Hauptmenü

Prototaxites

Begonnen von Florian D., März 09, 2024, 14:34:49 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

jcs

Hallo Florian,

sehr interessante Aufnahmen! Es ist schon erstaunlich, wie lange wichtige Informationen über den Aufbau dieser Organismen erhalten bleiben!

Kannst Du sagen, woher die dunkle Färbung der Cosmochlaina im dritten Bild herrührt? Hat das mit einer abweichenden Elementzusammensetzung zu tun?
LG
Jürgen

Florian D.

Hallo Jürgen,

die Cosmochlaina ist auch bei optischer Beobachtung schwarz. Das Fossil ist wohl stark inkohlt. Kohlenstoff hat eine niedrige Ordnungszahl im vergleich mit dem umliegenden Silizium im Quarz, so dass das Fossil auch im REM dunkel erscheint.

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

Glückauf,

recht interessant ist dieser deutsche Artikel von Richard Kräusel, einem frühen Spezialisten devonischer Pflanzen:


https://www.gd.nrw.de/pdf/Band_12_Palaeobotanische_kohlenpetrographische_und_geochemische_Beitraege_zur_Stratigraphie_und_Kohlengenese.pdf

Seiten 25-38. Er enthält auch einen Schlüssel zur Unterscheidung der Prototaxitesarten. Kräusel hat um 1930 die ersten Prototaxitesfunde in Deutschland dokumentiert. Dieser Artikel von 1964, worin er sich insbesondere dem von Altmeyer gefundenen Material widmet, dürfte einer seiner letzten Arbeiten gewesen sein (gestorben 1968).

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

Am Wochenende nahm ich an einer kleinen Exkursion teil. Als ich meinen Hammer vorbereitete, war die Überraschung groß, dass sich in dem Beutel noch einige schöne Fundstücke mit Prototaxites und Pachytheca fanden. Anbei einige Bilder einer kleinen Pachytheca, von der nur die "Rinde" erhalten ist, in dieser aber die Schläuche gut erhalten sind. Aufgenommen im Auflicht mit gekreuzten Polarisatoren mit 5x und 10x. Gestackt mit Bildabstand 5 mikrometer.

Viele Grüsse
Florian

Pachytheca_klein.jpg
Pachythecax10.jpg
Pachythecax10Stereo.jpg

Florian D.

In einem schönen Stück Rhynie Chert aus Schottland bei Krantz erworben, meine ich jetzt Reste eines weiteren Nematophyten gefunden zu haben: Nematoplexus rhyniensis.
Dabei handelt es sich um lose Hyphenknäuel, von denen einige ringförmige Wandelemente, wie in einigen Tracheen von Pflanzen aufweisen.
Die Bilder wurden mit dem 32x Auflicht Ölobjektiv aufgenommen. Damit lässt sich gut durch die angeschliffene Oberfläche mikroskopieren ohne das Streuung und Reflexionen stören würden. Die Bilder sind erst mal nur ein Schnappschuss.
Nematoplexus.JPG
Nematoplexus2.JPG

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

Hallo Florian,
die "Nematophyten" sind eine sehr problematische Gruppe, von der niemand so genau weiß, was das denn wohl mal war. Leider kann ich im Moment noch keine Bilder von Dir sehen, aber die kommen bestimmt noch.

Ich hänge hier mal noch zwei ältere Auflicht-Fotos an aus Anschliffen:
04-RH9-86-1-grosserKnoten-Stak.jpg

05-RH9-86-1kleinerKnoten.jpg

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Gerd Schmahl

#96
Hallo Florian,
jetzt sehe ich Deine Bilder auch. Ja, das sind sie, die ich auch schon fotografiert haben, aber recht kleine Bruchstücke.
Hier gibt es weitere schöne Fotos, aber die Deutungen sind mit viel Vorsicht zu genießen.

Hier noch ein 3-D-Bild:
AusschnittSpirale3D.jpg

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Florian D.

Gerd, mit welcher Ausrüstung hast Du die Photos erstellt? Ich habe inzwischen auch einige der grossen Spiralen gefunden, die sind aber nicht so photogen wie deine. Mit Picolay bekomme ich auch keine sonderlich schönen Stacks, wahrscheinlich aufgrund des geringen Kontrasts.

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

Hallo Florian,
das weiß ich nicht mehr ganz genau. Die meisten Fotos habe ich mit dem Nf+Auflichteinheit erstellt, einige auch mit dem VERTIVAL (beide Zeiss-Jena), natürlich als AL-Dunkelfeld. Die Objektive und Spiegelkondensoren waren aber immer die gleichen. Vor allem kam der 15er Apochromat von CZJ zum Einsatz.

Entscheidend ist aber der Anschliff selber, ob das Material relativ klar oder eher milchig ist.
Die helleren Stücke, wie dieses

... erlauben meist tiefere Einblicke, als dunklere wie dieses:


LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

purkinje

#99
Hallo,
als sonst stiller interessierter Mitleser dieses schönen Fadens ein Literaturhinweis:
Prototaxites fossils are structurally and chemically distinct from extinct and extant Fungi Science Adv. v. 21.1.26
Kurzfassung im Standard: Rätselhafte phallusförmige Fossilien könnten von einer unbekannten Lebensform stammen
Beste Grüße Stefan

Florian D.

Danke Stefan,

ja, dazu gab es im Frühjahr schon ein Preprint. In den Supplementary material gibt es ein Excel File mit vielen mikroskopischen Bildern. Da bekommt man mal ein Gefühl, wie die Sachen so aussehen.

Viele Grüsse
Florian

hugojun

Hallo Florian,
ich freue mich für dich, dass endlich mal Schwung in die Sache kommt.
Deine anfängliche Bemühungen, Vergleichsmaterial in Form von qualitativ brauchbaren Bildern ausfindig zu machen, verlief ja eher schleppend.
Mir ist leider völlig unklar, wie ich aus den Excel Dateien, Bilddateien bekomme?
lG
Jürgen


rlu

#102
Hallo,

für Interessierte - doch kein Pilz, Alge, Pflanze oder Tier?
"Es ist was ganz eigenes und das macht das Ganze so fazinierend"



"Wenn wir da weit erkommen, dann erlangen wir deutlich mehr Verständnis über die Entwicklung des Lebens und über die Urzeit damals vor 400 Millionen Jahren."

Liebe Grüße
Rudolf

Florian D.

Zitat von: rlu in Februar 12, 2026, 00:17:14 VORMITTAG"Wenn wir da weit erkommen, dann erlangen wir deutlich mehr Verständnis über die Entwicklung des Lebens und über die Urzeit damals vor 400 Millionen Jahren

So isses, Rudolf

Leider repetiert dieses Video doch recht kritiklos die Behauptungen aus dem bereits oben genannten Artikel von Loron et al.

Viele Grüße
Florian

Florian D.

#104
Glückauf Forum (sagen das eigentlich auch die Paläontologen? Oder nur die Geologen?),

warum heisst Prototaxites eigentlich Prototaxites?
Das führt uns zu einem Gelehrtenstreit des 19. Jahrhunderts vom Feinsten.
Der Erstbeschreiber (Dawson) der Prototaxitesfossilien aus Gaspé in Kanada war überzeugt davon, ein frühes Nadelholz vor sich zu haben, das insbesondere Eibenholz (Taxus) gleichen sollte. Dafür wurde er heftig von dem Biologen Carruthers angegriffen, der sogar einen neuen Artnamen (Nematophycus) aufstellte und P. für eine Alge hielt. Die Geschichte findet sich, mit Dawsons Originalbildern z. B. in dem fundamentalen  Artikel von Hueber.
Nachdem ich in einem anderen Thread schon fossiles Nadelholz gezeigt habe, wollte ich jetzt auch mal rezente Eibe vergleichen. In A. Schwankl, Welches Holz ist das? fand ich auch eine Probe Eibenfurnier, die ich hier mit dem Ultropak U-O-22 Objektiv und Reliefkondensor abgelichtet habe. Bilder gestackt.
Letztes Bild in 3d.

pystk#4_sup1.jpg
pyrecy_zax40_pd1_vie3_x0_y0_z0.jpg

Man sieht hier, dass die Tracheiden spiralige Verdickungen zeigen. Bei anderen Nadelhölzern sieht man das meistens nur im Primarxylem. Auch ich habe in Post #82 die "Bindehypen" ja zunächst für Spiraltracheiden gehalten. Interessanterweise findet man in anderen Nematophyten (vergleiche oben die Bilder von Nematoplexus) und sogar anderen Prototaxitesarten Röhren, die ebenfalls spiralige Verdickungen aufweisen.


Viele Grüsse
Florian

PS: Irgendwie sind die Bilder trotz Stackings gruselig schlecht geworden. Ich habe hier https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=53365.0 nochmal verschiedene Auflichttechniken verglichen. Man erkennt deutlich die Querfelder und auch Hoftüpfel, die es bei Prototaxites nicht gibt.