Meine EC-Karte - Magnetooptischer Sensor unter dem Mikroskop

Begonnen von witweb, November 26, 2023, 11:34:23 VORMITTAG

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witweb

Hallo zusammen

Horst Wörmann hat kürzlich bei der Videokonferenz ,,Mikroskopie Hagen" eine hochinteressante Präsentation zum Thema ,,Mikroskopische Streifzüge auf unseren Banknoten" gehalten.
Unter anderem hat Horst dabei erläutert, dass es magnetisch codierte Bereiche auf Banknoten gibt, die man, entsprechende Sensoren vorausgesetzt, sichtbar machen kann. Einige Beispiele hat Horst auch gezeigt. Faszinierend. Magnetfelder im Lichtmikroskop. Toll.  :)
Soweit zur Vorgeschichte.
Die Matesy GmbH stellt solche Sensoren her und setzt diese auch in verschiedenen Geräten ein. Ich verwende für meine Versuche einen Sensor vom Typ A, das ist der empfindlichste aus dem Sortiment. Mein Sensorplättchen ist nur 5x3 mm groß, es gibt aber deutlich größere, u.a. für die Anwendungen, die Matesy im Programm hat.

Hier ist das Funktionsprinzip zu erkennen:

Screenshot 2023-11-25 185950.jpg

Eine detaillierte Beschreibung zum physikalischen Hintergrund und den Sensoren gibt es hier: mos_de_202106_druck_db-2.pdf

Neben den schon erwähnten Banknoten, gäbe es sicher einiges, was man untersuchen könnte. Da sind Disketten, Festplatten, Audio- und Video-Kassetten und EC- und Kundenkarten mit Magnetstreifen.
Da ich Disketten schon lange nicht mehr verwende und auch eine defekte Festplatte erst vor kurzem in den Elektroschrott gewandert ist, muss ich erst mal schauen, wo ich noch Versuchsobjekte herbekomme. Eine EURO-Banknote hätte ich ja noch ...
Ich will auch mal sehen, was ich noch an Scheinen als Mitbringsel von Auslandsreisen habe und dann schauen, was geht.
Für erste Versuche habe ich deshalb eine alte EC-Karte zerschnitten und auf einen Objektträger geklebt. Als Mikroskop verwende ich mein Orthoplan mit Hellfeld-Auflicht (Danke Diana!) und Polarisator/Analysator.

MO-Sensor-1.jpg
Orthoplan HF-AL POL-1.jpg

Hier sind die ersten Aufnahmen von verschiedenen Stellen des Magnetstreifens. Gut zu erkennen ist die magnetische Codierung. Die unterschiedlichen Farben resultieren aus der Stellung von Polarisator und Retarder.

MO-Sensor 1.1 AL-POL BB = 4,5 mm.jpg
MO-Sensor 1.2 AL-POL BB = 4,5 mm.jpg
MO-Sensor 1.3 AL-POL BB = 4,5 mm.jpg

Bilder: Hellfeld-Auflicht, polarisiertes Licht, Bildbreite ca. 4,5 mm.

Viel Freude beim Anschauen. Fortsetzung folgt.


Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
Lomo Biolam, Motic SMZ-168
Canon EOS 750D
https://mikrokristalle.net
https://www.youtube.com/@Mikrokristalle

Jürgen Boschert

Hallo Michael,

sehr interessant!

In welcher preislichen Größenordnung bewegen sich denn die Sensoren?
Beste Grüße !

JB

witweb

Hallo Jürgen,

sagen wir es mal so. Ein Schnäppchen sind die Sensoren nicht. Man muss das Thema schon mögen ...

Zunächst hatte ich bei Matesy, dann über Google nach Preisen gesucht. Bei GMW (USA) bin ich dann fündig geworden. Dort wird der kleinste Sensor vom Typ A mit einer Größe von 8x8 mm² für 690 $ angeboten. Das zur Orientierung.
Mein Teilchen hat ja nur 5x3 mm² und kostet dementsprechend weniger. Diese Größe gibt es aber nicht von der Stange. Das muss man im konkreten Fall bei Matesy direkt anfragen. Sind aber sehr nette Leute dort in Jena!

Beste Grüße

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
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witweb

Hier noch ein Ausschnitt des Magnetstreifens einer Kundenkarte. Auch schon älter und geschunden, wohl daher die Fehler auf der Oberfläche.

MO-Sensor 3.1 AL-POL BB = 4,5 mm.jpg

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
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Jürgen Boschert

Beste Grüße !

JB

hugojun

Hallo Michael (witweb) ,

diese interessanten Chips habe ich auch für mein Hobby entdeckt .

Falls du es noch nicht gelesen hast:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=44352.msg327398#msg327398

LG
Jürgen

Horst Wörmann

Liebe Magnetforscher,

da mein Name nun mal genannt wurde: auf dieser MKB-Seite habe ich einiges dazu verzapft: "Visualisierung von Magnetfeldern im Mikroskop", samt ein paar Bildern, etwas Theorie sowie einem anderen (deutlich billigeren!) Verfahren mit Magnetfluids, das aber andere Informationen liefert.
Michael, viel Erfolg bei Deinen weiteren Forschungen! Im Idealfall müßte der Analysator drehbar sein, hast Du die Möglichkeit?

Viele Grüße aus Bonn
Horst 

Florian D.

Hallo Zusammen,

die Firma Matesky sollte uns eigentlich noch was dafür zahlen, dass wir diese Chips verwenden, wir sind ja schliesslich Influencer! :-)

Viele Grüsse
Florian

Horst Wörmann

Hallo Florian,

tun sie aber nicht. Ich habe mir für den MKB-Artikel von Matesy die Verwendung ihrer Bilder genehmigen lassen, auf die Veröffentlichung hingewiesen und dabei natürlich um einen weiteren Sensor gebettelt, es kam aber leider nix  :( .
Viele Grüße
Horst

witweb

Hallo zusammen,

@Jürgen - Deinen Beitrag kannte ich tatsächlich noch nicht, habe ich wohl wegen des speziellen Mineralien-Themas nicht weiter verfolgt. Aber sehr interessant!

@Horst - Nein, alles ist drehbar, nur der Analysator leider nicht. Deinen Beitrag auf der MKB-Seite kannte ich noch nicht. Da werde ich mal versuchen, alles nachzuarbeiten. Danke!

@Florian – genau!

Viele Grüße

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
Lomo Biolam, Motic SMZ-168
Canon EOS 750D
https://mikrokristalle.net
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witweb


Hallo zusammen,

nur am Rande, ich hatte vor einiger Zeit schon einmal etwas zu Mikroskop und Magnetismus geschrieben. Dabei ging um Ferrofluid. Das kostet nicht soviel wie diese MO-Sensoren und verspricht darüber hinaus Spaß für die ganze Familie. Da geht auch viel ohne Mikroskop. :)

Wer mal schauen will: Spielereien mit Ferrofluid

EB F2.7.jpg

Viele Grüße

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
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witweb

Hallo zusammen,

es ist mir doch noch gelungen eine 5,25-Zoll Diskette aufzutreiben, leider ohne Etikett/Beschriftung. Hier sind zwei Aufnahmen der Spuren.

MO-Sensor 4.1 AL-POL BB = 2,8 mm.jpg
Bildbreite 2,8 mm

MO-Sensor 4.2 AL-POL BB =0,8 mm.jpg
Bildbreite 0,8 mm

Wie bei den anderen Aufnahmen auch, sind die Mäanderdomänen zu erkennen. Horst hat die Domänen-Struktur dieser Sensoren sehr gut auf der MKB-Seite erklärt.

Versuche mit einer 3,5-Zoll Diskette haben bisher nichts gebracht, die Diskette war wohl nicht formatiert. Ich bekomme aber demnächst nochmal zwei Stück, eine DD 720 kB formatiert (Amiga)  und eine HD 1,44 MB. Dann schauen wir weiter.

Viele Grüße

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
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Horst Wörmann

Hallo Michael,
nicht verzagen, auch an einer 3,5"-Diskette kann man die Spuren mit dem A-Sensor erkennen:



Das ist aber schon ziemlich an der Auflösungsgrenze des Sensors, da stören die Mäander doch gewaltig. Bei den Festplatten aus einem Laufwerk ist nichts mehr zu sehen.

Viele Grüße
Horst

witweb

Hallo Horst,

das lässt ja hoffen.
Du hast recht, da kommt der Sensor schon an die Auflösungsgrenze. Dann spare ich mir mal das Zerlegen einer HD.

Das Bild hier zeigt die Magnetisierung des Bands einer Audiokassette.

MO-Sensor 5 AL-POL BB = 5,1 mm.jpg

Der Sensor überdeckt die ganze Breite des Bands. Oben ist die bespielte Spur (mono) zu erkennen.
Die Aufzeichnung ist 43 Jahre alt und besteht, wie unschwer zu erkennen, aus Babygeschrei.

Viele Grüße

Michael
Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
Lomo Biolam, Motic SMZ-168
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mikrowastl

Vorstelllung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=33417.0
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