Autor Thema: Verseuchtes Fleisch.  (Gelesen 276 mal)

Michael Plewka

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Verseuchtes Fleisch.
« am: September 23, 2022, 10:17:03 Vormittag »
hallo zusammen,

vor einiger Zeit hatte ich über Funde von einigen Rädertieren aus dem unteren Odertal berichtet. Eine der dort gefundenen Arten war Encentrum lutra,
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Encentrum%20lutra.html
die mir dadurch aufgefallen war, dass sie in als eine der wenigen monogononten Rädertierarten aus Frischgewässerproben, die vorher tagelang trocken in Pfützen gelegen hatten, in sehr großer Anzahl beziehungsweise Konzentration nach der Wässerung in der Flüssigkeit zu finden waren.


In einer dieser Proben waren von dieser Art  sehr viele  Tiere zu finden, welche durch ihre   weißliche beziehungsweise milchige Färbung auffielen, die, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellte, auf bakterienähnliche Körperchen zurückzuführen war,  vermutlich Parasiten, die sich im gesamten Körperlumen verteilt hatten, wobei im Bereich der Mastaxdrüsen eine besondes große Konzentration vorhanden war:




Wie einige andere Arten derselben Familie ist auch  Encentrum lutra  ein Predator, in diesem Fall von dem bdelloiden Rädertier Philodina acuticornis, dessen Kauer, sowie in diesem Fall das ganze Tier, im Magen von E. lutra zu sehen ist.
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Encentrum%20lutra_Parasites.html

Wenn man sich diese Beute etwas genauer anschaut, so ist im Verdauungstrakt dieses gefressenen Rädertiers ebenfalls ein großes Körperchen zu erkennen, dass vermutlich ebenfalls ein Parasit ist. Das lässt sich daraus schließen, dass in derselben Probe weitere mit diesem "Fremdkörpern" befallene Philodina-Exemplare zu finden waren.
Bei allen von Parasiten befallenen Organismen stellt sich immer wieder die Frage: wie kommen die Parasiten in ihren Wirt? Bei diesem Räuber-Beute-Verhältnis  zwischen Encentrum lutra als Predator und Philodina als Beute  ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass neben dieser Nahrungs-Beziehung auch noch eine weitere Beziehung, nämlich  zwischen den Parasiten im Sinne von Wirt und und Zwischenwirt existiert.
Ob das wirklich zutreffend ist, weiß kein Mensch. Ich habe zu diesem Thema mich ausführlich mit Chris Wilson, dem Experten für Rädertierparasiten unterhalten, aber  auch für ihn stellte  dieser Fall eine Neuheit dar.


Beste Grüße
Michael Plewka