Autor Thema: Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia  (Gelesen 350 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia
« am: Januar 23, 2023, 10:22:48 Vormittag »
Die Blütezeit reicht im Heimatgebiet in Kalifornien von März bis Mai, in Deutschland und der Schweiz von Juni bis Oktober.
Die Rainfarn-Phazelie kommt von Kalifornien, Arizona und südlichen Nevada bis in den nördlichen Teil des mexikanischen Bundesstaates Baja California vor.
Sie gedeiht im Heimatgebiet auf trockenen, felsigen Hängen bis in Höhenlagen von 2000 Metern. Am häufigsten ist sie in den Wüsten Südkaliforniens in Höhenlagen unterhalb von 1500 Metern anzutreffen, kann aber gelegentlich auch in viel größeren Höhenlagen gefunden werden.
Die Rainfarn-Phazelie hat noch alle Eigenschaften einer Wildpflanze.

Bild 01 Phacelia-Feld – Ristedt (Syke) Niedersachsen

Foto: H.-J_Koch

Seit mehreren Jahren säen Landwirte oft Brachäcker mit der kalifornischen Pflanze ein.
Der feldmäßige Anbau der Phazelie dient vor allem der Honiggewinnung, weswegen man sie auch Bienenfreund nennt.
Aber ebenso als Gründüngungspflanze und Zwischenfrucht, die keine Krankheiten anderer Kulturpflanzen überträgt, hat sie sich bewährt.
Als Viehfutter ist sie von minderer Qualität.

Phacelia tanacetifolia ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt, beispielsweise in weiten Teilen Europas.
Unter Neophyten werden Pflanzen verstanden, die direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst vom Menschen nach 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen.

Bei der Rainfarn-Phazelie handelt es sich um einen mesomorphen (an mittlere Feuchtegrade angepasste) Therophyten.
Zu den Therophyten gehören z.B. viele Ackerwildkräuter wie Klatsch-Mohn, Kornblume und Echte Kamille.
Blütenökologisch handelte sich um Trichterblumen.

Es liegt Dichogamie (zeitliche Geschlechtertrennung) vor: die Rainfarn-Phazelie ist leicht proterandrisch (Blüten sind zuerst männlich, später weiblich): es sind zuerst männlich Blütenorgane fertil (fruchtbar), danach auch weiblich, mit deutlicher Überlappung der Geschlechter.

Spontane Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte ist selten. Meist erfolgt die Pollenübertragung durch Insekten, meist durch Hymenopteren (Hautflügler).

Es liegt gemischte Befruchtung vor, also sind sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchtung möglich.
Die Diasporen (Ausbreitungseinheiten der Pflanzen) sind die Samen. Die Diasporen werden absichtlich oder unabsichtlich durch den Menschen ausgebreitet (Hemerochorie).

Das einjährige Kraut wird bis 80 cm hoch, ist vielfach verzweigt und stark behaart.
Der aufrechte und einfache oder wenig, besonders im oberen Bereich, verzweigte Stängel ist im unteren Bereich kahl und im oberen Bereich mit kurzen steifen Trichomen und winzigen Drüsenhaaren bedeckt.
Die wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert.

Bild 02 Stängel + Laubblätter, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

Foto: H.-J_Koch

Die Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 20 Zentimetern im Umriss dreieckig oder länglich bis eiförmig und unpaarig gefiedert oder doppelt fiederschnittig zusammengesetzt. Die fiederteiligen Blattabschnitte sind gezähnt oder gelappt. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.
In am Hauptstängel und an den Seitenzweigungen endständigen, zusammengesetzten, zymösen Blütenstände sind einseitswendig, vor dem Aufblühen spiralig eingerollt und die viele Blüten sind dicht angeordnet. Die Teilblütenstände werden auch als dichte Wickel bezeichnet.
Die Blätter tragen gekerbte Fiederblätter, die blauvioletten, 5-teiligen Blüten stehen in dichten, nach außen gerollten Winkeln und fallen durch ihre weit herausragenden violetten Staubblätter auf.

Bild 03 Blütenstand, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

Foto: H.-J_Koch
Die Staubblätter ragen weit heraus.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf nur an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter sind während der Anthese (Blüte) 4 bis 7 Millimeter und während der Fruchtreife 6 bis 8 Millimeter lang, ± linealisch und dicht lang behaart. Die fünf haltbaren, blauen oder blau-lilafarbenen, blauvioletten, selten weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 7 bis 8 Millimetern sowie bei einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimetern breit glockig-radförmig verwachsen.

Die fünf Kronzipfel sind 8 bis 12 Millimeter lang mit gerundetem oberen Ende. Die Blütenkrone wird von Staubblättern weit überragt. Es ist nur der äußere Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden.
Die kahlen Staubblätter sind 9 bis 15 Millimeter lang. An der Basis der Kronröhre sind die lila- bis purpurfarbenen Staubfäden inseriert, die an ihrer Basis jeweils paarweise verwachsen sind, mit mehr oder weniger halbmondförmigen Schuppen an ihrer Basis Die Staubbeutel sind purpurrot. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen; es sind zwei parietale Plazenten vorhanden. Der kahle Griffel ist 8 lang 15 Millimeter lang und auf 2/3 bis 3/4 seiner Länge in zwei Griffeläste geteilt.

Die Kapselfrucht ist flaumig bis am oberen Ende kurz behaart, bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern ± eiförmig, öffnet sich fachspaltig = lokulizid mit zwei Fruchtklappen und enthält wenige (meist nur ein oder zwei, selten bis zu vier) Samen. Die 2 bis 3 oder 3,2 bis 3,5 Millimeter langen sowie 1 bis 1,3 Millimeter breiten, brauen Samen sind runzelig und narbig.

Bild 4 gekerbtes Fiederblatt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

Foto: H.-J-Koch

Systematik
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Wasserblattgewächse (Hydrophylloideae)
Gattung: Phacelia
Art: Rainfarn-Phazelie
Wissenschaftlicher Name: Phacelia tanacetifolia
Trivialnamen: Büschelschön, Rainfarnblättrige Phazelie, Büschelblume oder Bienenfreund
Englische Bezeichnung: Tansy-leaved tuft beautiful

Bild 05 Illustration, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

Quelle: https://www.flickr.com/photos/biodivlibrary/8386428831
Urheber: Bentham-Moxon Trust.; Curtis, William; Curtis's botanical magazine dedications, 1827-1927: portraits and biographical notes.; Royal Botanic Gardens, Kew.; Stanley Smith Horticultural Trust.
Dieses Werk ist gemeinfrei.

Teil 1
Spross, Querschnitt
35 Mikrometer

Bild 06 Schnittstellen, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 07 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 08 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 09 Autofluoreszenz, Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 10 Autofluoreszenz, Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden!!!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minute.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000

Bild 11 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 12 Detailaufnahme, mit Beschriftung, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

MP = Markparenchym, PXY = Protoxylem, T = Trachee, XY = Xylem, RP = Rindenparenchym, EP = Epidermis

Bild 13 Detailaufnahme, mit Beschriftung, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 14 Kambium, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 15 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Teil 2
Blattstiel, Querschnitt
35 Mikrometer

Bild 16 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 17 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 18 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 19 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 20 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

« Letzte Änderung: Januar 23, 2023, 10:24:20 Vormittag von Hans-Jürgen Koch »
Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.

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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia
« Antwort #1 am: Januar 23, 2023, 10:26:30 Vormittag »
Teil 3
Wurzel, Querschnitt
35 Mikrometer

Bild 21 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 22 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 23 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 24 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia

Gefäß mit leiterförmiger Durchbrechung ?

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Bild 25 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 26 Phellem, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 27 Detailaufnahme, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 29 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Bild 30 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia


Quellen und weiterführende Informationen:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie
„Was blüht denn da ?“, ISBN: 978-3-44011379-0
„Was wächst auf unseren Feldern“, ISBN: 978-3-8354-0321-5
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Gerne zeige ich euch die schönen Seiten der Pflanzen.
Viele Aufnahmen von einer Pflanze ermöglichen eine umfassende Wahrnehmung.
Es freut mich natürlich sehr, wenn auch euch die Bilder gefallen.
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.

Hans-Jürgen

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Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia
« Antwort #2 am: Januar 23, 2023, 12:45:41 Nachmittag »
Grüß´ Dich Hams-Jürgen,
ich erstarre wieder vor  Bewunderung. Gratulation zu diesem tollen Beitrag!!
In Bild   14 und 24 ist ein Kreis zu sehen, verm. ein Artefakt.
Luft oder H2O?
Gruß vom Inschenör Peter

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia
« Antwort #3 am: Januar 23, 2023, 14:09:18 Nachmittag »
Hallo Peter,

danke für deine Rückmeldung.
Den schwarzen Kreis im Bild 14 habe als Markierung eingezeichnet, er zeigt das Kambium.
Der weiße Kreis (Bild 24) markiert die mir unbekannte Zellstruktur, evtl. ein Gefäß mit leiterförmiger Durchbrechung.

Gruß
Hans-Jürgen
Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.

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Fahrenheit

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Re: Botanik: Rainfarnblättriges Büschelschön Phacelia tanacetifolia
« Antwort #4 am: Januar 24, 2023, 09:59:45 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

abermals vielen Dank für den schönen und umfassenden Artikel zur Rainfarnphacelie, der mir sehr gut gefallen hat und den ich natürlich gelistet habe.

Die Zelle im Bild 24 scheint in einem Markstrahl der Wurzel zu liegen, es könnte sich um eine Transfusionszelle handeln. Hier weiß Detlef vielleicht mehr.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM