Autor Thema: Vergleich verschiedener Strandseifen  (Gelesen 339 mal)

PolMik

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Vergleich verschiedener Strandseifen
« am: Januar 25, 2023, 12:58:19 Nachmittag »
Hallo liebe Foristen,
heute möchte ich die Ergebnisse der Schwermineraluntersuchungen von verschiedenen Fundorten miteinander vergleichen. Die Art der Beprobung,  Aufbereitung und Herstellung der Streupräparate hatte ich unter Bestimmungshilfe / Strandseife Koserow beschrieben. Dort hatten ich auch die  einzelnen Minerale unter Mithilfe insbesondere von Olaf Medenbach herausgearbeitet und beschrieben. Das habe ich jetzt für Bansin / Usedom, Göhren / Rügen und Trellestrand bei Skivarp wenige Kilometer westlich  von Ystad wiederholt.

Zusätzlich zu Koserow waren nur wenige Körner von Apatit zu entdecken. Der ist als genarbtes Korn, einachsig negativ, gerundet recht gut zu erkennen. Er ist jedoch anders als bei uns im Buntsandstein nicht gelblich, sondern farblos, im polarisierten Licht blaugrau. Detaillierter kommt Apatit erst Ende des Jahres, wenn ich mich mir die Umgebung der kürzlich verkündeten Seltenerdlagerstätte bei Kiruna angesehen habe. Die Schweden sind helle Köpfe und gewinnen Apatit aus ihren Eisenerzaufbereitungsschlämmen.  Dabei werden sie die erhöhten Vorkommen von Seltenerdelementen schon lange entdeckt, aber nicht gewonnen haben. Selten sind die Elemente nicht, aber nur mit viel Aufwand zu gewinnen. Nebenbei wurden viele der Seltenen Erden zuerst aus Schweden von einer Insel nahe Stockholm (Insel Resarö, Grube Ytterby) beschrieben.

In den der Tabelle 1 werden die Schwerminerale der Fraktion 0, 2 mm – 0,1 mm miteinander verglichen. Auf Usedom und Rügen überwiegen Granat. Mit + gekennzeichnet heißt, das das Mineral ist vorhanden, mit – gekennzeichnet bedeutet, ich habe kein Korn gesehen. Am Trellestrand gab es überwiegend Hornblenden, aber auch nennenswerte Anteile von Granat.

In Tabelle 2 werden die Schwermineralverteilungen der Fraktion < 0,1 mm gezeigt. Alle Proben wurden von Zirkon dominiert. Weitere nennenwerte Anteile hatte Granat. Von dieser Fraktion habe ich pro Präparat 165 Zirkone nach der unter Koserow beschriebenen Metode gemessen und deren Besonderheiten erfasst. Die Ergebnisse werden mit Abbildung 1 und Tabelle 3 gezeigt.

Zusammenhänge zwischen den Strandseifen anhand der Schwermineralanteile in den beiden Fraktionen und anhand der Zirkonverteilungen kann ich nicht erkennen. Somit haben diese Seifen vermutlich unterschiedliche Liefergebiete. Bei der geringen Entfernung von wenigen Kilometern zwischen Koserow und Bansin hat mich das erstaunt.

Abschließend zeige ich noch Bilder eines Granatkornes mit braunen Einschlüssen. Derartige Granate kamen nur in Bansin vor. Dann einen Zirkon mit seinen Einschlüssen. Nicht zu erkennen ist ein roter Kern dieses Zirkones in einem Einschluss. Beide mit Fluotar 50x/0.85 Pol gemacht. Dann noch ein braunes Korn, das ich als Rutil gedeutet habe, der jedoch im polarisierten Licht erstaunlich wie Gold aussieht. Auch die Form sieht Rutil nicht gerade ähnlich. Dieses Korn stammt vom Trellestrand bei Skivarp. Das Bild ist mit einem Fluorar 20x/0.45 Pol gemacht.

Viele Grüße
Michael


Florian D.

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Re: Vergleich verschiedener Strandseifen
« Antwort #1 am: Februar 01, 2023, 15:19:07 Nachmittag »
Hallo Michael,

sehr interessante Analyse. Wäre interessant, ob man da Rückschlüsse auf das Fördergebiet ziehen kann.

Viele Grüsse
Florian

PolMik

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Re: Vergleich verschiedener Strandseifen
« Antwort #2 am: Februar 01, 2023, 18:25:59 Nachmittag »
Hallo Florian,

danke für die Nachricht. Die Ausgangsgesteine der Strandseifen an unseren Ostseestränden sollen in Skandinavien liegen.  Die Strandseifen von Göhren und Bansin sind nach dem, was ich an anderer Stelle las, umgelagerte ältere Strandseifen der näheren Umgebung. Diese entstanden überwiegend aus Sedimenten und Metamorphiten. Koserow kann ich nicht so richtig einordnen. Aber auch diese Seife entstand überwiegend aus Sedimenten und Metamorphiten. Trellestrand bei Skivarp mit den hohen Anteilen von Hornblenden in der gröberen Fraktion und den häufigen Einschlüssen in Zirkonen der feineren Fraktion scheinen jüngeren Datums zu sein. An der Bildung dieser Strandseife könnten höhere Anteile verwitterter und umgelagerter Magmatite und Metamorphite beteiligt sein.

Normalerweise würde nur die Fraktion < 0,1 mm ausgezählt werden und damit gäbe es eine Ähnlichkeit. Unter Berücksichtigung der gröberen Fraktion und der Zirkonmerkmale ist das aber nicht der Fall. Bei den Zirkonelongationskurven weicht Bansin deutlich von den übrigen drei ab. Dagegen haben die Zirkone am Trellestrand erheblich höhere Anteile von Zirkonen mit Einschlüssen. Das sind Dinge, die ich noch nicht so richtig zu deuten weiß.

Um die Liefergebiete einzugrenzen muss ich noch mehr Strandseifen finden und untersuchen.

Viele Grüße
Michael