Interessante Pilzfunde 87 - Grünerlen-Täubling und Gilbender Erlentäubling

Begonnen von Bernd Miggel, September 14, 2023, 18:29:08 NACHMITTAGS

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Bernd Miggel

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Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Der Grünerlen-Täubling Russula alnetorum und der Gilbende Erlentäubling Russula pumila sind meines Wissens die einzigen Täublingsarten, die eine Mykorrhiza mit Erlen eingehen. Es handelt sich um kleine, gebrechliche, geruchlose, scharf schmeckende Pilze mit meist violettrotem Hut, blassen Lamellen und weißem, grauendem Stiel. R. alnetorum findet man in höheren Lagen auf feuchten Böden bei Grünerlen (Alnus viridis), während R. pumila in der Ebene auf feuchten Böden bei Grauerlen (Alnus incana) und Schwarzerlen (Alnus glutinosa) wächst.
In der Roten Liste Deutschlands (2016) wird R. alnetorum in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) und R. pumila in der Kategorie * (ungefährdet) eingestuft.

Ein Dankleschön geht an Uwe Winkler (Bilder 1-3), Karl Wehr (Bild 5) und Helga Marxmüller (Bild 6).


Bilder 1-3 – Der Grünerlen-Täubling Russula alnetorum am Fundort in der Schweiz , unterhalb Furka-Pass  auf ca 1900m Höhe. Fotos: Uwe Winkler.







Bernd Miggel

#1
Makroskopische Merkmale

Die Fruchtkörper sind klein und gebrechlich mit Hutdurchmessern von meist bis zu 4 cm, maximal 6 cm. Die Hutfarbe ist dunkel weinrot, purpurviolett, dunkelviolett bis fast schwarz, in der Mitte stets dunkler als am Rand. Auch ausgeblasste Formen kommen vor. Der Hutrand ist ungerieft oder kurz gerieft, die Huthaut ist feucht glänzend und bis zur Hälfte des Radius abziehbar. Die Lamellen sind sehr fragil, stehen entfernt, sind so gut wie nicht mit Lamelletten untermischt, besitzen kaum Gabelungen oder Anastomosen. Sie sind weiß und bekommen im Alter einen Graustich. Der Stiel ist fragil, zylindrisch, weiß und graut im Alter stark. Bei älteren Fruchtkörper ist kaverniert, ähnlich dem Hohlstieltäubling Russula cavipes. Bei Russula pumila kommt noch ein deutliches Gilben des Stiels hinzu. Das Fleisch in Hut und Stiel ist sehr porös, anfangs weiß, später grauend und bei R. pumila zusätzlich etwas gilbend. Der Pilz ist geruchlos und schmeckt vorübergehend schärflich bis deutlich scharf.


Bild 4 – Der Grünerlen-Täubling Russula alnetorum am Fundort bei Grünerlen im Schwarzwald. Foto: Bernd Miggel.


Bernd Miggel

#2
Sporenstaubfarbe
Das frisch ausgefallene Sporenpulver ist weiß bis weißlich, Ia-b nach der Farbtafel in MARXMÜLLER, H. (2014).

Makrochemische Farbreaktionen

FeSO4 ergibt eine sehr schwache, graugelbliche Reaktion.


Bild 5
– Der Gilbende Erlentäubling Russula pumila am Fundort: auf feuchtem Boden bei Schwarzerlen in der Eifel. Foto: Karl Wehr.


Bernd Miggel

Mikroskopische Merkmale (weitgehend nach MARXMÜLLER, H. (2014))

Sporen (,,sp" in Bild 66): ellipsoid mit bis zu 0,7 µm hohen Warzen, die durch Grate oder feine Verbindungen teilnetzig bis netzig verbunden sind. Sporengröße:

7-9 x 6-7 µm (R. alnetorum)       7-11,2 (-13) x (6-) 7-8 (-9) µm (R. pumila)

Die Epikutis besteht aus Epikutishaaren und Pileozystiden. Die Epikutishaare (,,eh" in Bild 6) sind kurz- bis mittellanggliedrig, teils gewellt und bis etwa 5 µm breit. Die Pileozystiden (,,pz" in Bild 6) sind ein- bis dreizellig, bis 8 µm breit und in SBA grauend.



Bild 6 – Mikromerkmale des Grünerlen-Täublings R. alnetorum (linkes Bild) und des Gilbenden Erlentäublings R. pumila (rechtes Bild). Aus MARXMÜLLER, H. (2014).

Bernd Miggel

Zusammenfassung der Unterschiede zwischen
dem Grünerlen-Täubling (R. alnetorum) und dem Gilbenden Erlentäubling (R. pumila)


•    Habitat:
o    R. alnetorum: feuchte Grünerlengebüsche der Hochlagen
o    R. pumila: feuchte Zonen bei Grau- oder Schwarzerlen der Ebene
•    Grauen und Gilben der Fruchtkörper:
o    R. alnetorum: nur Grauen
o    R. pumila: Grauen und gleichzeitig Gilben
•    Sporengröße:
o    R. alnetorum: 7-9 x 6-7 µm
o    R. pumila: 7-11,2 (-13) x (6-) 7-8 (-9) µm

Notizen
•    Einige Autoren wie auch das Index Fungorum synonymisieren Russula pumila mit Russula alnetorum. Ich bin hier allerdings der Auffassung von EINHELLINGER, A. (1985), Jahn, H. (1976), MARXMÜLLER, H. (2014), ROMAGNESI, H. (1985) sowie der Roten Liste Pilze Deutschlands (2016) gefolgt, die Russula pumila als eigenständige Art anerkennen.
•    Aus molekularbiologischer Sicht lassen sich nach Hampe (private Mitteilung) die beiden Taxa Russula alnetorum und Russula pumila klar auseinanderhalten, was auch in MARXMÜLLER, H. (2014) auf Seite 681 zum Ausdruck gebracht wird.

Ähnliche Täublinge
•    Der Milde Wachstäubling (Russula puellaris) ist ebenfalls klein und gebrechlich. Doch bei ihm gilbt der gesamte Fruchtkörper, und die Hutfarbe enthält keine Violettanteile. Außerdem ist er im Geschmack völlig mild und geht keine Mykorrhiza mit Erlen ein.
•    Der Wechselfarbige Speitäubling (Russula fragilis) ist ebenfalls klein, jedoch nicht derart gebrechlich wie die Erlentäublinge. Außerdem riecht er deutlich nach Früchtebonbons, schmeckt immer deutlich scharf und geht keine Mykorrhiza mit Erlen ein.

Literatur
•    EINHELLINGER, A. (1985): Die Gattung Russula in Bayern. Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 43: Nr. 6 (R. alnetorum), Nr. 117 (R. pumila).
•    GALLI, R. (1996): Le Russule: 212-213.
•    JAHN, H. (1976) – R. pumila, Westf. Pilzbriefe Bd. 10/11 (R. pumila).
•    MARXMÜLLER, H. (2014): Russularum Icones: 358-361.
•    ROMAGNESI, H. (1985): Les Russules d' Europe et d'Afrique du Nord. Neudruck der Ausgabe von 1967 mit Ergänzungen: 479-480 (R. alnetorum), 1012-1013 (R. pumila).
•    https://de.wikipedia.org/wiki/Erlen-T%C3%A4ubling
(abgerufen am 13.9.2023).
•    https://www.speciesfungorum.org/Names/SynSpecies.asp?RecordID=305347
(abgerufen am 13.9.2023).
•    https://fundkorb.de/pilze/russula-alnetorum-gr%C3%BCnerlen-t%C3%A4ubling

Viel Freude beim Anschauen!
Bernd



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