Autor Thema: Eine ungewöhnliche Spirogyra  (Gelesen 504 mal)

KayZed

  • Member
  • Beiträge: 378
Eine ungewöhnliche Spirogyra
« am: März 18, 2023, 10:35:33 Vormittag »
Hallo zusammen,

ich habe gestern in einem eutrophen Teich mit aufschwimmenden Algenwatten eine für mich ungewöhnliche Schraubenalge gefunden.
Sie fiel mir bereits unter dem Stereomikroskop durch ihre besondere Dicke auf. Sie entpuppte sich als eine Spirogyra-Art von etwa 90 µm Fadendicke und sehr eng bzw. dicht gewundenen, gelappten Chloroplasten-Spiralen mit vielen Pyrenoiden. Ein Zellkern war daher nicht zu erkennen.

Schraubenalgen sind ja außerhalb ihrer Konjugationssphase nicht bestimmbar. Trotzdem habe ich mal wegen ihrer auffälligen Größe im Netz gesucht und eine Seite gefunden, in der sie als Spirogyra longata bezeichnet wird.

http://bioweb.uwlax.edu/bio203/2010/fenske_megh/

Die Größenangaben und das Foto entsprechen ziemlich gut meinem Fund.
Ich habe im DIK 40 fünf Bilder gestackt.



Im Forum ist mir kein Bericht oder Foto zu dieser Schraubenalge untergekommen.
Gibt es jemand, der diese Art auch schon gefunden hat bzw. die Artzuordnung bestätigen kann?

Liebe Grüße
KlausZ
« Letzte Änderung: März 20, 2023, 09:03:18 Vormittag von KayZed »
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

anne

  • Member
  • Beiträge: 3188
    • flickr
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #1 am: März 18, 2023, 13:32:47 Nachmittag »
Hallo Klaus,
zur Bestimmung kann ich nichts beitragen. Aber diese Spirogyra ist bei mir in meinen Minitümpeln sozusagen das Unkraut.
lg
Anne

KayZed

  • Member
  • Beiträge: 378
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #2 am: März 18, 2023, 14:12:58 Nachmittag »
Hallo Anne,

ich dachte mir schon, dass sie nichts Besonderes ist. Trotzdem für mich ungewöhnlich, weil bei mir sonst ausschließlich dünne Spirogyra-Fäden mit eher locker gedrillten Chloroplasten vorkommen.

Vielleicht kann jemand die Artzuweisung bestätigen.

LG KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

anne

  • Member
  • Beiträge: 3188
    • flickr
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #3 am: März 18, 2023, 15:25:03 Nachmittag »
Hallo Klaus,
trotzdem wunderschön und faszinierend!
lg
Anne

Michael Plewka

  • Member
  • Beiträge: 1707
    • plingfactory
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #4 am: März 19, 2023, 07:37:18 Vormittag »
Hallo Klaus,

da drehen wir uns im Kreis: solange wir keinen Bestimmungsschlüssel haben, welcher ohne Konjugationsstadien auskommt (ich kenne keinen), können wir die hier gezeigte Spirogyra   nicht bestimmen. Solange wir die Art nicht bestimmen können, können wir auch nicht sagen, ob wir diese gefunden haben usw. usw.

Eine solche Form mit engen Chloroplastenspriralen habe ich auch sehr häufig und viele Jahre in unserem Schulteich gefunden. Mag also nicht so selten sein.
Im Buch: "Freshwater  Algal Flora of the British Isles"  (das nicht eine einzige Zeichnung der Chloroplasten (im Gegensatz zu vielen anderen Zeichnungen zu dieser Gattung) im Bestimmungschlüssel zu Spirogyra zeigt!) findet man die Angabe: zu S. longata: cells 26 - 38 µm wide!!!, kommt also nicht hin.

Zitat
....eine Seite gefunden, in der sie als Spirogyra longata bezeichnet wird.....
.
Das stimmt nicht: dort steht:  Spirogyra Longata. Das ist insofern von Bedeutung, als kein seriöser Biologe/Biologin  eine Art derart kennzeichnen würde. Auf der verlinkten Seite ist für diese "Art"   die Dicke der Zellen mit 10-100µm angegeben, was  der o.a. Literatur widerspricht. Die verlinkte Seite erweckt den Eindruck,  als kenne die Autorin den Unterschied zwischen Gattung und Art nicht.  Ist also m.E. schlicht unbrauchbar.
Beste Grüße
Michael Plewka

KayZed

  • Member
  • Beiträge: 378
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #5 am: März 19, 2023, 09:54:27 Vormittag »
Hallo Michael,

herzlichen Dank für deine Nachforschungen und Hinweise.

Mir ist schon klar, dass Spirogyra-Arten eigentlich ohne Konjugationsstadien nicht zu bestimmen sind. Nun war die von mir erstmals gefundene Schraubenalge so auffällig in ihren dicht gewundenen Chloroplasten und vor allem in ihrer Fadendicke von ca. 90 µm (ich kannte Spirogyra bislang nur in einer Dicke um 20-30 µm), dass ich mich dennoch auf die Suche begab.

Mir ist schon aufgefallen, dass von mir verlinkte Seite nicht unbedingt von einem wissenschaftlich orientierten Autor stammt. Die Großschreibung des Artnamens hielt ich eher für einen Schreibfehler. Außerdem entsprach das Foto ziemlich gut meiner Aufnahme. Aber, du hast vollkommen recht, das ist natürlich kein stichhaltiger Beleg für eine richtige Artzuschreibung. Die von dir erwähnte britische "Algal Flora" steht leider noch nicht in meinem Regal. Ich habe sie vor ca. fünf Wochen bestellt und warte immer noch.

LG KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

KayZed

  • Member
  • Beiträge: 378
Re: Eine ungewöhnliche Spirogyra
« Antwort #6 am: März 19, 2023, 10:31:34 Vormittag »
Hallo Michael,

noch ein kurzer Nachtrag:

Die von mir verlinkte Seite hat wohl kaum wissenschaftliche Seriosität.

Die Größenangabe wurde vermutlich einfach aus Wikipedias Beschreibung der allgemeinen Spirogyra-Gattung übernommen (10-100 µm).
Die von dir genannte Dickenangabe für longata (26-38 µm) habe ich nun auch auf folgender Seite gefunden (26-32 µm).
http://protist.i.hosei.ac.jp/PDB/Images/Chlorophyta/Spirogyra/group_C/longata_1.html
Außerdem: S. longata ist offensichtlich ein Schreibfehler der schon lange bekannnten Spirogyra elongata (Vaucher) Dumortier 1822

Kurzum, meine Vermutung hat keine Grundlage.
Trotzdem, wie es Anne schon geschrieben hat, eine wunderschöne Schraubenalge.

LG KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7