Autor Thema: Steinzeit  (Gelesen 1253 mal)

Florian D.

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Re: Steinzeit
« Antwort #15 am: November 05, 2022, 22:08:17 Nachmittag »
Noch ein Bild des Gneises und des Schliffs.
Zum Vergleich noch 2 Bilder (LPol, XPol) eines präkambrischen Hornblendits aus Achmelvich, Sutherland, Schottland, den ich von Robb Gill gekauft habe.
Auffällig auch hier der starke Pleochroismus und dass die Färbung oft nur in -oft randlichen- Zonen auftritt.

« Letzte Änderung: November 06, 2022, 08:54:32 Vormittag von Florian D. »

Florian D.

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Re: Steinzeit
« Antwort #16 am: November 08, 2022, 12:09:39 Nachmittag »
Glückauf Foristen,

Die Entwicklung wärend des Präkambriums einschliesslich der Entstehung des Lebens ist ja eines der faszinierendsten Themen und aufgrund des obigen Schliffs habe ich mir dazu die neuere Literatur angesehen.
Vor ca. 2,4 Milliarden Jahren kam es auf der Erde zur "grossen Sauerstoffkatastrophe" (great oxidation event, GOE):
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Sauerstoffkatastrophe
Durch photosynthetische Aktivitäten von Cyanobakterien reicherte sich erstmals Sauerstoff in der Atmosphäre an, was zu einem immensen Artensterben führte und andererseits erst die Möglichkeit für die Entwicklung mehrzelliger Organismen öffnete.
Bisher ging man davon aus, dass dieser Prozess hauptsächlich biologisch getrieben war, hatte aber Schwierigkeiten, zu erklären, warum das neu gebildete organische Material den Sauerstoff nicht wieder aufzehrte.
Entscheidend für diese Theorie waren Messungen des Fe II / Fe III Verhältnisses in Basalten. Dieses war scheinbar über das ganze Präkambrium hinweg konstant, so dass auch das Redoxvermögen des Erdmantels konstant geblieben wäre. Neueste Messungen
https://pubs.geoscienceworld.org/gsa/geology/article/44/9/751/195252
https://www.nature.com/articles/s41467-022-30886-4
zuverlässigerer Redoxindikatoren zeigen jedoch zunehmend, dass auch der Erdmantel und die Kruste zunehmend stärker oxidiert wurde. Damit lässt sich das GOE deutlich besser erklären: Frühe photosynthetisierende Organismen benutzten wohl Reduktionsmittel wie Fe II und Schwefelwasserstoff, die zu Beginn des Archaikums reichlich vorhanden waren,  um mit Licht Kohlendioxid zu Kohlenhydraten zu reduzieren.
Diese Photosynthesemechanismen gibt es heute noch und sie sind wesentlich einfacher, als die Photosynthese in Blaualgen. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu einer Verknappung an Reduktionsmitteln, so dass die Organismen begannen, Wasser als Reduktionsmittel zu benutzen, wozu verschiedene einfachere Photosynthesemechanismen miteinander gekoppelt werden mussten (Photosysteme I und II). Die dabei entstehende Biomasse wurde teilweise im tiefen Kohlenstoffzyklus, also im Mantel, zu CO2 reoxidiert, so dass sich der neugebildete Sauerstoff in der Atmosphäre weiter anreichern konnte.
Die Verarmung der Erdkruste an Eisen und die Oxidation des letzteren zu Fe III bedeutete auch das Ende der Ablagerung der präkambrischen gebänderten Eisenerze, wie jener aus dem Isua Komplex.
Was genau zur Oxidation des oberen Mantels geführt hat, ist noch nicht geklärt, aber die von mir genannten Hypothesen, des Verlusts von Wasserstoff in den Weltall und die Sedimentation metallischen Eisens in den Kern werden aktiv diskutiert und haben sicher zumindest beigetragen.
In diesem Zusammenhang ist interessant, dass FeSiO3, Ferrobridgmanit, in grosser Tiefe instabil wird und in metallisches Eisen, Fe III und Silikat disproportioniert:
https://www.scopus.com/record/display.uri?eid=2-s2.0-1842420623&origin=inward&txGid=803711aa1a153f4dd32037e4f4b84cb8
(Forschung  aus Bayern!)
https://bib-pubdb1.desy.de/record/315733/files/Thesis_Ismailova_final.pdf
Wenn ein Teil dieses metallischen Eisens in den Erdkern absinkt, würde dies die Oxidation des Mantels erklären. Problematisch ist allerdings, dass flüssiges Eisen das ungeschmolzene Gestein stark benetzt und so wohl gravitativ nicht so leicht von dem Gestein getrennt werden kann. Es bleibt also spannend!

Viele Grüsse
Florian

hugojun

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Re: Steinzeit
« Antwort #17 am: November 09, 2022, 08:18:47 Vormittag »
Hallo Florian,

deine Recherchen sind in der Tat sehr spannend.

Wenn ein Teil dieses metallischen Eisens in den Erdkern absinkt, würde dies die Oxidation des Mantels erklären. Problematisch ist allerdings, dass flüssiges Eisen das
 
ungeschmolzene Gestein stark benetzt und so wohl gravitativ nicht so leicht von dem Gestein getrennt werden kann. Es bleibt also spannend
!“

Würdest du die Entstehung der Pallasite ( https://de.wikipedia.org/wiki/Pallasit ) diesem Prozess zuordnen wollen? Hierbei handelt es sich bei den Haupt-Gruppen -Pallasiten

um Gemische aus Forsterit  ( Mg- reicher-Olivin ) und Nickel-Eisen .

Kannst du Angaben in der zitierten Literatur zum „Benetzung-Prozess“ nennen?

LG
Jürgen

Florian D.

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Re: Steinzeit
« Antwort #18 am: November 09, 2022, 09:29:30 Vormittag »
Hallo Jürgen,

in Google docs findet man einiges.
Oft werden Experimente  zitiert wo partielle Schmelzen in  Zentrifugen untersucht werden, z. B.:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001670371200364X?casa_token=sh-T1GoJZwAAAAAA:StVIQKPQ9PraV-8vMjYDWTcNnOzphZjEiNAq-mWa9QDl64P8vsW6VkXbjkFtyUowLwCNbPE8oYQ

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Steinzeit
« Antwort #19 am: November 15, 2022, 14:02:08 Nachmittag »
Die Gerätschaften für solche Untersuchungen sind nicht geeignet, sie von Messestand zu Messestand zu schleppen. Da mache ich das wie die meisten hier im Forum und
vertraue auf Literaturangaben zu den verschiedenen Themen und darauf, dass ich am Stand nicht beschi.. werde.

Na ja,
Du hast ja immerhin Dein ominöses Magnetometer, mit dessen Hilfe Du jeden Meteorit innerhalb Sekunden der richtigen Klasse zuordnen kannst.

Viele Grüsse
Florian

hugojun

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Re: Steinzeit
« Antwort #20 am: November 15, 2022, 15:55:41 Nachmittag »
Hallo Florian,

da möchte ich dir zustimmen, ausreichend klein ist das Gerät ja.

Die magnetische Suszeptibilität ist ein guter Anhaltspunkt zur Gesteinsbestimmung und der Provenienz.

Nur benötige ich auch hier wieder verlässliche Daten aus der Literatur.

LG
Jürgen

Florian D.

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Re: Steinzeit
« Antwort #21 am: November 16, 2022, 21:31:20 Nachmittag »
Glückauf Foristen,

wir sind ja hier im Mikrophoto Subforum, da sollte es ja nach heutigem Zeitgeschmack eher bunt sein.
Also was rausgesucht, was LSD als graue Maus erscheinen lässt: Ein Prehnit Basalt aus Loanhead Quarry, Ayr, Schottland. Ich hatte Prehnit bisher immer für ein Produkt der niedriggradigen Metamorphose gehalten. Ob das in diesem "Basalt" auch so ist, weiss ich nicht zu sagen. Aufgenommen mit dem Pl 1/0.04 Objektiv, d.h. die Breite der Bilder beträgt etwa 2cm. Natúrlich mit gekreuzten Polarisatoren.
Das letzte mit dem 2.5/0.08.
 
PS: Das letzte Bild habe ich ausgetauscht. War total verwaschen. Keine Ahnung, was ich da gemacht hatte.

Viele Grüsse
Florian
« Letzte Änderung: November 17, 2022, 19:01:58 Nachmittag von Florian D. »