Autor Thema: Dazit - schon wieder ein Dünnschliff...  (Gelesen 4964 mal)

Udo Maerz

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Dazit - schon wieder ein Dünnschliff...
« am: Januar 17, 2010, 18:22:53 Nachmittag »
..Futter für die wachsende Gemeinde....

Urlaubsmitbringsel aus Andalusien, aufgelesen am Straßenrand Nähe Almeria und endlich als Dünnschliff verarbeitet.

Dazit ist ein helles vulkanisches Gestein. In einer feinkörnigen Grundmasse schwimmen wohlausgebildete Einsprenglinge von Plagioklas und Hornblende mit einem breiten Korngrößenspektrum (serialporphyrische Struktur).
Die Hornblendekristalle zeigen bei // polarisiertem Licht ein hohes Relief (n>1,6) und auffälligen Pleochroismus schwach hellgrün-->olivgrün-->braungrün. (Bild 1). Der Hornblendekristall am linken Bildrand zeigt als „Kopfbild“ einen Schnitt nahezu senkrecht zur Längsachse des Kristalls, in dem man die für Hornblendekristalle typischen und ausgeprägten Risse durch
die sehr gute Spaltbarkeit des Minerals erkennt (der größere Winkel zwischen den Spaltrissen beträgt ca. 120°).



Bild 1


Unter # Polarisatoren (Bild 2) ist der große Hornblendekristall am rechten unteren Bildrand fast nicht zu erkennen, da er sich in Auslöschungsstellung befindet. Der Drehwinkel zwischen der Spur der Spaltbarkeit // der Längsachse des Kristalls und der Auslöschungsstellung wird zusammen mit den charakteristischen Farben des Pleochroismus als einfachste Methode zur näheren Charakterisierung der Hornblende benutzt. Die Auslöschungsschiefe liegt in diesem Dünnschliff bei ca. 15-20°. Damit dürfte die Zusammensetzung dieser Hornblende im Bereich Hastingsit und Tschermakit liegen.

Die überstahlt erscheinenden, großen Kristalle sind Plagioklas. Kleinere Kristalle lassen im Bild unter # Polarisatoren noch die typische Zwillingslamellierung erkennen.




Bild 2

Bild 3 zeigt in II pol. Licht wieder die typische Hornblende mit einem Kopfschnitt in der Bildmitte oben. Unter # Polarisatoren erkennt man in Bild 4, dass die beiden Hbl-Kristalle rechts und links davon verzwillingt sind (unterschiedliche Doppelbrechung im gleichen morphologischen Umriss bei einheitlicher Auslöschung bei Drehen des Tisches). In der leicht erhöhten Vergrößerung der Aufnahme kommen die Plagioklaskristalle etwas besser zu Geltung. Plagioklase finden sich als eingewachsene oder angewachsene Kristalle in der Hornblende, aber nicht umgekehrt. Das Kristallwachstum der Plagioklase (mit deutlichem Zonarbau bei den größeren Kristallen) hat somit erst eingesetzt, als der überwiegende Teil der Hornblende sich schon gebildet hatte.



Bild 3



Bild 4

Zur Aufnahmetechnik:
Mikroskop: Ortholux
Objektive: Achromat Leitz 3,5 und 6
Fotografie:Canon 1000d direkt am Mono-Fotostutzen ohne Okular mit Live View-Unterstützung über PC
Farbliche Nachbearbeitung: im wesentlichen im ZoomBrowser EX von Canon
Dünnschliff: eigenes Produkt


Damit man eine bessere Vorstellung von dem Gestein und dem Gesamtdünnschliff bekommt, habe ich dazu noch ein Kurzvideo mit ca.14 sec (ca. 12 MB) eingestellt; und wenn es zu schnell ist, einfach mal anhalten). Die dargestellte Dünnschliffbreite entspricht mit 20x40mm in etwa den Deckglasabmessungen.

Es lohnt sich vielleicht, den Vollbildmodus zu wählen (kleines Icon bei Photobucketbildschirm unten rechts).



..wäre doch gelacht, wenn man nicht noch mehr Anhänger für dieses Gebiet der Mikroskopie und des Steinesammelns findet...

mit hoffnungsvollen Grüßen
Udo Maerz


« Letzte Änderung: Januar 17, 2010, 18:45:09 Nachmittag von Udo Maerz »

Holger

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Re: Dazit - schon wieder ein Dünnschliff...
« Antwort #1 am: Januar 17, 2010, 19:55:02 Nachmittag »
Hallo Herr Maerz,

ein schönes Stück, und die idiomorpen Hornblende-Kristalle erfüllen mich mit einem gewissen Neid. Zu dem Video hätte ich noch eine Frage: Mit welcher optischen Ausrüstung wurden die Totalaufnahmen des Dünnschliffs gemacht?

Gruß,
Holger

Udo Maerz

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Re: Dazit - schon wieder ein Dünnschliff...
« Antwort #2 am: Januar 18, 2010, 00:59:00 Vormittag »
Hallo Holger,

die Aufnahmen wurden mit einem alten Leitz-Makro Summar 12 cm mit Balgen an Canon 1000d gemacht. Als Polfilter unter und über dem Schliff habe ich handelsüblche Fotopolfilter verwendet, die leider nicht so 100%ig auslöschen; deswegen sicherlich auch die verblasste Grautönung der Plagioklase bei # Polarisatoren, die sich auch durch natchträgliche Bearbeitung nicht ganz entfernen ließen. Die Animation wurde mit dem Fotobearbeitungsprogramm Magix Fotos auf CD und DVD 5.0 gemacht.

mit pol-nischen Grüßen
Udo Maerz