Bilder 2-5). Daneben finden sich teilweise dieselben Minerale wie in dem Schliff von Oberrotweil, Die Alkalifeldspäte der Grundmasse sind gröber und besser ausgebildet; man erkennt leicht Verzwilligung nach dem Karlsbader Gesetz oder Mikroklin. Auch fand sich ein schönes Nest aus Melanit, Aegirin und Apatit (Bild 1). Minerale der Sodalithgruppe bilden grössere Kristalle, die jedoch umgewandelt sind  (Wimmenauer nennt Calcit und Zeolithe). Dies führt dazu, dass diese Minerale sphärolithartige Auslöschungserscheinungen zeigen.
Wimmenauer nennt auch Zoisit. Tatsächlich finden sich einige farblose Minerale mit hohen bunten Interferenzfarben (Bild 6 und 7).

Viele Grüsse
Florian


Florian D.

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #19 am: Oktober 08, 2022, 21:36:46 Nachmittag »
Heute habe ich ein Gestein vom letzten Fundpunkt, dem aufgelassenen Steinbruch Meisensatz bei Eichstetten. Dieser ist auch ein Punkt eines Geolehrpfades. Es handelt sich wohl um ein Explosionsdiathrem.
Da es wegen Steinschlaggefahr verboten ist, sich der Wand zu nähern, habe ich nur einen Stein in grösserer Entfernung aufgelesen. Es handelt sich wohl um einen phonolithischen Tephrit. Die Grundmasse ist grünlich und sehr feinkörnig. Alkalifeldspat lässt sich manchmal erahnen. Viel Magnetit in allen Größen.  Es gibt größere Aegirinaugiteinsprenglinge, die jedoch nur leicht grün sind, von daher ist der Alkaligehalt wohl niedriger als in den vorher vorgestellten Phonolithen. Auch ist dieses Gestein viel dunkler als der Phonolith. Sehr schön sind Einsprenglinge aus der Sodalithgruppe (Sodalith, Nosean, Hauyn) ausgebildet, mit dunklen Einlagerungen, die in grösseren Kristallen sich in Zonen häufen. Die Querschnitte sind 4, 6 oder 8-eckig, passend zu Querschnitten von Rhombendodekaedern.
Nur davon zeige ich einige Bilder im Anhang.

In dem oben zitierten Artikel von Braunger werden vier grössere Gesteinsklassen unterschieden, die sich durch den Differenzierungsgrad des zugrundeliegenden Magmas unterscheiden.
1. Nephelinitische bis limburgitische Gesteine. Davon haben wir den Limburgit als Beispiel kennengelernt. Schöne nephelinreiche Kristalle wurden hier z. B. von Erik Weidling vom Katzenbuckel vorgestellt:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=32967.0
2. Melilithische bis hauynitische Gesteine. Davon habe ich leider kein Beispiel gefunden, aber ähnliche Gesteine sind im Hegau und Uracher Vulkangebiet aufgeschlossen, siehe z. B.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39606.0
3. Tephritische bis phonolithische Gesteine. Davon haben wir einige Beispiele gesehen.
4. Karbonatite: Diese wurden in einem anderen Faden ausführlich besprochen. Interessant ist am Kaiserstuhl der Gehalt an Niobmineralisationen wie Koppit.

Insgesamt habe ich in letzter Zeit versucht, die Minerale der an Quarz untersättigten Magmatite, sowie ihre Paragenesen,  in entsprechenden Gesteinen zu sehen.
Dies betrifft insbesondere die Feldspatvertreter Nephelin, Leucit, Analcim und die Mitglieder der Sodalithgruppe. Ferner Melilith, Carbonatit und Wollastonit, die zu den mafischen Mineralen gerechnet werden.
Angefangen hat das wohl mit dem Olivin-Leucitit aus dem spanischen Vulkanfeld in Calatrava:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=32190.0


Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Gesteine des Kaiserstuhls
« Antwort #20 am: Oktober 15, 2022, 14:52:46 Nachmittag »
Glückauf Forum,

wie immer gilt, sollte jemand Interesse haben:
Ich habe noch zahlreiche Gesteinsproben und vorformatierte Chips, teilweise schon angeschliffen und aufgeklebt. Ich schicke Euch gerne kostenlos was davon zu.

Viele Grüsse
Florian