Negativer Phasenkontrast - Anoptralkontrast

Begonnen von Apochromat, November 26, 2023, 11:03:48 VORMITTAG

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A. Büschlen

Hallo,

ich lese mit viel Interesse in diesem Thread mit. Dabei beschäftigt mich die Frage: Welche Objekte dienten den Entwicklern als Testpräparate?

Gruss Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

purkinje

Hallo Michael,

ich fang mal von hinten an
ZitatInteressant finde ich, dass Du schreibst, das REICHERT keinen ,,Ruß" zur Herstellung der Anoptralkontrast- Ringe benutzt hatte. Das ist auch nicht zwingend notwendig. Die Materialien wurden selbstverständlich von den Herstellern niemals publiziert. Weißt Du da mehr darüber?
Ja, goldhaltig, die Farbe des Rings ist auch recht typisch (ich habe mal Hirnschnitte  "vergoldet"), habe nach der Referenz suchen müssen
Bildschirmfoto.jpg
(v. Duijn 1990  3. Internat. Mikroskopietage in Hagen)

Auch ich hatte vorsichtige Zweifel an der theoretischen "Herleitung" von Barone bei der Interpretation seiner Befunde. Andererseits finde ich bei der Craticula den Kontrast schon deutlich besser zugunsten des Anoptrals (wie o.g. wird jedoch Lomo PHA mit PH verglichen), aber bei bestimmten Diatomeen kann es halt immer irgendwelche Gitter-, Interferenz- oder Polarisationseffekte geben, welche die Verallgemeinerung erschweren können. Mit Stauroneis fand ich im Vergleich den Anoptral jetzt nicht zwingend besser.

Ich muss ja als alter Leitz-Fan auch zugeben, dass der CZO Phako sehr schön ist auch wenn ich ihn nur aus vergangenen Tagen in Form von höherwertigen Objektiven erinnere. Bei meiner privaten alten Leitz Zernike Phako Einrichtung findet sich als Fremdgänger "nur" ein CZ Plan PH 63/0,9 welches ich sehr schätze  8)
Beste Grüße Stefan 

Apochromat

#17
Hallo Stefan,

hast Du noch -oder Jürgen Stahlschmidt- wenn der hier mitliest- den ganzen Aufschrieb dieses Vortrags? Jürgen hat mir mal einen Link zu den ganzen Tagungsprotokollen geschickt. Den finde ich aber gerade nicht.

Das mit dem Gold ist ganz plausibel, wenn auch ungewöhnlich. Vor allem, dass das irgendwie an die Öffentlichkeit kam, zu einer Zeit, in der es REICHERT ja noch gab. Mit den aufgedampften "Antireflexschichten" wird die Phasenverschiebung mitbewirkt.

Der Rest seiner Beschreibung ist etwas "verschwurbelt" also viel zu kompliziert (meist ein Zeichen dafür, dass der Sachverhalt doch nicht so ganz verstanden wurde, sonst würde man es gleich allgemeinverständlich erklären, finde ich immer :) )

Ich übersetze das mal in einfache Sprache: Der ideale Ort für die Lage des Ph- Ringes ist immer die hintere Brennebene des Objektivs. Die ist optisch exakt zu der vorderen Kondensor- Brennebene, in der die Phasen- Ringblende liegt, konjugiert. In der hinteren Brennebene des Objektivs ist das "primäre Interferenzbild n. Abbe", wir sagen heute das Beugungsbild von Objekt- und Lichtquellenlicht am stärksten getrennt. Dieses Beugungsbild enthält alle auflösbaren Objektinformationen (daher dort als Fourierebene bezeichnet). Manchmal ist es aus konstruktiven Gründen nicht möglich in diese Ebene Dinge einzubringen (z.B. Phasenringe), beispielsweise weil dort eine Linse sitzt, die man nicht "wegrechnen", also verlegen kann. Dann kommt der Ph- Ring in die nächsterreichbare freie Kittfläche. Das kann man für sich einfach feststellen, indem man mit einem Hilfsmikroskop oder einer Bertrandlinse auf die Phasenringblende im Kondensor scharf stellt. Die liegt immer in der vorderen Kondensor- Brennebene. Ist der Phasenring nicht gleichzeitig annähernd scharf und muss das Hilfsmikroskop zu seiner besten Abbildung merklich umfokussiert werden, liegt der Ph- Ring nicht exakt in der hinteren Objektiv- Brennebene. Das ist öfters der Fall als man denkt. Und für diese Abweichung gibt es zulässige Grenzwerte. Aber es wäre schon sehr ungewöhnlich, einen Ph- Ring "absichtlich" bei allen Objektivbrennweiten immer in die Nähe der Frontlinse zu bringen. Das führt zu Bildstörungen, Reflexproblemen, Streulicht etc. Die Absorption des REICHERT Anoptralkontrast- Ringes war geringer als die meiner CZO- Einrichtung, weil der Anoptral- Ph- Ring ja schmaler ist, als der negative Ph- Ring der 160 mm Optik bei CZO. Der Bildhintergrund ist aber heller als bei meinem negativen CZO- Phasenkontrast. Und die Absorption der negativen Ph- Ringe der 160 mm Objektive von CZO kenne ich. Das mit den 95% kann also nicht stimmen.

Ich habe mich nur gewundert, woher der Herr v. Duijn das alles damals wusste. Würde mich heute interessieren.

Du hattest mal im Forum Bilder von Deinen wunderschönen Vergoldungen gezeigt. Tolle Präparate :)

LG
Michael

Apochromat

Zitat von: A. Büschlen in November 29, 2023, 19:46:42 NACHMITTAGSHallo,

ich lese mit viel Interesse in diesem Thread mit. Dabei beschäftigt mich die Frage: Welche Objekte dienten den Entwicklern als Testpräparate?

Gruss Arnold Büschlen

Hallo Arnold,

ich will Dir die Frage einmal so beantworten: Wenn Du die Bildleistung eines Objektivs/ Systems etc. visuell und ohne weitere Messhilfsmittel beurteilen musst, dann nimmst Du ein Dir sehr gut bekanntes Objekt und schaust Dir die Abbildung der darin enthaltenen, feinsten Strukturen unter den verschiedenen Bedingungen an und erhältst so ein sehr gutes Urteil.

So würde ich vorgehen.

LG
Michael

purkinje

Hallo Michael,
die Vergoldungen hier waren leider nicht von mir, aber die waren spitze!

Ich hatte das mit dem Gold (und wohl Kryolith) bei Reicherts mal vor Jahrzehnten gehört, auf diese Referenz bin ich erst sehr viel später gestoßen.
In dem Mikroskopie Aufsatz von Wilska steht ja, dass Reichert anderes Material als Ruß verwendete, also das kann man wohl eher ausschließen.
Bei Pluta und PZO war das wohl anders, der verwendete Ruß ja auch beim Amplitudenkontrast.
Und um mal Indizien zu sammeln:
v. Duijn wohnte in Zeist - ich denke bei nedoptifa in Zeist gab es schon auch Wissen oder Ahnungen wie man Phasenringe machen kann. Immerhin ging dort Zernike auch mal ein und aus...
Beste Grüße Stefan   

Apochromat

#20
Hallo Stefan,

wenn der Herr v. Duijn in Zeist bei NEDOPTIFA gearbeitet hat, stimmt das mit dem Gold. Die Firmen haben sich da früher auch mal ausgetauscht. Weil sich die Menschen in dieser kleinen Welt ja alle kannten. Ich habe über NEDOPTIFA nur ein paar Unterlagen auf Niederländisch. War da nicht irgendwo im Forum auch eine Verlinkung. Ich erinnere mich an ein Foto auf dem eine angemalte Hauswand in Utrecht and diese Fabrik erinnerte.  Frits Zernike hat ja mit denen auch viele Phasenkontrast- Spielarten gebaut, die es nur dort gab. Und das schon, als er bereits mit Carl Zeiss in Jena zusammenarbeitete. Die Mikroskope von NEDOPTIFA haben sich aber niemals gegen die starke deutsche und österreichische Konkurrenz behaupten können.

Die Bezeichnung Kryolith, eine Aluminiumfluoridverbindung (Na3AlF6) -wurde auch tatsächlich benutzt, aber eben nicht nur diese- ist aber nur eine gerne nach Außen und in der Literatur angegebene Sammelbezeichnung für phasenverschiebende Schichten.

LG
Michael

PiusX

Lieber Apochromat,

mit Interesse habe ich alle Mitteilungen in diesem Thread gelesen. Über etwas bin ich mir zum Schluß aber nicht mehr so sicher: Kann es sein, daß Du u.a. in einer Deiner Mitteilungen geschrieben hast, daß bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall positiver Phasenkontrast und nur ausnahmsweise negativer Phasenkontrast verwendet wird!?
Ich habe nämlich bis jetzt immer genau umgekehrt gedacht, daß bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall negativer Phasenkontrast eingesetzt wird. Habe ich Dich hier richtig verstanden und es wird bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall positiver Phasenkontrast verwendet?

Über eine Klarstellung Deinerseits diesbezüglich würde ich mich freuen.


Lieben Gruß

PiusX 

Apochromat

Hallo PiusX,

die Objektive für negativen Phasenkopntrast sind stets die Sonderausführungen, die Normalausführung war immer die für positiven Phasenkontrast.

LG

Michael