Ein verfrühtes Osterei - Ophryoglena

Begonnen von KayZed, Januar 26, 2024, 11:52:50 VORMITTAG

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KayZed

Liebe Tümplerfreunde,

heute möchte ich mal einen Blick auf den Osterei-Ciliaten Ophryoglena werfen.

In einer spätherbstlichen Teichkultur befanden sich viele Daphnien, die mit der Zeit abstarben. Auch am schwimmenden Deckglas klebte eine Wasserflohleiche. Im Inneren tummelten sich einige ovale Ciliaten, die offensichtlich die Daphnie ausweideten.

Die Wimpertiere drehten sich ständig um die eigene Achse und waren prall gefüllt mit Nahrungsvakuolen, sodass zunächst kaum Details erkennbar waren. Es musste sich offenkundig um den histophagen Ciliaten Ophryoglena handeln. Dieser gehört zur eher kleinen Gruppe der Aasfresser unter den Wimpertieren, die sich vor allem von toten Kleinkrebsen ernähren.

Ophryoglena besitzt einen recht komplexen Lebenszyklus (Näheres dazu in Mikrokosmos Nr. 89 6-2000). Eine Artbestimmung ist bei Ophryoglenen besonders in vollgefressenem Zustand (Trophonten-Stadium) sehr schwierig. Am ehesten würde ich meine Exemplare als O. atra, den Osterei-Ciliaten, ansprechen. Die sehr ähnliche O. flava ist etwas länglicher mit spitz zulaufendem Hinterende.

Mit etwas Glück gelang es mir ein schwimmendes "Osterei" zu isolieren und unter einem Deckglas leicht einzuklemmen. So konnte ich die interessante Morphologie etwas genauer unter die Lupe nehmen. In sehr detaillierter Weise hat das zu O. flava schon mal Martin Kreutz ( hier )getan.

Im DIK 100 ließen sich die beiden Kontraktilen Vakuolen, der langgezogene Makronukleus und vor allem der eigenwillige Oralapparat gut studieren. Bekannterweise hat das Mundfeld die Form einer 6 und verfügt über ein besonderes Organell, als "Uhrglaskörper" oder Lieberkühn'sches Organell bezeichnet. Die Funktion dieses nierenförmigen, kristallin wirkenden Körpers war lange Zeit unklar. Inzwischen deutet sich an, dass es wohl der Licht-Orientierung dient, da auf der konvexen Innenseite Photorezeptor-Moleküle gefunden wurden. Als Aasfresser verfügt Ophryoglena ohnehin über ein komplexes Wahrnehmungs-Sensorium, um seine Beute möglichst schnell und effektiv aufzuspüren (Näheres dazu in Mikrokosmos Nr. 90 1-2001).

Hier nun zwei Aufnahmen mit und ohne Beschriftung:





Der komplexe Mundtrichter erscheint am eindrucksvollsten auf der folgenden Filmaufnahme, in der man die Arbeitsweise der spiralig nach innen verlaufenden, undulierenden Membrane beobachten kann.


Viel Spass
Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Mikro-Tom0805

#1
Hallo Klaus,
toller Beitrag mit tollen Fotos+Video....Klasse!
Das mit dem "Lieberkühn'sches Organell " war mir gar nicht bekannt, wieder was dazugelernt !

Gruß Tom
Zeiss Axioskop 20 LED
HF, Ph, DF, Pol., DIC
Sony alpha 6500

SNoK / Stephan Krall

Lieber Klaus,

sehr schöne Aufnahmen. Besonders im Video ist das Lieberkühn'sches Organell sehr gut zu sehen, klasse!

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

KayZed

Hallo Tom und Stephan,

danke für euer lobendes Feedback.
Es freut mich, dass ihr an meinem Beitrag Gefallen findet.

Liebe Grüße
Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Jürgen Boschert

Hallo Klaus,

wundervoller Beitrag und super Aufnahmen. Danke!
Beste Grüße !

JB

purkinje

Hallo Klaus,

wunderbare Bilder und den super Film hab ich mir bildschirmfüllend angesehen.
Beste Grüße Stefan

KayZed

Hallo Stefan und Jürgen,

auch euch beiden ein herzliches Dankeschön, dass ihr am "Osterei" Gefallen findet.

Es sind übrigens nicht alle lichtmikroskopischen Details erkennbar. So finden sich in der Pellikula feine Extrusome. Außerdem zeigen die Kontraktilen Vakuolen dünne Zufuhrkanäle. Letztere konnte ich trotz der vielen Nahrungsvakuolen mal kurz ausmachen.

LG Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

KayZed

Hallo zusammen,

ich habe ganz vergessen nach nach der großen Vakuole zu fragen.
Ophryoglena besitzt offenkundig zwei Kontraktile Vakuolen. Sie befinden sich in etwa an den beiden Enden des länglichen Makronukleus, im zweiten Bild erkennbar.

Aber was hat es mit der großen Vakuole(?) auf sich? Sie ist offensichtlich nicht kontraktil, weil sie immer gleich groß war und sich nie entleerte. Vielleicht gibt es jemand, der die Funktion dieses Gebildes erklären kann.

LG Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7